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Türchen 24: Spiel gegen Manndeckung

Von Judah Davies

Theorie

Für das heutige Türchen befinde ich mich in der relativ seltenen Situation, dass ich einen Artikel über ein Thema schreiben kann, mit dem ich mich bereits extensiv im Rahmen eines Taktiktheorie-Artikels auseinandergesetzt habe.

Deshalb befasst sich der heutige Beitrag fast ausschließlich mit der praktischen Umsetzung jener Konzepte, die ich bereits im vorherigen Artikel auf detaillierte Art und Weise erläutert hatte.

Grundlegendes Design

Um den Spielern beizubringen, wie sie sich gegen Manndeckung verhalten sollen, müssen wir zunächst eine Trainingsumgebung kreieren, in der entsprechende Fähigkeiten notwendig sind. Zunächst müssen wir uns dann also entscheiden, wie wir dies tun.

Die hauptsächliche Variable, die hier von Bedeutung ist, stellt die Anzahl an Spielern dar – vor allem das Spiel in Gleichzahl gewinnt an Bedeutung. Dadurch wird schließlich automatisch mannorientiertes Verteidigen impliziert oder es gibt zumindest einmal eine hohe Anzahl individueller Duelle.

Kleine Spielform

Aus methodischer Sicht finde ich es gerade beim Fokus auf Aspekte der Positionierung und Bewegung sinnvoll, zunächst in kleineren Spielformen zu trainieren. Beim Kreieren dieser Spielformen ist es das Ziel nur so viele Spieler wie nötig zu nutzen, während so viel wie möglich vom taktischen Kontext der zu treffenden Entscheidungen übrigbleibt.

Stehen weniger Mitspieler zur Verfügung, geraten die Positionierung jedes einzelnen Spielers sowie entsprechende passende Bewegungen in den Vordergrund. Andererseits würden solche Übungen gar nicht erst funktionieren. Gibt es mehr Mitspieler, könnte man sich demgegenüber eher darauf verlassen, dass die Mitspieler sich richtig verhalten. Das kann den Lerneffekt mindern.

Die Spieler an den beiden Stirnseiten müssen in ihrer jeweiligen Endzone bleiben. Selbiges gilt für die beiden Spieler in der Mittelzone. Die grundsätzliche Idee ist es, den Ball immer wieder von einer Endzone in die andere zu bringen, indem der Spieler in der Mitte dabei genutzt wird. Das kann in Form eines Dribblings des mittleren Spielers oder aber auch mit einer Ablage und anschließendem direkten Spiel von Endzone zu Endzone bewerkstelligt werden.

Der Kontext hinter dem Übungsdesign war es, das Verhalten des gedeckten Spielers zu trainieren, wenn er sich vor dem Ball befinden und der ballführende Spieler Zeit und Raum zur Verfügung hat.

Dieser taktische Bezug wird im Prinzip durch drei Faktoren abgebildet: Erstens darf der Verteidiger die Spieler in den Endzonen nicht attackieren, zweitens muss der zentrale Spieler im Laufe eines Spielzuges berühren und drittens gibt es stets eine klare (wenn auch wechselnde) Spielrichtung.

Da der Verteidiger den jeweiligen Endspieler nicht pressen darf und den Angriff nicht bereits im Keim ersticken kann, muss er sich darauf fokussieren, das Duell in der Mittelzone zu gewinnen. Weiterhin weiß auch der Verteidiger natürlich, dass der Ball im Laufe des Angriffs beim Mittelspieler landen muss, sodass er den Passweg zu diesem blockieren kann.

Da es das Ziel der Angreifer ist, in die gegenüberliegende Endzone zu kommen, tendiert der Verteidiger natürlicherweise dazu, „torseitig“ zu verteidigen. Die Kombination dieser drei Faktoren führt dazu, dass der Verteidiger seinen Gegenspieler in der Regel eng deckt. Es geht ihm dabei vor allem darum, flüssiges Spiel durch die Mittelzone zu verhindern und dort anschließend das Aufdrehen zu verhindern, wenn der zentrale Spieler an den Ball kommt.

