Türchen 24

RM bei RB für KF

von René Marić

All diese Übungen wurden bei uns bei Red Bull Salzburg in der U18 umgesetzt, basieren nicht nur auf meinen Ideen, sondern (viel mehr noch) auf denen von Marco Rose und folgen auch den Grundsätzen der Trainingsmethodologie bei RBS, die jenen aus dem SV-Buch „Fußball durch Fußball“ sehr ähneln.

 

Aufwärmen – Rondo-Variante I: Das Tropikondom in der Sanduhr


Ein sogenanntes „Tropikondom“ ist bei uns (Namensgeber: mein Cheftrainer Marco Rose) ein Rondo, welches aus zwei Rondos besteht, die durch Spieler miteinander verbunden sind. Bei diesem Tropikondom spielen in einem Rondo 3 Spieler mit Ball gegen 2 Pressingspieler, ebenso wie bei dem Rondo gegenüber. Beide Rondos sind als Trapez geformt, wobei die engen Seiten zueinander zeigen. Zwischen den beiden Trapezen befindet sich ein kleiner Streifen, indem drei weitere Spieler agieren.

Diese Übung ist für die Spieler in den Trapezen enorm fordernd aufgrund des Drucks und der geringen Überzahl, wodurch die Einbindung der drei zentralen Spieler erforderlich ist. Dies sorgt wiederum dafür, dass sich die zentralen Spieler konstant und in höchstem Tempo orientieren müssen. Dies ist nicht nur aus einer visuellen, sondern auch aus einer auditiven (Mitspielercoaching und die Reaktion darauf), kinästhetischen (Gegner ertasten, -fühlen und Körperstellung) und kognitiven (Einschätzen der kontextuellen Faktoren) Perspektive der Fall.

Um die Übung zu erleichtern, kann in den Trapezen ein 4v2 stattdessen gespielt wird (bzw. ein 3+Zentrumsspieler vs. 2), die Kontaktzahl variiert werden (wir spielten in der Erstausführung mit 2 Kontakten, 1 Kontakt für die zentralen Spieler, die sich den Ball allerdings innerhalb des zentralen Streifens zuspielen durften) oder der Raum vergrößert werden. 

Variationen sind ebenfalls möglich: Defensive Spieler dürfen sich über alle Zonen bewegen oder man spielt in einem 3v1 und 3v2, etc. Bei größerem Raum und mehr Spielern kann eingeführt werden, dass nach x Kontakten in einer Zone in das andere Trapez verlagert werden soll (ggf. nach Ablage mit zentralem Spieler), was dann der Auslöser für die Verlagerung des anderen Balles aus dieser Zone ist. Auch ein Zonenspiel oder Zonenregeln für die Pressingspieler sind möglich. Eine andere Variante sieht wiederum vor, dass die Trapeze nicht mit der kurzen, sondern mit der längeren Seite zueinander stehen.

Interessant ist hierbei nicht nur das Training der visuellen Aufnahmefähigkeit, der Arbeitsgedächtniskapazität und der taktotechnischen Aspekte der Orientierung und Situationseinschätzung, sondern auch kognitive und motorische Aspekte in der Kommunikation mit Spielern in unterschiedlichen Situationen (verbal wie nonverbal). Die seitlichen Spieler benötigen „nur“ einen konstanten 180°-Blick, während der/die zentrale/n Spieler in allerhöchstem Tempo sich um 360° orientieren müssen. Sie können sich bei guter Einschätzung der Situation in einer Zone auch für eine kurzzeitig entscheiden und dort komplett einbinden lassen, danach klar in die andere Zone agieren – oder eben mit den Spielern neben sich interagieren, um kurze übersehene Momente in einer Zone kompensieren zu lassen.

Grundsätzliche Coachingpunkte sind die Positionierung im Spiel mit Ball, die konstante und richtige (Vor-)Orientierung, eine adäquate und dynamische Nachorientierung (ein oft übersehener Punkt im Coaching!), das Spiel mit dem Rhythmus in der Zirkulation, „La Pausa“ bei wenig Druck zwischen zwei Kontakten, speziell um Räume ballfern zu Öffnen durch das Anlocken der Gegenspieler, die technische Präzision unter Druck sowie das Freilaufverhalten generell. Defensiv ist natürlich das Pressing enorm wichtig.

