UD Las Palmas: Hinrunde 2016/17 unter Quique Setién

In der zweiten Saison unter Enrique Setién Solar, und damit auch der zweiten aufeinanderfolgenden in der ersten Liga, zeigt Las Palmas mit sauberem Ballbesitzspiel und gut organisiertem, raumorientierten Pressing was ohne viel Geld (sechstletzter Gesamtmarktwert der Liga) möglich ist.

Der Stamm-Kader

Zunächst möchte ich die wichtigsten Spieler von Las Palmas und ihre Rolle im System vorstellen.

Javi Varas, #13

Varas spielte 11 Spiele in der Hinrunde, wurde Mitte Herbst für einige Spiele gegen Lizoain getauscht, kam dann jedoch wieder zurück in die Stammelf. Insgesamt erhielt er 17 Gegentore in 11 Spielen. Varas besitzt eine bedeutende Rolle im Spielaufbau von Las Palmas, ohne dabei sehr dominant eingebunden zu werden. Vor allem in der tiefen Ballzirkulation zum Anlocken des Gegners, wie man es zum Beispiel gegen Real Madrid tat, oder zum Ausweichen für Verlagerungen, ist Varas ein nützlicher Mitspieler. Er spielt aber nicht nur saubere Verlagerungen, sondern überzeugt auch mit Sicherheit und Ruhe am Ball, wenn er attackiert wird. Varas spielt immer wieder gute Zwischenlinienpässe und bricht somit das Pressing des Gegners. Wegen ihm kann sich Sechser Roque Mesa oft höher postieren und muss nicht abkippen. Auch seine Chips auf die höher stehenden Außenverteidiger kommen meist gut, hier hat er jedoch bisweilen noch Schwächen. Seine Streuung ist nicht allzu groß, dennoch hat er hier Verbesserungspotential. Varas antizipiert Situationen meist sehr gut und läuft mit gutem Timing raus, wenn der Raum hinter seiner Abwehr bespielt wird. Wenn er es nicht muss, dann schlägt er den Ball auch nicht weg, sondern kontrolliert ihn und spielt ihn sauber weiter. Der Sevillaner zeigt jedoch auch Schwächen bei Flanken, hierbei agiert er meist zu zögerlich und bleibt eher im Tor.

Dani Castellano, #23

Castellano spielte bereits im Nachwuchs bei Las Palmas und ist gebürtiger Kanarier. Der Kapitän und Linksverteidiger hat in seiner Positionsfindung im frühen Aufbau eine sehr orthodoxe Rolle, gibt Breite und schiebt auf Sechserhöhe oder etwas darüber hinaus. Castellano ist recht passsicher, entscheidet sich meist für einfache Zuspiele in die Mitte oder dieLinie entlang, wobei zweiteres natürlich eher gemieden wird. Im zweiten und im letzten Drittel hat Castellano seine größten Stärken: Mit diagonalen Dribblings kann er sich immer wieder aus unangenehmen Situationen befreien, wenn mal keine Verbindung zu Mitspielern besteht, dribbelt er meist nach innen, was neue Staffelungen und Möglichkeiten ergibt. Bisweilen läuft er ballfern auch hinter die letzte Linie, sucht hier nach Chips oder Lochpässen, um mit flachen Hereingaben in den Strafraum seine Mitspieler zu bedienen. In direkten Duellen kann er jedoch Schwächen zeigen, gegen Real Sociedad hatte er große Probleme mit den Überladungen auf rechts mit Xabi Prieto und vor allem Carlos Vela, den er nicht unter Kontrolle bekam. Sein Timing beim Herausattackieren aus der Kette ist auch nicht immer ideal.

Mauricio Lemos, #3

Der 20- jährige Uruguayer kommt zu regelmäßigen Einsätzen in der Startelf, meist als rechter Innenverteidiger. Sein Verteidigungsstil ist geprägt von seiner starken Physis, die er meist gut einzusetzen weiß. Im Timing im Kopfball und im Anlaufen zu eben jenem fehlt ihm jedoch noch ein Stück an Qualität. Seine Passtechnik ist sehr gut, seine Entscheidungsfindung im Ballbesitz ist aber nicht immer ideal. So spielt er bisweilen zu oft den Außenverteidiger an, der sich dann unter Druck befindet, nur um sich dann nicht direkt wieder anspielbar zu machen, um das angelockte Pressing aufzulösen. Zudem streut er seine hohen Diagonalbälle noch zu oft ein, diese werden schnell berechenbar und sind in den Ansätzen immer leicht zu erkennen. Dennoch ist er ein guter Innenverteidiger, der sich natürlich noch weiter entwickeln kann.

