Zweite Trainingswoche: Raumaufteilung mit und ohne Ball

In dieser Woche haben wir im Pressing noch weitere Mechanismen etabliert (Erste Trainingswoche: Hohe Intensität im Pressing. Wir schieben von innen nach außen und isolieren den Gegner am Flügel). Wie presst der Sechser? Wie wird er abgesichert? Außerdem haben wir das Umschaltspiel nach einem hohen Ballgewinn trainiert. Letzte Woche konnten wir zwar 20+ Bälle in der gegnerischen Hälfte gewinnen, aber die Spieler haben noch zu wenige Ideen, wie sie anschließend hinter die letzte Kette kommen können.

Übung 1: Verschieben im Pressing und Umschaltspiel

6-gegen-6. Zentrumbesetzung im Pressing und Tiefenläufe nach Ballgewinn.

Die Spieler pressen im 1-3-2. Wenn sie nicht den Ball haben, stehen die Flügelspieler und die Sechser sehr eng und decken den grünen Raum ab. Wenn der Ball in den grünen Raum kommt, schiebt der Sechser oder die Flügelspieler aggressiv auf den Ball und drücken den Gegner raus. Die zwei verbleibenden Spieler müssen dann sofort einrücken und die Position übernehmen. Der grüne Raum darf mit und ohne Ball nicht unbesetzt sein. 

Pressing von Atletico Madrid

Saul schiebt hoch. Er läuft durch. Es entsteht ein flexibles 4-3-3, weil der rechte Flügelspieler sich zu Vidal orientiert und den offenen Raum abdeckt.

Als Inspiration für dieses Pressing dient Atletico. Es ist sehr beeindruckend, wie tief die Flügelspieler dort einrücken und die herausrückenden Sechser absichern. Durch das einrücken werden Pässe ins Zentrum geschlossen und es werden Passwege zum Flügel angeboten. Außerdem setzen die Spieler solche Anweisungen schneller um, die Verbindung aus Aktion X von Mitspieler A = Aktion Z von mir ist irgendwie fester und intuitiver als die Verbindung aus Aktion X von Gegenspieler A = Aktion Z von mir. Ich weiß nicht genau woran es liegt, dass die Spieler solche Anweisungen schneller umsetzen, könnte mir aber vorstellen, dass es einen höheren Fokus auf die Mitspieler gibt und mehr wahrgenommen wird. Außerdem attackiert der Sechser in dem konkreten Beispiel auch den Ball, steht somit im Zentrum des Spiels. 

Ähnliche Situation. Der linke Flügelspieler rückt hier sehr weit ein und orientiert sich zu Vidal. Passwege zum Flügel werden geöffnet und der Pass provoziert.

Tiefenläufe

Wenn die Spieler den Ball gewinnen, sollen sie schnell umschalten und Läufe hinter die Kette machen (rote Linie). Die rote Linie fungiert als Abseitslinie. Letzte Woche hatten wir zwar viele Ballgewinnen, machten aber zu selten Bewegungen hinter die Kette. Auch in dieser Übung hat es noch nicht so gut funktioniert, für die Spieler sind Tiefenläufe relativ schwer, da sie viele verschiedene Dinge koordinieren und timen müssen (Position des Balles, Sichtfeld des Mitspielers, Position der Gegenspieler, eigener Lauf (Tempo, Timing)). Außerdem ist es für sie nicht besonders intuitiv sich nach einem Ballgewinn vom Ball wegzubewegen. Der erste Impuls ist die Bewegung zum Ball. 

Übung 1.1: Spiel über die Halbräume und Läufe hinter der Kette

11-gegen-11. Auf eine Hälfte. Spiel über die Halbräume, Flügelbesetzung und Läufe hinter die Kette.

Bei dieser Übung haben wir 30. Minuten 11-gegen-11 auf eine Hälfte gespielt. Es sollen maximal zwei Spieler in der Flügelzone stehen und ein Tor bei dem durch die Stangen gespielt wird, zählt doppelt. Dadurch sollte das Spiel über die Halbräume forciert werden und die Spieler haben bei ihren Tiefenläufen eine zusätzliche Orientierung. Sie müssen nicht mehr so viele Dinge beachten (Pass durch die Stangen hinter die Kette möglich = Lauf hinter die Kette). Dadurch lernen sie bestimmte Muster wahrzunehmen, Muster A = Aktion B oder Aktion C. (Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht auch gefährlich ist, wenn sie sich zu stark an bestimmten Mustern orientieren).

Bei dieser Übung haben sie die Stangen häufig ignoriert. Dies lag aber auch an der ungünstigen Position der Stangentore. Diese waren genau an der Mittellinie positioniert, deswegen wurden sie zu schnell überspielt. Idealerweise bräuchte man vier Stangentore, die etwas höher stehen. So hat dann jede Mannschaft vier unterschiedliche Stangentore, die sie bespielen können (zwei in tieferen Zonen (Positionierung der Sechser) und zwei im hohen Halbraum (Positionierung Flügelspieler, Stürmer und Zehner)).

Alternative Aufteilung.

