Mit Ivan Juric und dem Genoa CFC im Stubaital

Im vergangenen Jahr besuchte eine Abordnung von Konzeptfussball-Autoren das Trainingslager von Borussia Dortmund in Bad Ragaz. Auch heuer wurde die freie Zeit im Juli genutzt, um sich das Training von Profivereinen genauer anzusehen und so machte sich die Österreich-Sektion von Konzeptfussball, bestehend aus Alex Belinger und David Goigitzer, spontan auf den Weg nach Tirol. Dort fand im Stubaital von 12. bis 23. Juli das Trainingslager des Genoa CFC unter dessen neuem Trainer Ivan Juric statt, welches einige Tage lang beobachtet wurde.

Im deutschsprachigem Raum ist Ivan Juric wohl noch gänzlich unbekannt. Der Kroate war als Mittelfeldspieler lange in der zweiten und dritten italienischen Liga für Crotone aktiv, mit Genoa schaffte er schließlich den Sprung in die Serie A. Im kroatischen Nationalteam brachte er es auf fünf Einsätze. Trainiert wurde er in Crotone und auch während seiner vier Jahre in Genua von Gian Piero Gasperini, der Juric als Coach sicherlich am Meisten prägte. Gasperini setzt stets auf ein 3-4-3 mit extremen Flügelfokus und starken Mannorientierungen ohne Ball. Bei Genoa konnte er damit beachtliche Erfolge erzielen und kam 2011 schließlich zu Inter. Dort holte er auch Ivan Juric zu sich, der bereits ein Jahr Erfahrung als Co-Trainer der zweiten Mannschaft von Genoa hatte. Juric folgte Gasperini auch nach Palermo, entschied sich dann aber dazu seinen Weg alleine zu gehen und trainierte zunächst Genoas Primavera, dann Mantova und vergangene Saison schließlich Crotone.

Mit Crotone war Juric äußerst erfolgreich, er schaffte mit dieser sehr durchschnittlichen Zweitligamannschaft, die ohnedies mit einem extrem niedrigem Budget ausgestattet ist, überraschend den erstmaligen Aufstieg in die Serie A. Crotone landete nur einen Punkt hinter Meister Cagliari auf Platz zwei der Serie B (mit neun Punkten Vorsprung auf Platz drei). Der Kroate setzte dabei auf ähnliche taktische Prinzipien wie sein Mentor Gasperini: offensiv ein flügellastiges 3-4-3, defensiv starke (recht gut eingebundene) Mannorientierungen. Juric interpretierte dieses System jedoch etwas weniger extrem, sein Crotone war spielerisch recht stark und verstärkt auf Halbräume fokussiert.

Aufgrund dieser guten Leistungen entschied sich Genoa dazu sich von Gasperini nach dessen zweiter Saison (bei seinem zweiten Engagement in der Hafenstadt) zu trennen und ihn durch Juric zu ersetzen.

Da es gewisse Konzeptfussball-Autoren mit starken Sympathien zum Genoa CFC gibt, Juric‘ Leistungen bei Crotone sehr vielversprechend sind und generell nicht besonders viele Informationen zu den Trainings von Serie-A-Vereinen vorhanden sind (ein weiterer nicht unwesentlicher Punkt war zudem, dass Miguel Veloso sich gerade beim Verein fit hält – und nun vermutlich auch länger bleibt), erfolgte ein viertätiger Besuch beim Trainingslager in Tirol.

 

Sonntag – 17:00

Die erste Einheit wurde Sonntagnachmittag besucht. Samstag hatte Genoa ein Testspiel gegen eine regionale Auswahl, dieses wurde jedoch in beiden Hälften mit komplett unterschiedlicher Formation gespielt und 18:1 gewonnen – es handelte sich daher wohl um eine Art Gastgeschenk und nur eine schlechtere Trainingseinheit.

Die Einheit am Sonntag wurde von 24 Spielern bestritten, darunter waren auch mehrere Jugendspieler, die nicht alles mitmachten. Zu Beginn wurden nach kurzem Einlaufen und Andehnen vier isolierte Passübungen im Viereck in je unterschiedlicher Variante gespielt. Nach je zwei Minuten wurde im schnellen Lauf die Übung gewechselt, jede Gruppe zu sechs Spielern spielte jede Übung je zwei Mal.

