Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

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Türchen 18: Diagonalität

von Alex Belinger

Das Thema Diagonalität im Fußball kann mehrere Bereiche umfassen, etwa das Passspiel und das Dribbling, aber auch das Bewegungsspiel und die Raumstruktur. Auf die ersten beiden Bereiche möchte ich kurz theoretisch eingehen und dann zeigen, wie ich sie in Spielformen mit meiner U17-Mannschaft beachte.

Diagonales Passspiel

Wozu dient ein Pass überhaupt? Um einerseits in Ballbesitz zu bleiben, sofern ein Dribbling nicht mehr möglich ist, und um sich andererseits so weit wie möglich dem gegnerischen Tor zu nähern. Dabei ist es wesentlich zu beachten, dass das Tor im Zentrum des Spielfeldes steht und der Fortschritt, welcher durch Pässe erzielt wird, immer in Relation zum Tor und nicht nur zum Spielfeld betrachtet werden sollte.

Dadurch bringt ein diagonaler Pass vom Flügel ins Zentrum oder in den Halbraum den Ball oft näher Richtung Tor als ein vertikaler Pass, welcher den Ball lediglich näher zur Grundlinie führt. Diagonale Pässe eignen sich so etwa gut dafür, die Flügelzonen zu nutzen – damit der Gegner eine höhere Breite zu verteidigen hat und sich möglicherweise Räume im Zentrum öffnen – und den Ball dann wieder in strategisch wertvollere Zonen zurückzubringen.

Ob ein vertikales, ein horizontales oder ein diagonales Zuspiel vorteilhaft ist, hängt somit unter anderem stark von der Zone der jeweiligen Situation ab. Diagonales Passspiel kann allerdings auf interessante Weise die Vorteile von vertikalen und horizontalen Pässen kombinieren.

Vorteil von vertikalen Pässen ist der zumeist hohe Raumgewinn. Als Nachteile sind vor allem der Druck sowie die Stellung des Passempfängers zu nennen. Sofern es sich nicht um einen Steilpass handelt, werden vertikale Pässe mit dem Rücken zum gegnerischen Tor empfangen, was ein gutes Umblickverhalten (bzw. zumindest passende Kommunikation der Mitspieler) und häufig auch die Nutzung von Ablagen erfordert.

Zudem ist der Druck bei vertikalen Zuspielen oft hoch, da der Ball trotz des Passes in der gleichen Zone bleibt, was etwa speziell nach Dribblings des Passgebers schädlich sein kann.

Das Verlagern der Zone ist ein Vorteil des horizontales Passspiel, welchen Diagonalität allerdings auch nutzt. Das Problem der geschlossenen Stellung von vertikalen Zuspielen ist bei diagonalen Zuspielen weitaus geringer. Der Passwinkel erlaubt eine offenere Stellung, die ein schnelleres Aufdrehen ermöglicht und diese erleichtert wiederum das Umblickverhalten, da der Blick fast schon automatisch beim Empfangen des Balles nach vorne gerichtet ist.

Diagonales Dribbling

Die Kombination von Vorteilen der Vertikalität und Horizontalität gilt auch für das diagonale Dribbling. Hervorzuheben sind vor allem die Zuordnungsschwierigkeit und das schwierige Rausrückverhalten für den Gegner. Gerade bei sonst eher linear agierenden Spielern, wie etwa vielen Außenverteidigern, können diagonale Dribblings für überraschende Momente sorgen.

Spielform

Diese Spielform habe ich mit meiner Mannschaft durchgeführt, als wir mit einer 4-2-3-1-Grundformation gespielt haben. Ziel war es, im Training am Spielaufbau über die beiden defensiven Mittelfeldspieler zu arbeiten, wofür mir die Themen diagonales Passspiel und offene Stellung wichtig waren. Die Spielform ist dabei eine Adaption eines Dreizonenspiel mit drei Mannschaften.

Regeln:

  • Drei Zonen werden gemäß der Abbildung aufgebaut
  • Drei Mannschaften zu je vier Spielern werden gebildet (weiß, gelb, rot)
  • Zusätzlich agieren zwei defensive Mittelfeldspieler als Joker in der Mittelzone (schwarz)
  • Der Ball muss über einen der beiden Joker in die andere Endzone verlagert werden
  • Eine direkte Verlagerung in die andere Endzone ist nicht vorgesehen
  • Erobern die Verteidiger in Unterzahl den Ball, dann müssen sie einen Joker oder den Verteidiger in der Mittelzone anspielen. Gelingt dies, wechselt die Verteidigungsmannschaft.

Durch die 2vs1-Situation in der Mittelzone werden diagonale Zuspiele nicht erzwungen, allerdings sind diese sehr oft notwendig und vorteilhaft. Wie vorhin bereits angesprochen ist der Druck bei vertikalen Zuspielen oft sehr hoch. In der Übung orientiert sich der Verteidiger der Mittelzone üblicherweise am ballnahen Joker, ballfern ist mehr Raum verfügbar.

Zudem ist in geschlossener Stellung die Spielfortsetzung in die andere Endzone erschwert. Einerseits kann der Verteidiger der Mittelzone Druck ausüben und ein Aufdrehen verhindern. Andererseits erleicht eine offenere Stellung das Erkennen der Position des Verteidigers in der anderen Endzone.

Die Mittelzone ist zusätzlich unterteilt, damit das Besetzen von unterschiedlichen Linien in die Übung miteinbezogen wird. Die beiden Sechser sollten zunächst beide den höheren Teil der Mittelzone besetzen, der ballferne Sechser kann sich jedoch zurückfallen lassen, damit sich die Anbindung und der Winkel für ein Anspiel verbessert.

Um das Bewusstsein für die Bedeutung der Zuspiele auf die Sechser zu erhöhen (und damit es einfach eine Regel gibt, die Fehler der Joker berücksichtigt), zählen deren Fehler zu jener Mannschaft, die einen Joker angespielt hat.