Training von Tiefenläufen

Taktischen Probleme durch schlechte Anwendung von Tiefenläufen. 

Wir hatten zwei unterschiedliche Probleme am Anfang der Saison.

  1. Unser Zehner ist zu früh und zu oft tief gegangen, dadurch hatten wir im Ballbesitz Probleme im Zentrum, die Verbindungen waren häufig zu flach und wir mussten zu schnell zum Flügel spielen.  
  2. Der Stürmer und unsere Flügelspieler sind zu selten tief gegangen, dadurch hatten wir zwar situativ eine stabile Zirkulation im letzten Drittel, kamen aber selten hinter die letzte Kette des Gegners.

Definition Tiefenläufe

Diese grobe Definition zu Tiefenläufen hat sich im Prozess ergeben. Die verschiedenen Ideen zu Tiefenläufen in einem größeren Kontext zu sehen und eine Ordnung herzustellen, hat mir sehr geholfen, da ich so genauer feststellen kann, welche Elemente mir wichtig sind und dann spezifisch Übungen entwerfen kann, die mehrere Elemente vereinen und trainieren. 

1. Wirkung/Ziel von Tiefenläufen

1.1 Tiefenläufe werden genutzt, um hinter die letzte Kette des Gegners zu kommen.

1.1.1 Von dort kann der letzte Pass gespielt oder der Angriff abgeschlossen werden.

1.2 Tiefenläufe werden genutzt, um freie Räume zu schaffen.

1.2.1 Tiefenläufe werden genutzt, um Räume im Zwischenlinienraum zu schaffen, da die Kette des Gegners zu einer Bewegung gezwungen wird. 

1.2.2 Tiefenläufe werden genutzt, um die einheitliche Höhe der Kette zu brechen und so Räume für weitere Läufe zu schaffen.

2-5. Verschiedene Aspekte in der Ausführung von Tiefenläufen (Zeitlich sortiert)

2.1 Der Spieler setzt sich von seinem Gegenspieler ab.

2.2 Die Bewegung ist zum Tor hin.

2.2.1 Bewegungen zum Flügel können genutzt werden, um die Spielrichtung zu verlagern und enge Situationen aufzulösen, sind aber nicht besonders nützlich, da man leicht am Flügel isoliert werden kann.

3.1 Der Laufweg sollte diagonal sein.

3.2.1 Dadurch wird der Verteidiger gekreuzt, der Spieler hat eine offene Stellung und kann den direkt Ball mitnehmen.

4.1 Die Bewegung (mit Ziel Abschluss) attackiert die Schnittstellen zwischen Außen- und Innenverteidiger oder zwischen den Innenverteidiger.

4.1.1 Bewegungen vom Flügel hinter den Außenverteidiger bereiten den letzten Pass vor, kreieren aber selten direkt einen Abschluss.

4.1.2. Der Spieler sollte die zentralste Option wählen. (Nicht zwingend, sollte je nach Ziel variieren, Torabschluss vorbereiten, Angriff abschließen oder enge Situation auflösen)

4.2 Der Spieler kann sich horizontal bewegen und dann tief gehen.

4.2.1 Die horizontale Bewegung kann von innen nach außen oder von außen nach innen geschehen.

4.3 Der Spieler kann Bogenläufe nutzen, um aus dem Abseits und somit aus dem Blickfeld des Gegners zu kommen.

4.4 Der Spieler kann sich nur vertikal bewegen.

4.4.1 Der Spieler kann entgegen kommen und dann in die Tiefe starten

4.4.1.1 Der Spieler kann aus dem Abseits entgegen kommen und somit seine Bewegung außerhalb des Blickfeld des Gegners zu starten.

5. Timing

5.1 Die Bewegung gibt den Pass vor, nicht der Pass die Bewegung.

5.2 Wenn Spieler 1 aufdreht und ein offenes Sichtfeld hat, startet Spieler 2 seine Bewegung.

Diese grobe Einteilung würde ich bei Tiefenläufen machen.