Übung 2: 3-gegen-3

Bisher haben wir vor allem gruppen- und mannschaftstaktische Abläufe trainiert und oft 6-gegen-6 oder mehr gespielt. In diesen Spielformen haben die Spieler viele Pausen, kommen nicht so oft an ihr Maximum und haben nicht so viele Aktionen. Außerdem müssen sie sehr aktiv mit dem Kopf dabei sein und sind immer an gewisse Regeln gebunden, die sie beachten müssen. Der mentale Stress ist sehr hoch. Deswegen wollen wir in den nächsten Wochen mehr Übungen einbauen, in denen die Spieler individualtaktische Aspekte üben und physisch an ihre Grenzen kommen. 

Deswegen haben wir am zweiten Trainingstag 3-gegen-3 in einem 20×15 Meter großen Feld gespielt. Wir haben immer vier Minuten gespielt und dann eine Minute Pause gemacht (3x Durchgänge). In den vier Minuten sollen die Spieler komplett an ihre Grenzen gehen, damit sie die nötige Fitness bekommen. 

Übung 2.1: 6-gegen-4+1

6-gegen-4+1. Pressing und Gegenpressing.

In dieser Übung spielen die Spieler in einem runden Feld. Dadurch werden sie gefordert.

Die Übung ist relativ simpel. Die sechs Spieler mit Ball sollen den Ball halten und 10 Pässe spielen. Wenn sie 10 Pässe gespielt haben, können sie ein Tor erzielen. Dadurch ändert sich die Situation innerhalb der Übung und die Spieler müssen sich neu orientieren. Übungen bei denen sich das Ziel ändert, finde ich persönlich sehr spannend, da die Spieler sich dem neuen Ziel entsprechend anpassen müssen (Wie muss ich mich positionieren, wenn wir den Ball halten wollen? Wie positioniere ich mich, wenn wir auf 4 Tore spielen?). In diesem Prozess werden die Schwächen in der Positionsfindung sehr deutlich und können gecoacht.

Die Spieler in der Mitte müssen den Ball gewinnen und anschließend schnell umschalten und ein Tor erzielen.

Der neutrale Spieler spielt für die ballbesitzende Mannschaft, muss sich also ebenfalls schnell umorientieren. Er soll sich bewusst in die engen Situationen bewegen und sich aus dem Deckungsschatten der Gegenspieler lösen, um Pässe im Zentrum zu erhalten. Der neutrale Spieler wird alle zwei Minuten gewechselt. Die Spieler in der Mitte werden ebenfalls nach einer bestimmten Zeit gewechselt. 

2.1: Variationen

Bei dieser Übung kann man sehr einfach Variationen einbauen. Man kann jedem Tor noch eine Farbe zuordnen und dann dürfen die Spieler nach 10 Pässen oder dem Ballgewinn nur auf das rote/blaue/gelbe oder grüne Tor spielen (oder grüne und gelbe). Entweder wird vorher festgelegt auf welches Tor sie spielen dürfen oder erst nach 10 Pässen. So ändert sich die Situationen immer leicht. Allerdings sind viele Spieler am Anfang noch zu sehr damit überfordert und dann macht ihnen die Übung keinen Spaß. 

Außerdem kann man die Tore verschieben. Z.b alle auf eine Seite oder sehr asymmetrisch. Eins könnte man auch umdrehen, dann müssen die Spieler um das Tor dribbeln. 

  • Variation 1: Ballbesitzende Mannschaft spielt nur auf zwei Tore
  • Variation 2: Ballbesitzende Mannschaft spielt nur auf zwei Tor, welches nach 10 Pässen angesagt wird
  • Variation 3: Ballbesitzende Mannschaft muss auf das Tor, welches nach dem 10. Pass am weitesten weg ist, spielen.
  • Variation 4: Ballbesitzende Mannschaft muss ansagen, auf welches Tor sie spielen wollen.
  • Variation 5: Ballbesitzende Mannschaft muss nach dem 10. Pass ansagen, auf welches Tor sie spielen wollen.
  • usw.

Da gibt es unendlich viele Variationen, die man sehr gut einbringen kann. Man kann z.B alle 3. Minuten wechseln und so neue Reize und Ziele setzen.

Fazit

In dieser Trainingswoche wurde die Komplexität nochmal gesteigert. Die Spieler haben jetzt schon konkretere Vorstellungen davon, wie sie es schaffen den Gegner im Pressing nach außen zu lenken und unter Druck zu setzen. Außerdem wurden die Spieler mit vielen verschiedenen Situationen konfrontiert, die sie sehr frei lösen sollten.

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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Ein Kommentar

  1. Hi CF,
    bei der ersten Übung ist es ggf auch möglich, eine Dreiecksbildung mit drei Stangen aufzubauen und zwei leichte schrägen einzubauen. Der vorletzte Pass soll in den Halbraum kommen. Leichter zu bespielen und schwieriger zu verteidigen ist es hierbei mit einer Diagonalität im Pass. Ein rein vertikaler Pass ist leichter abzufangen und von der technisch von der Passchärfe schwieriger umzusetzten.
    Mich würde interessieren, wie deine theoretische Anpassung mit vier Stangentoren funktioniert. Würde mich über das teilen nach deiner Umsetzung freuen.

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