Liga zon Sagres Analyse: FC Porto

Nach der schlechtesten Saison seit 1993 und dem dritten Platz in der Liga fand bei Porto diesen Sommer ein großer Umbruch statt. Mit Julen Lopetegui kam der Vilcente del Bosque des Jugendfussballs. Er gewann erst die U19 Europameisterschaft und zwei Jahre später gewann er mit der beinahe gleichen, aber zwei Jahre älteren Mannschaft die U21 Weltmeisterschafft. Er kennt den spanischen Jugendfussball wie kein zweiter und sollte im Sommer bei der Verjüngung und der Verbesserung des Kaders kräftig mithelfen. Für mehr als 80 Millionen verkaufte Porto viele Leistungsträger der vergangenen Sasion. Doch man wirtschaftet gut und investierte mit 30 Millionen eine gute Summe in neue Spieler. Lopetegui holte sechs Landsmänner in die Hafenstadt und auch viele alte Bekannte. Doch über allem stand die Verjüngung, mit Tello, Torres, Brahimi oder Casemiro wechselten viele Talente aus der spanischen Liga nach Portugal. Vilcente del Bosque und Julen Lopetegui sind nicht nur beide Spanier und haben mit ihren Teams beinahe alles gewonnen, was es international zu gewinnen gibt, nein sie sind auch beide von der gleichen Philosophie geprägt.

Porto – Maritimo Funchal

In seinem Pflichtspieldebüt als Trainer konnte er gegen das kleine Team aus Funchal direkt erfolgreich starten. Die Mannschaft spielte in einem 4-3-3. Martins Indi ersetzte Mangala und die größte Überraschung Ruben Neves ersetzte den ebenfalls zu Manchester City gewechselten Fernando. Ruben Neves ist gerade einmal 17 Jahre alt kommt aus der eigenen Jugend. Er ist ein extrem variabler Mittelfeldspieler, welcher über eine solide Technik verfügt. Als tiefster Sechser lies er sich immer leicht hinter einen Außenverteidiger kippen und stellte somit eine leichte Asymmetrie im Spiel von Porto her.

Grundformation von FC Porto gegen Martimo Funchal

Grundformation von FC Porto gegen Martimo Funchal (Zum Vergrößern anklicken)

Dazu kommt, dass einer der zwei Achter, in diesem Spiel Herrera und Torres ebenfalls zu Neves verschiebt, dann entsteht eine leichte Überladung im tieferen Halbraum. Die Außenverteidiger rücken je nach Situation weit auf oder stehen etwas tiefer um in engeren Situationen als mögliche Passoption zu dienen. Meistens rücken sie aber weit auf und geben die Breite, dadurch wird der Flügelspieler befreit und er kann in den höheren Halbraum rücken. Somit ensteht eine leichte versetzte Raute bestehend aus Neves, Torres, Alex Sandro und Brahimi teilweise ist sie auch tiefer angelegt, dann bildet Martins Indi den Anfang der Raute und Brahimi bleibt Breit. Durch die Raute hat man eine relativ hohe Kontrolle über den Raum und den Ball, da man eine Überzahl hat. Dazu bietet sie bei Ballverlusten eine gute Staffelung um ins Gegenpressing zu gehen. Es ist aber eher selten, dass sich Porto direkt über diese Raute nach vorne spielt, da sie eher als lockendes Element im Spiel von Porto zu bezeichnen ist. Durch die Ballung in einer der Halbräume wird eine Verschiebebewegung des Gegners provoziert, auf Grund der hohen ballnahen Spieleranzahl wird es für den Gegner aber schwer werden den Zugriff auf die Staffelung zu bekommen. Es ist also eine Falle sobald der Gegner verschiebt und sich der Raum verdichtet, spielen sie sich schnell aus der engen Situation und öffnen das Spiel mit langen diagonal Pässe. Ballfern bleibt der Flügelspieler immer breit, der zweite Achter- meistens Herrera -verschiebt auch immer leicht in den ballfernen Raum um bei den langen Bällen, den Flügelspieler mit vorderlaufenden vertikal Läufen zu unterstützen. Durch das Verschieben entsteht Raum am Flügel, welcher dann nach dem langen Ball sehr raumgreifend und direkt bespielt wird. Der Außenverteidiger stößt nach und es wird meistens probiert über einfach Kombination am Flügel in den Strafraum einzudringen. Gerade Danilo und Quaresma agieren schön miteinander. Danilo wählt seine Laufwege bei nachstoßenden Bewegungen sehr intelligent und Quaresma hat eine gutes Timing im Passpiel und dem Bespielen dieser Laufwege. Von diesem Angriffsmuster ist Porto sehr strak geprägt und es bindet alle Spieler sehr gut ein.