Aufwärmen – Rondo-Variante II: Spieler freispielen im flexiblen Rondo (4+1v2 zum 5+2v3)

Normalerweise spielen wir ein 4+1v2. Heißt: Vier Spieler bilden eine Raute, ein weiterer Spieler agiert innerhalb dieser Raute, es wird gegen zwei Pressingspieler agiert. Bei jedem Fehler wird gewechselt. Ein klassisches Spiel, welches von vielen Mannschaften überall in der Welt praktiziert wird. Meist machen wir dies in einem 8×8-Feld, hier wurde der Fünfmeterraum in der Breite genutzt und von Fünfmeterraumlinie bis Strafraulinie gespielt. Dazu wurde ein weiterer Pressingspieler eingeführt.

Aus diesem 4+1v3 konnten dann nach drei Kontakten weitere Spieler freigespielt werden. Neben dem beschriebenen Feld befanden sich nämlich noch zwei Zonen seitlich, welche vom Fünfmeterraum bis zum Sechzehnerraum in der Breite gingen und die gleiche Länge besaßen. In jeder dieser Zonen befand sich ein Spieler. Nach drei Kontakten konnte der erste Spieler freigespielt werden; dann wurde über die mittlere und seine Zone der Ball zirkuliert. Nach weiteren drei Kontakten konnte auch der nächste seitliche Spieler freigespielt werden. Somit konnte über das gesamte Feld 7v3 gespielt werden.

Dies dient natürlich als Initiative für die Spieler ohne Ball möglichst früh und möglichst aggressiv zu pressen, woraufhin die Spieler im 4+1v3 sich enorm schnell und sauber bewegen müssen, um dies zu umspielen. Schaffen sie dies konstant, kann die Übung sehr einfach erschwert werden: Nicht nach drei, sondern nach vier oder fünf Kontakten kann gewechselt werden. Ist die Übung zu schwer, kann das Feld vergrößert, zuerst im 7v3 begonnen oder die Kontaktzahl zu 3-2 statt 2-1 oder einfach 2 Maximalkontakten verändert werden.

Die Spieler sollen neben dem Pressing in der Gruppe und dem schnellen Kombinations- wie Bewegungsspiel auch lernen, wie man nach schnellen Kombinationen in engem Raum in einen größeren Raum spielt, Gegner dorthin anlockt und gegen die Anlaufrichtung der Gegner in dadurch geöffnete Räume spielt – oder bei statischerem, passiveren, abwartendem Gegner (dies kann durch eine Veränderung der Kontaktzahl zum Freispielen des nächsten Spielers, gekoppelt an Punkte, wenn dies geschafft wird, erreicht werden) länger zirkuliert und sich anders bewegt, um Räume für diese Schnittstellenpässe zu schaffen.

In der Übung kann auch darauf hingewiesen werden – speziell, wenn man vom 7v3 in dieses 5v3+2 übergeht –, wie sich mehr und weniger Raum sowie das Bewegungsspiel auf die Kombinationssicherheit auswirken. Im 7v3 können Orientierung, Positionierung, Entscheidungsfindung mit und ohne Ball präziser gecoacht werden. Die Reaktionen der zentralen Spieler nach Freispielen in eine Zone sind z.B. außerordentlich interessant und dafür geeignet. Schnelles Freilaufverhalten, das Reagieren auf das Verlassen einer zuvor besetzten Position durch die Mitspieler und Mitdenken zum Öffnen und Besetzen von Passalternativen unter hohem Tempodruck können forciert werden.

 

Vorübung I – Pressingspiel: 5v2 zum 5v2 mit drei Teams

Diese Übung ist eine Mischung aus zwei Rondos und einem Felderwechselspiel. Grundsätzlich gibt es drei Mannschaften mit jeweils fünf Spielern. Zwei Felder sind diagonal zueinander aufgestellt. Zum Aufbau empfehlen sich aus unserer Erfahrung folgende Maße: 8x8m bei der Rondozone. Die zwei Zonen für das Rondo werden aus der Mitte einer etwa 20m langen Diagonallinie gezogen, wo man 4 Meter nach unten und 4 Meter nach rechts (bzw. 4m nach oben und 4m nach links) geht, um den Aufbau der Rondo-Vierecke zu beginnen. Kontaktregel im Rondo ist 2-1, die Staffelung ein 4+1v2.