Bewegungsmuster

“Stehe entfernt vom Ball. Lasse dich so spät wie möglich zurückfallen und ändere deine Richtung, falls der Gegenspieler dir folgt, bevor der Ball gespielt wurde“

Innerhalb dieser simplen Übung können viele fundamentale Verhaltensweisen trainiert werden, bei denen alle Spieler mehrere Wiederholungen in einem ähnlichen taktischen Kontext bekommen.

Zunächst ist die Bewegung des Mittelspielers, um sich von seinem Bewacher abzusetzen, von entscheidender Bedeutung. Da der ballführende Spieler Zeit und Raum am Ball hat, muss die erste Bewegung weg vom Ball erfolgen, damit man nicht selbst als Mitspieler diese Faktoren reduziert.

Im Prinzip muss der zentrale Spieler eine Situation erzeugen, in welcher der Abstand zwischen ihm und dem Ball kürzer als oder gleich lang ist wie der Abstand zwischen ihm und dem Gegenspieler. Doppelbewegungen sind dementsprechend eine logische Folge.

Allerdings spielt hier das Timing des Spielers, der seine Bewegung variiert eine entscheidende Rolle. Lässt er sich in Richtung Ball zurückfallen und der Gegenspieler folgt ihm, bevor der Pass gespielt wurde, dann hat der Verteidiger eine gute Möglichkeit, ihn direkt mit dem ersten Kontakt unter Druck zu setzen oder sogar den Ball mittels Vorverteidigen abzufangen.

Eine solche Situation kann also ein gutes Signal für den zentralen Spieler sein, um seine Bewegungsrichtung zu ändern und den Verteidiger wieder wegzuziehen, bevor sich ein passender Moment zum erneuten Zurückfallen ergibt.

Natürlich muss der ballführende Spieler sich dieser Situation ebenfalls bewusst sein, damit Situationen vermieden werden können, in denen ein Pass gespielt wird, obwohl der angedachte Passempfänger gerade seine Bewegungsrichtung ändert.

Analyse: Ist der Spieler nicht in der Lage dazu, den Abstand zwischen sich und dem Gegenspieler ausreichend in Relation zum Ball ausreichend zu vergrößern?

Mögliche Probleme:

  • Kein signifikanter Tempowechsel zwischen der ersten und der zweiten Bewegung
  • Kein klares Signal für Mitspieler; Bewegen, um sich zu bewegen, anstatt Bewegen, um den Gegenspieler loszuwerden
Muster bei der Ballan- und -mitnahme

“Wisse stets, von wo der Gegenspieler dich attackiert und halte deinen Körper zwischen ihm und dem Ball“

Nachdem er sich vom Gegenspieler gelöst hat und der Pass zu ihm unterwegs ist, wird es nun entscheidend, wie gut der Spieler den Ball an- und mitnehmen kann.

Der erste Aspekt hierbei ist die Wahrnehmung der Position des Gegenspielers und die Richtung, aus welcher dieser Druck macht. Dies determiniert, wie erfolgreich die Aktion des Ballempfängers sein kann. Kann der Gegenspieler nicht gleichzeitig mit oder noch vor dem Ball ankommen, sollte Zentrumsspieler automatisch versuchen, aufzudrehen.

Kommt der Gegenspieler in vollem Tempo angelaufen, so kann dieses Momentum ebenfalls mit einer einfachen Drehung gegen ihn verwendet werden.

Befindet sich der Gegenspieler in unmittelbarer Nähe, so ist die Körperstellung zum Abschirmen des Balls entscheidend. In solchen Situationen, sollte die Ballan- und -mitnahme mit dem gegnerentfernten Fuß das nutzen des Standbeins, des Rumpfes sowie der Arme als „Schutzschild“ erlauben. Der Angreifer versucht, seinen Vorteil von der Ballseite auf die andere Seite des Verteidigers zu verlagern.

