Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

0

Türchen 8: Offene Räume andribbeln

von David Goigitzer

Dribbling wird, meistens, vor allem gegnerschlagend trainiert, oftmals in kleineren Übungen und Variation von 1v1-4v4. Selten ist das Andribbeln oder das Dribbling in den freien Raum Fokus einer Einheit. Im Adventskalender 2016 gab es ein gutes Beispiel, wie man vor allem das Andribbeln von Innenverteidigern passend trainieren kann. Mit meiner folgender Spielform soll die Ausbildung in diesem Fußballelement etwas allgemeiner und simpler gehalten werden.

 

Regeln

  • Blau versucht den Ball zu halten. Dabei darf man sich frei in den Kästchen positionieren.
  • Kontaktregel: Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Die einfachste ist wohl: Man darf mehr als 1 Kontakt nehmen, aber muss dafür in ein nächstes Kästchen dribbeln. Ansonsten kann direkt gespielt werden (je nach Spiellevel ist dies auch mit 2 Kontakten möglich).
  • Rot versucht den Ball zu gewinnen. Schaffen sie das, versuchen sie in eines der Minitore zu kontern.

 

Andribbeln

Den meisten Lesern dieses Blogs wird das Andribbeln, und womöglich auch die Wichtigkeit, bekannt sein. Dennoch möchte ich noch einmal ins Bewusstsein rufen, wie selten es eigentlich richtig eingebunden wird, und wie selten, vor allem Defensivspieler, die Möglichkeit zum Dribbeln in freie Räume erkennen. Da ich in meiner Arbeit jede Woche mehrere Fußballspiele der selben Liga analysiere, sehe ich immer wieder Situationen wo ich mir einfach denke „DRIBBEL DOCH“. Oftmals wird das Dribbeln in freie Räume nur genutzt, wenn sich keine andere Option bietet und man viel Zeit hat, zum Beispiel wenn der Gegner tief steht. Vor allem bei Verteidigern dauert das Erkennen der freien Räume zu lange, oftmals könnte man mit einem dynamischen ersten Kontakt viel Raum gut machen, den Gegner zum Pressing anlocken und Möglichkeiten kreieren, über den dritten Mann zu spielen. Durch Gespräche mit einigen Spielern habe ich herausgefunden, dass diese die Räume zum Andribbeln durchaus als solche erkennen, jedoch Angst vor Misserfolg der Folgeaktion haben. Dass sich, wenn sie den Gegner zum Pressing anlocken, die Mitspieler nicht passend anbieten, sodass man keine Anspielstation hat und den Ball in Folge verliert, oder wegschlagen muss. Aus diesen zwei Eckpunkten, also Wahrnehmung und Folgeaktion, entstehen auch die wichtigsten Coachingpunkte für diese Übung.

 

Coachingpunkte

Orientierung:

Für die Spieler ist stets ein Bewusstsein für die eigene Position, die der Mitspieler, offene Räume und die Position des Gegners essentiell. Mit einer offenen Körperposition kann hier oftmals schon ein wichtiger Schritt gesetzt werden, zusätzlich kommt dann noch das Vororientieren. Hierzu zählt der Schulterblick, jedoch vor allem auch der Blick in die Tiefe. In diesem Spiel soll gescannt werden, wo sich die Mitspieler für einen möglichen Direktpass befinden, sowie wo sich freie Räume zu Hineindribbeln ergeben. Im Idealfall findet all dies vor der Ballannahme statt, die Entscheidung soll, wenn der Ball kontrolliert wird, schon getroffen sein. Wird ein Direktpass gespielt, soll man sich sofort re-orientieren, um sich für einen Rückpass anzubieten und auch hier schon Bewusstsein für mögliche Folgeaktionen zu haben. Wird gedribbelt, soll dies möglichst in ein freies Quadrat passieren. Auch während dem Dribbling soll Orientierung passieren, der Blick sollte weg vom Ball und auf das Spielfeld gerichtet sein, um stets schnelle Entscheidungen treffen zu können.

 

Folgeaktion:  

Für eine erfolgreiche Folgeaktion, gehört, auf einem individualtaktischen Level, natürlich die vorhin genannte Orientierung dazu. Vor der Ballkontrolle, beziehungsweise vor und während dem Dribbling, schon Entscheidungen treffen zu können. Auf einem gruppentaktischen Niveau gehört hier vor allem das passende Anbieten einer Anspielstation dazu. Hierbei müssen die unterstützenden Spieler wissen, ob ihr Mitspieler am Ball dribbeln oder direkt passen will. Folgende Fragen stellen sich dann: „Ist mein Mitspieler unter Druck?“ und weiters: „Hat er Raum zum Dribbeln?“. Aus den Antworten zu diesen Fragen ergibt sich dann auch das eigene Freilaufverhalten. Ist er unter Druck und hat keinen Raum, muss sich anbietende Spieler näher kommen, um einen Direktpass zu empfangen. Hat der Ballführende Spieler Raum zum Dribbeln, soll sich der sich anbietende Spieler möglichst so anbieten, dass er:

A. Diesen Raum offen hält

B. So frei steht, dass er dann nach dem Dribbling des Mitspielers anspielbar ist.

Ein Spieler bewegt sich weg vom Gegner, um den Ball frei empfangen zu können und einen offenen Raum anzudribbeln.

Der Gegner verschiebt natürlich Richtung Ball. Um eine Folgeaktion für den dribbelnden Spieler zu ermöglichen, bewegt sich sein Mitspieler auf der Seite nach außen, geht weg vom Ballführenden, um ihm den Platz nicht zu nehmen. Antizipativ für die nächste Aktion, bewegt sich ein anderer Spieler ebenfalls in den freien Raum (nach “oben”, weg vom Ball.

Der Spieler auf der Seite hat den Ball erhalten, steht nun unter hohem Druck. Deswegen kommt der zentrale Spieler näher, um einen Direktpass zu bekommen. Der vorher dribbelnde Spieler verharrt in seiner Position und ist der dritte Mann, über ihn wird dann weg vom Druck gespielt. Jeder blaue Spieler hatte mit seiner Positionierung, (ob er wegging, blieb oder kam) seinen Anteil daran, dass dieses Pressing aufgelöst wurde.

Diese zwei Punkte beinhalten oftmals ein Halten der Position, oder zumindest der Distanz zum Mitspieler. Also auch in dieser Übung sind Prinzipien des Positionsspiels eingebaut. Das Anbieten hat hier also einen großen Stellenwert, und vor allem einen Fokus auf raumöffnende Bewegungen/Verharrungen.