Genoa mit Sieg über Cagliari zum Saisonauftakt

Genoa vs Cagliari

Nachdem das Trainingslager von Genoa in Tirol von uns besucht und ausführlich darüber berichtet wurde (siehe hier: Mit Ivan Juric und dem Genoa CFC im Stubaital), ist es natürlich besonders interessant zu beobachten, wie sich die Mannschaft von Ivan Juric in der Liga schlägt. Am ersten Spieltag der Serie A war Aufsteiger Cagliari Calcio zu Gast in Genua.

Genoa vs Cagliari

Juric stellte seine Mannschaft im von ihm gewohnten 3-4-3 auf, wobei dieses sehr asymmetrisch war und Pandev eigentlich mehr einen Zehner als einen rechten Flügelstürmer spielte. Ohne Ball wurde die Formation zu einem 5-4-1 mit starken Mannorientierungen.

Cagliari verteidigte in einem  ebenfalls recht mannorientierten 5-3-2 und tat dies mit recht geringer Intensität, wodurch Genoa sehr lange Ballbesitzphasen hatte. Im 3-4-3 wurde ruhig aufgebaut und der Ball in der Abwehr hin und her zirkuliert und nach Löchern in der gegnerischen Defensivformation gesucht. Cagliaris Stürmer pressten dabei kaum gegen den Spielaufbau von Genoa, sie waren eher darauf bedacht den Sechserraum zu blockieren und orientierten sich an Rincon und Veloso, wobei sie dies eher halbherzig taten und vor allem Borriello eine sehr passive Rolle hatte.

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Grundformation von Genoa. Pandev weit eingerückt. Cagliaris Pressing mit herausrückendem Achter.

Um mehr Druck auf einen ballführenden Verteidiger auszuüben, rückte im Pressing einer der Achter heraus, wodurch sich je nach Position des ballnahen Flügelverteidigers 5-2-3 oder 4-3-3-Staffelungen ergaben. Aufgrund schlechter Bewegungen der Stürmer im Pressing konnte Genoa aber in der Regel noch gut in der Dreierkette das Spiel verlagern. Insgesamt verteidigte Cagliari sehr passiv, presste nur selten etwas höher und ließ sich leicht Richtung eigenen Strafraum zurückdrängen.

Genoa bespielte dies mit einer ruhigen Ballzirkulation und vielen Querpässen. Die Flügelverteidiger gaben konstant breite und sollten die Defensivformation des Gegners ein wenig auseinanderziehen. Vor allem Lazovic auf rechts hatte eine eher simple Rolle als Breitengeber und wurde nur wenig ins Spiel eingebunden. Die Verteidiger taten sich schwer freie Spieler zwischen den Linien zu finden, weil Cagliari recht mannorientiert verteidigte und die Positionierungen des umtriebigen Pandev dabei auch nicht ideal waren. Der Spielaufbau erfolgte Großteils über weiträumiges Andribbeln der Halbverteidiger, insbesondere Armando Izzo schob mit Ball am Fuß teils weit Richtung gegnerischen Sechszehner vor. Miguel Veloso war eher darauf bedachte dieses Andribbeln abzusichern und war recht tief positioniert, Tomas Rincon agierte in höheren Zonen.

genoa halbverteidiger pandev

Gentiletti dribbelt weit vor, Veloso (nicht im Bild) sichert ihn tief ab. Pandev im linken Halbraum.

In Ermangelung an Anspielstationen in den Zwischenlinienräumen war das Passspiel von Genoa sehr horizontal ausgelegt. Auf das Andribbeln der Halbverteidiger folgte oft der simple Pass auf einen der Wingbacks. Diese sind beide sehr schnell und stark im Dribbling und könnten dadurch über Durchbrüche nach kleinen Kombinationen und individuellen Aktionen sorgen. Laxalt auf links, über den vermehrt gespielt wurde, legte sein Spiel leicht diagonal aus und brachte den Ball oft schnell in den Halbraum oder ins Zentrum zurück. Genoa schnürte Cagliari so langsam hinten rein und arbeitete zudem recht gut mit raumschaffenden Bewegungen der Mittelfeldspieler. So lief der ballnahe zentrale Mittelfeldspieler in die Tiefe, um Platz für seinen ballfernen Nebenmann zu schaffen, der daraufhin das Spiel weiter nach vorne bringen konnte. Auch interessante Nachrückbewegungen wurden viel genutzt.

Genoa suchte vor allem Flügeldurchbrüche, dies rechts und links auf unterschiedliche Art und Weise. Auf links wechselte Lucas Ocampos viel zwischen Flügel und Halbraum. Er und Laxalt sollten vor allem nach kurzen Kombinationen in eher simple Situationen gebracht werden, in denen sie ihre Stärke im Dribbling ausspielen können. Cagliari schob im Verbund aber zumeist gut auf den linken Flügel hinaus und ließ kaum gefährliche Situationen entstehen, nur vereinzelt konnte Genoa hier gut kombinieren. Auf rechts rückte Pandev konstant sehr weit ein, half sogar dabei die linke Angriffsseite zu überladen, und interpretierte seine Rolle eher wie ein offensiver Mittelfeldspieler, ebenso tat es später der für ihn eingewechselte Ntcham. Lazovic blieb alleine breit und wurde im Kombinationsspiel kaum eingebunden. Nach Verlagerungen vom linken Flügel hinaus wurde der schnelle Lazovic mit Bällen in die Tiefe gesucht, was aufgrund der mannorientierten Verteidigung von Nicola Murru auch vereinzelt gut passte. Goran Pandev attackierte aus seiner zentralen Grundposition gerne den rechten Flügel, allerdings war in diesen Situationen im Verbund mit dem breiten Lazovic die Struktur oft zu simpel linear und der Mazedonier konnte nicht vernünftig eingesetzt werden.