Quaresma oder Tello sind gut, wenn sie Raum haben und gefährliche Dribblins ansetzen können. Oliver Torres bewegt sich gut in engen Räumen und hat eine hervorragende Technik, diese hilft ihm die Engen aufzulösen, in denen er sich oft befindet, sobald der Gegner verschiebt. Mit Ruben Neves, Martins Indi, Casemiro und in Ansätzen ebenfalls Torres hat Porto vier Spieler, welche eine hervorragende Passgewichtung haben, sie können die diagonal Bälle extrem präzise spielen, was wichtig ist, da man sonst viele Bälle durch mangelnde individuelle Qualität verschenken würde. Das Angriffsmuster ist also trotz der auftretenden Risiken sehr passend. Das einzige Problem ist, dass sie es noch nicht wirklich schaffen, über andere Angriffsmuster Gefahr auszustrahlen. Wenn sie probieren über die variable Raute sich durch den Halbraum zu kombinieren, klappt dies meistens nicht, dann stimmen die Abstände teilweise nur kurz nicht, oder es fehlt an Präsenz im Halbraum, weil Brahimi noch zu breit steht. Die Passwinkel sind nicht immer passend und auch die Positionen der Spieler scheinen noch zu improvisiert gewählt. Es wird noch zu viel individuell gelöst und den brillanten Ballbesitz, den man von Lupetegui bei der U21 Weltmeisterschaft gesehen hat, der fehlt noch ein bisschen. Klar kann er ihn nicht so spielen wie damals mit den hochtalentierten Spaniern, aber das Team hat durchaus das Potenzial ihn Ansatzweise mit leichten portugisischen Elementen zu spielen.

In seinen zwei Spielen als Coach reicht, dass beschriebene Angriffsmuster meistens zum Sieg. Gegen Maritimo konnte man etwas glücklich nach einer Ecke in Führung gehen und dann in der 93. Minute nach einem langen diagonal Ball auf Tello und einem inversen Dribbling mit anschließendem Schnittstellenpass auf Martinez auf 2:0 erhöhen. Gegen Lille war es dann wieder der eingewechselte Tello, welcher sich nach einer Spielverlagerung raumgreifend und schnell im Verbund mit Neves auf der rechten Seite durch kombinierte. Die anschließende Flanke konnte Herrera, nachdem ein schöner Kopfball von Martinez gehalten wurde, verwerten. Bei beiden Spielen war das Probelm, dass man nicht konstant über passende Staffelungen Gefahr erzuegen konnte. Gegen Lille spielte mit Casemiro ein stratgisch schwächerer Spieler auf der Sechs, somit fiel es in diesem Spiel noch schwerer, da Casemiro teilweise komische Entscheidungen traf. Er forcierte die Raute und die Überladung weniger, sein Passpiel war zu hektisch und zu vertikal, dadurch entstanden noch unpassendere Staffelungen und die temporär mangelnde Verbindung zwischen den Mannschaftsteilen war noch gravierender. Zwei Tore entstanden also über das beschrieben Angriffsmuster.

Toranalyse

Lille – Porto 0:1

 

Szene vor dem Tor gegen Porto. Man sieht klar, dass sich auf der rechten Seite eine Rautenformation ergibt. Man hat eine Überzahl in ballnähe. Lille will sofort pressen und verschiebt stark. Um wirklich Zugriff auf die Situation zu bekommen,  müsste  Balmont (blauer Kreis)  Martins Indi pressen.  Mavuba (blauer Kreis) müsste dann aufrücken um Herrera zu übernehmen. Sobald Lille aber wirklich agressiv auf die Raute schiebt, spielt Martins Indi den Ball zu Herrera. Dieser  wurde nicht schnell genug von Mavuba gepresst, dadurch kann er sich drehen und einen langen Ball in den Raum von Tello spielen. Interessantes Detail: Martinez bindet momentan noch den zweiten Innenverteidiger, verschiebt aber, bevor der lange Ball gespielt wurde leicht nach links auf den anderen Innenverteidiger. Dadurch zieht er Basa kurz mit und die Schnittstelle zwischen Außenverteidiger und Innenverteidiger wird minimal größer. Druch genau diese Schnittstell wird später der Durchbruch generiert.