Pedro Bigas, #17

Pedro Bigas ist einer der wichtigsten und besten Spieler von Las Palmas. Der Linksfuß spielt in der linken Innenverteidigung und ist im eigenen Ballbesitz eine richtige Waffe. Neben seinen Laserpässen, die er sowohl mit links, als auch mit rechts spielen kann, sind seine Dribblingfähigkeiten nicht zu unterschätzen. Sieht er Raum vor sich, kann der 26-jährige Dynamik aufnehmen und dribbelt so oft genug vom eigenen Aufbau bis in die gegnerische Hälfte. Nicht immer wählt er das Timing dieser Ausflüge richtig, oder er sit etwas unsauber dabei, was ihn manchmal zu Fouls nach Ballverlusten zwingt, um Konter z verhindern. Bigas‘ generelle Ballsicherheit trägt aber dazu bei, dass Las Palmas kaum mit abkippendem Sechser spielen muss und so genug Leute in den Zwischenlinienräumen der gegnerischen Formationen halten kann.

David García, #5

Mit 34 Jahren ist García einer der ältesten Spieler von Las Palmas. Der rechte Innenverteidiger überzeugt mit sauberem Laserpassspiel, das jedoch nicht immer stabil ist. Technisch sind seine Pässe sehr gut ausgeführt, in der Entscheidungsfindung ist er jedoch etwas schwächer als zum Beispiel Pedro Bigas. Mit seinen 1,82m ist er zwar kein absoluter Hüne, dennoch fällt er in Sachen defensivem Kopfballspiel doch deutlich ab und hat hier seine größten Schwächen. Im defensiven Zweikampf ist er durchschnittlich gut, weiß seine fehlende Schnelligkeit nicht immer zu kompensieren. Generell ist García als absichernder Innenverteidigertyp zu bezeichnen. Der Kapitän hat war seinen Platz in der Mannschaft sicher, Lemos und Artiles sind jedoch nicht allzu weit entfernt von ihm.

Míchel, #12

Der Brasilianer ist Stammrechtsverteidiger bei Las Palmas und macht dies grundsolide. Physisch hat er viel zu bieten, ist kräftig und schnell, kann also zumeist defensiv seine Arbeit ausreichend gut verrichten. Deswegen ist die Flügelverteidigung auf rechts auch etwas stabiler als auf links. In seinen Laufwegen im Angriff ist der ehemalige Almería-Spieler sehr linear, rückt gern weiträumig und Breite gebend mit auf.Bisweilen gibt es von ihm jedoch auch diagonale Läufe zu sehen, jedoch seltener als bei Castellano. Kreativität am Ball gs zeigt eher weniger, er trägt nicht allzu viel zum Spiel im letzten Drittel bei. Seine Dribblings gehen kaum in die Diagonale, weshalb er sich nur schwer aus bestimmten Pressingsituationen, wo ihm der longline-Pass versperrt wird, lösen kann. Hier dreht er sich dann meist nach hinten, was ihn leicht anzupressen macht. Er ist deutlich weniger pressingresistent als sein Gegenüber Castellano, seine unzureichende Orientierung drosselt seine Entscheidungsfindung und trägt dazu bei, dass er gegen intensives Pressing nur selten eine passende Lösung findet.

Roque Mesa, #15

Roque Mesa ist der tiefste Sechser von Las Palmas, er agiert auch als alleiniger Sechser im Pressing, wenn 4-1-4-1 gespielt wird. Der 1,71m kleine Spanier ist sehr vielseitig begabt und einer der zurzeit besten Spielmacher der Liga. Seine Positionierung im Aufbau ist sehr klug, er bewegt sich oft in den Schnittstellen der pressenden Stürmer und kippt nur dann ab, wenn es wirklich sein muss. Sein Passspiel beschränkt sich meist auf saubere Flachpässe und ist sehr diagonal angelegt. Seine Entscheidungsfindung und Orientierung ist sehr stark, weshalb er seine Mitspieler selten in brenzlige Situationen unter zu viel Druck bringt. Ab und an streut er gute Vertikalpässe ein, sucht sich die richtigen Momente jedoch ganz genau aus. Defensiv ist seine Spezialität das Ball Abfangen. Er adjustiert seine Position ständig, scheint den Blick des Gegners ständig mit einzubeziehen und schafft es so immer wieder Pässe abzufangen. Auch im Gegenpressing ist er sehr gut, er kann immer wieder Konter drosseln oder sogar stoppen. Durch seine Antizipationsfähigkeit sammelt er auch immer wieder zweite Bälle ein.