Das ist auch eine entscheidende Information für den Endspieler, der den Ball passt. Die Art des Zuspiels kann dem Mitspieler Informationen über das Verhalten des Gegenspielers geben.

Beispielsweise sollte ein scharfes Zuspiel auf den weiter vom Ball entfernten Fuß darauf hindeuten, dass es Raum zum Aufdrehen gibt. Ein diagonales Zuspiel auf eine Seite des Spielfeldes sollte dem Ballempfänger verraten, dass der Gegenspieler sich von der anderen Seite nähert.

Analyse. Ist der Spieler nicht in der Lage dazu, den Ball so an- und mitzunehmen, dass die nächste Aktion gut vorbereitet wird?

Mögliche Probleme:

  • Fehlende Anpassung in Bezug darauf, von welcher Seite der Verteidiger Druck ausübt
  • Kein “Schutzschild” zwischen Ball und Gegner
  • Ballan- und -mitnahme mit hinterem Fuß, obwohl der Gegner sich in der Nähe befindet

Wenn der Gegner weit weg ist oder wenn er im Vollsprint ankommt, kann man damit verhältnismäßig einfach umgehen. Es entsteht jedoch ein anderes, komplexeres Problem, wenn der Gegenspieler früh, aber behutsam folgt, da er besser darauf vorbereitet ist, ein Aufdrehen zu verteidigen.

In diesem Fall muss der Angreifer den Gegenspieler so manipulieren, dass der Raum ballseitig von diesem vergrößert wird oder er ihn in eine engere Deckung lockt. Ein Weg, um dies zu tun, wäre es eine Drehung in eine Richtung anzutäuschen, indem man am Ball vorbeitritt, bevor anschließend das Aufdrehen in die andere Richtung erfolgt.

Bewegung nach erfolgter Aktion

“Öffne den längsten Passweg und passe dich so an, dass du dies unterstützt“

Wenn der Angreifer den Ball an- und mitnimmt, kommt der Gegenspieler manchmal in kontrolliertem Tempo angelaufen, um unmittelbar Druck auf den ersten Kontakt auszuüben. Ein Aufdrehen wird in diesem Fall zu riskant und auch die Manipulation des Gegenspielers wird im kurzen zur Verfügung stehenden Zeitfenster schwierig.

In solchen Situationen stellt eine Ablage zurück zum Endspieler bei anschließender Anpassung der eigenen Position eine gute Option dar.

Durch das Anpassen der eigenen Position nach der Ablage kann der Angreifer ein Problem für den Gegenspieler erzeugen. Der direkte Pass zwischen den Endspielern ist nun möglich, wodurch eine weitere Option verteidigt werden muss.

Abhängig von der Entscheidung des Verteidigers kann dies wiederum mehr Zeit für den zentralen Spieler bei gleichzeitig besserem Blickfeld bedeuten. Entscheidend ist hier allerdings, dass er sich auf einer anderen Linie als der ballentfernte Endspieler bewegt. Dadurch wird der zu verteidigende Raum maximiert.

Jedoch ist es ebenso wichtig zu wissen, dass der Job für den Zentrumsspieler nicht erledigt ist, wenn der Ball von einer Endzone in die andere gepasst wird. Während der Ball noch herüberrollt, muss er bereits seine Position so anpassen, dass er direkt den nächsten Pass bekommen kann. Dieser kann dann nämlich nicht mehr unmittelbar zurück in die andere Endzone gespielt werden.

Analyse: Gibt es Schwierigkeiten bei der Spielfortsetzung nach erfolgter Ablage?

Mögliche Probleme:

  • Kein ausreichend großer Abstand zwischen ballentferntem Endspieler und Zentrumsspieler
  • Unzureichendes “Verdecken” des Passes durch den Ballführenden

Zusätzliche Spieler und erhöhte Komplexität

Positionsspiele (mit drei Mannschaften)

Positionsspiele mit drei Mannschaften erzeugen ebenfalls eine Gleichzahl und somit die Notwendigkeit, sich einer Manndeckung zu entziehen. Allerdings werden durch eine zusätzliche Gruppe von Spielern außerhalb des Feldes zusätzlich Möglichkeiten zum gruppentaktischen Bespielen von Manndeckung geschaffen.

