KF Team des Jahres

2016 ist vorbei und gemeinsam haben wir das fußballerische Jahr noch ein bisschen reflektiert. Zahlreiche Teams begeisterten uns und vor allem einige einzelne Spieler haben es uns angetan. In unserer Mannschaft des Jahres geht es daher nicht ausschließlich um Leistungen auf Top-Niveau, sondern eher um die Sympathien und persönlichen Präferenzen unserer Autoren. Die elf ausgewählten Spieler stellen einen bunten Mix aus verschiedenen Teams und Leistungsstufen dar. Warum diese Spieler uns 2016 begeistert haben und was sie so interessant macht, wird jeweils von einem Autor beschrieben, wobei es nur vereinzelt möglich war, sich an das zuvor abgemachte Limit von etwa 200 Wörter pro Spieler zu halten.

 

Antonio Narciso

von Alex Belinger

Die Wahl für unseren Tormann war wohl die schwierigste. Unzählige Feldspieler begeisterten uns im Jahr 2016, Tormänner sind dagegen eine in unserer Betrachtung eher vernachlässigte Rolle. Mit Antonio Narciso hat es auch ein im deutschsprachigen Raum wohl völlig unbekannter Tormann in unser Team geschafft. Ein 36-Jähriger, der bei AS Gubbio in der Lega Pro spielt? Narciso spielt dort erst seit Sommer, davor war er Stammtorhüter bei Foggia und überzeugte dort mit seinen fußballerischen Qualitäten. Er war maßgeblich für die große Pressingresistenz des Teams von Roberto De Zerbi verantwortlich und diente stets als sichere Anspielstation, mit der das gegnerische Pressing aufgelöst werden konnte. Narciso wurde häufig in einer tiefen Torwartkette eingesetzt, vereinzelt aber auch in einer höheren außerhalb des Strafraums. Er versuchte das Spiel wenn möglich immer flach zu eröffnen und nahm dabei schon bei den Abstößen ein gewisses Risiko (Narciso gewinnt wohl auch den Preis für die höchste Anzahl an falsch ausgeführten Abstößen, da die Verteidiger seine Pässe so oft innerhalb des Strafraums annahmen). Ein von ihm bevorzugtes Mittel waren auch kurze Chipbälle über ihn pressende Angreifer hinweg. Er überzeugte mit präzisem Kurzpassspiel, gut ankommenden langen Bällen, starken Entscheidungen und auch einer gewissen Kreativität. Ein Highlight von ihm war etwa als er in einer Partie außerhalb des Strafraums einen Pass abfing, zum Verteidiger passte und sich daraufhin in der etwas chaotischen, engen Situation nochmal für einen Doppelpass anbot. Von Bedeutung war Narciso auch als rechte Hand von Roberto De Zerbi auf dem Platz. Er teilte seine Mitspieler stets ein, gestikulierte a la Guardiola wild herum und zeigte dabei ein herausragendes Spielverständnis.

 

 

Christopher Trimmel

von Chris Winkler

Vorab: die Berufung Christopher Trimmels vom 1. FC Union Berlin in das Team des Jahres 2016 war durchaus umstritten, waren es doch ausschließlich seine Leistungen als Halbverteidiger, welche ihn für diese Elf interessant machten. Hinzu kommt, dass er diese Position nur situativ in der Hinrunde der letzten Saison und als Stammspieler in den ersten Partien der Rückrunde jener Saison bestritt. Zudem ausschließlich unter Ex-Trainer Sascha Lewandowski. Nach dessen Amtszeit bekleidete Trimmel sowohl unter Interimstrainer Hofschneider, als auch unter Jens Keller seine altbewährte Rechtsverteidigerposition. Dies mit mehr oder minder guten Leistungen. Wer meinen Artikel über die Amtszeit Lewandowskis noch nicht gelesen hat, stellt sich angesichts der vorliegenden Fakten an diesem Punkt wohl die Frage warum der Österreicher denn nun seine Nominierung in einen so erhabenen Kreis von Fußballkünstlern verdient habe. Die Antwort: weil er eben auch ein solcher ist. Ein Künstler. (Jedoch nur als Halbverteidiger.)

