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Türchen 21: Gegendynamik

Von Jan-Gabriel Hartel

Das heutige Türchen des Adventskalenders beschäftigt sich mit einem Prinzip, das in dieser konkreten Formulierung meines Wissens noch nie verwendet wurde, gleichzeitig aber eines der fundamentalsten Konzepte des Spiels darstellt – Gegendynamik

Doch was ist Gegendynamik?

Der Begriff soll solche Aktionen bezeichnen, die die Laufdynamik eines einzelnen Gegenspielers beziehungsweise die Verschiebedynamik einer gesamten Mannschaft ausnutzen. Durch die Bewegung in eine Richtung öffnet man so nicht nur über Zeit Räume in seinem Rücken, sondern kann diese mit höherer Geschwindigkeit zudem schlechter wahrnehmen. Darüber hinaus sind Spieler nicht in der Lage, ihre Bewegungsrichtung unmittelbar zu wechseln, sodass ein statischer Spieler Vorteile beim Antritt in die entgegengesetzte Laufdynamik hat.

Im Wesentlichen ist dieses Konzept beim individualtaktischen Verhalten omnipräsent. Doppelbewegungen werden effektiver, wenn man den Gegenspieler mit seiner ersten Richtung in eine höhere Dynamik versetzen kann. Eine höhere Eigendynamik hat dabei keinen negativen Effekt, insofern die Beschleunigung beider Spieler ähnlich ist. Die Reaktionsgeschwindigkeit beim Verteidiger bleibt konstant, während der Abstand vom Gegner in dieser Zeit aber linear steigt.

Im Dribbling spielt der Einsatz von Finten – das Antäuschen von Bewegungen, um den Gegner in Dynamik zu versetzen – eine elementare Rolle. Ein Spieler wie Messi dribbelt häufig in einen Weg hinein, in welchem sich sein Gegenspieler nur kurz vorher noch befand, den dieser aber durch eine, gegen Messis Tempo nur schwierig zu kompensierende, Dynamik geöffnet hat. Die Bewegung des Ballführenden erfolgt auch hier gegendynamisch, unter Ausnutzung der Bewegung des Gegners.

Auch kollektive Beispiele für die Anwendung dieses Konzepts sind alles andere als rar gesät. Gegenkonter, das Anlocken gegnerischen Pressings und somit einer kollektiven Anlaufdynamik, Steil-Klatsch-Tief, ziehen ihre Effizienz zumindest teilweise aus der Nutzung von gegnerischen Dynamiken, die wiederum über Zeit Räume öffnen. Gleichzeitig (und in der Dynamik inhärenter) werden aber auch die Orientierung im Rücken sowie das Rückwärtspressing erschwert.

Ohne Frage: Offene Räume sind invariant über der angepeilten Aktion und daher ein mächtiges taktisches Konzept. Das Ziel dieses Artikels ist es dennoch, eine Interpretation der Gegendynamik und deren Bedeutung über das simple Öffnen und Bespielen von Räumen hinaus anzubieten.

Im Speziellen soll dafür die Aktion des gegendynamischen Doppelpasses eingeführt und deren Training in verschiedenen Formen dargelegt werden, bevor ein Ausblick auf mannschaftstaktische Nutzung der Gegendynamik folgt.

Pressingresistenz durch Gegendynamischen Doppelpass

Um Anwendungsszenarien von gegendynamischen Aktionen zu finden, muss man sich zunächst die Frage stellen, wann ein Gegner selbstständig und freiwillig, damit berechenbar, Dynamiken aufnimmt, während man selbst den Ball hat. Der Spielmoment, der dafür ins Auge fällt, ist sicherlich das Angriffspressing.

Die Logik im Angriffspressing ist einfach nachzuvollziehen. Der ballführende Spieler soll angelaufen werden, um begrenzte Zeit zur Auswahl und Durchführung seiner Aktionen zu haben. Durch die Bewegung des pressenden Stürmers aus einer tieferen Zone kann dieser mit seinem Körper einen zunehmend großen Winkel abdecken, in den flache Pässe verhindert werden. Diese beiden Aspekte sollen dafür genutzt werden, den Gegner zu einer erwartbaren Aktion zu zwingen, beispielweise einen langen Schlag, einen Pass auf die Außenbahn, oder in eine zuvor definierte Pressingfalle.