Die Außenspieler können dem Spiel eine Richtung geben, indem das Ziel beispielsweise ist, den Ball stets durch das eng gedeckte Zentrum von einer Endzone in die andere zu befördern.

Natürlich werden weiterhin die fundamentalen Aspekte benötigt, die in der kleinräumigen Spielform erarbeitet wurden, werden nun jedoch unter höherem Druck angewendet. Diese Bewegungen müssen nun zusätzlich auf gruppentaktischer Ebene koordiniert werden. Es gibt einige spezielle gruppentaktische Methoden, die in diesen Spielen besonders gut trainiert werden können.

„Attackiere den Raum, den die Bewegung deines Mitspielers öffnet”

Den direktesten Weg nutzen und anschließende Ablagen

“Wenn ein Team Mann gegen Mann verteidigt, dann musst du viel mit dem Stürmer spielen“ – Pep Guardiola im Mai 2017

Mit nunmehr einigen Spielern innerhalb des Spielfeldes muss eine Staffelung gefunden werden, die es erlaubt, dass stets der Passweg zum am weitesten entfernten Spieler offenbleibt. Der Ballführende sollte auch stets danach Ausschau halten, den Ball genau dorthin zu spielen, wann immer dies möglich ist.

Befindet sich der Ball vor mannorientiert agierenden Verteidigern, dann positionierten sie sich so, dass sie sowohl ihn als auch den Angreifer vor ihnen im Blick behalten. Allerdings müssen sie sich unweigerlich drehen, sobald der Ball hinter sie gespielt wird. Ansonsten würden sie ihn eben nicht mehr sehen.

Der Moment, in dem die Manndecker sich drehen, öffnet ein kurzes Fenster, in dem sich die Spieler der Ballbesitzmannschaft in deren Rücken drehen und somit zum freien Spieler werden können.

Das ist eine sinnvolle Orientierung für das Timing von einer Bewegung zur Unterstützung eines tiefen Passes. Ebenso hilft das Prinzip: „Öffne den weitestmöglichen Passweg und passe deine Position an, um ein Zuspiel dorthin zu unterstützen“

Positionswechsel und Gegenbewegungen

Da sich nun Mitspieler innerhalb des Spielfeldes befinden, ergibt sich die Möglichkeit, Positionswechsel zu üben, in deren Folger der jeweilige Gegenspieler abgeschüttelt werden kann. Wenn ein gedeckter Spieler eine Bewegung startet, so ist er kurzzeitig frei, während der Gegenspieler noch darauf reagiert.

Wenn dieser kurzzeitig freie Spieler zu einem anderen Gegenspieler geht, der einen Angreifer deckt, so ergibt sich eine kurzzeitige Situation, die einem 2 gegen 1 ähnlich ist. Hieraus ziehen Positionswechsel ihre Effektivität.

Weiterhin ist es allerdings auch möglich, dass man sich einfach bewegt, um einen bestimmten Raum freizumachen, damit ein Mitspieler diesen besetzen kann. Dabei finde ich beim Coaching das zuvor erwähnte Prinzip „Attackiere den Raum, den die Bewegung deines Mitspielers öffnet” hilfreich, um klarzumachen, dass eine initiale Bewegung als Trigger für in der Nähe befindliche Mitspieler dient.

Ablagenspiel über den Dritten

Die meisten Formen der Manndeckung sehen vor, dass weiter vorne mit einem Spieler Unterzahl gepresst wird, damit näher zum eigenen Tor eine Überzahl bestehen kann. Dementsprechend ist es üblich, dass Stürmer im Pressing den Passweg zwischen den Verteidigern des Aufbauteams zu blockieren versuchen, während alle vor dem Ball befindlichen Spielern eng gedeckt werden.