Zumindest mir ist kein weiterer Spieler bewusst, dessen Leistungen so sehr mit der Position korrelieren. Als Außen- oder Flügelverteidiger fehlt ihm generell die Dynamik und Durchschlagskraft, um neben seiner suboptimalen Entscheidungsfindung effektiv zu sein. Vor allem Letzteres fällt ihm nicht selten auf die Füße, wenn er sich, anstatt die Verlagerung in den nahen Halbraum oder die Mitte zu suchen, selbst auf dem Flügel isoliert. Seine dann oft folgenden Flanken(-versuche) stellen gegnerische Abwehrreihen fast nie vor Probleme und verdienen meist das Prädikat kläglich. Der Umstand, dass er trotzdem immer wieder als Rechtsverteidiger aufgestellt wird ist umso unverständlicher, wenn man sich seine Performances als Halbverteidiger anschaut.

Während Union unter Lewandowski zu Beginn ein 4-3-3/ 4-1-4-1 spielte, stellte man in Spielen, in welchen ein Rückstand aufzuholen war in Schlussphasen vereinzelt auf 3-4-3 um. Die mit Abstand außergewöhnlichste Entdeckung dieser Umstellungen war Trimmel mit seiner interessanten Rolle als vorstoßender Halbverteidiger. In Phasen des ruhigeren Aufbaus dribbelte er immer wieder energisch im linken Halbraum an und überwand somit nicht nur die erste, sondern sogar teilweise die zweite Pressinglinie des gegnerischen 4-3-3/ 4-4-1-1. Es ergaben sich interessante Synergien zwischen Skrzybski und dem Österreicher. Erstgenannter agierte im Übergang ins letzte Drittel immer diagonaler. Trimmel nutzte die durch die Mannorientierungen des Gegners geöffneten Räume und gab mitunter Breite im letzten Drittel, hinterlief Skrzybski bei dessen inversen Dribblings oder vorderlief ihn nach einfachen Doppelpässen. Das Schema blieb ähnlich: Durchbrüche wurden fokussiert. Entweder durch vertikale Bewegungen Trimmels und Quaners oder durch Skrzybskis Diagonalität.

Nach der dauerhauften Umstellung auf 3-4-1-2 Ende Oktober 2015 wurde vor allem in den ersten drei Spielen der darauffolgenden Rückrunde die immer dominanter werdende Rolle des Ex-Nationalspielers der Alpenrepublik deutlich. Immer wieder dribbelte er stark an und spielte den ein oder anderen sehr anspruchsvollen Laserpass auf sich im Zwischenlinienraum befindende Mitspieler.

Da Trimmels Partien als dribbelnder und laserpassender Halbverteidiger so überragend waren, sehen wir mal großzügigerweise von den auch in der abgelaufenen Hinrunde nur mittelprächtigen Leistungen auf seiner „angestammten“ Rechtsverteidigerposition ab und hoffen, dass in Zukunft noch weitere Spiele folgen, in denen eine der zwei äußeren Positionen einer Dreierkette von einem Spieler namens Christopher Trimmel besetzt wird.

Pedro Bigas

von David Goigitzer

Einer der wichtigsten und besten Spieler von Las Palmas. Der Linksfuß spielt in der linken Innenverteidigung und ist im eigenen Ballbesitz eine richtige Waffe. Seine hohen Bälle kann er sehr gezielt spielen, streut sie auch mit guter Varianz ein. Das Passspiel ist überhaupt die markanteste Fähigkeit, die Bigas besitzt. Seine Vertikalpässe, die oft auch zwei gegnerische Linien überbrücken, kann er mit beiden Füßen sehr genau und sauber spielen. Im Aufbau agiert er sehr strategisch und führt das Ballbesitzspiel der Kanarier an.   Sieht er Raum vor sich, kann der 26-jährige Dynamik aufnehmen und dribbelt so oft genug vom eigenen Aufbau bis in die gegnerische Hälfte. Nicht immer wählt er das Timing dieser Ausflüge richtig, oder er ist etwas unsauber dabei, was ihn manchmal zu Fouls nach Ballverlusten zwingt, um Konter z verhindern. Bigas‘ generelle Ballsicherheit trägt aber dazu bei, dass Las Palmas kaum mit abkippendem Sechser spielen muss und so genug Leute in den Zwischenlinienräumen der gegnerischen Formationen halten kann.

