Türchen 3

RM-RB-H-Rondo

von Rene Maric

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Die Spielform wurde erst vor wenigen Tagen im Training meiner U18 bei Red Bull Salzburg verwendet. In dieser Übung wird prinzipiell 8vs4 gespielt, wobei es ein 4vs4 in der zentralen Zone gibt und je zwei Wandspieler in den Endzonen. In der zentralen Zone formieren sich die Spieler in Ballbesitz zu einer Raute und versuchen von Endzone zu Endzone verlagern. Die genauen Regeln können dabei variiert werden.

Provokationsregeln und Variationsmöglichkeiten

  • Flaches Spiel als Muss (sollte allerdings eher durch die Raumdimensionen und das Pressingverhalten kreiert werden)
  • Drei Kontakte innerhalb oder freie Kontakte innerhalb
  • Wandspieler-Wandspieler geht nur 1x
  • Wandspieler direkt und Wandspieler zwei Kontakte
  • „Tor“erfolg durch erfolgreiche Verlagerung (Endzone zu Endzone)
  • Positionierungsregeln und Bewegungsregeln in den Zonen bzw. zusätzliche Zonen, um dies präziser zu machen

 

Die Form des Feldes entsprach grundsätzlich einer Art Sanduhr; die oberen Ecken kreierten die Option einer breiteren Positionierung für einen Diagonalpass und einer flacheren Option in der Tiefe für einen Vertikalpass. Somit gab es in jeder Endzone zwei Wandspieler, welche sich allerdings innerhalb dieser Endzone frei bewegen durften. Sie sollten allerdings immer eine diagonale Stellung zueinander haben, außer einer der zentralen Spieler besetzte die Tiefe in der Mitte der Endzone; dann sollten sie möglichst breit stehen oder an den Kanten der Mittelzone agieren.

Warum diese Feldform?

Die Sanduhr ermöglicht es, dass man in den Endzonen Breite und Tiefe in einer größeren Zone kreieren kann. Die pendelnde Bewegung der beiden Spieler gibt eine dynamische Referenz für die Spieler der Raute in der Mitte. Sie müssen aus ihrer engen, länglichen Zone in der Spielfeldmitte sich umgehend mit Tempo freilaufen und orientieren, wo Passwege in der Endzone frei sind und wo sich die beiden pendelnden Wandspieler befinden. Gleichzeitig sollen sie die positionell-strukturelle Verbindung in die längliche Mittelzone halten.

Die restlichen drei Spieler müssen sich sehr präzise in dieser Mittelzone bzw. leicht innerhalb der Endzone freilaufen. Positionieren sie sich zu weit oder mit zu vielen Spielern in der Endzone, bricht die Verbindung in die gegenüberliegende Endzone. Stehen sie ballnah zu weit an der Seite, sind sie nicht effektiv anspielbar. Stehen sie ballfern nicht sauber auf Lücke, werden die Pässe abgefangen. Stehen sie ballfern nicht möglichst tief und entfernt, sondern laufen zu weit zu, so werden sie bei Ballannahmen unter Druck geraten oder den Raum in Ballnähe für ihre Mitspieler versperren oder bei erfolgreichen Pässen auf einen dritten Spieler keine Staffelung mehr für die neu entstandene Spielsituation haben.

Die engere Mittelzone erzeugt außerdem Druck für Offensive und Defensive; beide werden sofort in Pressingaktionen bzw. Reaktionen auf diese gezwungen. Die technotaktische Umsetzung dieser kleinräumigen Fußballaktionen wird ebenso geschult wie das Ausbrechen daraus (idealerweise mit flachen Verlagerungen in die Tiefe) in weiträumigere Aktionen sowie eine weiträumigere Zirkulation innerhalb der Endzonen.

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Design und implizite Coachingaspekte

Zentral wurde vier gegen vier gespielt. Die vier Spieler in Ballbesitz hatten hierbei die Aufgabe eine Raute herzustellen, welche sich je nach Ballposition drehte. Ziel war es, dass in der Hälfte, wo der Ball sich befand, ein Wandspieler eine vertikale Option bot, während der ballferne Wandspieler auf der anderen Spielfeldseite eine diagonale Anspielstation darstellt. Die Raute drehte sich dann immer in Richtung des offenen Raumes und wurde dadurch diagonalisiert.

Nach Ballverlust sollte der Ball möglichst schnell und aggressiv erobert werden; die Formation wurde hierbei nicht vorgegeben, variierte allerdings zwischen einer Raute und einem 2-2. Wichtig waren eher die Prinzipien in der Arbeit gegen den Ball:

  • Umschaltmomente antizipieren und sofort proaktiv sein
  • Durchgehend und umgehend Zugriffsmomente kreieren, Druck auf den Ballführenden machen
  • Deckungsschatten aufbauen, um Passwege zu versperren und effektiv Überzahl in Ballnähe zu schaffen, ohne überspielt werden zu können; bestenfalls mit einer 2-v-1-Situation direkt am Ball
  • Verstellen und Belauern von Passwegen, Verhindern von Spielverlagerungen, Zentrumsfokus und ballorientiertes Verschieben in einem vorwiegend mitspielerorientiertem Raumdeckungsverhalten als Mittel dazu
  • Erobern von zweiten und dritten Bällen in chaotischen Situationen, Gegenpressing nach Ballverlust, vorwärtsverteidigen