Szene vor dem Tor gegen Porto. Man sieht klar, dass sich auf der rechten Seite eine Rautenformation ergibt. Man hat eine Überzahl in ballnähe. Lille will sofort pressen und verschiebt stark. Um wirklich Zugriff auf die Situation zu bekommen, müsste Balmont (blauer Kreis) Martins Indi pressen. Mavuba (blauer Kreis) müsste dann aufrücken um Herrera zu übernehmen. Sobald Lille aber wirklich agressiv auf die Raute schiebt, spielt Martins Indi den Ball zu Herrera. Dieser wirde nicht schnell genug von Mavuba angelaufen, dadurch kann er sein Scihtfeld drehen und einen langen Ball in den Raum von Tello spielen (rot). Interessantes Detail: Martinez bindet momentan noch den zweiten Innenverteidiger, verschiebt aber, bevor der lange Ball gespielt wurde leicht nach links auf den anderen Innenverteidiger. Dadurch zieht er Basa kurz mit und die Schnittstelle zwischen Außenverteidiger und Innenverteidiger wird minimal größer. Druch genau diese Schnittstell wird später der Durchbruch generiert. Schöne Bewegung und gutes Gespür für den Verlauf des Angriffes

Die Verschiebebewegung wurde provoziert, die beiden Sechser (schwarzer Kasten) haben zu stark verschoben und viel Raum hinter ihnen geöffnet. Diesen kann Neves (blauer Kasten) nun nutzen. Tello legt den Ball mit einer Berührung auf ihn ab und wird dabei vom Außenverteidiger angelaufen.

Die Verschiebebewegung wurde provoziert, die beiden Sechser (schwarzer Kasten) haben zu stark verschoben und viel Raum hinter ihnen geöffnet. Diesen kann Neves (blauer Kasten) nun nutzen. Tello legt den Ball mit einer Berührung auf ihn ab und wird dabei vom Außenverteidiger angelaufen. Hinter diesem öffnet sich Raum

Der Sechser von Lille probeirt mit einem Sprint, den offenen Raum zu schliessen und orientiert sich nun an Neves. Dieser lässt sich inteligente nach aussentreiben, sich der Tatsache bewusst, dass Basa nicht mehr rechtzeitig den Raum hinter ihm decken könnte. Tello erkennt dies und nutz sein Tempo um in diesen Raum zu starten. Neves steckt den Ball durch. Tello hat nun Zeit den Ball in die Mitte zu flanken. Den Abpraller verwärtet Herrera. Durch das Verschieben ist viel Raum entstand. Durch die Spielverlagerung kann dieser genutz werden. Lille probiert daraufhin improvisiert und agressiv den Ball zu pressen. Dies öffnet aber wiederum Räume und am Ende stimmt selbst die Einteilung im Strafraum nicht.

Der Sechser von Lille probeirt mit einem Sprint, den offenen Raum zu schliessen und orientiert sich nun an Neves. Dieser lässt sich intelligent nach aussentreiben, sich der Tatsache bewusst, dass Basa nicht mehr rechtzeitig den Raum hinter ihm decken könnte. Tello erkennt dies und nutz sein Tempo um in diesen Raum zu starten. Neves steckt den Ball durch. Tello hat nun Zeit den Ball in die Mitte zu flanken. Den Abpraller verwärtet schließlich Hector Herrera. Durch das Verschieben ist viel Raum entstand. Die gute Spielverlagerung von Casemiro macht diesen Raum nutzbar. Lille probiert daraufhin improvisiert und agressiv den Ball zu pressen. Dies öffnet aber wiederum Räume und am Ende stimmt selbst die Einteilung im Strafraum nicht.