Im Folgenden soll eine Situation im tiefen Angriffspressing beschrieben werden, in der eine breite 2-3-2-3-Aufbaustaffelung aus einem 4-4-2 mit dem Ziel des Leitens auf die Außenbahn gepresst wird. In einer häufigen Interpretation dieses Spielmoments erfolgt das Pressing auf den ballführenden rechten Innenverteidiger durch den ballnahen Stürmer, der unter ständiger Abdeckung des Sechserraums einen leicht inneren (das heißt, den Horizontalpass schließenden) Bogen auf den Ballführenden anläuft.

Gleichzeitig orientiert der ballferne Stürmer sich stärker an der Position des alleinigen Sechsers, bleibt also tiefer und zentraler. Ballnaher Sechser und Flügelspieler orientieren sich derweil bereits stärker auf den ballnahen Achter und Außenverteidiger, versetzen sich leicht in Bewegung auf die Seite, um den Zugriff zu erleichtern und früher in einen Zweikampf zu kommen.

An dieser Stelle findet das Prinzip der Gegendynamik seine Anwendung. Diesem zufolge wird die Spielfortsetzung nun unter keinen Umständen auf die rechte Seite und somit in die Verschiebedynamik hinein, sondern nach links gesucht. Durch einen entsprechenden Pass kann die ballnah verschobene Mittelfeldkette genauso ausgenutzt werden wie die Dynamik des pressenden Stürmers.

Erstens könnte man einen Diagonalpass auf den ballfernen Außenverteidiger spielen, der allerdings lange unterwegs und damit für den Gegner berechenbar wäre. Zweitens könnte man den ballfernen Innenverteidiger als dritten Mann über ein Zurückfallen des ballnahen Achters anspielen.

Dieser Pass hätte allerdings ein unkompliziertes Pressing zu Folge, da nun in einer symmetrischen Staffelung auf den linken IV gepresst werden könnte, während auch der Pass durch die Position des ballfernen Stürmers nicht risikoarm ist.

Die dritte Möglichkeit ist die unkonventionellste, wenngleich die potenziell effektivste. Indem der Innenverteidiger möglichst kurz vor dem Zweikampf einen Pass ins Mittelfeld spielt, wo ein Achter für einen Wandpass zurückfällt, die Dynamik des Anlaufens spiegelt und in die entgegengesetzte Richtung startet, kann der Innenverteidiger nach Erhalten des Doppelpasses nicht nur den Raum hinter dem gegnerischen Stürmer, sondern auch die zumeist niedrigere Kompaktheit der zuvor ballfernen Seite ausnutzen.

Der Ertrag aus einer solchen Aktion hängt neben individualtaktischen Details (beispielsweise einem Starten des Innenverteidigers im Rücken des Stürmers, um dessen Wahrnehmung hinauszuzögern) in starkem Maße von ihrer Vorbereitung ab. Da ein Gegner, während der Ball beim zweiten Pass unterwegs ist, keinen Richtungswechsel befürchten muss, kann die Bewegung des Innenverteidigers bei diesem bereits angelaufen werden.

Durch passende Vorbereitung, die darauf abzielt, den Abstand vom im Doppelpass angepeilten Raum zu reduzieren – in diesem Fall durch ein Vorrücken des Sechsers – können die Wege verlängert, erschwerende Dynamiken aufgebaut und der Zugriff herausgezögert werden.

Wenn der Innenverteidiger nach dem Pass die Möglichkeit hat, den Ball zu kontrollieren, kann das Herausschieben der nun tieferen Gegners, in dieser Situation des linken Stürmers, abermals gegendynamisch ausgenutzt werden.

Zudem wird die Zuordnung für den Gegner durch die ungewohnte Lösung schwieriger. Es ist nicht selbstverständlich, dass nur ein Spieler herausschiebt. Da der Sechser zudem auch hoch steht, riskiert der Gegner nun mit jedem Herausrücken einen Spieler zu öffnen.

Weniger raumgreifend kann ein gegendynamischer Doppelpass auf kleinem Raum auch konservativ oder geradezu defensiv genutzt werden, indem der Pressingspieler umspielt, dessen Deckungsschatten irrelevant und die gegenüberliegende Seite zur Ballzirkulation anspielbar bleibt, ohne dass der Innenverteidiger deutlich hochschiebt.