Je nach Spielweise variiert die Gewichtung. 

Zum Beispiel erhalten die offensiven Spieler bei uns viele Bälle zentral im Zwischenlinienraum, (zu) selten gibt es Bewegungen in den Halbraum, deswegen finde ich es besser, wenn der Flügelspieler stärker einrückt und dann die zentraleren Schnittstellen attackiert, da die äußeren Läufe vom Flügel hinter den Außenverteidiger nicht so gut bedient werden können. 

Bei PSG rückt aber zum Beispiel Neymar vom Flügel häufig ins Zentrum und Mbappe macht dann die Gegenbewegung. Er lässt sich auf den Flügel fallen und zieht dann hinter die Kette. Da macht es durchaus Sinn, da die Spieler gut nachrücken und er den Ball dann nochmal quer legen kann, außerdem destabilisieren die gegensätzlichen Bewegung die letzte Kette des Gegners und Pässe in die Schnittstelle werden einfacher. 

Bei uns würde ich deswegen vorgeben, dass die zentralere Option öfter gewählt wird und der Spieler diese stärker fokussiert. Bei PSG macht es aber durchaus Sinn, dass Mbappe einen höheren Fokus auf seitliche Tiefenläufe hat.

Übungen

Übung 1

Über mehrere Wochen haben wir 1-2 Übungen pro Woche zu Tiefenläufen gemacht, dabei haben wir probiert die oberen Prinzipien zu vermitteln. 

Wir begannen mit einfachen Übungen und fügten dann immer wieder neue Elemente hinzu, um die Schwierigkeit zu erhöhen und den Spielern regelmäßig neue Anforderungen zu stellen.

Die erste Übung die wir zum Thema Tiefenläufe machten, sah wie folgt aus. Wir spielten auf zwei kleine Tore und unterteilten das gesamte Spielfeld in drei Felder. An beiden Seiten gab es eine Endzone (grün). In diese Endzone dürfen sich die Spieler erst bewegen, wenn sie fünf Pässe gespielt haben. Die Linie zwischen der Endzone und dem weißen Quadrat in der Mitte ist die Abseitslinie, der Pass muss gespielt werden, bevor die Spieler diese Linie überqueren. 

In dieser Übung sollten die Spieler ein Gefühl für die Bewegung in die Tiefe bekommen, ohne dass sie großartig eingeschränkt sind oder verschiedene Dinge beachten müssen. 

Übung 2

Beim nächsten Mal steckten wir am Flügel noch einen zusätzlichen Raum ab, in diese Zone (blau) darf immer nur ein Spieler von jeder Mannschaft. Das führt dazu, dass sich die Spieler stärker zum Zentrum orientierten, allerdings bekommen sie auch ein besseres Gefühl für den Raum am Flügel, halten die Breite besser und ziehen den Gegner effektiv auseinander. Es entstanden interessante Bewegungen, die sie sich selbst erarbeiteten. Wenn ein vorderer Spieler sich zum Flügel bewegte, rückte der tiefere Spieler direkt ins Zentrum, zog so den Passweg nach hinten frei, aber besetzt gleichzeitig auch den offenen Raum im Zentrum. In dieser Übung haben die Spieler vom Flügel am häufigsten die Bewegung in die Endzone gemacht. Als Variation könnte man noch die Regeln einführen, dass die Spieler nur aus dem Zentrum Läufe hinter die letzte Kette machen dürfen. So kann man diagonale Pässe vom Flügel in die Schnittstellen provozieren und zwingt die ballfernen Flügelspieler dazu ins Zentrum zu rücken und von dort in die Endzone zu starten (4.1.2. Der Spieler sollte die zentralste Option wählen).

 

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Spieler schon verstanden, wieso Tiefenläufe effektiv sind und wie sie ungefähr ablaufen. Allerdings hatten sie im Timing noch große Probleme, sie wussten nicht genau, wann sie die Bewegungen machen sollten. Häufig war das Problem, dass die Spieler auf den Pass warten und die Bewegungen zu spät machen. 

