Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

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Türchen 2: Suche nach dem weitest möglichen flachen Pass vorwärts

von David Goigitzer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regeln

  • Blau versucht ein Tor zu erzielen. Dies ist erst erlaubt, nachdem der Stürmer angespielt wurde und eine Ablage gespielt hat. Dann darf ein Angriff ausgeführt werden. Dieser darf aber nur zu dritt gespielt werden. Somit ergeben sich 3v2, 3v3 und 3v4 Angriffe auf das Tor.
  • Ein Tor zählt 1 Punkt. Schafft es Blau, einen Pass aus der eigenen Hälfte an den Stürmer anzubringen, und dessen Ablage kommt an, gibt es dafür 2 Punkte.
  • Wenn Rot den Ball gewinnt, können sie sofort auf die Minitore kontern. Das mittlere Tor, das weiter hinten steht, ist 3 Punkte wert, die anderen 1 Punkt.
  • Weder Blau, noch rot haben Bewegungseinschränkungen im Feld und dürfen sich frei bewegen.

Cruyff, Guardiola, Orientierung und Wahrnehmung

Die Suche nach dem weitest möglichen Pass ist ein Prinzip, von dem man schon von Pep Guardiola hörte, dass Johan Cruyff ihm dies stets mitgab. Er solle stets zu Romario blicken, bevor er den Ball bekam. So sah er das gesamte Spielfeld. Neben dem Überspielen von so vielen gegnerischen Linien wie möglich, ist auch dies eine wichtige Komponenten dieses Prinzips: stets den Überblick über das gesamte Feld zu haben.

In dieser Übung kommen mehrere Komponenten zusammen, die einen linienbrechenden Pass möglich machen. Zum einen ist dies die Vororientierung. Da diese oftmals von Trainern eingefordert wird, es jedoch selten tatsächliche Punkte gibt, an denen man sich orientieren soll, wird dreht sich zwar der Kopf, wahrgenommen wird jedoch nur wenig.

Die Minitore, sowie der hinter dem Feld postierte Stürmer, dienen als Orientierungspunkte für die Spieler, deren Position sie stets wissen sollten. Dies ermöglicht schnelle Entscheidungsausführung. Da die Minitore verschieden positioniert sind, und auch verschieden belohnt werden, wird auch hier die Orientierung zum weitesten Minitor impliziert.

Die Wahrnehmung des Spielfeldes, des Gegners und der Mitspieler geht dann auch ins nächste Ziel der Übung, das zumindest impliziert ist: Manipulation des Gegners. Dies ist zwar nicht das Hauptaugenmerk für diese Spielform, jedoch ist die Manipulation des Gegners mit Freilaufen ein hilfreiches Mittel, um den weitest entfernten Pass möglich zu lassen.

Wenn die Spieler das Bewusstsein für die eigenen Optionen haben, stellen sie keine Passwege mehr zueinander zu und öffnen sogar absichtlich welche zueinander. Dadurch, dass es keine Bewegungseinschränkungen für die Spieler gibt, ist auch die Mittellinie nur eine implizite Hilfe für die Positionierung. Der Zusatz zur Regel, dass die Ablage vom Stürmer nach einem Laserpass ankommen soll, verleitet die Spieler auch zu etwas passenderer Positionierung für das Empfangen von Ablagen.

Coachingpunkte

Die Vororientierung ist, wie bereits erwähnt, der wohl wichtigste Punkt für das Ausführen dieses Spielprinzips. Den Spielern soll als Hilfestellung eine offene Körperposition nahegelegt werden, zudem helfen Coachings wie „Habe stets im Blick: Wo ist der Stürmer/ das Minitor?“ Für alle beteiligten Spieler wird dann das Bewusstsein für die eigenen Verbindungen größer, die Struktur wird kohärenter und die Spieler können schon vor der Ballannahme Entscheidungen treffen.

Auch im Konter, vor allem für Rot, ist dieser Coachingpunkt sehr hilfreich. Wenn das mittlere Minitor frei ist, und man dies rechtzeitig erkennt, kann man schon von weiter entfernt 3 Punkte erzielen. Im 11v11 zeigen sich solche Situationen immer wieder bei Spielern wie Pjanic, Pirlo oder Anderen, die ihren in die Tiefe startenden Stürmer blitzschnell mit einem Pass finden können.

Das Freilaufen soll auf der einen Seite natürlich Raum für sich selbst schaffen, zum anderen kann es aber auch Passwege zu Mitspielern freiziehen. In dieser Übung sollte es das Ziel sein, den Stürmer von so weit wie möglich anspielen zu können, damit jener eine Ablage spielen kann. Somit lernen die Spieler, mehrere Schritte vorauszudenken und sich demnach passend zu bewegen.

Implizit ist natürlich auch das Ausspielen von Angriffen in Gleich- oder Unterzahl dabei. Je nach Aufnahmefähigkeit der Spieler (an diesem Tag) kann dies natürlich auch ein explizites Ziel sein. Genauso wie, vor allem für Blau, Gegenpressing nach Ballverlust wichtig ist, oder auch die Verteidigungsstaffelung von Rot. Je nach eigenem Ermessen können auch diese Sachen fokussierter gecoacht werden.