Somit stellt ein Team die fünf Spieler in einer Zone, ein Team stellt die Pressingspieler ab, wobei zwei davon eben in die Zone mit dem Ball gehen. Die restlichen drei Spieler der Pressingmannschaft verteidigen die Diagonallinie und somit die Verlagerungsoption. Die fünf Spieler der anderen Mannschaft bewegen sich hinter dieser Diagonallinie und bieten sich an. Nach vier Pässen im Rondo darf verlagert werden. Nach drei Fehlern oder bei sauberer Balleroberung mit erfolgreicher Verlagerung wird gewechselt; das Team mit dem dritten Fehler bzw. mit dem Ballverlust wird somit zur Pressingmannschaft. Es gibt hier keine Pause, das Spiel geht sofort weiter, wodurch das Ansprinten in die andere Zone einen athletischen Effekt hat!

Ziel dieser Übung ist es, in Unterzahl effektiv zu pressen (im 2v5) und zu leiten, während die Mitspieler dahinter „absichern“, Passwege versperren und belauern, um eine Zielzone (die nächste 5v2-Möglichkeit der Gegner) zu verteidigen. Wird dennoch erfolgreich verlagert, müssen die Spieler sich neu organisieren und somit kommunizieren, in die Zielzone ansprinten, sich dort gemeinsam effektiv bewegen, um Deckungsschatten aufzubauen und den Ball zu erobern. Der Fokus auf eine saubere Balleroberung soll das individual- wie gruppentaktische Geschick beim Ballerobern durch die Belohnung forcieren. Somit wird auch das Ansprinten in höchstem Tempo absolviert, aber in richtigem Moment zwischen aggressivem Durchlaufen oder kurzzeitiger (möglichst später) Tempoabnahme in der Zielzone entschieden, wobei die Feinheiten im Anlaufverhalten und Schrittwechsel gecoacht werden können – ebenso wie das Spiel gegen heranlaufende Gegner und das Beibehalten von Zirkulationsdynamik bzw. Anpassen von Zirkulationsrhythmus.

Die Mannschaft in Ballbesitz muss somit in engem Raum unter konstantem Druck kombinieren (vier Kontakte im Team), bevor sie in eine andere Zone verlagern kann. Dabei soll sie sich intelligent und schnell bewegen (in einer Raute mit zentralem Spieler dazwischen), ohne unsauber im Passspiel zu werden (Kontakte 2-1). Kleinräumige Bewegungen in engen Räumen und das schnelle Herstellen einer dementsprechenden Staffelung nach vorherigen Verlagerungen werden forciert.

Die andere Ballbesitzmannschaft gegenüber soll sich hinter der Diagonallinie in den Lücken der gegnerischen Defensivspieler anbieten. Vertikale Anspielstationen möglichst tief, diagonal so lange tief, bis der Pass nicht mehr geht, weil man ballfern steht. Dann kann man diagonal abkippen, um sich dort in der gegnerischen Schnittstelle anzubieten. Wichtig hierbei: Offene Stellung, mit erstem Kontakt aufdrehen. Diese Bewegungen machen drei Spieler. Im Idealfall sind die Bewegungen aneinander gekettet – der zentrale Spieler reagiert darauf, ob und wie der „ballferne“ Spieler diagonal abkippt oder ob er in die andere Richtung den gegnerischen Deckungsschatten verlässt, um sich für einen diagonalen Flachpass hinter die Linie anzubieten. Macht er Letzteres, soll der zentrale Spieler höher gehen – macht er Ersteres, so sollte der zentrale Spieler diese Option bieten oder für eine Direktpasskombination in den Raum hinter die gegnerische Linie bereitstehen.