Übung 3

In der folgenden Übung geht es darum, die alten Elemente zu vertiefen und das Timing zu verbessern. Dafür steckten wir im Zentrum einen zusätzlichen Raum ab (Orange). Die Spieler konnten jetzt nur noch aus diesem Raum Pässe in die Tiefe spielen. Dadurch wurde der Fokus aufs Zentrum verstärkt. Die Angriffe über die Flügel wurden seltener und es entstand ein gewisser Rhythmus aus Pass in den orangen Raum, aufdrehen, Bewegung in die Tiefe und Pass in die Tiefe. (Man kann sich fragen, ob den Spielern zu viel abgenommen wird, finde es aber als Rahmen und Verständnis von Timing (Synchronisation von Bewegung, Pass) sinnvoll).

Wir machten vor der Übung aus, dass die Spieler den Ball ruhig zirkulieren lassen, sich hinter die erste Pressinglinie bewegen, dann aufdrehen und die Pässe in die Tiefe spielen. Sobald der Spieler aufdreht, muss ein vorderer Spieler seinen Lauf starten. (Verknüpfung zwischen Aufdrehen und Lauf in die Tiefe). Bei PSG kann man ein hervorragendes Timing bei Tiefenläufen beobachten. Häufig sehen die Spielzüge so aus: Neymar bewegt sich in den Zwischenlinienraum (Orange), bekommt den Ball, dreht auf und der Stürmer startet den Lauf in die Tiefe. Das Timing ist perfekt, dadurch ist es kaum zu verteidigen.

Bei dieser Übung lernen die Spieler auch, dass ihre Bewegung die Aktion vorgeben und nicht der Pass ihre Bewegung. Sie müssen nicht auf den Pass warten, sondern können die Bewegung schon vor dem Pass machen und so einen Pass erzwingen und dem ballführenden Spieler die Entscheidung vorgeben. Finde ich sehr wichtig, da die Spieler so lernen, dass sie immer involviert sind und für die Entscheidungen des anderen Spieler verantwortlich sind. Viele Spieler denken, dass der ballführende Spieler eine Entscheidung trifft, an die sie sich anpassen müssen (gehört auch dazu).

In den letzten Übungen haben wir viele Variationen eingebaut, um einen anderen Rhythmus zu kreieren. 

Übung 4

In dieser Übung wird die Form verändert, damit der Spieler nochmal neue Herausforderungen hat. In den vorherigen Übungen gab es häufig noch diagonale Bewegungen zum Flügel in die Endzone. Diese Läufe sind meistens nicht so effektiv, da der Spieler nicht sofort zum Abschluss kommen kann, dadurch hat der Gegner mehr Zeit und kann zum Flügel schieben, der Spieler muss sich drehen, wenn der Gegner das nicht zulässt, kommt er kaum wieder ins Zentrum und in Richtung Tor. Viele Spieler im Jugendfußball bewegen sich instinktiv in die freien Räume und isolieren sich so häufig am Flügel. Durch den Kreis wurden die Läufe stärker zum Tor gelenkt und es gibt auch schon leichte Ansätze von Bogenläufen.

Übung 5

Als Ergänzung könnte man jetzt noch weitere Übungen hinzufügen, die bestimmte Elemente vertiefen, dabei würde ich persönlich viele verschiedene Regeln einführen und alle 2-3 Minuten welche hinzufügen, damit die Spieler viele Variationen drin haben und bestimmte Situationen durchspielen und ausprobieren können.