Übungen

1. 4v2

Die erste Übung, welche ich zum Verständnis des grundlegenden Prinzips der Anwendung gegendynamischer Doppelpässe gegen einen nach außen leitenden Gegner auf niedrigem Leistungsniveau, oder zur Einführung des Konzepts anwenden würde, ist eine 4v2-Variation, bei der ein rechteckiges Feld von 12×10 Meter in sechs gleichgroße Zonen unterteilt wird.

Die Spieler der Ballbesitz-Mannschaft sollen sich dabei grundsätzlich an den Ecken positionieren, während die Verteidiger jeweils einen Streifen und somit drei Felder verteidigen. Kontertore werden mittig an den längeren Seiten des Feldes aufgestellt.

Die Mannschaft in Ballbesitz kann einen Punkt durch das erfolgreiche Spielen von 10 Pässen und zwei Punkte durch das Nutzen eines Doppelpasses gewinnen, wobei der erste Pass in einer seitlichen Zone gespielt und der Rückpass in der mittleren Zone angenommen wird. Nach Ballgewinn der Verteidiger entsteht ein uneingeschränktes 4v2, in dem die verteidigende Mannschaft durch Erzielen eines Tores 3 Punkte erhält. Die Spielform läuft 90 Sekunden lang, bevor ein Wechsel der Verteidiger erfolgt.

Durch die zentrale Positionierung des Verteidigers und die Einschränkung, sich lediglich in einer Hälfte bewegen zu können, wird ein Pressing von innen impliziert. Die durch aufeinanderfolgende Pässe gewonnenen Punkte sollen die Verteidiger davon abhalten, statisch die Mitte zu besetzen, während die Kontertore die Abdeckung der Mitte (in diesem Fall des Tores, welches sich im Spiel in der Lücke zwischen den Innenverteidigern befindet) im Umschalten vermitteln sollen.

Die wichtigste Punkteregel bezieht sich auf den Doppelpass mit Feldwechsel. Diese nämlich soll den Ballführenden dazu zwingen, ein Pressing des Verteidigers einzuladen, um sich folgend gegendynamisch in die offene Mitte zu bewegen. Neben der Bewegung, die im Rücken des Gegenspielers in höchstem Tempo erfolgen sollte, ist das Freilaufverhalten der Mitspieler auf der Gegenseite, insbesondere das Lösen kurz vor dem Pass, essentiell und ein wichtiger Coachingpunkt.

Die Schwierigkeit der Übung kann durch Kontaktlimits, einer veränderten Feldgröße oder dem Verbot von Horizontalpässen innerhalb einer Hälfte variiert werden. Da diese Spielform einen für die Spieler motivierenden Einstieg in das Prinzip liefern soll, würde ich allerdings einen Aufbau empfehlen, in dem die ballbesitzende Mannschaft viele Erfolgserlebnisse hat.

2. 2v1 auf 2v2

Um die Vorbereitung des Doppelpasses durch Raumöffnung einzuführen, lässt sich eine 3v3-Spielform auf ein in vier gleich große Zonen unterteiltes Spielfeld der Größe 12×20 Meter durchführen. In der vorderen Hälfte hat die ballbesitzende Mannschaft dabei eine 2v1-Überzahl, während die verteidigende Mannschaft diese in der hinteren Hälfte hat.

Das Ziel für beide Mannschaften ist es, in die auf der kurzen Seite aufgestellten Tore zu treffen. Bei Ballgewinn der verteidigenden Mannschaft entsteht ein uneingeschränktes 3v3 über das gesamte Feld. Nach Toren oder Aus startet das Spiel wieder im 2v1 in einer Hälfte. Insgesamt wird das Spiel für 2 Minuten durchgeführt, bevor eine Pause erfolgt.

Die Regel, welche das Spielprinzip aufgreifen soll, gestaltet sich dabei wie folgt. Zur Vorbereitung eines Doppelpasses mit Zonenwechsel darf der ballferne Spieler in die hintere Hälfte vorschieben und dort ein 2v2 erzeugen, welches nach Doppelpass und Anspiel in diese Hälfte ausgespielt werden kann.

