Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

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Türchen 3: Hinter die letzte Linie des Gegners spielen

von David Goigitzer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In diesem 10v10 Spiel geht es darum, hinter die letzte Linie des Gegners zu kommen. Dies wollen wir vor allem mit Läufen in die Tiefe schaffen, die Veränderung gewisser Regeln kann jedoch auch andere Durchbruchsmöglichkeiten fördern.

Regeln:

  • Gelb versucht hinter die rote Linie zu spielen, dies ist nur mit einem Pass in die Tiefe möglich. Diese Linie ist gleichzeitig die Abseitslinie. Die grünen Verteidiger dürfen erst hinter die rote Linie, wenn ein Pass hinter diese gespielt wurde. Mit etwas Fingerspitzengefühl kann man hier auch das Mitverfolgen von Tiefenläufern erlauben. Klare Kommunikation mit den Spielern, wie weit mitgegangen darf, ist jedoch essentiell.
  • Drei Offensivspieler sind in einer violetten Zone positioniert, die in zwei horizontale Hälften geteilt ist. Als Regel in der Positionierung gibt es hier, dass sich keine zwei, direkt nebeneinander positionierten, Spieler auf derselben horizontalen Linie positionieren dürfen.
  • Wenn Grün den Ball gewinnt, ist es ein freies Spiel.

 

Exkurs Coaching

Diese Übung ist (verhältnismäßig) recht frei gestaltet, die Spieler haben nur wenige Regeln, an die sie sich halten müssen. Hier liegt die Entscheidung beim Trainer, wieviel explizites Coaching hier in den Fokus gerückt werden kann. Implizites Lernen beziehungsweise Lehren ist für die Autoren dieses Blogs, sowie auch die Gastautoren dieses Adventskalenders, von hoher Bedeutung, oftmals (behaupte ich) auch dem expliziten Coaching bevorzugt. Dennoch hat jenes seinen eigenen, ebenfalls sehr wichtigen Platz in der Trainingsarbeit. Ich selbst wurde in meiner Trainerarbeit immer wieder mit Problemen konfrontiert, die ich nicht ausschließlich implizit zu lösen wusste. Wie ich zu coachen hatte, wusste ich nicht und wurde mir nicht wirklich beigebracht. René Marić Werk über Gesprächsführung half mir hier immens weiter, und ist wohl Grundlage für meine Art und Weise, wie ich Übungen explizit coache. Explizites Coaching ist auch eine hervorragende Möglichkeit, sehr spezifisch und detailliert den Spielstil der Mannschaft zu entwickeln. Ein detailliertes Bild des eigenen Spielstils ist hier essentiell. Womöglich gibt es Leute, die das einfach in ihrem Kopf gespeichert haben, mir half es jedoch, Prinzipien und Sub-Prinzipien aufzuschreiben und diese stets als Richtlinie zu nehmen. Natürlich können (und sollen!) sich diese weiterentwickeln, jedoch war dies für mich ein guter Startpunkt und machte mein Coaching effizienter.

Coachingpunkte

Timing ist ein oft genannter Coachingpunkt, jedoch wird selten darüber hinaus erklärt, was „richtiges“ Timing ist. „Das Timing muss besser werden“ hilft nicht wirklich weiter, dennoch wonach richtiges sich gutes Timing? Bei den Tiefenläufen, die einer der Hauptthemen in dieser Spielform sind, gilt es also zu etablieren, wann der Spieler wegstarten muss, um zu einem gewissen Zeitpunkt an einem gewissen Ort zu sein. Welche Informationen muss er aufnehmen, um zu beurteilen können, wann er loslaufen soll? Blickkontakt mit dem ballführenden Mitspieler ist ein oft gehörter Punkt, der hilfreich sein kann. Dieser Blickkontakt kann auch mit Mitspielern gesucht werden, die gleich den Ball bekommen werden und in einer Position sind, den Ball in die Tiefe zu spielen. Hier muss von Passgeber und -empfänger vorausgedacht werden. Der freilaufende Spieler kann auch auf die „Qualität“ der Positionierung/Ballführung seiner Mitspieler achten. Ist er unter Druck? Wohin ist seine Körperposition gerichtet? Hat er mich gesehen? Kann er „disguised passes“ spielen? All diese Fragen führen dazu, dass die Spieler besser beurteilen können, wann ein Lauf in die Tiefe tatsächlich wirksam ist, und wann nicht. Auch das absichtliche Freiziehen von Räumen durch Läufe kann hier mitgecoacht werden, ist jedoch nicht explizites Ziel der Übung, wenngleich es durchaus fokussiert werden kann mit Spieler über den Dritten in die Tiefe. Neben den Stürmern, können natürlich auch die Achter und die Außenverteidiger in die Tiefe gehen (oder auch andere Spieler, je nach Wunsch des Trainers/Positionierung im Ballbesitz).

Für den passgebenden Spieler ergeben sich andere Punkte, die er zu beachten hat. Allen voran Körperposition, Umblickverhalten und ebenfalls Blickkontakt. Der stetige Blick zum am tiefsten positionierten Mitspieler  hilft dabei, früh zu erkennen, wenn Mitspieler in die Tiefe laufen. Eine offene Körperposition ist eine zusätzliche Hilfestellung, jedoch taktisch geschlossen zu stehen und Gegner zu täuschen, ist natürlich auch eine Option.

Die Positionierung der Stürmer in der violetten Zone ist primär durch die Regel, dass keine zwei Spieler sich in einer horizontalen Linie befinden dürfen, impliziert. Dass dies gut funktioniert, sollten sich die Stürmer stets umblicken und die freien Räume, sowie ihre Mitspieler im Blick haben. Zusätzlich kann erwähnt werden, dass auch diagonale Passwege zueinander nicht zugestellt werden. Im Großen und Ganzen hat man mit dieser Spielform die Möglichkeit, vor allem die Kommunikation in der Offensive zu verbessern.