 

Joshua Kimmich

von Johannes Burr

Joshua Kimmich müsste eigentlich spätestens seit 2012 auf dem Zettel mit deutschen Top-Talenten gestanden haben. Stand er zumindest bei uns.

Kimmich zeichnet sich durch eine enorme Dynamik verbunden mit einem tiefen Körperschwerpunkt aus, was ihm im direkten Kontakt mit Gegenspielern – also im Dribbling oder im Zweikampf – Stabilität verschafft. Diese Dynamik kann er praktisch ohne Abstriche multidirektional sprich zu allen Winkeln und mit beiden Füßen ausführen. Kombiniert mit seiner blitzschnellen Informationsverarbeitung, die in einem starken Raum- und Strukturgefühl auswirken, ist er als äußerst pressingresistent zu bezeichnen. Alles in allem ist Kimmich einer der polyvalentesten Talente im deutschen Fußball – entsprechend viele Positionen hat er bereits gespielt.

Schon bei der U19 EM begeisterte er – damals als alleiniger Sechser in einem 4-1-2-3 – durch seine Omnipräsenz und Pressingresistenz, wodurch er praktisch alleine das Aufbauspiel angenehm ruhig strukturierte. Das sei nur noch einmal in dem Kontext gesagt, dass der VFB Stuttgart ihn in der darauffolgenden  Transferperiode zu Rasenballsport verlieh. Noch im Laufe dieser Saison merkte man, dass man die Sechserposition zu vage besetzt hatte – gleichzeitig brillierte Kimmich in der zweiten Liga. In dem damals noch rigoroser als heute auf Pressing fokussierten Rauten-System, wurde Kimmich manchmal als Sechser, selten sogar als Zehner, meistens jedoch als Achter eingesetzt.

Von Pep wurde er vermehrt als Rechtsverteidiger und später auch als Innenverteidiger eingesetzt. Vor allem die rechte Außenbahn passt meiner Meinung nach ganz gut zu ihm. Als spielmachender, reinkippender Außenverteidger kann er viele seiner Qualitäten anbringen; seine Pressingresistenz, die kluge Entscheidungsfindung bei Pässen in die Mitte wie seine defensive Cleverniss in simpleren Zweikämpfen. Als Innenverteidiger – sei er hier noch so viel von Guardiola gelobt worden – sehe ich ihn eigentlich nicht, wenngleich er diese Position tatsächlich herausragend spielte (er war extrem kreativ und mutig, die für Innenverteidger essenzielle Erfolgsstabilität ging ihm dabei erwartungsgemäß wegen fehlender Erfahrung auf dieser Position etwas ab weshalb er zu diesen Szenen besonders viel Kritik abbekam).

Trotzdem ist die Heimat Joshua (übrigens Josua gesprochen!) Kimmichs im Mittelfeld. Erst in einer 360°-Umgebung kann er sein ganzes Talent entfalten. Wenn er sich nicht vorher auf der Rechtsverteidigerposition festspielt, sehe ich ihn als Nachfolger von X. Alonso.

 