Abermals ist bei dieser Form wichtig, dass der Ballführende das Pressing einlädt, um mit einem hohen dynamischen Vorteil mehr Zeit nach dem Zonenwechsel zu erhalten. Das Zurückfallen des höher postierten Spieles ist ebenfalls relevant, um den Doppelpass zu erlauben.

Im Speziellen sollte er sich dafür nicht in der Linie zu einem der beiden Tore postieren und die Verteidiger somit zu einer Entscheidung zwingen. Bewegen sie sich auf Spieler, können sie ein Tor öffnen, tun sie das nicht, bleibt der hoch postierte Spieler anspielbar.

Darüber hinaus sollte neben dem offensichtlichen Nutzen des ballfernen Aufrückens auf den Moment des selbigen gecoacht werden. Ein zu frühes Hochschieben kann vom Pressingspieler wahrgenommen und zur Reduktion seines Tempos sowie eines Zugriffs unter Abdeckung der tieferen Zonen führen, während ein zu spätes Vorrücken verhindert, in einer höheren Position aufzudrehen. Der Trigger, den ich wählen würde, ist der Beginn der Passbewegung des Mitspielers, beziehungsweise des Zweikampfes des Pressingspielers.

Variationen der Spielform bestehen wie immer in der Feldgröße. Darüber hinaus ließe sich beispielsweise eine Sanduhrform wählen, um diagonales Spiel in die Mitte bei gleichzeitig größerer zu attackierender Breite in der Angriffshälfte wählen.

3. 6v6

Die dritte und finale Spielform, die in diesem Artikel beschrieben werden soll, ist ein 6v6-Spiel, welches auf einem sanduhrförmig (an der engsten Stelle 12 Meter) ausgeschnittenen Feld der Größe 20×32 Meter durchgeführt wird. An den kurzen Enden dieser Sanduhr ergibt sich jeweils eine Endzone, die 6 Meter hoch und in der Horizontalen in zwei gleich breite Zonen eingeteilt ist. Hinter den Endzonen schließt sich jeweils ein 16 Meter hoher Streifen an, an deren Ende ein Tor steht.

Eine Mannschaft beginnt in Ballbesitz und besetzt die tiefste Zone in einem 2v1. In der mittleren Zone hat die verteidigende Mannschaft eine 3v2-Überzahl, in der höchsten Zone liegt eine 2v2-Gleichzahl vor.

Die Spielregeln aus der vorherigen Form werden insofern aufgegriffen, als dass einer der Spieler aus der tiefsten Zone nach vorne rücken darf, wenn ein Doppelpass mit Zonenwechsel erfolgt ist. Wenn das Spiel durch die zentrale Zone gelingt, dürfen je ein Angreifer und Verteidiger auf das Tor nachschieben, um eine dynamische Besetzung des Strafraums zu gewährleisten.

Die Feldform schafft darüber hinaus Beschränkungen, welche andere Prinzipien unterstützen. Die Sanduhrform verhindert Longlinepässe der angreifenden Mannschaft zugunsten diagonalen Passspiels und belohnt für die Verteidiger das Leiten nach außen.

Die Engstelle des Feldes liefert den Verteidigern eine grundsätzliche Orientierung in der Höhe, welche von den im zentralen Feld postierten Spielern der angreifenden Mannschaft zurückfallend oder nach dem Aufrücken eines Spielers aus der ersten Zone genutzt werden kann. Im Besonderen kann man so einen Gegner herausziehen und dessen Dynamik wiederum für einen vertikalen Doppelpass ausnutzen.

Je nach Fokussierung verschiedener Prinzipien lassen sich die Einschnitte auch so nutzen, dass sie zwar nicht betreten, wohl aber durchspielt werden können, um weiträumige Steil-Klatsch Kombinationen über die Stürmer zu suchen. Eine weitere Möglichkeit bestünde in der Erlaubnis, diese Zonen zu bespielen, sobald ein Kontakt in der mittleren Zone erfolgt ist.

Eine Variation der Spielform, um die zu Beginn beschriebene Spielsituation aufzugreifen, bestünde in einem Zurückziehen des Pressingspielers ins mittlere Feld, von wo aus der ballnahe Spieler einer 2-2-Staffelung herauspresst.