Um ein effektives Aufbauspiel zu haben, ist es für eine Mannschaft notwendig, in für sie passenden Momenten vorzustoßen und nicht, wenn der Gegner sie dazu zwingt. In solchen Momenten brauchen die Verteidiger dann praktisch „Wandpässe“ um den Ball untereinander hin- und herzuspielen, wenn die Situation noch nicht passend für einen Vorstoß ist.

“Halte dich vom Ball entfernt“: Wenn der freie Spieler, den Ball nach vorne treiben kann, sollten seine Teamkameraden sich von ihm entfernt halten, um den Raum für Dribblings zu vergrößern

„Lasse dich so spät wie möglich zurückfallen“: Allerdings muss eine Option für den ballführenden Spieler angeboten werden, sobald ernsthaft Druck auf ihn ausgeübt wird. Hierfür muss einer der Mitspieler sich zum Kreieren einer Passoption zurückfallen lassen.

Beispiele für Positionsspiele (mit drei Mannschaften)

Bi-direktionales 5 gegen 3

Diese Spielform wurde mir gezeigt von Alex Lawrence.
Die Pfeile zeigen die Richtung, in welche die jeweilige Mannschaft spielt, wenn sie sich in
Ballbesitz befindet.
Die äußeren Spieler verfügen über zwei Kontakte und können sich nicht untereinander anspielen.

Dieses Spiel und seine Regeln sind besonders hilfreich, um Positionswechsel zu trainieren, die einen freien Spieler innerhalb des Feldes erzeugen. Da die äußeren Spieler sich den Ball nicht gegenseitig zuspielen können, muss die ballbesitzende Mannschaft einen freien Spieler im Zentrum finden.

Gleichzeitig müssen die äußeren Spieler mit zwei Kontakten agieren, was die Spieler innerhalb des Feldes zu schnellen und effektiven Bewegungen gegen die Manndeckung des Gegners zwingt.

Daraus folgt: Je schneller der Ballführende einen Pass in das Feld hinein spielt, desto effektiver war vermutlich die vorherige Freilaufbewegung seiner dort befindlichen Mitspieler.

Der ursprüngliche zentrale Spieler bewegt sich nach außen und zieht seinen Gegenspieler mit sich. Dadurch öffnet er das Zentrum für den vorherigen äußeren Spieler, der sich zurückfallen lassen kann, um den Ball zu bekommen. Ein klares Beispiel für das Prinzip: „Attackiere den Raum, den die Bewegung deines Mitspielers öffnet”.

Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg dieses Positionswechsels ist das Timing des Passes vonseiten des ballführenden Spielers. Er muss spät genug erfolgen, dass der Gegenspieler den ersten Lauf verfolgt, aber früh genug, dass er noch nicht auf die folgende zurückfallende Bewegung reagiert hat.

Eine Variation der vorherigen Spielform mit Minitoren.
Die äußeren Spieler dürfen sich nun gegenseitig den Ball zupassen.
In dem Moment, wenn der äußere Spieler zwischen den beiden Minitoren den Ball bekommt, hat seine Mannschaft insgesamt drei Kontakte, um ein Tor zu erzielen.
Wenn dies einem Team gelingt, startet das Spiel erneut von deren anderem äußeren Spieler.

Das Hinzufügen von Toren sowie die Möglichkeit, zwischen den äußeren Spielern hin- und herzupassen, verändert die typischen Verhaltensweisen innerhalb der Spielform. Der Fokus verschiebt sich logischerweise dahingehend, dass nun eine Staffelung gefunden werden muss, die den Passweg zum Spieler zwischen den beiden Toren dauerhaft offenhält.