Vicente Gómez, #4

Der 28-jährige Spanier, der auch in Las Palmas geboren ist, agiert meist als Achter., manchmal auch als zweiter Sechser. Mit 1,88m ist er groß gewachsen und weiß dies auch im Luftkampf effektiv einzusetzen. Trotz seiner Größe ist er aufgrund seiner guten Antizipationsfähigkeit im Zweikampf auch am Boden schwer zu bezwingen, versucht jedoch den Großteil seiner Defensivarbeit prophylaktisch im Stellungsspiel zu erledigen. Im Pressing agiert er je nach Formation neben oder versetzt vor Roque Mesa und nutzt hier seinen Deckungsschatten immer klug, um Passwege zu versperren. Aus diesen Positionen läuft er auch oft aggressiv an, kann diese Intensität jedoch nicht konstant bringen. Im Aufbau bewegt er sich meist höher als Roque Mesa. Um die Gegner aus den Positonen zu ziehen und Raum zu bekommen, wechseln die beiden jedoch auch immer wieder. Mesa läuft dynamisch nach vorne, während Gómez sich mit gutem Timing fallen lässt und mit der passenden Orientierung den Ball bekommt und strategisch verteilt.

Tana, #24

Der nur 1,68 große Spanier wird von Setién auf allen drei offensiven Positionen im 4-2-3-1, oder auch als Achter im 4-3-3 eingesetzt. Der Offensiv-Allrounder weiß es im richtigen Moment die richtigen Zonen zu überladen und Verbindungen zu geben. Als Zehner lässt er sich passend in den Achterraum fallen, um diagonale Pässe durch die Schnittstellen zu empfangen. Als Flügelstürmer fühlt er sich im Halbraum wohlsten, wo er sich gerne in Engen begibt und diese mit starker Ballführung un Orientierung auflöst. Er schiebt den Ball meist schnell Hin und Her, um Druck auszuweichen, und ist sehr schwer für die gegnerischen Defensivleute zu greifen. Auch bei gegnerischem Ballbesitz nutzt er stets sein Umblickverhalten und kann so seinen Deckungsschatten besser zur Geltung bringen. Vom Flügel aus startet Tana immer wieder diagonale Läufe, bindet so die Verteidigung und reißt oft Räume für den nachrückenden Aueßenverteidiger.

Jonathan Viera, #21

Viera ist der nächste Offensivallrounder bei den Kanariern, ist jedoch ein anderer Spielertyp als zum Beispiel Tana. Er ist weniger Nadelspieler, unterstützt dafür mehr den Aufbau durch weites, dynamsiches Zurückfallen aus dem Achterraum und kurbelt hier mit strategisch gutem Passspiel an. Auch in höheren Zonen kann er mit guten Schnittstellenpässen oder Lupfern für Gefahr sorgen. Seine Orientierung und auch seine dynamischen Ballmitnahmen sind nicht immer sauber genug, sodass er manchmal das Angriffspiel seiner Mannschaft dadurch drosselt. Vor allem wenn er sich nicht vor die erste Pressinglinie, des Gegners sondern zwischen erster und zweiter anbietet zeigt er Unsauberkeiten. Viera bevorzugt generell das Spiel mit weniger Kontakten und dribbelt recht selten. Im defensiven Zweikampf ist er sehr konsequent und vor allem im Rückwärtspressing hilft er hier immer wieder zu Ballgewinnen.

Nabil el Zhar, #8

Der marokkanisch-französische Doppelstaatsbürger hat seine Stammposition am rechten Flügel. Der Rechtsfuß pendelt in der Positionsfindung zwischen Flügel und Halbraum, gibt meist gute diagonale Verbindungen und rückt situativ auch weit ins Zentrum, um Überladungen auf der linken Seite zu unterstützen. El Zhar ist ein guter gegnerschlagender Dribbler, der sowohl nach innen als auch nach außen ziehen kann. Schlägt er den Haken nach innen, sucht er in den Folgeaktionen meist Doppelpässe, um selbst wieder in die Tiefe zu gehen und Hereingaben zu spielen. Seine Auftaktbewegungen timed er gut und führt diese manchmal auch doppelt aus, um sich selbst mehr Raum zu verschaffen. Probleme hat der ehemalige Levante-Spieler aber beim Umblickverhalten. Zu selten schaut er sich um, nimmt so von hinten anlaufende Gegner nicht immer wahr. In manchen Situationen kann er sich durch starke Technik befreien, gegen Real Madrid zum Beispiel verlor er jedoch entscheidend den Ball vor dem 2:1 von Benzema.

