Kroos und James Debüts in der Analyse

Mit dem Sieg gegen die Mannschaft aus Sevilla konnten die beiden Neuzugänge direkt ein erfolgreiches Debüt verbuchen. Sowohl der WM-Torschützenkönig James Rodriguez und der Weltmeister Toni Kroos kamen in Cardiff zum Debüt für die Madrilenen.

Grundformation von Real Madrid

Grundformation von Real Madrid

Kroos diktiert und brilliert

Toni Kroos übernahm in seinem ersten Spiel die Rolle von Xabi Alonso als tiefster Ballverteiler und Sechser. Im Aufbauspiel passte er sich den vorgegebenen Staffelungen an und lies sich immer wieder leicht hinter die Außenverteidiger fallen. Dort fand er Raum und konnte dem leichten Mittelfeldpressing von Sevilla entgehen. Er war direkt ins Spiel eingebunden und erhielt viele Bälle. Diese verteilte er, dann mit seiner strategischen Klasse sehr geschickt. Zu dem fügte er sich perfekt in den Rhythmus des Spiels ein und wechselte immer passend zwischen einem raumgreifendem Spiel und einem kleinräumigen Spiel. Die raumsschaffenden Mechanismen zwischen den drei vordersten Akteueren bei Real Madrid, bespielt er zuverlässig und mit teilweise extrem langen und präzisen Pässen. Trotz einer durchschnittlichen Passlänge von 19,5 m kam er am Ende auf eine Passqoute von 95% und hatte bei seinem ersten Spiel auch direkt die meisten Ballkontakte aller Spieler. Insgesamt zeigte er aber nicht nur offensiv eine gute und konzentrierte Leistung, sondern auch defensiv war er durchaus eine Verbesserung zu Xabi Alonso. Im Pressing war er extrem genau und hinterließ kaum Lücken beim verschieben. So konnte Sevilla selten oder kaum über die strategisch wichtigen Halbräume angreifen, sondern musste sich meistens mit den weniger gefährlichen und leichter zu verteidigenden Flügeln begnügen. Aber vor allem brillant zeigte er sich im Gegenpressing. In den letzten Jahren hat er sich kontinuierlich gesteigert und war gerade bei der WM einer der besten Pressing- und Gegenspressingspieler. Wie er auch gestern wieder zeigte, ist er sehr geschickt im Lenken und Isolieren der gegnerischen Angriffe. Gerade seinen Deckungsschatten kann er sehr geschickt nutzen, so lenkte er Sevilla im Verbund mit Modric oft in strategisch ungünstige Räume. Nicht selten, war dies das Zentrum, wenn zum Beispiel James oder Bale nicht rechtzeitig zurückgelaufen waren. Dann liefen sie den gegnerischen Spieler so geschickt an, dass ihm nur noch der Passweg ins isolierte Zentrum übrig blieb. Dort konnte der Ball, dann meistens durch dynamische Vorstöße, der vier Verteidiger gewonnen werden. So wurden die meisten Konter von Sevilla schon früh isoliert und zur Erfolglosigkeit verdammt. Am Ende kam Sevilla nur auf drei Torschüsse, was nicht zuletzt an der starken Leistung von Modric und Kroos lag. Sinnbildlich dafür wie effektiv das Gegenpressing ist, zeigt sich übrigens beim zweiten Treffer des Teams aus Madrid. Nach einem Ballverlust geht James direkt ins Gegenpressing und Kroos rückt leicht auf um die Passwege zu versperren. Der gegnerische Spieler wird nun hektisch und will einen riskanten Pass auf einen der Angreifer spielen, doch Kroos hat den Passweg bereits geschlossen, antizipiert den Pass und hat dann die Übersicht und das technische Können, den Ball an Benzema weiterzuleiten. Zwei Kontakte später zappelt der Ball im Netz und Ronaldo darf sich feiern lassen. Dieses Tor steht für mich nicht nur sinnbildlich für die Qualität von Real Madrid, sondern auch für das, was Kroos mittlerweile Xabi Alonso voraus hat. Statistisch ist dies schon seit einem Jahr der Fall, doch nun zeigt es sich auch auf dem Platz. Kroos ist nicht nur aus physischer Sicht dynamischer, sondern ist auch im Kopf schneller als Alonso. Er ist die moderne Version zu Xabi Alonso.

Hier sieht man einen statistischen Vergleich zwischen Alonso und Kroos. Wie man klar erkennen kann, führt Kroos jede Statsitik an.

Hier sieht man einen statistischen Vergleich zwischen Alonso und Kroos. Wie man klar erkennen kann, führt Kroos jede Statsitik an.

