Doppeltes Trainerdebüt bei Granada – Villarreal

granada vs villarreal

Das Rayo Vallecano von Paco Jémez war eine Zeit lang sehr beliebt in der Konzeptfussball-Redaktion, wenngleich man vor allem im vergangenen Jahr abschwächte und zu viel manndeckte. Jémez hat nach dem Abstieg mit Rayo nun einen neuen Verein, und der heißt Granada CF, der letztes Jahr schon guten Fußball zeigte. Auf der Gegenseite stand ebenfalls ein neuer Trainer, Fran Escribá löste den überraschend zurückgetretenen Marcelino ab. Die genaueren Gründe des Rücktritts sind unklar, jedoch soll es Streitereien mit der Klubführung gegeben haben. Auch die Beziehung zu den Spielern soll gelitten haben, sodass diese Gründe, gemeinsam mit seiner 4-4-2 Positionsdeckung, ihn nur noch mehr wie einen spanischen Lucien Favre aussehen lassen.

Granada mit mehr Ballbesitz

Dem 4-4-2 Pressing der Gäste aus Villarreal setzten die Männer von Jémez ein 3-4-3/3-4-2-1-Hybrid im Ballbesitz entgegen. Sechser Krhin ließ sich hierbei immer zwischen die zwei Innenverteidiger fallen um per „salida lavolpiana“ das Spiel zu eröffnen. Krhin kippte konstant ab, dabei fiel auf, wie schnell er die Position zwischen die beiden Verteidiger stets einnahm, wenn Granada den Ball eroberte. So war eine nahezu mühelose Zirkulation in der ersten Linie möglich, jedoch auch, weil sich Sansone und Pato im Pressing primär aufs Versperren der vertikalen Passwege konzentrierten.

Dies bereitete den Andalusiern Probleme Verbindungen ins Zentrum herzustellen, weshalb man immer wieder den Ballvortrag über die Flügel suchen musste. Hierbei boten sich Tito links und Foulquier rechts ungefähr auf Höhe der Mittellinie an. Meist blieb jenen nur die Option zum long-line Pass. Deutlich war auch der Linksfokus des Granader Aufbaus, welcher nicht in diese spezifische Richtung geleitet wurde. Foulquier bot sich zu oft zu hoch an, war somit meist nicht anspielbar. Dies hatte auch zur Folge, dass Flügelstürmer Cuenca sich noch mehr in die Mitte orientierte um Bälle zu bekommen, was die Ballung auf links nur verstärkte.

Durch die versperrten Passwege ins Zentrum wichen auch die Achter oft auf die Flügel aus, weshalb manchmal schon die Halbverteidiger aus Mangel von Optionen die Bälle hoch vor schlagen mussten. Konnte man sich mal weiter vorne festsetzen, so fehlten jedoch auch hier immer wieder Anbindungen ins Zentrum, sodass nur über den Flügel Durchbrüche gesucht werden konnten. Tat man dies, dann über Dribblings von Boga und Cuenca, die Ponce durch Ausweichen in die ballnahen Halbräume unterstützte.

Granada hier mit tiefer Ballzirkulation und Anbindungsproblemen zur Mitte. Villarreal zeigt nach gutem Pressing und Ballgewinn den Fokus auf schnelle Konter. 

Granada deckt den Mann

Wie man es schon von Jémez‘ Rayo gewohnt ist verwendeten seine Spieler auch hier in Granada streng ausgeführte Mannorientierungen in der Defensive. Man formierte sich im 4-1-4-1 und presste im Mittelfeld an. Situativ schob ein Achter nach vor, bei einem zu schwachen Pass oder einer schlechten Annahme zum Beispiel. So entstanden immer wieder 4-4-2 Staffelungen. Die Absichten kompakten Verschiebens waren zu erkennen, jedoch aufgrund der Mannorientierungen zeigten sich die Staffelungen oft unsauber, vor allem die letzte Linie stand manchmal zu fünft da, was durch die 1-2 Ordnung im zentralen Mittelfeld jedoch noch halbwegs abgefangen werden und man das Entblößen der Halbräume vermeiden konnte.