Momo, #11

Der 34-jährige Spanier ist bereits seit 2012 bei Las Palmas und spielt meist als linker oder rechter Flügelstürmer. Im Spiel tauscht die offensive Dreierreihe bei den Kanariern jedoch sowieso sehr oft untereinander die Positionen. Agiert der Linksfuß auf seiner „natürlichen“ Seite, gibt er sehr gerne Breite und sucht eher die Hereingabe, schafft damit auch interessante Synergien mit Castellano, der ja auch oft im Halbraum vorderläuft. Im Dribbling setzt er vor allem seinen immer noch sehr guten Antritt ein, meist verbunden mit einer kurzen Körpertäuschung, nach der er sich den Ball am Gegner vorbei legt. Anschließende Flanken kommen meist sehr scharf und aus verhältnismäßig guten Zonen, wie zum Beispiel vom Strafraumeck oder sehr nah an der Strafraumgrenze. Bei gegnerischem Ballbesitz ist er zwar sehr bemüht, hat im Timing beim Ansprinten und der Deckungsschattennutzung jedoch Probleme und bekommt diese Aspekte nicht immer erfolgsstabil hin.

Kevin-Prince Boateng, #7

Der Deutsch-Ghanaer ist in der Offensive der Kanarier ein wichtiger Bestandteil. Meist als linker Flügelstürmer oder Zehner agierend, sorgt er mit seiner inividuellen Qualität für Durchschlagskraft. So kann er mit Dribblings, aber auch mit kleinräumigen Kombinationen für Dürchbrüche im letzten Drittel sorgen, was seine Hauptaufgabe in der Elf von Quique Setién ist. In seiner Positionsfindung pendelt er viel zwischen Halbraum undder Outlinie, macht dies in den passenden Momenten und erzeugt so stabile Synergien mit seinen unmittelbaren Mitspielern. Auch seine Tororientiertheit ist ein wichtiger Punkt für seine vielen Einsätze im Herbst. Bei gegnerischem Ballbesitz weiß er seine starke Physis gut zu nutzen, rückt im Pressing intensiv, wenngleich auch manchmal etwas unsauber, aus seiner Position heraus. Diese Körperlichkeit weiß er auch im Gegenpressing gut zu nutzen und gehört diesbezüglich zu den intensivsten und besten im Kader von Las Palmas.

Sergio Araujo, #10

Der Argentinier ist ein Stürmer der Klasse „Wühler“. Der 24-Jährige ist ein kombinativer Mittelstürmer, der gerne auf die Flügel ausweicht und dort bei kleinräumigen Kombinationen unterstützt. Dort agiert er nicht sehr dominant, sondern eher als Wandspieler. Durch seine Bewegungen schafft er sich selbst Räume, die er dann durch Läufe in die Tiefe versucht zu nutzen. Oftmals begibt er sich auch auf die Position des Halbstürmers, vor allem wenn er mit Livaja einen Partner hat, der die Viererkette bindet. Von den Halbräumen startet er dann Pedro-like diagonale Läufe in die Tiefe, timed diese jedoch nicht immer ideal und zu früh im Aufbau, weshalb er manchmal ignoriert wird. Vor allem gegen tief stehende Gegner, wie zum Beispiel gegen Espanyol ist er eine gute Option, da er eben nicht nur Kombinationen unterstützt, sondern sich dann auch tororientiert wieder in den Strafraum begibt.

Marko Livaja, #9

Der bullige Stürmer aus Kroatien agiert stets als alleinige Spitze. Er ist sehr arbeitsam im Pressing und weiß Verlagerungen klug abzuschneiden, indem er sich im hohen Angriffspressing zwischen die Innenverteidiger postiert. Im Mittelfeldpressing nutzt er seinen Deckungsschatten gut und lässt selten Pässe in den Sechserraum zu. Im Ballbesitz beschränkt er sich meist darauf, die Innenverteidiger zu binden, positioniert sich so ab und an zwischen den beiden, jedoch nicht immer. An der Zirkulation nimmt er meist nur mit Ablagen teil, die er entweder aus dem dynamischen Zurückfallen ins Mittelfeld spielt, oder aber in Strafraumnähe, meist in Form von kurzen Doppelpässen. Mit seiner Statur kann er sich im Strafraum meist gut durchsetzen, kommt zwar nicht immer in ideale Abschlusspositionen, ist jedoch ein sehr guter Zuarbeiter.