 

In diesem Diagramm werden Alonso und Kroos in eher defensiven Werten verglichen. Hier ist Alonso bis auf zwei Werte besser. Man muss aber sagen, dass Kroos bei Bayern oft auf der Acht gespielt hat und somit Defensive nicht so gefordert war, wie Alonso bei Madrid. Als Kroos bei der Weltmeisterschaft eine tiefere Rolle einnahm, stiegen seine Werte in jeder Kategorie an. Zwar nicht stark, aber trotzdem geht die Tendenz von Kroos immer stärker in Richtung Alonso.

In diesem Diagramm werden Alonso und Kroos in eher defensiven Werten verglichen. Hier ist Alonso bis auf zwei Werte besser. Man muss aber sagen, dass Kroos bei Bayern oft auf der Acht gespielt hat und somit Defensive nicht so gefordert war, wie Alonso bei Madrid. Als Kroos bei der Weltmeisterschaft eine tiefere Rolle einnahm, stiegen seine Werte in jeder Kategorie an. Zwar nicht stark, aber trotzdem geht die Tendenz von Kroos immer stärker in Richtung Alonso.

In dieser Statistik kann man nochmal sehen, wie Kroos und Alonsos Leistung im Vergleich zu den besten Sechsern der Welt einzuordnen ist. Klar wird, dass Kroos trotz einer hohen Passanzahl eine hohe Passqoute hat und schon fast auf einem Level mit Xavi liegt. Xavi liegt mit einer durchschnittlichen Passlänge von 15,6 m aber weit hinter Kroos, der mit einer Passlänge von 19,1 m und einer Passqoute von 92% diese Kategorie Weltweit anführt.

In dieser Statistik kann man nochmal sehen, wie Kroos und Alonsos Leistung im Vergleich zu den besten Sechsern der Welt einzuordnen ist. Klar wird, dass Kroos trotz einer hohen Passanzahl eine hohe Passqoute hat und schon fast auf einem Level mit Xavi liegt. Xavi liegt mit einer durchschnittlichen Passlänge von 15,6 m aber weit hinter Kroos, der mit einer Passlänge von 19,1 m und einer Passqoute von 92% diese Kategorie weltweit anführt.

James: Neuer Spielertyp, neue Probleme

Während Kroos seinem Vorgänger oder sagen wir Teamkamerad Xabi Alonso doch ähnlich ist, ist James seinem Mitspieler di Maria nicht ganz so ähnlich. Während Di Maria in seiner früheren Zeit bei Real Madrid oft als Flügelspieler eingesetzt wurde, ist James vom Profil eher einem modernen Zehner am nächsten. Doch Ancelotti wollte sein Konzept des letzten Jahres nicht umwerfen und probierte zunächst, dass James spielt, wie Di Maria. James sollte im passenden Moment auf die Flügel ausweichen und Räume schaffen, Schnittstellen für Ronaldo öffnen und dann entweder mit schönen Pässen oder dynamischen Dribblings für Furore sorgen. Er agierte quasi als Zuarbeiter von Ronaldo. Dies konnte er aber nicht ganz so umsetzen, da er eher aktiver und präsenter ist, als di Maria. Dies hängt aber aber auch mit seiner vorherigen Rolle zusammen, die es quasi von ihm forderte aktiv zu sein. Und genau dies sah man James sehr stark an, er agierte in vielen Szenen noch zu stark, wie bei Monaco, so lies Rodriguez sich unpassend fallen, wollte kombinieren und überladen. Diese Versuche wirkten aber oft hilflos und wurden kaum bespielt und genutzt, da der Rhythmus von Madrid ein ganz anderer ist. Räume werden bei Real aber nur temporär überladen und das Spiel ist viel direkter, dynamischer und schneller als James es von seinen vorherigen Vereinen gewohnt war. Dies zeigte sich auch in seiner Entscheidungsfindung, die teilweise unpassend war. So nahm er des öfteren, die Dynamik aus dem Spiel, indem er den Ball auf einen der Sechser prallen lies. Insgesamt wirkte es so, als spielte er nicht im Rhythmus des Spiels. Er wich unpassend aus und war gerade in der ersten Hälfte des Spiels kaum vorhanden. Zwar sammelte er viele Ballkontakte, indem er sich fallen lies, aber wirklich hilfreich, war er für das Spiel der Madrilenen nicht. Doch im zweiten Durchgang sollte sich dies ein bisschen bessern, er fand nun öfters den Rhythmus und konnte sich wie beim 2:0 sogar ab und an als Zuarbeiter für Ronaldo zeigen. An diesem Treffer war er zwar nicht direkt beteiligt, konnte aber durch sein dynamischen Gegenpressing, den entscheidenden Fehlpass provozieren. Außerdem orientierte er sich im passenden Moment zum Flügel hin und konnte so den Außenverteidiger mitziehen und die Schnittstelle für Ronaldo öffnen. Das James nicht di Maria ist, weiß Ancelotti jetzt und es liegt nun an ihm James ein passendes Umfeld zu schaffen, in dem er seine unglaublichen individuellen Fähigkeiten ausnutzen kann.

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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