Weiterhin erzwingt die Kontaktbegrenzung vor dem Torabschluss schnelle Unterstützungsbewegungen der Mitspieler, nachdem ein Pass in die Tiefe gespielt wurde. Bewegt sich ein Angreifer so, dass der äußere Spieler mit einem Kontakt zu ihm klatschen lassen kann, so hat er nun seinerseits mehrere Möglichkeiten: Abschluss mit zwei Kontakten oder ein weiterer One-Touch-Pass. Muss der äußere Spieler hingegen zwei Kontakte nehmen, ist der nächste Spieler dazu gezwungen, selbst unmittelbar mit einem Kontakt abzuschließen.

Der zentrale Spieler bewegt sich tiefer und breiter, um den Passweg zum Spieler zwischen den Minitoren zu öffnen, um anschließend seinen Lauf so fortzusetzen, dass er direkt für eine Ablage zur Verfügung steht.

Gleichzeitig läuft der tiefste Spieler auf der ballfernen Seite so, dass er sich mit hohem Tempo ebenfalls für eine Ablage verfügbar macht, „Öffne den weitestmöglichen Passweg und passe deine Position an, um ein Zuspiel dorthin zu unterstützen“

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Effektivität dessen ist die Gewichtung der Ablage selbst. Um passend klatschen zu lassen, muss der äußere Spieler das Tempo, mit dem seine Mitspieler eintreffen, korrekt einschätzen.

Für einen mit hohem Tempo unterstützenden Spieler, wird der Ball idealerweise leicht gestoppt und dessen eigene Geschwindigkeit verringert. Kommt der Mitspieler allerdings eher langsam zur Hilfe, muss die Ablage entsprechend schärfer gespielt werden.

4 gegen 4 plus 4 mit Endzonen

Blau gegen Rot in der Mitte, die neutralen Grünen spielen für die Mannschaft, die sich in Ballbesitz befindet.
Die Neutralen verfügen über zwei Kontakte und können sich den Ball nicht untereinander zuspielen.
Die ballentfernten Endspieler können ins Zentrum rotieren.
Nach einer Verlagerung über eine Ablage, kann der angespielte Aufbauspieler in die Mittelzone hineindribbeln.

Dieses Spiel und seine Regeln erzeugen eine gute Basis, um Ablagen für Verlagerung zu nutzen und zeitgleich „Andribbeln“ zur Erzeugung einer Überzahl im Mittelfeld zu nutzen.

Die Aufbauspieler dürfen sich den Ball zu Beginn nicht untereinander zuspielen, da die meisten manndeckenden Gegner dies in Person des Stürmers häufig unterbinden. Also müssen die Spieler in der Mittelzone sich entweder schnell freilaufen, um eine unmittelbare Spielfortsetzung zu ermöglichen oder sie verlagern auf den anderen Aufbauspieler in derselben Zone.

Nach einem “Wandpass” darf der nun ballführende Spieler ins Mittelfeld vorrücken, wodurch entweder einer der Manndecker auf ihn vorrückt oder der Passweg auf die andere Seite ihm offensteht.

Das Prinzip “Halte dich vom Ball entfernt und lasse dich so spät wie möglich zurückfallen“ ist hier von herausragender Bedeutung, um nach dem Dribbling effektiv vorstoßen zu können. Indem die Mitspieler nicht in Richtung des Balles zurückfallen, wird der Raum für das Andribbeln vergrößert.

Der am weitesten entfernte Zentrumsspieler bewegt sich nur nach hinten, wenn der dribbelnde Spieler unter Druck gerät. Zusätzlich hielt sich der neue „freie Spieler“ etwas entfernt vom Ball auf und befindet sich nunmehr in einer guten Position für eine effektive Spielfortsetzung.

Um das Potential des andribbelnden Aufbauspielers voll auszuschöpfen, gibt es zusätzlich ein paar weitere wichtige Faktoren:

Da er innerhalb der Endzone lediglich über zwei Kontakte verfügt, ist es von überragender Bedeutung, dass er bereits seinen ersten Kontakt in Richtung des freien Raumes nimmt. Im Anschluss ist es dann wichtig, die Reaktion der Gegenspieler zu beobachten – ob sie ihn anlaufen oder nicht, ist entscheidend für die Folgeaktion.