 

Las Palmas im Ballbesitz

 

Der Spielaufbau

Las Palmas Prunkstück in ihrem Spiel ist der Spielaufbau im 4-3-3/4-2-3-1 Hybrid. Die Mannschaft von Quique Setién ist darauf bedacht, den Ball flach nach vorne zu tragen, um sich dadurch saubere und gut vorbereitete Torchancen zu erarbeiten. Deswegen wird auch stets versucht, dass der Abstoß flach auf einen der Innenverteidiger oder den Sechser gespielt wird. Die Innenverteidiger fächern bis zur Straraumgrenze auf und lassen sich gegebenenfalls auch Richtung Torauslinie fallen, um das Zustellen der gegnerischen Stürmer auf die Probe zu stellen. Zentral rückt Roque Mesa ebenfalls bis an die Strafraumgrenze, um als Anspielstation zu fungieren. Wenn alle drei durch Zustellen des Gegners nicht anspielbar sind, gibt es dann immer noch die nach vorne geschobenen Außenverteidiger, die anschließend durch einen Chipball gesucht werden. Diese werden von Varas meist sehr genau gespielt, weshalb sie einfach zu kontrollieren oder für Folgeaktionen abzulegen sind. Die Achter rücken dann oft dynamisch nach hinten, um diese Bälle aufzufangen und auch fürs Gegenpressing bereit zu stehen.

Kann man den Ball aber über die Innenverteidiger nach vorne spielen, hat Las Palmas hier einige Mechanismen, um dies zu ermöglichen. Roque Mesa, meist als alleiniger Sechser agierend, diktiert das Aufbauspiel und wird als erster von den Innenverteidigern gesucht, um den Ballvortrag weiter fortzuführen. Er positioniert sich meist zentral vor den Innenverteidigern, um diagonal anspielbar zu sein. Von dort verteilt Mesa im Idealfall in den Zwischenlinienraum, meist ist dies jedoch nicht so direkt möglich. Deswegen unterstützen ihn die beiden Achter, Gómez und Viera beim Ballvortrag. Die beiden agierend sehr spielmachen und lassen sich oft auf eine Höhe mit Mesa fallen, um sich den Ball abzuholen. Sowohl Gómez, als auch Viera besitzen eine gute Übersicht und verteilen die Bälle aus den Halbräumen gut nach vorne oder auf die Flügel, von wo sie aber schnell wieder ins Zentrum möchten.

Exkurs: Die Achter

Gómez und Viera sind zwei Spieler, die den Spielstil Las Palmas‘ maßgeblich prägen. Natürlich ist Roque Mesa der primäre Spielmacher. Doch durch die spielmachenden Eigenschaften von Gómez und Viera, die zugleich den Ball in Engen sehr gut manövrieren können, ist die Progression ins zweite Spielfelddrittel eine sehr sichere und saubere. Durch gute Körperorientierung und Umblickverhalten können sie ihr strategisches Passspiel noch effektiver zur Geltung bringen. Gómez sind auch ankurbelnde Dribblings nicht fremd. Der 28-jährige kann überhaupt sehr vertikal agieren, auch was seine Läufe betrifft. Diese initiieren oft ein Zurückfallen des Flügelstürmers in offene Räume, um den Ball unbedrängt von Roque Mesa oder einem Außenverteidiger zu bekommen.