Allgemeine Bemerkungen

Wie bereits zu Beginn des Texts erwähnt ist Gegendynamik kein explizit bekanntes Konzept. Entsprechend wird man keine vollständige Methodik zum Eintrainieren dieser finden. Der Gedankengang, der diesem Artikel zu Grunde liegt, ist dennoch der gleiche wie bei den meisten anderen in diesem Adventskalender beschriebenen Prinzipien. Aus einer Analyse des Spiels werden Verhaltensregeln gefunden, die nahezu immer gültig sind.

Die Spielsituationen, in denen diese Prinzipien die häufigste Anwendung finden, werden in der Folge auf Trainingsformen reduziert, in der vor allem durch implizite Zonenregeln oder Felderformen sowie durch einleitendes oder auf Details eingehendes explizites Coaching ein gewisses Verhalten eintrainiert werden soll.

Ein Konzept, das dabei für die Gegendynamik besonders relevant ist, ist der Fokus auf Regeln zum dynamischen Feldwechsel anstelle statischer Feldbesetzungen. Vereinfacht gesagt kann man Dynamik nicht mit Statik begreifen.

Kollektive Gegendynamik

Zu Beginn des Textes erwähnte ich den Begriff der kollektiven Gegendynamik. An dieser Stelle soll kurz diskutiert werden, warum dieser irreführend sein kann. Ein einzelner Gegenspieler kann statisch einen Radius von vielleicht 2 Metern abdecken, aus einer hohen Dynamik aber eine Strecke von 5 Metern brauchen, um abzubremsen und zu drehen.

Eine gesamte, kompakt verschiebende Defensive kann hingegen ohne Probleme Radien von 30m abdecken, ohne aber eine größere Strecke zum Drehen zu brauchen als ein einzelner Spieler. Man wird entsprechend nie dazu in der Lage sein, eine gesamte Formation gegendynamisch ins Leere laufen zu lassen. Vielmehr müsste der Begriff der kollektiven Gegendynamik eine Abfolge häufiger individualtaktischer Nutzung von Gegendynamik beschreiben.

Damit soll nicht in Frage gestellt werden, dass ein solches Individualtaktisches Verhalten einen starken Effekt auf das kollektive Verhalten eines Gegners haben kann. Die Bewegungsrichtung des pressenden Spielers in einem leitenden Pressing gibt zumindest die Orientierung des gesamten Blocks sowie die Antizipation von Anschlussaktionen vor. Durch gegendynamisches Ausspielen kann diese Orientierung gebrochen werden.

Ausblick

Alle vorgestellten Trainingsformen befassten sich explizit mit dem Einsatz eines gegendynamischen Doppelpasses im Aufbauspiel der Innenverteidigung. Natürlich gibt es unzählige weitere Aktionen, in denen ein solcher Pass angemessen sein kann.

Zwei Beispiele dafür bestehen in inversen Läufen ins Zentrum durch Außenverteidiger, nach denen sie von innen angelaufen wurden und einen Longlinepass spielten sowie vertikalen Doppelpässen zwischen Sechser und Achter, nachdem ersterer aus einer tieferen Zone unter Druck gesetzt wurde.

Einer der Gründe, warum Gegendynamik recht wenig beachtet ist, liegt im enormen Risiko, das durch suboptimale Ausführung auftritt. Pässe in recht statisch besetzte Räume haben geringere Anforderungen in Bezug auf Timing als Pässe in Bewegungen hinein. Die überragende Qualität von Kreativspielern wie Mesut Özil ist es nicht zuletzt, Mitspieler unter Ausnutzung deren dynamischen Vorteils hinter der letzten Linie zu finden.

Trotz Verbesserungen in den technischen Qualitäten auf diesen Positionen, vermögen es viele Verteidiger wohl nicht, unter Einladung gegnerischen Drucks einen perfekt platzierten scharfen Pass zu spielen und den Rückpass im Lauf zu verarbeiten.

Vielleicht liegt das Problem aber auch bei den Trainern, die den Spielern den Mut zu einer so riskanten Spielweise nicht vermitteln. Tim Walter, seit Anfang der Saison Trainer der Kieler Störche, hat beispielsweise in der zweiten Liga ein hochdynamisches Aufbauspiel etabliert, das im Weltfußball seinesgleichen sucht.