Vor allem in Halbzeit eins hatte Granada mehr vom Ball, sodass man primär Gegenpressingsituationen zu sehen bekam, die intensiv und mit viel Laufarbeit geführt wurden. Die bereits erwähnten Mannorientierungen bargen zwar potentielle Probleme, jedoch wurden sie konsequent ausgeführt und man konnte Villarreal auch aufgrund der Überzahl im Zentrum immer wieder den Ball abnehmen, der Zugriff im Pressing war stets gegeben.

Villarreal als defensives Gegenstück

Die Gäste formierten sich im höheren Mittelfeldpressing in einem 4-4-2, welches sie sehr raumorientiert interpretierten. Man war deutlich auf das Versperren des Zentrums bedacht, weshalb Sansone und Pato wie bereits erwähnt konstant Passoptionen in die Mitte zustellten. Spielte Granada den Ball auf die Halbverteidiger wurde nur in mäßigem Tempo nachgeschoben, in den höheren Zonen war man weniger auf direkten Ballgewinn bedacht. Das Mittelfeld verschob ebenfalls nie komplett, ließ öfters die Passoption auf den Wingback frei, um diesen dann einzukesseln, indem man ihm die Passwege gerade sowie diagonal nach vorne versperrte. Der ballnahe Sechser und der Flügelstürmer taten dies meist in Zusammenarbeit, während der ballferne Sechser situativ Mannorientierungen auf den gegnerischen Achter übernahm. Vor allem in Hälfte eins tat man dies auf rechts jedoch nicht aggressiv genug, weshalb zumindest der Pass entlang der Linie für Granada öfters möglich und auch eine gute Option war, da man so den schnellen Boga immer wieder einsetzen konnte.

Pässe in die Mitte und Halbräume konnte man jedoch immer wieder gut verhindern, die Abstimmung untereinander war exzellent. So war erkennbar, dass immer einer der für den Gegner möglichen Passwege priorisiert wurde. Dieser wurde dann ruckartig zu zweit zugestellt, die zwei nächsten Spieler zogen sich zusammen und machten so einen Pass zu riskant. So verhinderte Villarreal immer wieder eine effektive Progression der Gastgeber und schaffte es sie auf den Flügeln zu isolieren, wenngleich man dort, wie oben schon beschrieben, nicht immer Zugriff erhielt. Jedoch war dies ausreichend, um das Tor von Sergio Asenjo von gefährlichen Torchancen weitestgehend zu beschützen.

Die gelben ohne Verbindungen

Auch die Gäste aus Villarreal hatten Verbindungsprobleme im Ballbesitz. Die 4-4-2 Grundordnung, die auch in der Offensive weitestgehend eingehalten wurde, gibt natürlich keine sonderlich gute Struktur für effektives Ballbesitzspiel. Dies wurde durch das eher seltene Einrücken der Flügelstürmer verstärkt. Soriano bevorzugte es lange Zeit breit zu bleiben, Castillejo auf der linken Seite rückte zwar öfters ein, tat dies jedoch auch nicht konstant. Meist spielte man, so wie Granada, den Ball früh auf den Flügel. Villarreal war jedoch auf einen direkteren Ballvortrag bedacht, man arbeitete viel mit Ablagen, die ausweichenden Stürmer unterstützten dies zusätzlich. Oft wurde der Ball auf einen Flügelstürmer gespielt, der einen schnellen Doppelpass mit einem Stürmer oder Sechser suchte.

Vor allem in Halbzeit eins hatte man jedoch durch die Unterzahl im Mittelfeld große Probleme im Ballvortrag, Angriffe entstanden meist aus Ballgewinnen in etwas höheren Zonen und die darauf folgenden Konter. Dafür hat man natürlich passend agierende Stürmer, Pato und Sansone suchten immer wieder mit diagonalen Läufen den Rücken der Abwehr, wenngleich man oft den Ball nicht an die beiden Spitzen bringen konnte, Granada agierte sehr druckvoll in der Defensive und ließ den Spielern von Fran Escribá selten genug Zeit am Ball um den geeigneten Pass in die Tiefe zu finden.

So griff man meist auf Flanken zurück, die jedoch nur bedingt gefährlich wurden (wie Flanken eben so sind).