Alejandro Grimaldo

von David Goigitzer

Der 21-Jährige Spanier ist in unserem Team als linker Wingback aufgestellt, agiert bei Benfica jedoch links in der Viererkette. Der ehemalige Barca-Akteur ist im Aufbau sehr präsent, situiert sich meistens ungefähr auf Höhe der Innenverteidiger, um mehr eingebunden zu werden. Da Grimaldo vor allem im Dribbling über herausragende Fähigkeiten verfügt, bietet der Aufbau über den Flügel mit ihm deutlich mehr Optionen. Meist beschränkt er sich im Passspiel auf simple Zuspiele in die Mitte, kann jedoch auch mit dynamischen diagonalen Dribblings Gegner auf sich ziehen und Freiräume für seine Mitspieler reißen. Diese Variabilität und Dribbelstärke nutzt er auch in der Offensive. So bietet er sich immer klug im Wechselspiel mit seinem Vordermann mal am Flügel, mal im Halbraum an und kann immer wieder Durchbrüche in den Halbräumen mit Läufen in die Tiefe generieren. Bei gegnerischem Ballbesitz kann er seine Schnelligkeit ebenfalls nutzen, er ist nur sehr schwer zu überlaufen. Sein Stellungsspiel ist gut, sodass er im Zweikampfverhalten nicht allzu oft auf seine Schnelligkeit zurückgreifen muss. Er agiert sehr aggressiv und konsequent, dennoch sind seine Ballgewinne meist sehr sauber, wodurch er gleich Folgeaktionen anhängen kann.

 

Leandro Paredes

von Alex Belinger

Der 22-jährige Argentinier überzeugte vor allem in der ersten Jahreshälfte mit seinen Leistungen beim FC Empoli. Anfangs noch als Achter eingesetzt, wurde er im Verlauf der vergangenen Saison zum Fixpunkt als Sechser in der Raute von Trainer Marco Giampaolo. In dessen kleinräumigen Kombinationsspiel fand Paredes ein ideales Umfeld, um sich weiterzuentwickeln und seine Stärken voll auszuspielen. Weiträumige Freilaufbewegungen waren in diesem System nicht nötig, Paredes hielt seine Position zentral vor den beiden Innenverteidigern und war Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel von Empoli. Durch sein gutes Umblickverhalten konnte er gute Entscheidungen treffen und fand stets die richtigen Momente um sich aufzudrehen oder die Pressingbewegungen der gegnerischen Spieler für Finten zu nutzen. Mit seiner technischen Qualität zeigte sich Paredes extremst pressingresistent und war kaum vom Ball zu trennen. Zudem verfügt er im Passspiel über eine extrem hohe Sauberkeit und Präzision. Wie Billardkugeln laufen seine Bälle den Rasen entlang, um in den Zwischenlinienräumen die Mitspieler zu finden. Logischerweise ging es für ihn nach diesen hervorragenden Leistungen zu einem Topverein und sein Stammklub As Roma entschied sich dazu, ihn in der aktuellen Saison bei sich zu behalten. Auch in Rom zeigt Leandro Paredes sehr starke Leistungen, dennoch konnte er sich gegen die starke Konkurrenz bestehend aus Daniele De Rossi und Kevin Strootman noch keinen Stammplatz erspielen (was nicht für jeden nachvollziehbar ist).

 

Ousmane Dembele

von Nils Poker

Bei Ousmane Dembele handelt es sich ganz offen zugegeben um die größte Fehleinschätzung, die mir bislang gefühlt bei einem Spieler unterlaufen ist. Als der Wechsel zum BVB konkreter werden zu schien, hatte ich mir mal ein paar seiner Spiele für Rennes angeguckt. Hierbei war er in einem eher umschaltfokussierten Team die Scoring- und Dribbelmaschine, die in Umschaltsituationen glänzen konnte. Eine für sein Alter herausragende Torquote war das Ergebnis. Trotzdem war ich über den Wechsel nicht wirklich begeistert. Für mich wirkte Dembele in Rennes wie ein simpler durchschlagskräftiger Umschaltspieler, der in komplexeren Situationen nicht strategisch genug agiert. Damit lag ich aber mal mega daneben. „Dembouz“ ist alles andere als simpel. Kreativ in allen Bereichen, defensiv clever und vor allem aus allen Situationen in der Lage Durchschlagskraft über Pässe oder seine Dribblings zu entwickeln. Martin Rafelt hat ihn deshalb letztens, nur halb im Spaß, als „durchschlagskräftigsten Spieler seit Ronaldo (fenomeno)“ bezeichnet.