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Das Pressing sollte durch die Überzahl in den Endzonen, welche dem Spiel auch eine Spielrichtung gibt, erschwert werden und einen leitenden, kurzzeitig abwartenden, gleichzeitig aber auch proaktiv Zugriffsmomente suchenden und pressingauslösenden Charakter erhalten. Im Idealfall sollte der Gegner konsequent in der Mitte durchgehend attackiert oder aus der Mitte gezwungen werden, bevor dann direkt in die Endzone hinein aggressiv verteidigt oder dies nach einer kurzen Sortierung organisiert wurde. Damit kreierte man eine spielähnliche Zonenverteidigung mit Räumen, die nie bespielt werden dürfen (jene, innerhalb einer Formation) und einem Fokus in Räume außerhalb der eigenen Formation erfolgsstabil und dennoch aggressiv heraus zu verteidigen.

Explizite Coachingpunkte

  • Warten: Tiefe geben, durch gutes Halten von Abständen Räume zwischen sich für Mitspieleraktionen offen halten, auf Pässe in die Tiefe proagieren können, auf Mitspieler- und Gegnerbewegung in deren Rücken reagieren können, Zulaufen nur, wenn Raumöffnung und Gegnerbindung oder bei Druck des Ballführenden; wenn Zulaufen unter Druck, dann nicht der Mitspieler frontal vor dem gepressten Ballführenden, sondern ein seitlicher und diagonal unterstützender Spieler. Bei Pässen unter Druck sofort nach dem Pass in die nächste Bewegung gehen, dazu orientieren. Als ballnächste Anspielstation möglichst tief absetzen, für Ablagen im Rücken gegnerischer Linien frei stehen.
  • Anspielstationen immer tief, diagonal und dahinter auf Lücke (tiefste Endzone) sowie davor zum Auflösen (nächste Endzone). Somit immer Rauten- und Dreiecksbildung, um Entwicklungs- und Verbindungsspieler haben zu können.
  • Rhythmus: Nicht zu viele Pässe in einer Zone und von gleicher Distanz, sondern anlockenden Charakter mit der Intention auf Raumöffnung und Gegnerbewegung, diese Bewegung dann bespielen. Mitspieler sollen sich gegen die gegnerische Verschiebebewegung und gegen die eigene Passrichtung kleinräumig in ihren Positionsräumen absetzen. Freilaufen und Pässe gegen die Verschieberichtung!
  • In der Vororientierung immer Blick zur Endzone (vertikal und diagonal), immer Pass auf einen Mitspieler suchen, der so weit wie möglich entfernt ist, wo aber a) der Pass nicht abgefangen werden und b) der Pass flach bleiben kann. Diese Komponente ist interaktional für den Spieler, der den Pass erhalten soll. Nur zulaufen, wenn der Gegner den Pass sonst abfangen könnte; möglichst lange Flachpasswege kreieren!
  • Wenn wir in einer Schnittstelle positioniert sind, dann immer so stehen, dass wir möglichst viel Raum nach innen haben. Stehen wir nicht in einer Schnittstelle, sondern außerhalb – Gegner im Blick haben können, so hoch wie nötig ohne den Passweg zu versperren oder direkt in einen Zweikampf zu geraten, aber so tief wie möglich, um mit dem ersten Kontakt am Gegner vorbeilaufen zu können.
  • Immer so aus dem gegnerischen Deckungsschatten kommen, dass man diagonal anspielbar ist, dass man das Spiel vor sich hat und mit offener Körperstellung in Richtung Endzone zirkulieren kann.
  • Ablagen entweder in freien Raum, wo kein Gegenspieler Zugriff hat, oder in den Fuß! Wenn in den freien Raum, dann immer vor den Mitspieler und im Idealfall auf keinen stehenden Mitspieler! Ablagen so weit nach vorne wie möglich!
  • Aktionen vorbereiten! Vororientierung besteht aus Hören (Mitspieler z.B.), Fühlen (Gegner ertasten bspw.) und Sehen, aber diese Informationen auch spieltheoretisch nutzen. Dynamik in freien Raum erzeugen, bevor der Mitspieler den Pass spielt – dadurch Raum öffnen. Antäuschende oder „falsche“ Bewegungen; lieber zu früh als zu spät!

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Hierbei wurde bewusst ein verstärktes, fokussiertes explizites Coaching der Staffelungen in Ballbesitz gesucht, um einen erhöhten impliziten Lerneffekt auf die ansonsten bekannten Grundprinzipien des Spiels ohne Ball zu erzeugen. Dabei ist auch enorm wichtig, welche Effekte dies auf Intensität und Präzision solcher Abläufe besitzt, die durch erhöhte Zugriffs- und Belauerungsschwierigkeiten verstärkt trainiert werden können. Dies ist speziell für unsere Spielweise relevant, wo in enorm hohem Tempo bei sehr großem Risiko automatisiert gepresst werden muss, um diese Spielweise erfolgreich praktizieren zu können.

 

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