Glasgow City FC – Vfl Wolfsburg 1:9

Der VFL Wolfsburg startet eindrucksvoll in das Champions League Turnier in Spanien. Im folgenden Artikel werde ich die verschiedenen taktischen Abläufe analysieren. 

Glasgows 4-4-2 im Pressing

Glasgow presste in einem 4-4-1-1/4-4-2. Sie verteidigten insgesamt sehr mannorientiert und Wojcik lies sich öfters tiefer fallen und orientierte sich zu Engen. Engen konnte durch ihre geschickt Positionsfindung die Position der Gegner manipulieren und 4-4-1-1/4-5-1 Staffelungen provozieren. So öffneten sich viele freie Räume, die Wolfsburg im Spiel nach vorne sehr gut nutzte.

Rolle von Engen

Engen steht höher. Wojcik verfolgt sie. Hendrich kann im Aufbauspiel andribbeln.

Im tieferen Aufbauspiel stand Engen sehr hoch und positionierte sich im Zentrum. So zog sie Sharon Wojcik mit und es entstanden 4-4-1-1 Staffelungen. Deswegen konnten Hendrich und Goessling weit in die Halbräume andribbeln. Wojcik rückte erst zu spät raus und konnte sie dann nicht mehr zum Flügel drücken.  

Engen steht höher. Zieht den linken Sechser aus dem Passweg in den Halbraum. Doorsoun-Khajeh (RV) rückt in den Halbraum ein.
Doorsoun-Khajeh kann ohne Zeitdruck aufdrehen. Harder kann tief gehen oder diagonal nach innen ziehen.

Wenn Wojcik nach außen schob, um Hendrich zu pressen, stand Engen deutlich höher und orientierte sich zur ballnahen Sechserin von Glasgow. Diese stand dadurch etwas höher und es entstanden freie Räume im Halbraum, den Wolfsburg sehr variabel besetzte.

Horizontale Bewegung von Engen in den Halbraum. Popp lässt sich fallen und besetzt den offenen Raum im Zentrum.

Außerdem nutzten Popp und Engen sehr geschickt die Mannorientierungen aus. Engens vertikale Läufe, öffneten Räume im Zentrum in die Popp sich bewegte und das Spiel ankurbelte. Glasgow fokussierte sich im Pressing zu stark auf Engen und Wolfsburg fand dafür viele gute und variable Lösungen. 

3:0 von Engen. Popp steht tiefer. Engen schiebt vor. Pajor geht tief und Engen besetzt anschließend das Zentrum.

Dies sieht man sehr gut bei dem 3:0 von Engen. In dieser Szene steht Engen sehr hoch, provoziert so eine 4-5-1 Staffelung bei Glasgow, die nicht ideal ist, um die die Halbräume zu verteidigen und die Innenverteidiger unter druck zu setzen. 

Gleichzeitig lässt Popp sich etwas fallen und besetzt den tieferen Sechserraum. Die hohe Stellung von Engen wird also gut ausbalanciert. 

Als Pajor im letzten Drittel dann zum Flügel ausweicht, schiebt Engen in den Strafraum und besetzt das Zentrum. 

Dieses Tor zeigt die Qualitäten vom Vfl. Sie haben sehr viele klare gruppentaktische Abläufe, die die Spielerinnen variabel anwenden, um Schwächen im gegnerischen Pressing zu nutzten. Sie sind im Spiel nach vorne balanciert und haben oft eine sehr gute Struktur mit Ball. 

Überladungen und Rotationen im rechten Halbraum

Durch die Bewegungen von Engen wurden die Passwege in die Halbräume geöffnet. Im nächsten Abschnitt werde ich die Halbraumbesetzung und die gruppentaktischen Abläufe im rechten Halbraum analysieren. Es gab mehrere Muster, die meistens von Huth oder Harder initiiert wurden. 

Harder initiiert die Bewegungen um den Halbraum.

Harder lässt sich raus auf den Flügel fallen. Huth gleicht diese Bewegung aus, bewegt sich ein bisschen nach innen und zieht den linken Außenverteidiger mit.

1:0 von Harder.

Durch die Bewegung von Huth hat Harder am Flügel etwas Platz und kann den Ball dort ohne Zeitdruck annehmen und aufdrehen. Außerdem positioniert sich Huth geschickt in der Schnittstelle und kann direkt hinter die Kette starten. Diese Bewegung nutzt Harder als Bindungspunkt, um in die Mitte zu ziehen und zum Abschluss zu kommen. 

Manchmal stand Huth bewusst etwas tiefer und öffnet so Raum im Rücken der Außenverteidigerin. Dieser Raum wurde geschickt von Pajor besetzt. Harder bot sich in solchen Situation im Halbraum an.