Beeindruckend an Dembele ist vor allem, dass es ihm gelingt seine Qualitäten im Gegensatz zu vielen durchschlagskräftigen Dribblern in allen Räumen und aus allen Ausgangsräumen zu performen. So wurde er von Tuchel nicht nur, wie im ersten Spiel gegen Mainz, als Flügeldribbler eingesetzt, sondern wanderte mit der Zeit immer mehr ins Zentrum. So agierte er bereits als 8er oder 10er und startete hier seine Dribblings aus dem Mittelfeldzentrum. Neben den Dribblings ist das Passspiel eine weitere Stärke. Er hat zwar nicht die beste Quote (in der Liga ca 65%), was aber vor allem daran liegt, dass er viele sehr anspruchsvolle Pässe versucht und sehr kreativ darin ist, diese Passmöglichkeiten zu erkennen und zu bespielen.

Natürlich hat der 19 Jährige nicht über das ganze Jahr konstante Leistungen gebracht, aber er hat bereits eindrucksvoll demonstriert, wozu er in der Lage ist. So war er in den letzen Spielen vor der Winterpause der Schlüsselspieler für den inkonstanten BVB. Niemand war so wie er in der Lage Kreativität und Durchschlagskraft auf den Platz zu bringen wie er, aber das wird ihm wohl seine ganze Karriere so gehen, außer er wechselt noch rechtzeitig zum FC Barcelona, um mit einem gewissen Argentinier zusammen zu spielen.

Abschließend kann ich mich eigentlich nur demütig Rene Maric anschließen, der vor dem Wechsel nach Dortmund noch über Dembele geäußert hat, dass er in dem Franzosen einen der Kandidaten für den Ballon d’Or in den 2020ern sieht.

 

Samir Nasri

von Carl Fischer

Bei Samir Nasi kann man das Gefühl gewinnen, dass er in den letzten Jahren mehr Skandale als gute Spiele hatte. Mit seinem Wechsel zu Sevilla machte er aber alles richtig und zeigt diese Saison eindrucksvoll warum er eher ein missverstandenes Genie, als ein Prügelknabe ist. Das interessanteste an ihm sollten nämlich eigentlich nicht seine Skandale sein, sondern sein hervorragenden Qualitäten und vor allem seine Vielseitigkeit. Samir Nasri besitzt ein sehr seltenes Spielerprofil, dass sehr vielfältig ist.

Allerdings ist kaum ein Spieler so abhängig von den Strukturen um ihn herum. Diese probiert er in seinem Spiel extrem dominant zu erzeugen, wenn seine Bewegung und seine Dominanz aber nicht richtig eingebunden sind, dann führt dies zu schlechten Staffelungen und ist sowohl für Nasri als auch für das Team kontraproduktiv.

In Sevilla genießt er extreme Freiheiten und kann seine vielen Fähigkeiten extrem gut einbringen. In seinen Bewegungen ist er sehr weiträumig, fordert immer den Ball und lässt sich extrem weit aus der Formation fallen. So zieht er die Staffelung des Gegners bewusst extrem auseinander. Außerdem stößt er die Bewegungen um sich herum an und erzeugt direkt Dynamik. Die entstehende  Löcher kann er dann mit seiner technischen Stärke extrem gut bespielen. Er agiert in seinem Spiel sehr dynamikorientert. Oft dreht er sich mit der ersten Bewegung schnell in den freien Raum. Durch seine Beweglichkeit und seinen unfassbaren First Touch kann er sich mit wenigen Ballberührungen aus kleinteiligen Situationen befreien. Er setzt sich schnell in freien Raum ab und kann diesen mit seiner Dynamik sehr schnell überbrücken.

Diese Fähigkeiten nutzt er auch gerne, um direkt nach dem Anspiel Kombinationen anzutreiben. Er sucht in seinen Bewegungen sehr schön die Nähe zu seinen Mitspielern, kann mit diesen auf engem Rum gut kombinieren, aber auch mit seinem gutem weiträumigen Passpiel die Lücken in der Formation sehr gut bespielen. Sein Passpiel ist sauber und klar. Seine Passtechnik ist sehr variabel, so dass er fast jede Lücke präzise anspielen kann. In seinen Kombinationen ist er sehr strukturiert, er hat eine gute Übersicht und agiert in den Bewegungen sehr klar und simpel. Dazu kommt sein sehr gutes Timing, was ihn sehr schwer zu verteidigen macht.