Einer der verbliebenen zwei Spieler soll in der Endzone warten, um für Ablagen und Verlagerungen oder Direktpässe bereitzustehen. Bewegungsrichtlinie: So tief wie möglich, so nah wie nötig. Zwei weitere Spieler stehen seitlich an der Linie, um mit erstem Kontakt vorbeizugehen, mit zweitem Kontakt in die Zone zu spielen, dann nachschieben/schließen. Neben einem Freilaufverhalten, welches Mittelfeldspielern ähnlich ist, hat man somit auch das Freilaufverhalten eines Mittelstürmers für lange Zielbälle und intelligente Ablagen mit schneller Neupositionierung und das Freilaufverhalten von Außenverteidigern, die seitlich von der Linie agieren, mit dem ersten Kontakt aber im Idealfall die gegnerische Pressinglinie überwinden und mit dem zweiten Kontakt in Richtung Mitte und/oder „Tor“ spielen sollen.

Werden diese Optionen versperrt -> reagieren -> als Wandspieler zurück in die ursprüngliche Zone spielen für einen neuerlichen Verlagerungsversuch oder Zirkulation. Gelingt die Verlagerung, dann möglichst schnell in der Zone neu organisieren, den Ball laufen lassen und eine neuerliche Verlagerung suchen. Nach dem dritten Kontakt sollen nicht unmittelbar in den aktuellen Pass involvierte Spieler sich orientieren, aus der Zone bewegen und die Verlagerungsoption geben. Die erfolgreichen Verlagerungen werden gezählt und kommen auf das Konto des Pressingteams. Team mit den wenigsten Punkten: Gewinnt! Das Pressingteam möchte natürlich sofort den Ball erobern, muss die Linie aber sauber und intelligent verteidigen, ggf. sogar weniger auf Balleroberung, als auf Zielzonen- und Verlagerungsoptionverteidigung ausgelegt. Die Siegbedingung kann ebenso variiert werden, wie die Anzahl der Kontakte pro Spieler oder im Team zur Verlagerungserlaubnis. Je nach Coachingziel und Felddimensionen können lange, hohe Bälle verboten werden – ist der Raum allerdings kleiner, kann man schwaches, zu langsames Pressing auch mit der Erlaubnis von langen Bällen bestrafen.

Kognitiv ist es ein interessanter Aspekt, wie die Übung in der Zirkulation verläuft: Aus einem relativ weiträumigen Freilaufverhalten, wo zuerst auf das Erreichen einer bestimmten Situation erwartet wird, bevor man sich intensiv und handlungsschnell freiläuft, muss man nach Anspiel eines Zielmitspielers darauf reagieren, das schnelle Umschalten in eine kleinräumige Situation in höchstem Tempo vollziehen, den Ball dort kleinräumig zirkulieren lassen und daraufhin wieder eine weiträumigere Verlagerung suchen. Unterschiedliche Charakteristika von Raum und Zeit werden hiermit also trainiert.

 

Vorübung II – Positionsspiel: 12-Felder-Spiel im 6+4v6

Neben dem 3×4-Raster werden je zwei Tore pro längerer Seite ungefähr auf Höhe des Übergangs von Zone 1 und 2 bzw. 3 und 4 etwas außerhalb des Feldes aufgestellt. Sie sollen diagonal in Richtung Spielfeldmitte blicken. Torerzielungserlaubnis wird durch 4 Diagonalbälle bei Ballbesitz oder innerhalb von 2 Pässen ins Tor nach Gegenpressing gewonnen. Das bedeutet, dass Vertikal- und Querpässe keinen Ballverlust bedeuten, aber nicht in Richtung der Torerzielungserlaubnis arbeiten. Ebenso heißt dies, dass ein langsames offensives Umschalten dazu führt, dass man nicht mehr umschalten und den Ball erst wieder länger zirkulieren lassen muss. Kontaktvariationsmöglichkeiten: 3-2 oder 4-2 oder 2-1 oder frei oder 2 Maximalkontakte oder 3 Maximalkontakte für die seitlichen Spieler, 2 für die neutralen Spieler in der Mitte oder umgekehrt, etc.