Daraufhin wurden drei Jugendspieler aussortiert und die restlichen 21 Spieler teilten sich in drei Teams zu je 7 Spielern und spielten 7 vs 7 +7 Ballhalten. Die sieben Joker wurden um das Feld herum aufgeteilt, an den Längsseiten je zwei, an einer Breitseite zwei, an der anderen nur einer. Die Außenspieler hatten nur einen Kontakt zur Verfügung, im Feld war die Kontaktanzahl nicht beschränkt, viel wurde aber direkt gespielt, Juric forderte dieses schnelle Spiel auch. Viel musste aber nicht durch Engen in der Mitte gespielt werden, da bei sieben Außenspieler eigentlich jederzeit rausverlagert werden konnte und das Spiel von Juric wie bereits erwähnt nicht gerade zentrumsfokussiert ist. Wichtig waren die Folgeaktionen nach diesen Verlagerungen, dies funktionierte auch sehr gut und ein dritter Mann bot sich üblicherweise schnell und passend an. Die Übung dauerte 15 Minuten, wobei nach je zwei Minuten die Außenspieler gewechselt wurden.

Im Anschluss teilte sich die Mannschaft in zwei Hälften auf. Die eine Hälfte spielte zehn Minuten lang 5 vs 5 mit zwei Jokern außen als Zielspielern. Juric coachte dabei vor allem das Verhalten gegen den Ball bzw. das intensive Pressing der Verteidiger, was auch (vor allem bei der ersten Gruppe) gut funktionierte. Interessant war das Verhalten der Außenspieler, die an den Enden des rechteckigen Feldes postiert waren. Sie zeigten generell recht viel Bewegung, dribbelten teilweise in das Feld oder boten sich nach einem Abspiel direkt darauf wieder im Feld an. Die andere Gruppe spielte währenddessen unter Aufsicht des Co-Trainers 5 vs 5 +1 Ballhalten in einem Quadrat, welches von je einem Tor an jeder Seite umgeben wurde. Erst nach einer bestimmten Anzahl an erfolgreichen Pässe durfte auf ein Tor abgeschlossen. Die genaue Anzahl konnte leider nicht genau rausgehört werden (vermutlich 8?) , jedoch wurde diese kaum von einem Team erreicht. Nach zehn Minuten wechselten die Gruppen die Übung.

Die letzte halbe Stunde der Einheit wurde für ein Spiel 11 vs 11 genutzt. Gespielt wurden auf der gesamte breite des Feldes, von der Länge fehlten aber rund 30 Meter. Eine Mannschaft agierte im für Juric üblichen 3-4-3 und verteidigte recht mannorientiert, das andere Team spielte ein 4-3-3 und setzte dabei etwas mehr auf Raumdeckung. Zunächst hatte das Team im 3-4-3 nur die Aufgabe in den gegnerischen Strafraum einzudringen, die andere Mannschaft spielte normal aufs Tor. Nach einiger Zeit wurde das Spielfeld nochmal um einige Meter verkürzt und beide Teams spielten normal auf die Tore. Nach dieser Unterbrechung wurde auch der anfangs kaum eingebundene Torhüter Perin weitaus mehr genutzt. Er wurde öfter angespielt und die Verteidiger passten sich mehr an seine Position an. Die am Match nicht beteiligten Jugendspieler vertrieben sich währenddessen mit isoliertem Flankentraining die Zeit.

 

Montag – 10:30

Die nächste Einheit begann Montagvormittag um 10:30. Dabei war zunächst die Frage, ob überhaupt öffentlich trainiert wird. Erst um 10:35 entschied man sich dazu diese Frage zu beantworten und die Tore doch noch zu öffnen. Zunächst trainierten nur Defensivspieler, also Verteidiger und zentrale Mittelfeldspieler. Diese 12 Spieler begannen das Training mit einem 4 vs 4 +4. Die Übung dauerte nur sechs Minuten, jedes Team war davon zwei Minute außerhalb des Feldes als Joker postiert.

Es folgten drei Minuten lang kurze Sprints über wenige Meter und mit Richtungswechsel. Danach wurde die Spieler in vier Dreiergruppen unterteilt, jede Gruppe hatte ein eigenes Feld und ein kleines Tor. Die Übung war recht simpel aufgebaut: zwei Angreifer ließen den Ball hin und her zirkulieren, bis das Kommando des Trainers kam und der Verteidiger herausrückte und Richtung Ball attackiert. Dann mussten die Angreifer einfach schnell einen Doppelpass spielen und wenn möglich ein Tor erzielen. Ein erfolgreicher Doppelpass und Abschluss waren aber nicht so wesentlich bei der Übung, es ging dabei vor allem um die kurzen Sprints des Verteidigers und eines Angreifers. Der Verteidiger sollte den Gegenspieler etwa nicht abblocken, sondern musste immer den Sprint retour machen. „Weniger Physis, mehr Kraft der Beine“, forderte Juric. „Scappa! Scappa!“, „Lauf weg!, schrie er immer wieder, ansonsten erfolgte kein Coaching. Nach 17 Minuten war diese Übung abgeschlossen.