Genoa schaffte es so nie wirklich hinter die Linien des Gegners zu kommen, Cagliari stand zwar sehr tief, hatte aber stets viele Spieler hinter dem Ball und ließ keine Gefahr zu. Genoa spielte viel um den Strafraum von Cagliari herum, nach Aktionen am Flügel wurde abgebrochen, auf Veloso oder Rincon gespielt, welche zwar nicht so wenig Platz hatten, aber keine Möglichkeiten für Kombinationen im Zentrum und für Abschlüsse zu viele Verteidiger vor sich. So wurde der Ball von links nach rechts zirkuliert, versucht von außen mit Dribblings in den Strafraum einzudringen, was aber kaum gelang. Genoa flankte dabei weniger als eigentlich erwartet, setzte dabei auch relativ häufig auf flache Hereingaben.

Cagliari konzentrierte sich auf eine erfolgreiche Strafraumverteidigung und tat dies auch über lange Zeit sehr erfolgreich. Allerdings plante Trainer Massimo Rastelli wohl nicht mit so kurzen Ballbesitzzeiten der eigenen Mannschaften. Nach Hereingaben fing Genoa die zweiten Bälle zumeist gut ab und auch ansonsten wurden gegnerische Konter gut unterbunden. Die Verteidiger antizipierten gut und rückten dabei oft weit mannorientiert heraus. Zur Unterbindung von schnellen Gegenangriffen wurde auch einige kleine Fouls genutzt, was auch eine Folge des mannorientiertes Verteidigens war, bei dem man eher Zugriff auf den Gegenspieler als wirklich auf den Ball hat.

Ohne Ball verteidigte Genoa in einer 5-4-1-Grundordnung und tat dies sehr stark mannorientiert. Im Mittelfeldpressing, wobei die Höhe des Pressings auch stark variierte, wurde Cagliari vor allem durch die Pressingbewegungen von Goran Pandev auf die rechte Abwehrseite geleitet. Die Einbindung von Ocampos und Pavoletti im Pressing war dagegen nicht ideal, ihre Aufgaben waren auch nicht so klar ersichtlich. Im Gegensatz zu Ocampos positionierte sich Pandev recht eng und agierte dann mit bogenförmigem Anlaufen gegen Cagliaris Spielaufbau. Marco Capuano konnte als linker Halbverteidiger oft weit mit dem Ball aufrücken und zeigte auch eine gute Qualität im Passspiel, fand aber nur selten passende Anspielstationen. Die Verbindungen in der Offensive waren sehr mangelhaft, wodurch zudem auch Genoas mannorientierte Verteidigung sehr unkompakt wirkte, was aber nicht weiter problematisch war. Capuano spielte viele flachen Pässe auf die Stürmer, welche manngedeckt wurden und keine Möglichkeiten für Ablagen hatten. Sie wurden von ihrem Gegenspieler meistens wieder weit zurückgedrängt und es waren nur selten gute Folgeaktionen möglich. Rincon und Veloso orientierten sich mal mehr, mal weniger an ihrem Gegenspieler.

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Pass von Capuano auf den entgegenkommenden Stürmer nach Anlaufen von Pandev. Izzo rückt mannorientiert heraus.

Das mannorientierte 5-4-1 von Genoa war prinzipiell sehr unangenehm zu bespielen, allerdings waren die Offensivabläufe von Cagliari auch äußerst schwach. Die Ballbesitzzeiten waren kurz, Genoa konnte die Bälle schnell erobern und trat insgesamt sehr dominant auf. Trotzdem kam Cagliari vereinzelt zu Chancen. Nach 66 Minuten war es Marco Borriello, der den überraschenden Führungstreffer für die Gäste erzielte. Vorausgegangen war dem Gegentor eine Pressingsituation auf der rechten Abwehrseite, nach der ein Rückpass auf Bruno Alves und dessen simpler langer Ball zwischen Flügelverteidiger und Halbverteidiger auf Marco Sau folgten. Izzo schob auf den Flügel raus, konnte die Flanke auf Borriello, der im Strafraum recht unbedrängt einköpfte, aber nicht verhindern.

Später traf Cagliari noch die Stange, bekam aber im direkten Gegenzug ein Weitschusstor von Ntcham. Nur eine Minute später konnte sich Laxalt von links aus in den Strafraum dribbeln und dort zum Abschluss kommen, obwohl er immer noch viele Gegenspieler um sich hatte. Kurz vor Schluss war auch noch der eingewechselte zentrale Mittelfeldspieler Luca Rigoni nach Flanke von Lazovic auf den zweiten Pfosten per Kopf erfolgreich.

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Expected-Goals-Map zum Spiel von Alfredo Giacobbe. Viele ungefährliche Abschlüsse bei Genoa.

Fazit

Genoa war in dieser Partie stets spielbestimmend, zeigte aber noch nicht ideale Abläufe im Ballbesitzsspiel und tat sich gegen die gute Strafraumverteidigung von Cagliari sehr schwer dabei zu guten Chancen zu kommen. Defensiv war das Pressing noch verbesserungswürdig, allerdings war das Spiel ohne Ball insgesamt sehr solide, auch wenn Cagliaris Offensive schwach war.

Über Alex Belinger

War als Kind zu oft in Italien auf Urlaub und mag jetzt italienischen Fußball.
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