Dieses Rondo empfiehlt sich aus mehreren Gründen für vielerlei Aspekte. Grundsätzlich ist es kein orthodoxes Rondo, sondern ein klares Positionsspiel (gibt es da eigentlich einen Unterschied?), welches durch die Manipulation der Regeln, der Feldgrößen und des Coachings stärker die statischen oder dynamischen Komponenten des Positionsspiels oder das Spiel gegen den Ball und somit auch verstärkt das Umschalten fokussieren kann. Außerdem ist es durch die Ausrichtung einerseits eine gute Übung, um eine saubere Basis für das Positionsspiel wie für das Pressing zu legen, kann andererseits aber auch genutzt werden, um extrem ins Detail zu gehen und auch positionsspezifisch zu arbeiten. Dazu ist es aus einer belastungssteuernden Perspektive interessant, da Spieler durch die Wechsel individuell gesteuert (Doppelrunden für einzelne Spieler oder bestimmte Wechselabläufe) oder alle Spieler ähnlich durch die drei Viererteams belastet werden können.

Im Feld gibt es 12-Zonen, die gleich groß sind – wobei z.B. die Mitte verengt oder erweitert werden kann, um die Bewegungsmöglichkeiten zu verändern. Das Raster ist ein 3×4-Raster. Je nach Ziel kann das Feld horizontal oder vertikal aus einer positionsspezifischen Sicht besetzt werden. Soll heißen: Entlang der ersten vier Längszonen kann sich die Viererkette befinden oder entlang der ersten drei Querzonen kann sich Außenverteidiger-Innenverteidiger-Außenverteidiger befinden (die Folgezonen werden dann eben mit Mittelfeld- und Angriffsspielern besetzt). Für eine differentielle Variation kann dies auch innerhalb der Übung oder durch die Wechsel verändert werden.

Grundsätzlich sollen sich die Spieler in Ballbesitz nur innerhalb ihrer Zonen bewegen; jede Zone ist somit nur einfach besetzt. Innerhalb der Zone ist die Bewegung aber frei, sie können je nach Situation sehr tief und entfernt vom Ball in ihrer Zone warten oder bis an den Rand der Zone zulaufen, um sich für Pässe anzubieten. Die vier zentralen Zonen werden mit den neutralen Spielern besetzt, die vier Zonen seitlich davon auf beiden Seiten mit Spielern einer Mannschaft. Die Mannschaft ohne Ball kann sich frei bewegen, soll ballorientiert in höchstem Tempo pressen und die Balleroberung suchen. Um saubere Balleroberungen zu forcieren kann gesagt werden, dass bei einer sauberen Balleroberung der Ballbesitz (auch mit dem nächsten hineingespielten Ball vom Trainer, nicht nur für diese Situation oder für das erzielte Gegenpressingtor) wechselt und bei geklärten Bällen, die ins Aus gehen, drei Fehler der Ballbesitzmannschaft benötigt werden.

Die Neutralen bewegen sich ausschließlich in der zentralen Zone (4 Neutrale in einer Reihe; 3×4-Feld), die äußeren Spielen sollen basierend darauf jeweils drei Rauten kreieren und pendeln zwischen zwei Zonen an den Rändern der jeweiligen Zonen. Dabei ist wichtig, dass sich die Spieler konstant in alle Richtungen orientieren, um die Bewegungen ihrer Mitspieler erkennen und durch kleinräumige, intelligente und vom Timing wie vom Speed her passende Bewegungen sich anspielbar machen oder Passwege für den Spieler am Ball in tiefere Zonen öffnen.

Aufgrund der Regeln wird Diagonalität belohnt, ohne allerdings alle anderen Passmöglichkeiten zu verschmähen. Viel mehr führt es dazu, dass Quer- und Flügelpässe jenen Wert erhalten, den sie – zumindest in unserer Spielweise so erwünscht – haben sollten: Als Mittel, um den Gegner zu Bewegung zu zwingen, zum Anlocken und Öffnen von Räumen oder zur Bestrafung des Gegners, wenn er fahrlässig die äußeren Räume dermaßen öffnet, dass ein einfacher Raumvortrag möglich ist.