Die zentralen Spieler müssen dies wahrnehmen. Wird der dribbelnde Aufbauspieler nicht attackiert, so müssen sie sich so positionieren, dass die Passwege in die gegenüberliegende Endzone offenbleiben.

Wird der dribbelnde Aufbauspieler allerdings attackiert, müssen sie erkennen, welche Passoption der herausrückende Gegenspieler abdeckt und einen alternativen Weg finden, um diese zu nutzen.

9 gegen 9

Die Grenze zum letzten Drittel dient als Abseitslinie.

Diese Spielform gestattet es, alle zuvor behandelten Aspekte gleichzeitig zu trainieren. Die zuvor verwendeten Prinzipien dienen weiterhin als Richtlinie für das Durchspielen effektiver Abläufe. Es gibt dabei jedoch auch noch ein entscheidendes zusätzliches Element: Hinter die letzte Linie des Gegners kommen.

Neben “Wandpässen” können jetzt auch Rückpässe zum Torhüter als Mittel zur Verlagerung genutzt werden, bevor ein passender Moment gefunden wird, um sich im Aufbau nach vorne zu bewegen.

Weiterhin ist es wichtig die tiefstmögliche Option zu öffnen. Nur wenn der andribbelnde Spieler sich tatsächlich unter Druck befindet, sollen die Mitspieler „so spät wie möglich zurückfallen“.

Der Schlüssel, um hinter die Kette des Gegners zu gelangen, sind die Bewegungen, nachdem der Pass an die letzte Linie gespielt wurde. Die Entscheidung des Flügelspielers, wohin er sich bewegt, stellt meiner Meinung nach einen guten Trigger für Folgebewegungen dar.

Er könnte der Regel folgen: „Attackiere den Raum, den die Bewegung deines Mitspielers öffnet”, indem er diagonal den Raum anläuft, den der Stürmer durch sein Zurückfallen zuvor geöffnet hatte. Der Achter könnte dann im Gegenzug den freien Raum am Flügel auffüllen.

Alternativ kann der Flügelspieler sich dafür entscheiden, weiterhin breit zu bleiben. Nunmehr sind es die Achter, die sich so bewegen, dass sie eine Ablage verwerten und diese auf den Flügelspieler weiterleiten können. Sie können allerdings auch selbst bis hinter die Kette durchlaufen. Angewandtes Prinzip: „Öffne den längsten Passweg und passe dich so an, dass du dies unterstützt“.

Es gibt natürlich viele weitere mögliche Bewegungsabläufe, die sich aus den etablierten Prinzipien ableiten lassen. Es ließen sich sicherlich auch noch weitere, spezifischere Prinzipien hierfür finden.

Fazit

Im Fazit meines Theorie-Artikels schrieb ich 2017:

“Ein interessanter Punkt ist, wie die reaktive Natur der Manndeckung proaktive Aktionen der angreifenden Mannschaft erzwingt. Um Manndeckung effektiv zu besiegen, müssen sowohl die Bewegungen als auch die Aktionen am Ball oftmals manipulativ sein.

Um dies effektiv tun zu können, benötigt die angreifende Mannschaft „Vorwissen“ über die Situationen, welche ihre Bewegungen und Aktionen voraussichtlich kreieren werden. Dieses (vorauseilende) Bewusstsein wird große Vorteile mit sich bringen, wenn um das Ausnutzen der resultierenden Situationen geht.“

Das Kreieren des gruppentaktischen “Vorwissens“ vonseiten der Spieler steht im Mittelpunkt, wenn man das Spiel gegen Manndeckung effektiv coachen möchte.

Dabei ist es insbesondere wichtig, das konstante Lesen von und Anpassen an Entscheidungen des Gegners hervorzuheben und einzufordern, anstatt bloß vorgefertigte Abläufe abzuspulen, die meistens effektiv sind.