Es folgte eine Übung mit isolierten Abschlüssen, Flanken und dem alleinigen Verteidigen dieser Hereingaben. Alles positionsspezifisch, aber ohne Gegnerdruck und ohne jegliche Entscheidungen. Nach 15 Minuten war diese Übung und somit für die Defensivspieler die ganze Einheit, welche etwa 40 Minuten dauerte, beendet. Dafür betraten die Offensivspieler das Feld. Für sie war Part 1 gleich, Part 2 etwas kürzer und Part 3 leicht verändert. Positionsspezifisch wurde wieder aufs Tor geschossen, geflankt und diese Flanken auch Richtung Tor abgeschlossen. Der Fokus dabei lag wieder auf Schnelligkeit in den Aktionen. Die Spieler hatten stets Sprints in ihren Aktionen zu absolvieren und danach etwa eine Minute lang Pause zum Erholen. Maximale Schnelligkeit forderte Juric mehrmals, ansonsten erfolgte kein Coaching. Auch für die Offensivspieler war das Training nach insgesamt 40 Minuten zu Ende.

 

Montag – 17:30

Um 17:30 ging es weiter mit der zweiten Einheit am Montag. Nach einer Runde einlaufen begann das Aufwärmspiel: Ballhalten im Handball. Gespielt wurde 10 vs 10, zehn erfolgreiche Pässe in Serie waren das Ziel für die Spieler. Nach je drei Minuten wurde die Übung abgeändert, in den kurzen Pausen wurde dynamisch gedehnt. Bei der ersten Variation musste jeder zweite Pass mit dem Kopf gespielt werden, bei der zweiten Variation stets mit dem Fuß in die Hand und bei der dritten Variation musste flach in die Hand des sich bückenden Mitspielers gepasst werden. Abgefangen werden musste die flachen Pässe von den Verteidigern ebenfalls per Hand, was etwa Izzo zur Erkenntnis „scheiße, die sind ja alle Torhüter“ brachte. Im Anschluss wurde der Platz gewechselt und es ging wie schon am Vormittag gegnerdrucklos weiter. Je eine Gruppe lief in erhobenem Tempo den Platz auf und ab, für die anderen zwei Gruppen wurde je eine Übung aufgebaut. Bei der einen Übung wurde eher locker der Ball herumzirkuliert, in der anderen Hälfte war ein Parcour mit Hütchen und Stangen aufgebaut, am Ende folgten ein Abschluss und ein diagonaler Lauf zurück. Fußballspezifisches Konditionstraining könnte man dies nennen, sollte man mangels Raum-, Zeit- und Gegnerdruck jedoch eher nicht. Insgesamt wurde 30 Minuten lang so trainiert, nach je 10 Minuten wurde die Übung gewechselt und es gab eine kurze Pause. Der körperliche Verschleiß war den Spieler anzumerken. Wurde anfangs noch bei den Hürden das Tempo deutlich angezogen und sich danach kurz erholt, wurde der Parcour später eher mit abnehmenden Einheitstempo durchgeführt.

Nach den Seirullo-mäßigen Parcours wurde die restliche Trainingszeit nur noch mit dem Üben von Standardsituationen verbracht, weitere 30 Minuten lang. Die Mannschaft war dabei in zwei Teams unterteilt, die sich offensiv und defensiv nach einiger Zeit stets abwechselten. Interessant war dabei, dass bei einem Team stets Veloso alle Standards schoss, obwohl der Portugiese derzeit vertragslos ist und sich nur bei Genoa fit hält (ein weiteres Indiz für einen längere Verbleib bei der Mannschaft?). Qualitativ kann bei Standardsituation wohl ohnehin niemand beim Verein mit Velosos linkem Fuß mithalten. Des Weiteren war die Art wie die Ecken und Freistöße verteidigt wurden auffällig. Bei Eckbällen entschied man sich für die typisch italienische Variante, Version ultra-sicher. Alle 11 Mann im eigenen Strafraum, niemand vorne für Konter oder zweite Bälle. Fünf Spieler standen raumdeckend im Fünfmeterraum, der Rest manndeckend davor. Freistöße aus dem Halbfeld wurden mit acht Spielern auf einer Linie und zwei Spielern davor verteidigt. Offensiv waren die Standards nicht von großer Bedeutung, gecoacht wurde nur das Verhalten der verteidigenden Mannschaft.