Aus strategischer Perspektive wird nicht nur das Bilden von Dreiecken und Rauten gelehrt, sondern ebenfalls die Asymmetrisierung dieser Rauten in Richtung Mitte. Spieler sollen möglichst viele Ebenen in Ballnähe generieren und außerhalb dieser Rauten die Lücken in der Raute ergänzen und/oder sich für Folgeaktionen anbieten. Ist der Ball beispielsweise bei einem der tiefen neutralen Spieler, dann sollen sich die Spieler neben ihm so tief und breit wie nötig anbieten, um Raum zu öffnen. Gleichzeitig kommen die Spieler aus den Ebenen davor in ihrer Zone tiefer, um die dadurch geöffneten Schnittstellen zu besetzen. Die Spieler in der nächsten Ebene bereiten sich für die Folgeaktion vor. Somit sollen auch nie mehr als zwei Spieler in einer Linie agieren, sehr wohl aber in aufeinanderfolgenden Zonen.

Als Referenz kann den Spielern mitgegeben werden, dass die Neutralen mittig in ihrer Zone agieren sollen und Tiefe geben sollen, wenn es möglich ist, während die seitlichen Spieler auf den jeweiligen Linien der Zone spielen und dort je nach Situation zwischen zwei Zonen pendeln. Positionsdisziplin, das Vertrauen in den Mitspieler auf seine Anspielbarkeit in seiner respektiven Zone und Orientierung (visuell, auditiv und kinästhetisch!) im Kombinationsspiel werden trainiert.

Hinterlaufen, Vorderlaufen, Dribblings zum Zonengewinn oder Positionswechsel können im weiteren Verlauf im expliziten wie impliziten Coaching und Übungsdesign ergänzt werden. Auch kleine Details wie falsche Bewegungen, das dynamische Absetzen weg von der Verschieberichtung des Gegners bzw. der Passrichtung der eigenen Mitspieler, usw. können im weiteren Verlauf ergänzt werden.

Aus einer defensiven Perspektive gibt es natürlich die Möglichkeit ebenfalls wichtige Inhalte effektiv zu verpacken. So kann man den Spielern ohne Ball Hinweise und Coachingpunkte mitgeben, z.B. das Generieren einer zentrumsorientierten 2-2-2-Formation. Wichtig ist hierbei aber das Abwarten, wie die Spieler dies handhaben. Aufgrund der Linien und der Positionierung der Mannschaft mit Ball formieren sie sich zwar häufig automatisch im 2-2-2, allerdings mit allen Spielern in der gleichen Vertikallinie. Dies ist ein dankbarer Fehler für den Trainer, der zur Vermittlung von dynamischer Kompaktheit und flexibler Raumbesetzung sowie dem Generieren von Überzahl gegen den Ball dienen kann. Aus dem 2-2-2 kann dann ein 2-2-2 mit breiterer zentraler „2“ werden, wodurch die Spieler flexibler Druck aufbauen, ein besseres Pressingopfer ausmachen oder generell einfach mehr Druck auf einzelne Spieler ausüben können. Mehr Spieler sind dann im Stande in eine andere Linie zu pressen, was sich enorm vorteilhaft auswirken kann. Ein gutes Positionsspiel wiederum sorgt für ein erschwertes Pressing, was die Qualität dieser Abläufe im Sinne des constraints-led approach verbessern kann.

Nach Ballverlusten gibt es den interessanten Aspekt, dass immer in allerhöchstem Tempo gegengepresst werden muss, um Gegentore zu verhindern. Dies geschieht häufig auch in Richtung Mitte durch die Diagonalität zuvor in Ballbesitz und die Staffelung der Neutralen. Somit müssen alle sechs Spieler aggressiv in Richtung Zentrum arbeiten, gleichzeitig aber Pässe gegen die Pressingrichtung in die Tore außerhalb des Feldes verteidigen.

 

Überlegungen für größere Abschlussspiele

Grundsätzlich sollten größere Spiele am Abschluss immer jene Aspekte inkorporieren, die im Training zuvor trainiert wurden. Gleichzeitig ist es möglich, auf Spielerzahlen flexibel und kreativ zu reagieren – mit und ohne neutrale Spieler bei ungleicher Spielerzahl. So spielten wir beispielsweise in einem Training in einem 8v8+1, wobei das Feld an den Ecken jeweils eingeschnitten wurde, wodurch long-line-Pässe nicht erfolgreich sein konnten. Das 8v8+1 wurde positionsspezifisch gestaltet, wobei der Neutrale auf einer Seite als Zehner und auf der anderen Seite als Sechser spielte und sich dementsprechend bewegen sollte. Nach Ballverlusten bedeutete dies ein sehr schnelles Umschalten gegen den Ball, um diese Zonen, wo der Neutrale spielte, abzudecken.