Porto – Maritmo Funchal 2:0

 

 

Hier sieht man wiede eine ähnliche Rautenfotmation udn wieder bestehend aus Martins Indi, Alex Sandro, Casemiro und Oliver Torres. Der Gegner press diesmal in einem 4-4-2 und beginnt in dieser Szene schon zu verschieben.

Hier sieht man wiede eine ähnliche Rautenfotmation und wieder bestehend aus Martins Indi, Alex Sandro, Casemiro und Oliver Torres. Der Gegner press diesmal in einem 4-4-2 und beginnt in dieser Szene schon zu verschieben.

Maritimo hat nun agressiv verschoben und Casemiro befindet sich eigentlich in einer Pressingfalle. Seine Winkelvielfalt ist stark reduziert. Maritimo hat durch das starek verschieben passiven Zugriff auf die lokalen Passwege bekommen. Dies erkennt Casemiro und befreit sich aus der engen Situation mit einer weiten Spielverlagerung zu Tello (roter Kreis). Auffällig ist, dass sich Herrera schon zu ihm orientiert, da er auf den langen Ball wartet, dadurch ist das Zentrum zwar kaum besetzt, aber deis spielt keine Rolle, da es meistens mit einem langen Ball überspielt wird. Die beiden Sechser (weiße Kreise) stehen nun zu weit vorne und öffnen viel Raum hinter sich (Orange). dieser scheint jetzt noch unbespielbar, kann aber in dern nächsten Szene verhängnisvoll werden.

Maritimo hat nun agressiv verschoben und Casemiro befindet sich eigentlich in einer Pressingfalle. Seine Winkelvielfalt ist stark reduziert. Maritimo hat durch das stark Verschieben passiven Zugriff auf die lokalen Passwege bekommen. Dies erkennt Casemiro und befreit sich aus der engen Situation mit einer weitem Pass zu Tello (roter Kreis). Auffällig ist, dass sich Herrera schon zu ihm orientiert, da er auf den langen Ball wartet, dadurch ist das Zentrum zwar kaum besetzt, aber dies spielt keine Rolle, da es meistens mit einem langen Ball überspielt wird. Die beiden Sechser (weiße Kreise) stehen nun zu weit vorne und öffnen viel Raum hinter sich (Orange). dieser scheint jetzt noch unbespielbar, kann aber in dern nächsten Szene verhängnisvoll werden.

Tello nimt sich den Ball herunter und stratet direkt in den orangen Raum. Die beiden Sechser (rot) können ihn nciht mehr rechtzeitig zu pressen. Martinez psoitioniert sich an der Schnittstelle.

Tello nimt sich den Ball herunter und stratet direkt in den orangen Raum. Die beiden Sechser (rot) können ihn nicht mehr rechtzeitig  pressen. Martinez positioniert sich an der Schnittstelle.

Die Innenverteidger wollen den Raum attackierne und rücken agressiv auf Tello, dadurch öffnen sich die Schnittstellen und Tello kann durchstecken auf Martinez, der im zweiten Anlauf verwandelt.

Die Innenverteidger wollen den Raum attackieren und rücken agressiv auf Tello, dadurch öffnen sich die Schnittstellen und Tello kann durchstecken auf Martinez, der im zweiten Anlauf verwandelt.

Fazit

Während das Gegenpressing und das Pressing schon gut funktionieren, fehlt es Porto vor allem im Ballbesitz an den passenden Staffelungen. In den nächsten Wochen bleibt ihm aber noch genug Zeit diese zu verbessern. Erst am 6. Spieltag trifft man auf den Sporting Lissabon, welche in ihrer jetzigen Verfassung aber noch deutlich schwächer sind. Sollte Lupetegui es schaffen, den Ballbesitz noch variabler und flüssiger zu gestalten sind sie dieses Jahr wieder Topfavorit auf die Meisterschaft. Benfica musste viele Spieler abgeben und die Dominanz der letzten Jahre scheint selten so gefährdet.

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Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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2 Kommentare

  1. Tolle Analyse, ich bin schon sehr auf den Beitrag über Benfica gespannt! Die Liga heisst übrigens in dieser Saison mangels Sponsor einfach nur „Primeira Liga“.

    • Danke für den Kommentar. Kommt wahrscheinlich am Samstag zusammen mit einem Teil zu Sporting. Wusste ich nicht, aber danke für den Hinweise.

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