Über die Halbräume versucht man also den Ballvortrag auszuführen, wenn möglich in diagonaler Art und Weise. Da Roque Mesa nicht immer anspielbar ist, da es durchaus Gegner gibt, die das Pressing auf ihn fokussieren, sind die Innenverteidiger gefragt und übernehmen mehr Verantwortung im Spielaufbau. García und vor allem Bigas haben dazu die nötige Passqualität, auch Lemos und Artiles scheuen sich  nicht davor, einen Laserpass durch den Halbraum zu spielen. Dieser Vertikalpass ist natürlich immer die beliebteste Option, doch gegen gut pressende Teams wie Villarreal oder Atlético Madrid ist dieser Ball nicht immer möglich. Auch Real Madrid versuchte durch hohes, mannorientiertes Pressing die Kanarier in Bedrängnis zu bringen. Um dem Pressing zu entgehen suchen sie dann oft die tiefe Zirkulation, in die auch Torhüter Varas eingebunden wird, der saubere Verlagerungen und bisweilen auch Zwischenlinienpässe ins Zentrum spielt. Durch diese Zirkulation soll der Gegner gelockt und Räume geöffnet werden. Ist die Mitte dann immer noch nicht bespielbar, versucht man über schnelle Kombinationen im Flügel nach vorne zu kommen. Hierzu spielen Außenverteidiger und Außenstürmer oft einen Doppelpass, in dem der long-line Ball gespielt wird und der Außenverteidiger sich nach innen in den Halbraum frei läuft. Die Achter sind dann gleich ebenfalls eine Anspielstation. Diese Spielzüge werden möglichst direkt ausgeführt, um den geringen Raum am Flügel und die gefährdende Isolation durch Schnelligkeit auszugleichen. Auf der linken Seite hat man zudem in Dani Castellano einen Außenverteidiger, der auch gerne diagonal dribbelt und sich so aus engen Situationen befreien kann.

Gegen konsequente Mannorientierungen, aber auch wenn viel Raum vor ihnen ist, ist vor allem Bigas als Innenverteidiger bereit in Dribblings zu gehen. Auch Artiles ist hier mutig, García und Lemos sind hingegen eher zögerlicher und dribbeln zwar an, können im Notfall diese Situationen aber nicht im 1v1 lösen. Dies ist jedoch selten nötig, da das Bewegungsspiel der Mitspieler sehr gut aufeinander abgestimmt ist. Häufig sieht man Spieler mit gutem Timing auf einen Lauf des Kollegen reagieren. Auf das Einrücken der Flügelstürmer folgen nachschiebende Bewegungen der Außenverteidiger, Positionswechsel zwischen Achter und Flügelstürmer sind ebenfalls häufig zu sehen, gerade wenn es gegen mannorientierte Gegner geht.

Angriffsaufbau im zweiten Drittel

Da der Spielaufbau sehr sauber und geordnet vonstatten geht, wird die Fortführung des Angriffes auch im zweiten Drittel flach und strukturiert gehalten. Am wichtigsten ist hier das Postieren von Spielern im Zwischenlinienraum, welche meist die zwei Flügelstürmer, sowie ein aufgerückter Achter sind. Livaja, oder auch Araujo, versuchen die gegnerische Abwehrreihe währenddessen zu binden und so viel Tiefe wie möglich zu geben. Auf den Flügeln hat man mit el Zhar, Boateng und Tana sehr durchschlagskräftiges Potential. Vor allem Tana und Boateng können mit Dribblings immer wieder Überzahlsituationen generieren und haben auch einen guten Blick für Zuspiele in die Schnittstellen.

Oft rückt der ballferne Flügelstürmer weit bis ins Zentrum ein, damit Überladungen einer Seite ausgeführt werden können. Durch kleinräumige Kombinationen versucht man auf diese Weise entweder durchzubrechen, oder den Gegner anzulocken. Nach erfolgreichem Anlocken wird dann oft schnell auf die andere Seite verlagert, wo vor allem über rechts Míchel weiträumig nachrückt und mit viel Dynamik und Platz auf dem Flügel Hereingaben sucht. Meist wird die linke Seite überladen, da man hier mit Castellano den kreativeren der beiden Außenverteidiger besitzt. Zudem ist vor allem Boateng wirksamer von halblinks, wo er das Tor direkt in seinem Blickfeld hat. Auf der anderen Seite ist seine Orientierung nicht immer passend, weshalb es hier öfters zu weniger durchschlagskräftigen Aktionen oder sogar Ballverlusten kommen kann.

Durchbrüche werden jedoch keineswegs erzwungen. Die Mannschaft von Setién zeichnet aus, dass sie ihre Torchancen mit viel Geduld erspielen wollen. So kommt es öfter vor, dass auch nach Ballgewinn in höheren Zonen erstmal ruhig zirkuliert wird, wenn sich keine optimalen Optionen bieten. Geachtet wird hierbei darauf, ob die Körperorientierung des Ballempfängers nach vorne gerichtet ist. Ist sie dies nicht, wird normalerweise der Ball durch das Zentrum zirkuliert und wird verlagert. Bei sehr mannorientierten Gegnern arbeiten die Kanarier im Mittelfeld mit doppelter Flügelbesetzung, um den Gegner in der horizontalen auseinander zu ziehen, um dann dynamisch in den Halbraum einzurücken und dort den Ball mit etwas Zeit verarbeiten zu können.