So ist Samir Nasri ein sehr kompletter Spieler, der für Sevilla in den letzen Spielen sehr gut gezeigt hat, wie gut er eigentlich ist, wobei er dies leider oft aufgrund von schlechter Einbindung nicht ganz zeigen kann. 

Benjamin Henrichs

von David Goigitzer

Benjamin Henrichs erlangte in dieser Saison seinen Durchbruch bei Bayer Leverkusen. Der 19-Jährige spielte in der Bayer-Jugend zwar im offensiven Mittelfeld, wurde von Roger Schmidt aber zum Rechtsverteidiger umgeschult. Dort kommen viele seiner ursprünglichen Fähigkeiten als Offensivspieler ebenfalls sehr positiv zum Tragen, zudem werden einige andere Eigenschaften besser eingebunden. Henrichs‘ Fähigkeitenprofil ist sehr breit gefächert, zielt jedoch vor allem auf eines hin: das Umschaltspiel. Beim Gegenpressing bringt Henrichs seine gute Antizipation ein, er erkennt potentielle Ballverluste bereits im Vorhinein und versucht dann mit hoher Intensität beim Zurückgewinnen des Balles zu helfen. Diese Antizipationsfähigkeit kommt ihm auch im Vorwärtsverteidigen zu Gute, was ihm Leverkusener System von hoher Wichtigkeit ist. Er sprintet mit gutem Timing an und nimmt situativ Mannorientierungen auf, wo er mit hoher Aggressivität Zweikämpfe führt und den Gegner am Ballvortrag hindert.

Im Ballbesitz bringt Henrichs dann die Qualitäten ein, die ihn im Nachwuchs im Mittelfeld halfen. Seine dynamischen Dribblings, die er vor allem im letzten Drittel gut einbringt, helfen seiner Mannschaft dabei Durchschalgskraft zu erzeugen. Er agiert hierbei oft diagonal und ist nicht auf das bloße Entllangdribbeln der Outlinie beschränkt. Mit einer guten Vororientierung und seiner Technik kann er sich oft pragmatisch aus Drucksituationen lösen und hilft so zu einer sauberen Ballzirkulation.

 

Francesco Totti

von Alex Belinger

Francesco Totti feierte 2016 seinen 40. Geburtstag. Dieses für einen Fußballer sehr hohe Alter merkte man ihn bei seinen Einsätzen jedoch kaum an. Zunächst waren diese Einsätze unter Luciano Spalletti sehr selten, nachdem es zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Trainer kam, musste er sogar für ein Spiel auf die Tribüne. Statt ihm durfte Diego Perotti als falsche 9 ran. Der Argentinier überzeugte vor allem mit seinen eleganten Dribblings, ließ aber das strategische Gespür und das intelligente Bewegungsspiel von Francesco Totti vermissen. Totti kam im Herbst zu einigen Einsätzen und spielte dabei groß auf.

Er zeigte wie üblich seine sehr intelligenten Positionierungen im Zwischenlinienraum, positionierte sich dabei stets außerhalb der gegnerischen Deckungsschatten und war mit seinen tiefen Positionierungen ein sehr wichtiger Verbindungsspieler im eher schwach strukturierten Offensivspiel der Römer. Neben dem Bewegungsspiel war vor allem auch sein Passspiel sehr beeindruckend. Dabei ist nicht nur die Qualität in der Ausführung auf allerhöchstem Niveau, sondern vor allem auch seine Wahrnehmung davor. Durch gute Vororientierung kann er sehr häufig Pässe mit dem ersten Kontakt spielen, schätzt dabei die Dynamiken in der Offensive sehr gut ein und kreiiert überaus viele Torchancen. Besonders gerne spielte er dabei One-Touch-Pässe über die Abwehr, die aufgrund seiner Körperhaltung nach den diagonalen bis vertikalen Zuspielen auf ihn sehr schwierig sind, aber überaus präzis ankommen und zudem noch einen Überraschungsmoment darstellen. Nach der vergangenen Saison war ein Karriereende nicht unwahrscheinlich, wir sind Totti jedoch sehr dankbar, dass er mit nun 40 Jahren immer noch nicht genug hat und bei seinen Einsätzen weiterhin sehr starke Leistungen zeigt.