 

Dienstag – 10:30

Nach dem anstrengenden Vortag mit zwei intensiven Einheiten wurde am Dienstagvormittag auf ein Training verzichtet. Zunächst matchten sich die Torhüter Perin, Donnaruma (Antonio, der ältere Bruder von Milans Tormanntalent), Lammana und Zima mit Tormanntrainer und Vereinslegende Alessio Scarpi und dem Co-Trainer im Beachvolleyball. Die Feldspieler kamen wenig später auf den Basketballplatz und machten dort fünf Minuten lang Erholungs- und Atemübungen, danach wurde fünf Minuten lang gedehnt. Hinter verschlossenen Türen wurde anschließend noch ein wenig in der Kraftkammer gearbeitet.

 

Dienstag – 17:30

Am Dienstagnachmittag wurde es schon wieder interessanter. Zuerst wurde sich zehn Minuten lang mit dem Videoanalysten (der auch „preparatore fisico“, also Athletiktrainer, ist) aufgewärmt, mit verschiedenen Laufübungen und dynamischem Dehnen danach.

Daraufhin wurde wieder der Platz gewechselt, wo in vier Gruppen zu je fünf Leuten eine isolierte Passübung gespielt wurde. Auch Tormann Matia Perin war in einer Gruppe dabei. Gespielt wurden zwei mal fünf Minuten, wobei nach den ersten Minuten minimal und unwesentlich variiert wurde. Das Coaching der Trainer beschränkte sich auf standardmäßiges fordern von scharfen und genauen Pässen.

Nach diesem lockeren ersten Part wurde endlich wieder in Spielformen trainiert. 10 vs 10 +1. Vier Spieler dienten pro Team außen als zusätzliche Anspielstationen, in der Mitte gab es mit Tomas Rincon einen Joker. Die Außenspieler wechselten nach jedem Pass in die Mitte des Feldes, ohne Ball durften sie nicht eingreifen, wodurch quasi 11 vs 6 gespielt wurde. Gespielt wurden drei mal vier Minuten, gecoacht wurde nur wenig und wenn, dann für die Zuseher auf der Tribüne leider nur schwer verständlich. Erkenntnisse aus der Übung: Miguel Veloso macht Schulterblicke fast nur nach links. Tomas Rincon hat schlechtes Umblickverhalten, spielt sehr simple, aber doch oft passende Pässe und hat durch eine saubere Technik und guten Einsatz seiner robusten Physis meistens genug Zeit um brauchbare Entscheidungen zu treffen. Panagiotis Tachtsidis ist spielerisch mit Veloso wohl der stärkste Spieler im Team. Er bewegte sich mit und ohne Ball sehr wenig und sehr undynamisch (hat in seiner ganzen Serie-A-Karriere wohl noch keinen Sprint hingelegt), bot sich sehr gut in freien Räumen an, spielte super Pässe mit toller Übersicht, wurde aber aufgrund seiner Drucklosigkeit im Freilaufverhalten eher selten angespielt. Defensiv agierte er ähnlich, bewegte sich wenig und langsam, aber konnte intelligent Druck ausüben und Passwege zustellen.

Weiter ging es daraufhin im 8 vs 8 +3. Zwei Joker spielten im Feld, diese waren zunächst Ntcham und Neuzugang Gentiletti, als Torhüter begann Mattia Perin die Aktionen und unterstützte das Team in Ballbesitz. Das Feld erstreckte sich vom Strafraum bis zum Mittelkreis, die Breite entsprach jener des Strafraums. Die Übung wurde ohne klares Ziel einfach auf Ballbesitz gespielt, dazu formierten sich beide Teams in Ballbesitz in einem klaren 3-4-3 mit den Spielern auf ihren üblichen Positionen. Gentiletti blieb als Joker konstant als linker Halbverteidiger, Ntcham spielte als offensiver Rechtsaußen. Gespielt wurden zehn Minuten mit einer Pause dazwischen, danach wurden einige Spieler getauscht und erneut zehn Minuten mit einer Pause gespielt. Die übrigen Spieler wurden mit einer Passübung mit 2 vs 2 auf dem Flügel beschäftigt. Der Flügelverteidiger hinterlief, der Flügelstürmer zog in die Mitte, ein Verteidiger und der Co-Trainer (dieser nur passiv) verteidigten.