Auch der sogenannte „tercer hombre“, also der dritte Mann, wird sehr häufig genutzt. Meist folgt das Spiel über den dritten nach einem Vertikalpass eines Innenverteidigers, wobei ein Achter oder Mesa nachrückt, um den Ball direkt zu empfangen. Livaja als Mittelstürmer ist hier mit seinen Ablagen ebenfalls ein Fixpunkt, um das Spiel über den dritten Mann vorzutragen. Der Kroate hilft auch bei den vorher erwähnten Überladungen und lässt sich bisweilen sogar in die Achterräume fallen, tut dies jedoch dynamisch und beschränkt seine Aktionen hier meist auf nur ein, zwei Kontakte.

Torchancenkreation im Angriffsdrittel

Die Kanarier verzichten in ihrer Chancenkreation weitestgehend auf Umschaltsituationen. Selten werden Konter wirklich ausgespielt, man bevorzugt es den Ball ruhig zu zirkulieren und nach Durchbrüchen zu suchen. Diese Durchbrüche gelingen meist, wie zuvor bereits angeschnitten, nach Verlagerungen. Nach Überladungen einer Seite wird der Ball über eine tiefere Station verlagert, von dort  wird meist sehr schnell und vertikal gespielt. Die Außenverteidiger spielen hier eine tragende Rolle, Castellano sucht eher Läufe in die Tiefe nach kleinräumigen Kombinationen, oft vorderläuft er auch. Míchel hingegen ist hier etwas geradliniger und sprintet meist die Linie entlang. Beide sollen jedoch nach dem Vertikalpass so bald wie möglich aus guten Positionen flanken oder eine flache Hereingabe in den Strafraum spielen. Flanken werden jedoch für eine Ballbesitzmannschaft verhältnismäßig oft gesucht. So wird der Ball oft vom Strafraumeck oder von der Strafraumgrenze hoch in die Box gespielt, selten jedoch von der Grundlinie oder aus einer breiteren Position. Von der Grundlinie werden meist Cutbacks zu nachrückenden Spielern im Rückraum gesucht. Nach Verlagerungen und folgenden Hereingaben, sowie prinzipiell Flanken, erzielt Las Palmas eine Vielzahl ihrer Tore.

Das letzte Drittel ist es auch, wo Kevin-Prince Boateng seine Wucht am besten einsetzen kann. Mit durchbrechenden Dribblings oder Läufen kommt er immer wieder in Strafraumnähe und dort zu Abschlüssen. Der Deutsch-Ghanaer ist mit fünf Toren auch Las Palmas‘ bester Torschütze. Mit seiner Physis kann er sich oft im und um den Strafraum durchsetzen und gehört zu den Spielern, die zu den primären Abnehmern der Flanken gehören. Livaja hingegen agiert meist als Wandspieler und hilft bei Kombinationen um den Strafraum herum, agiert jedoch nicht dominant, sondern konzentriert sich mehr auf die Strafraumbesetzung. Tanas Rolle ist eine sehr kombinative. Zwar besetzt er ebenfalls ballfern den Strafraum, primär beteiligt er sich aber an kleinräumigen Kombinationen oder reißt durch Läufe in die Tiefe Räume auf. Viera als höherer Achter ist oftmals bei Strafraumsituationen beteiligt und kann hier immer wieder mit Schnittstellenpässen oder Lupfern glänzen. Tana und Araujo sind hier aufgrund ihrer Läufe die häufigsten Abnehmer.

Gegnerischer Ballbesitz 

Las Palmas‘ Pressing beinhaltet vor allem zwei Grundformationen, die je nach Gegner gewählt werden. Entweder man verteidigt im 4-4-2 oder im 4-1-4-1. Minimale Anpassungen gibt es ebenfalls nach Gegner, das generelle Konstrukt bleibt jedoch meist das selbe, genau so wie die Pressinghöhe. Meistens sieht man von den Kanariern ein raumorientiertes Mittelfeldpressing, das jedoch eher passiv ist und den Gegner auf die Flügel leiten soll. Selten sieht man intensivere Pressingphasen, situativ rückt man dann doch in höhere Zonen nach und nimmt dann Mannorientierungen auf, sodass man hier oft im 4-1-3-2 presst. Diese Phasen des Angriffspressings sind jedoch sehr selten und kommen meist nur nach bestimmten Triggern vor, wie zum Beispiel einem schwachen Rückpass oder sehr schlechter Orientierung der Aufbauspieler des Gegners. Durch die das generell eher passive Verhalten bei gegnerischem Ballbesitz schafft man es somit selten auch ohne Ball die Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Dies spiegelt sich auch in der Tordifferenz wieder, die nur knapp positiv ausfällt (26:24).