Tiefe Huth. Ausweichende Harder.

In dieser Situation bewegt sich Huth geschickt in den tiefen Halbraum und nimmt eine spielmachendere Rolle ein. Harder weicht sofort auf die rechte Seite in den Raum hinter Huth aus und erhält einen Pass in die Tiefe. 

Diese Szene zeigt das Zusammenspiel von Huth und Harder. Beide variieren zwischen einer ausgleichenden und spielmachenden Rolle und passen sich sehr flexibel an die Situation an. 

Huth bindet den Sechser. Harder steht höher.

Hier steht Huth erneut etwas tiefer und besetzt die Position des Achters. Dadurch bindet sie den gegnerischen Sechser und öffnet den Passweg für Hendrich. Harder steht dafür etwas höher und kann den Ball im Halbraum kurz vor dem Strafraum erhalten. 

Im Moment des Passes startet Doorsoun-Khajeh einen Sprint hinter die Kette und zieht so den rechten Außenverteidiger mit. Harder kann sich ins Zentrum bewegen. Pajor und Popp bewegen sich in den Strafraum.

Häufig wechselten Huth und Doorsoun-Khajeh ihre Position. Huth stand dann wesentlich tiefer und fungierte als spielmachender Außenverteidiger und Doorsoun-Khajeh besetzte den hohen Halbraum. 

Insgesamt waren ihre Überladungen auf der rechten Seite sehr flexibel. Sie wählten zwischen verschiedenen Mustern, fanden eine gute Balance in ihren Bewegungen und kamen deswegen im letzten Drittel häufig ins Gegenpressing und zwangen Glasgow zu langen Bällen. 

Flachere Strukturen auf der linken Seite

Auf der linken Seite hatten sie allerdings häufiger Probleme im Ballbesitz. Harder bewegt sich häufiger nach rechts und Popp lies sich gerne fallen, wenn Engen seitlich auswich. Deswegen war der linke Halbraum seltener besetzt und sie mussten die Angriffe nach Verlagerungen sehr einfach zu Ende spielen. Rolfö könnte im nächsten Spiel etwas häufiger einrücken, dann könnten sie die Verlagerungen stärker über die Halbräume spielen und müssten nicht vom Flügel rein spielen. Wedemeyer schob zwar immer etwas nach innen, aber besetzte eher die tieferen Halbräume. Zu selten kamen sie über diese Seite in die höheren Halbräume. Wobei Bremer sich in der zweiten Hälfte stärker um die linken Halbräume herum bewegte.

Durch die leicht eingerückte Stellung von Wedemeyer konnten sie Glasgow im Gegenpresssing trotzdem ins Zentrum lenken. Deswegen konnte Glasgow  die teilweise suboptimalen Staffelungen im linken Halbraum nicht wirklich bespielen. 

3-4-1-2

3-1-4-2

Im Verlauf der zweiten Halbzeit stellte Wolfsburg auf ein 3-1-4-2 um. Wedemeyer spielte auf der linken Seite im Aufbauspiel tiefer und bildete mit Hendrich und Goeßling eine Dreierkette. Huth rückte von der rechten Seite in die Sturmspitze und Blässe fungierte als Wing-Back. Im Zentrum blieben sie bei ihrer 1-2 Staffelungen, wobei häufiger vertikal rotiert wurde. Huth ließ sich häufig in die Halbräume fallen. Im 3-1-4-2 konnten sie im tiefen Aufbauspiel eine sichere Ballzirkulation etablieren und Bremer und Huth attackierte sehr geschickt die äußeren Schnittstellen und provozierten Pässe hinter die Kette.

Gute Bewegungen hinter die Kette. Sichere Zirkulation im Aufbauspiel. Tiefere Positionierung der Innenverteidiger.

Fazit

Sehr beeindruckende Leistung von Wolfsburg. Sie sind im Ballbesitz sehr stabil und verfügen über viele verschiedene gruppentaktische Abläufe, die sie variabel nutzen können, um die defensive Ordnung des Gegners aufzubrechen. Gegen das passive 4-4-2 von Glasgow haben diese Muster hervorragend funktioniert. Es wird spannend zu sehen, ob es ihnen auch gegen Barcelona gelingt, freie Räume zu kreieren und Harder in offene Positionen zu bekommen. Es ist gut möglich, dass Lerch gegen Barcelona auf ein 3-1-4-2 umstellt. Damit fallen zwar die spannenden gruppentaktischen Abläufe zwischen Harder, Huth und Doorsoun-Khajeh weg, aber insgesamt könnten sie so eine breitere und stabilere Struktur im Ballbesitz erzeugen und schneller die Räume hinter der Kette attackieren.

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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