Man kann noch eine zusätzliche Zone hinzufügen (Orange). Dann dürften die Spieler nur aus dieser Zone zum Abschluss kommen. Dadurch wird die Richtung der Läufe gesteuert. Zusätzlich könnte man in der orangenen Zonen die Anzahl der Kontakte variieren. Wenn man mit einem Kontakt spielt, müssen die Spieler so einlaufen, dass sie direkt abschließen können oder den Ball ablegen. Wenn man festlegt, dass die Spieler mindestens drei Ballkontakte in der orangenen Zone haben müssen, bevor sie abschließen, gehen sie wahrscheinlich häufiger ins Dribbling oder laufen so ein, dass sie den Ball nochmal ablegen können. Da gäbe es also verschiedene Varianten, um die Anforderungen an den Tiefenlauf zu verändern (tororientierter Tiefenlauf, vorbereitender Tiefenlauf)

Übung 6

Bei dieser Übung fügt man drei kleine Tore auf jeder Seite hinzu. Der Spieler darf nur durch die kleinen Tore in die Endzone starten, so werden Schnittstellen in der Kette simuliert. Der Spieler bekommt ein Gefühl dafür, wie er sich zu den Schnittstellen positionieren muss, um Chancen zu kreieren und die Verteidiger haben einen weiteren Punkt auf den sie achten müssen, wenn sie verteidigen. Könnte zum Beispiel dazu führen, dass sie enger stehen und sich aufs Zentrum fokussieren. 

Übung 6.1 

Diese Übung wäre die Weiterentwicklung von Übung 6. Der Ball muss einmal ins rote Feld und dann wieder raus gespielt werden. Dadurch zwingt man den Stürmer stärker am Ballbesitzspiel teilzunehmen. Er muss jetzt die Schnittstellen attackieren, aber ist auch für die Besetzung der roten Felder verantwortlich. Im roten Feld kann man dann ebenfalls alle zwei bis drei Minuten die Regeln ein wenig anpassen. Zum Beispiel nur ein Kontakt in der roten Zone, so würden schnelle Ablagen provoziert werden. Oder der Spieler muss aus dem roten Feld dribbeln, so wird der Stürmer dazu gezwungen aufzudrehen und er kommt häufiger in die Situation, dass er den Pass in die Tiefe spielt. Die Flügelspieler müssen dann stärker einrücken und die Schnittstellen attackieren, so könnte man diese Abläufe stärker trainieren. Sie müssen aber nicht vorgeben werden, sondern die Spieler kommen selber drauf. 

Übung 7

Bei dieser Übung kann man unterschiedliche Bewegungen provozieren. Ein Spieler muss der Ballbesitzphase einmal in der grünen Zone gewesen sein und sich in die Blaue bewegen, um den Lauf in die Tiefe zu machen und es muss mindestens einmal durch die blaue Zone gespielt werden, damit der Stürmer die Bewegung in die Tiefe machen kann. So wird provoziert, dass die Spieler darauf achten, außerhalb des Blickfelds vom Gegner ihren Lauf zu starten und es gibt eine interessante Dynamik zwischen den unterschiedlichen Spielern, da sich manche in die blauen Felder bewegen müssen, andere sich fallen lassen und dann wieder in die blaue Zone kommen. 

Da müsste man aber schauen, wie streng die Regeln da eingehalten werden. Am Anfang könnte man sagen, dass beide Spieler in der grünen Zone starten und sich dann im richtigen Moment raus bewegen oder man könnte sagen, dass der Spieler, der den Ball in der grünen Zone erhält aus dieser kommen muss. Dann wird es aber teilweise sehr kompliziert und nicht mehr ganz so spielnah, aber für ein paar Minuten, um ein bisschen zu variieren, sicherlich ganz interessant. 

Fazit

Die Übungen haben sehr gut funktioniert. Die Spieler haben es schnell umgesetzt und als Trainer war es sehr angenehm, da man schnell eine Steigerung gesehen hat und eine intelligente Nutzung von Tiefenläufe das Spiel sofort positiv beeinflusst. Teilweise waren die Spieler bisschen überfordert, da muss man schauen, wie stark man die Spieler fordert und ab wann der Spielfluss leidet.

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Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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7 Kommentare

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