4-4-2 

Das 4-4-2 wird vor allem gegen Mannschaften verwendet, die mit einer Doppelsechs aufbauen. Zu sehen war dies gegen Villarreal, wo man den Aufbau auf die Seiten drängen wollte. Hierbei agieren die Flügelstürmer sehr bedacht und schließen Passwege in die Halbräume, um dann aggressiv auf die Seiten zu schieben um diagonale Passoptionen des Gegners nach innen wieder abzufangen. Im 4-4-2 presst Las Palmas sehr positionisorientiert und formiert sich in einem dichten 4-4-Block. Die zwei Stürmer davor orientieren sich lose an den gegnerischen Sechsern und sollen das Anspiel auf jene bedrohlich machen. Probleme zeigt man im 4-4-2 jedoch oft in der Flügelverteidigung. Zu inkonsequent wird dann im Mittelfeld und vor allem in tieferen Zonen nachgeschoben, sodass der Gegner hier zu vielen Durchbrüchen kommt. Vor allem über links ist das individuelle Zweikampfverhalten von Castellano nicht immer stabil. Dies liegt an der defensiv generell eher schwächeren Paarung mit ihm und Viera.

4-1-4-1

Im 4-1-4-1 greifen etwas andere Mechanismen, als im 4-4-2. So ist Livaja hier deutlich raumorientierter und agiert mehr als Keil, um Verlagerungen zwischen den Innenverteidigern zu verhindern. Er macht dies jedoch nicht konstant, sondern generell sucht man sich strategisch gute Situationen aus, um auf Ballgewinn zu gehen und den Raum lokal zu verknappen. Im 4-1-4-1 presst man jedoch oft intensiver und weniger passiv als im 4-4-2. So rücken die Achter oft dynamisch im Sprint aus ihrer Position und setzen den Ballführenden unter Druck, sodass man immer wieder situative 4-3-2-1, oder auch 4-1-3-2 in höheren Zonen, Staffelungen erkennen kann. Das 4-1-4-1 wird gegen Mannschaften mit sehr hoch agierenden Außenverteidigern oder mit Wingbacks genutzt. Ballfern lässt sich der Flügelstürmer nämlich etwas breiter hängen oder gar in die Kette fallen, um eine Fünferkette zu bilden. Dies war vor allem gegen Real Madrid auffällig, da Nacho und Carvajal sich sehr hoch positionierten.

Gegenpressing

Gegenpressing ist wichtig, um gegnerische Konter zu verhindern oder zumindest zu drosseln. Im besten Fall kann man den Ball gewinnen und einem unorganisierten Gegner gegenkontern. Neben der dürftigen Flügelverteidigung ist das Gegenpressing Las Palmas‘ das größte Manko bei gegnerischem Ballbesitz. Trotz generell guter Ballbesitzstrukturen, die jedoch auch meist nur von Roque Mesa allein abgesichert werden, agiert man hier sehr geringintensiv und setzt oft nur individuell nach Ballverlust nach. Man orientiert sich eher nach hinten und möchte das eigene Tor „rückwärts“ verteidigen, führt jedoch die Rückzugsbewegung ebenfalls nicht sehr intensiv aus. So können die Gegner vor allem in Umschaltmomenten für Gefahr sorgen, da sie sehr schnell Tempo aufnehmen können und dies gegen eine langsam umschaltende Las Palmas-Mannschaft nutzen kann.

Fazit

Die Kanarier sind vor allem im Spielaufbau sehr stark, haben hier einige gut greifende Mechanismen und eine saubere Struktur, die den Ballvortrag auch gegen intensiv pressende Gegner ermöglicht. Auch in der Chancenkreation gehört man, was die Qualität der Tormöglichkeiten betrifft, zum oberen Drittel der Liga. In der Defensive hat man jedoch noch Probleme, vor allem das Umschaltverhalten nach Ballverlust ist recht instabil und sorgt immer wieder für gute Momente beim Gegner.

Über David Goigitzer

1v1 ist eine Lüge.
Beistriche auch.

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