Nach Ballgewinn hatte man jedoch auch zeitweise Probleme diese Konter effektiv zu spielen. Durch das sehr kompakte Verschieben war es schwierig schnell genug Breite herzustellen, weshalb man auf sehr engem Raum kombinieren musste, was nicht immer gelang. In anderen Situationen spielte man zwar gerade breit machende Spieler an, diese bekamen den Ball aber oft am äußeren Ende des Halbraumes und standen ohne Verbindungen da, weshalb auch hier oft Flanken das Endprodukt waren.

Ein typischer, sehr direkter Villarreal- Angriff. Durch Ablage und one- touch Spiel generiert man einen Durchbruch am Flügel, der in einer Flanke endet. 

Kleine Anpassungen und Standardtore

Villarreal presste Granada nun in einigen Situationen deutlich höher an, vor allem beim stets kurz gespielten Abstoß tat man dies, hierbei übernahm man dann auch immer wieder Mannorientierungen gegen sich kurz anbietende Achter, um den Zugriff zu erhöhen. So konnte man früh in der zweiten Halbzeit immer wieder Ballgewinn generieren, oder zumindest den Ball ins Aus zwingen. Man hatte Granada nun nicht nur besser im Griff, die eigenen Angriffe wurden nun besser ausgespielt, Sansone per Kopf und Soriano per Schuss hatten zwei sehr gute Chancen, die jeweils durch Hereingaben von der Strafraumgrenze generiert wurden. Ab circa Minute 55 hatten Soriano und Castillejo Seite getauscht, was nun bessere Verbindungen in die Halbräume brachte. Zudem waren die Folgeaktionen nach Vertikalpässen diagonaler und tororientierter, was für weiteres Übergewicht der Gäste sorgte.

Villarreal nun mit höherem Pressing in Halbzeit zwei

Granada hatte weiterhin Durchbruchsprobleme, arbeitete nun jedoch mit mehr hohen Spielverlagerungen, um die Flügeldribbler Boga und Cuenca zu befreien und in für sie vorteilhafte Situationen zu bringen. Dies gelang jedoch nur mittelmäßig erfolgsstabil, zu oft kamen die meist von Márquez und Toral gespielten Bälle nicht genau genug. Im Gegenpressing wurde man mit Fortlauf der Spielzeit immer weniger intensiv. Zuvor konnte man die schwachen Verbindungen in die Mitte, die sich ja auf den Zugriff im Gegenpressing auswirken, mit Laufarbeit kompensieren. Dies ist natürlich nicht 90 Minuten lang möglich. In Minute 61 konnte man dann auch einen Konter nicht effektiv verhindern, dieser Schnellangriff Villarreals endete mit einem Foul und einem Freistoß. Castillejo verwandelte diesen direkt zum 1:0.

Wenige Minuten später erzielte Granada nach einer Flanke nach einem kurz abgespielten Corner das 1:1 durch Ponce, der völlig frei gelassen war. Das Spiel nahm an Intensität, jedoch auch an Unsauberkeit zu. Auch Granadas Angriffe wurden nun direkter, die Zahl der hohen Bälle auf beiden Seiten höher. Keine der beiden Mannschaften konnte noch ein Tor erzielen.

Fazit

Für Escribá war dies sicherlich das bessere Debüt, Jémez dagegen blieb noch einiges schuldig. Vor allem in puncto Ballzirkulation ist Granada zwar stabil, bespielt jedoch die Formation des Gegners nicht, sondern umspielt sie meist nur. Gute Ansätze sind jedoch zu erkennen, mit kompakterem Pressing und weniger Mannorientierungen könnte man mit Granada ganz schön viel machen.
Escribá scheint, zumindest vorerst, die Linie seines Vorgängers Marcelino beibehalten zu wollen. In der Offensive ist man nicht mehr so stark wie vergangene Saison, jedoch bleibt ja noch genug Zeit zur Verbesserung. Zudem haben ja immerhin Samu García und Denis Suárez, zwei wichtige Spieler für die Offensive, den Verein verlassen, Jonathan dos Santos und Roberto Soldado sind auch verletzt. Vor allem ersterer wird frühestens 2017 aufgrund eines Kreuzbandrisses zurückkehren können.

Über David Goigitzer

1v1 ist eine Lüge.
Beistriche auch.

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