Abgeschlossen wurde die Einheit mit einem 15-minütigen 11 vs 11. Gespielt wurde wie schon Sonntag auf das Großfeld minus 30 Meter Länge. Zunächst spielte ein Team standardmäßig 3-4-3, das andere 4-4-1-1. Nachdem Innenverteidiger Munoz nicht mehr weitertrainieren konnte wechselte auch das zweite Team auf ein 3-4-3. Der Grund für diesen Systemwechsel konnte nicht ergründet werden. Das offensive 3-4-3 bespielte die Mannorientierungen des defensiven 3-4-3 jedenfalls schon recht gut. Klar ersichtlich waren die üblichen Abläufe mit einrückenden Flügelstürmer, hinterlaufenden Flügelverteidiger und teils auch zurückfallender Sturmspitze. Juric coachte sehr viel explizit und unterbrach das Spiel mehrmals. Einmal um im Spielaufbau zu erklären, dass die Halbverteidiger nicht die Flügelverteidiger suchen sollen, sondern die Sechser, welche daraufhin erst nach Außen spielen. Von Veloso wiederum forderte er nach den Abspiel ein Aufrücken in höhere Zonen als Folgeaktionen. Konstant kümmerte sich Juric um Santiago Gentiletti, der erst vor wenigen Tagen zur Mannschaft ins Trainingslager dazu stieß. Gentiletti machte einen sehr starken Eindruck, er spielte sehr dominant und recht intelligent, zeigte gutes Passspiel und coachte zudem seine Mitspieler (im Video etwa Laxalt) sehr viel.

 

Mittwoch

Mittwoch fand keine Trainingseinheit statt, da um 17:00 Uhr ein Testspiel gegen den FC Südtirol aus Italiens dritter Liga am Programm stand. Dieses Spiel wurde 3:0 gewonnen, konnte aber leider nicht mehr beobachtet werden, da aus Zeitgründen bereits zu Mittag die Heimreise angetreten wurde. Dafür wurde am Mittwochvormittag noch eine Einheit des Jugendcamps des Vereins besucht.

Weiteres Videomaterial zum Training der Profis gibt es etwa hier noch von der Facebook-Seite des Vereins:

„Kraftkammer, technisch-taktische Übungen aber vor allem viele Spielformen mit hoher Intensität stehen in dieser Phase der Vorbereitung im Trainingslager in Österreich am Programm.“

Genoas Jugend

Neben dem Trainingslager der Profis fand im Stubaital noch ein Camp der Fußballschule des Vereins statt. Jugendtrainer des Klubs trainierten dabei Kinder von Genoa und anderen Vereinen. Deren Training wurde nach einer Unterhaltung mit dem Tormanntrainer der Jugend am Dienstagnachmittag (bis zum Beginn der Einheit der Profis) und am Mittwochvormittag besucht.  Auf einem Kunstrasenfeld trainierten die Kleinsten, am Naturrasen daneben Spieler, die wohl im Alter von 8 bis 11 Jahren waren. Trainiert wurde in drei Gruppen plus einer Gruppe Tormänner. Die Eindrücke davon sind sehr gemischt, aus Jugendschutzgründen verzichten wir hier auf genaueres Videomaterial.

Angekommen am Platz wurden wir sofort vom Tormanntrainer begrüßt, dieser macht von den Trainer eigentlich auch den besten Gesamteindruck. Seine Tormänner spielten zunächst ein ganz cooles Aufwärmspiel, 5 vs 5 auf zwei eher kleine Tore, wobei Bälle nur mit der Hand erobert werden durften. Danach folgte ein wohl recht standardmäßiges Tormanntraining, wobei sein Coaching positiv auffiel. Am Dienstag trainierte eine weitere Gruppe fast nur Abschlüsse im 1 vs 1, eine andere, jüngere, Gruppe coerverte herum und bevorzugte es ohne Gegnerdruck abzuschließen. Die dritte Gruppe wechselte nach kurzen Passübungen und dem Klatschen lassen von hohen Bällen auf eine recht interessante Spielform. 6 vs 6 +2 wurde gespielt, wobei die zwei Joker auf der selben Seite außerhalb des Feldes platziert wurden. Sie sollten angespielt werden, zurückklatschen lassen, woraufhin ein Pass in die Tiefe auf einen dritten Spieler folgen sollte. Leider haben die Spieler dies erst nach einer Ewigkeit verstanden.