Mark Uth

von Eduard Schmidt

Als der gebürtige Kölner vor der vergangenen Saison aus Heerenveen nach Hoffenheim kam, fiel er vor allem durch seine herausragenden Scorerwerte und seinen Status als „vergessener“ Deutscher im Ausland auf. Nachdem es beim Effzeh nie für den Sprung in die Bundesliga reichte, liefen auch die ersten Monate im Kraichgau trotz regelmäßigen Einsätzen noch nicht optimal. Erst seit dem Amtsantritt von Julian Nagelsmann blüht der heute 25-jährige regelrecht auf: 13 Tore in 24 Spielen nach zuvor lediglich einem Treffer zeugen zweifelsohne von einer positiven Entwicklung. Beim ersten Blick auf die anderen Namen im Kader – etwa Wagner, Kramaric oder Vargas – wundert es dennoch etwas, dass ausgerechnet Mark Uth genannt wird. Doch er verkörpert die neue Spielweise der TSG wie nur wenige andere.

Die Abschlussstärke ist nur ein Aspekt unter vielen. Uth besticht durch Vielfältigkeit. Dabei steht Dynamik in unterschiedlichen Bedeutungen und mit unterschiedlichen Bezugspunkten im Vordergrund. Auf die reine Schnelligkeit bezogen, wissen beispielsweise neben dem generellen Zug zum Tor seine Tiefenläufe zu überzeugen. Diese sind vor allem gut getimt und an die Mitspielerbewegungen angepasst (siehe 1:0 gegen Borussia Dortmund). Das Lesen von Dynamiken erlaubt neben überzeugender Arbeit gegen den Ball weiterhin auch eine effektive und teils spektakuläre Beteiligung am Kombinationsspiel sowie ausweichende Läufe, die Raum schaffen oder nutzen. Er kann entweder als Rechtsaußen oder Mittelstürmer eingesetzt werden, was wiederum die Gesamtdynamik des Teams unterschiedlich beeinflusst.Dabei lässt Uth sich ebenso zwischen die Linien fallen, um dort anspielbar zu sein. Das sorgt im Kontext seiner sonstigen Fähigkeiten für Unberechenbarkeit und sensationelle Kombinationen (siehe 4:0 gegen den 1. FC Köln). Mark Uth ist, mit einem Wort, das ideale Individuum im Nagelsmann-Kollektiv, wo er gleichzeitig bereichert und bereichernd wirkt.

Rene Maric

von Alex Belinger

Die Entscheidung zum Trainer des Jahres war zunächst keine einfache. Viele Trainer konnten uns nur in einer Hälfte des Jahres überzeugen. Rene Maric beeindruckt uns dagegen quasi täglich. Wir möchten dem Spielerverlagerung-Autor zu seinem Wechsel zu Red Bull Salzburg gratulieren, wo er seit dieser Saison Co-Trainer der U18 und des Youth-League-Teams sowie auch qualitativer Analyst in der Akademie ist, wodurch er gewissermaßen auch ein Vorbild für uns ist. Durch diese Tätigkeiten bei Red Bull bleibt kaum Zeit für Analysen auf Spielverlagerung, dennoch steht er weiterhin sehr viel mit uns in Kontakt und gibt sein beeindruckendes Wissen weiter. Dies ist keineswegs selbstverständlich und dafür möchten wir uns an dieser Stelle bedanken. Rene hat uns wohl allesamt geprägt, wie kaum ein anderer Mensch im Fußball. Nicht nur mit seinen Analysen und seinem taktiktheoretischem Wissen, sondern auch in anderen Aspekten, allen voran der Trainingswissenschaft, worüber er bereits Ende 2015 mit Marco Henseling das großartige Buch „Fußball durch Fußball“ veröffentlicht hat. Auch über seine zwei Gastbeiträge für unseren Adventskalender (Türchen 3 und Türchen 24) haben wir uns sehr gefreut.

Über Alex Belinger

War als Kind zu oft in Italien auf Urlaub und mag jetzt italienischen Fußball.
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