Dadurch kreierte man einen taktischen Overload und einen Constraint auf die Achter/Zehner bei einer, die Sechser/Achter bei der anderen Mannschaft. Die grundsätzliche Aufstellung beider Mannschaften war formativ ein 3-1-2-2 bzw. eben ein 3-2-1-2. Normalerweise spielen wir immer Viererkette, hier wollten wir aber einerseits den Torhüter (er übernahm im Aufbauspiel die Position eines Innenverteidigers) speziell fordern und andererseits die defensiven Aspekte der Viererkette fördern und extremisieren, wie z.B. das extrem schnelle Einnehmen der inneren Linie zu einem direkten Gegenspieler in jenen Situationen, wo wir ausnahmsweise mannorientiert waren, das Spiel in Unterzahl in letzter Linie in einzelnen höheren Situationen, wo trotzdem ballorientiert aus der Kette heraus nach vorne verteidigt werden sollte. Implizite Effekte hatte dies außerdem auf die Spieler davor, die unbedingt aggressiv und konstant pressen mussten, um das Ausspielen der potenziellen Überzahl hinten zu verhindern.

Neutrale Spieler können aber Übungen zerstören, wenn die Übung mit Richtung stattfindet, die Neutralen positionell/systemisch unpassend eingebunden oder einfach zu viele sind. In einer Trainingsübung reagierten wir darauf bspw. mit einem klaren Unterzahlspiel (9v8) und veränderten lediglich für die Unterzahlmannschaft die Felddimensionen im Trainingsdesign anders als für die Überzahlmannschaft – oder führten Regeln wie „für Mannschaft X keine hohen oder langen Bälle) ein.

Regulatorische Aspekte wie „Räumen“ (schieben die Verteidiger und Mittelfeldspieler nicht bis zur Mittellinie bei Erzielen eines Tores, zählt das Tor nicht), „Boxbesetzung“ (schieben nicht x Spieler in und an den gegnerischen Strafraum bei Erzielen eines Tores, zählt das Tor nicht), „Schließen“ (Gegentore zählen mehr, wenn die Stürmer / Mittelfeldspieler der verteidigenden Mannschaft nicht bis in die eigene Hälfte gearbeitet haben; ggf. gekoppelt an die Anzahl der Spieler), „Abschlussfindung“ (Tore aus bestimmten Zonen / Distanzen zählen unterschiedlich viel), „Gegenpressing wird belohnt“ (Tore nach Balleroberung zählen mehr), „Tor wird belohnt“ (nach erzieltem Tor erhält man den Ball wieder) oder unterschiedlichste Zonenregeln können eingesetzt werden.

Bei Zonenregeln können in bestimmten Zonen eine andere Kontaktzahl gelten oder Pässe in bestimmte andere Zonen mit einem Punkt belohnt werden. Auch Positionierungsregeln für diese Zonen oder Gegenpressingbelohnungen/-bestrafungen (wird der Ball in einer Zone verloren und dort wiedergewonnen, ohne dass der Gegner flach herausspielen konnte, gibt es einen Punkt – bzw. erhält der Gegner einen Punkt, wenn er flach diagonal oder vertikal aus einer Zone herausspielen konnte). Das Einführen von Pass- oder Dribbeltoren in das Großfeld kann auch positive Effekte generieren.

Letztlich könnten sogar noch viel extremere Regeln eingeführt werden, die bestimmte Verhaltensweisen fördern und fordern. Je nach Design der Regeln und Präzision, welche bestimmte Aktionen forcieren, idealerweise gekoppelt an den Spielstil, die Übungen zuvor, die individuellen Fähigkeiten der Spieler (individuelle Periodisierung ist nicht nur physisch wichtig!), können in großen Spielformen bestimmte Verhaltensweisen implizit bestraft oder belohnt werden.

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