Am Mittwoch folgte ein recht ähnliches Bild. Die eine Gruppe fokussierte sich erneut auf Abschlüsse, wobei aus den ersten zwei Abschlüssen im 1 vs 1 in der Aktion ein 3 vs 3 wurde. Zuvor wurden simple Passübungen mit vielen Unterbrechungen, Erklärungen und Anweisungen trainiert. Die anderen zwei Gruppen machten wieder Coerverschule und Passübungen ohne Gegnerdruck. Die einen Spieler übten sich danach wieder in Abschlüssen, dieses mal mit ein wenig Gegnerdruck und anschließenden Konteraktionen im 2 vs 2, später mit einem Wettbewerb. Die andere Gruppe machte ein längeres Trainingsspiel.

Auffällig war das Verhalten der Trainer. Der Jugendleiter hatte für seine Gruppe stets endlose Erklärungen und Anweisungen parat, welche die Kinder wohl eher nicht so interessierten, war aber durch seine lustige Art sehr beliebt bei den Jungs. Spielern, die Fehler machten, lief er auch mal quer über die Übung nach, um sie mit der Wasserflasche anzuspritzen. Ein weiterer, etwas älterer Coach, unterbrach die Übungen häufig, um zu lange Erklärungen bei einfachen Übungen abzugeben und um auch häufig lauter zu werden und sich über die Fehler der Spieler zu beschweren. Er kommentierte ohnehin jeden Fehler und drückte sich dabei nicht immer besonders höflich aus.

 

Fazit:

Vier Tage wurden im Stubaital verbracht und dabei nicht nur die Tiroler Bergwelt genossen und der innere Fanboy ausgelebt, sondern auch interessante Erkenntnisse zum Training im italienischen Fußball gesammelt. Leider sind vier Trainings nicht viel und zur genauerer Einschätzung fehlt ein wenig der Kontext zur restlichen Vorbereitung und der Trainingsperiodisierung. Die Doppeleinheit am Dienstag hatte es jedenfalls in sich und Munoz und Lazovic fallen auch schon Mal eine Woche aus, auch Ntcham kämpft mit kleineren Problemen. Es wurde doch auffällig viel in Spielformen trainiert, dies oft nur auf Ballbesitz und ohne klaren Ziel für die Spieler in der Übung. Die Intensität war dabei für italienische Verhältnisse nicht so schlecht. Vermeintlich typisch italienisches, isoliertes Einschleifen von bestimmten Spielzügen gab es nur am zweiten Tag zusehen, da aber mit klarem Fokus auf Training der Schnelligkeit.

In den Spielformen und 11-vs-11-Spielen war schon sehr viel von Juric‘ Spielidee zu sehen, wobei sich diese ja auch nicht großartig von seinem Vorgänger unterscheidet. Die Abläufe mit einem ruhigen Spielaufbau und schnellem Tempowechsel im zweiten Drittel, den einrückenden Flügelstürmer, vielen Flanken und den Mannorientierungen waren klar erkennbar und funktionierten teils schon recht gut, die Qualität in den Ballbesitzspielen im Training war aber noch überschaubar. Ivan Juric scheint taktisch ein klein wenig stärker als Gasperini zu sein und auf etwas modernere Trainingsmethoden zu setzen. Genoa könnte also eine gute Saison spielen, wobei aber noch abzuwarten bleibt, wie viel sich noch auf dem Transfermarkt tut, welche Spieler Juric zur Verfügung hat und ab wann diese im Training dabei sind.

Über Alex Belinger

War als Kind zu oft in Italien auf Urlaub und mag jetzt italienischen Fußball.
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4 Kommentare

  1. Toller Bericht, extrem interessant!! 🙂

    Was wäre für dich eine Passübung mit Gegnerdruck?

    • diverse Rondos

      • Alexander Diridl

        Okay..wenn man z.B die offene Mitnahme trainieren möchte, wie es für mich in den Videos zu sehen war, sind ja Rondos dafür ungeeignet, da sie ja normalerweise mit 1K gespielt werden.

        Vorausgesetzt, dass wir unter Rondos das gleiche verstehen – für mich wäre das 4-8 vs. 2.

        Für mich wären dann ja Positionsspiele bzw. Wandspiele geeigneter, da man solche Spiele mit 2K spielen kann und ja ein ständiger Spielfluss von Seite zu Seite bzw. Wand zu Wand eingefordert werden kann.

        • ja stimmt. Verwende Rondos nur halt generell als Begriff für so Spiele auf Ballhalten ohne Spielrichtung, was ja eigentlich nicht richtig ist.

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