Spallettis Roma siegt im Spiel um Platz 3

Am Freitagabend trafen im Römer Stadio Olimpico die AS Roma und die Fiorentina aufeinander. Eine Partie mit großer Bedeutung, lagen beide Mannschaften doch punktegleich auf dem dritten und vierten Platz. Auf Platz Drei, der in der Serie A die Champions-League-Qualifikation bedeutet, lag die Roma, auf Platz Vier die Fiorentina, da bei Punktegleichheit das direkte Duell entscheidet, welches die Giallorossi in der Hinrunde für sich entscheiden konnten.

Die Römer wurden da noch von Rudi Garcia trainiert, der im Hinspiel auf eine 6erkette setzte, die gegen die Fiorentina defensiv ein nicht unpassendes Mittel war. Offensiv ging jedoch gar nichts und die Roma konnte lediglich 32% Ballbesitz aufweisen – der niedrigste Wert der Mannschaft seit Jahren. Der Sieg von Rudi Garcias Team mit dieser extrem passiven Ausrichtung war glücklich, die Leistungen in den folgenden Spielen schwach und der französische Trainer ist daher mittlerweile Geschichte.

Mitte Jänner übernahm Luciano Spalletti das Traineramt bei den Giallorossi, einige Transfers wurden getätigt und seitdem läuft es wieder weitaus besser. In der Serie A gab es für die Römer zuletzt sechs Siege in Serie, das Spiel von Spallettis Mannschaft ist verbessert, weißt aber auch noch einige Schwächen auf. 6erketten sieht man aber nun seltener in Rom, gegen die Fiorentina entschied sich Spalletti für eine weitaus weniger passive Ausrichtung als in der Hinrunde Rudi Garcia.

Die Fiorentina spielte zu Saisonbeginn groß auf, schwächelte dann ein wenig und konnte zuletzt wieder bessere Leistungen zeigen. Sousa setzt weiterhin auf ein 3-2-4-1, welches ohne Ball zu einem 4-4-2 oder 4-4-1-1 wird. Hauptproblem für die Gegner ist dabei einfach die Grundformation mit der Überladung des Mittelfeldzentrums mit zwei 6ern und zwei 10ern im Zwischenlinienraum sowie Kalinic im Sturm der die Tiefe attackiert. In der Serie A sind die Teams aber immer besser darauf eingestellt.

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Grundformationen der beiden Teams, zuerst mit der Fiorentina in Ballbesitz, dann mit der Roma.

Spalletti, der sein Team prinzipiell in einem 4-3-3 mit falscher Neun auflaufen ließ, fand eine neue und sehr interessante Lösung gegen die spielstarke Fiorentina. Die Römer pressten sehr hoch und formierten sich dabei in einer 4-2-2-2-Formation.

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Die Roma reagiert so mit starken Mannorientierungen auf die Positionierungen der Mittelfeldspieler der Viola. Perotti und Nainggolan verfolgten stets Vecino und Tino Costa, dahinter orientierten sich Keita und Pjanic an Borja Valero und Ilicic, wobei diese etwas weniger mannorientiert agierten und mehr den zentralen Raum vor der Abwehr besetzten wollten, was vor allem Keita vermehrt tat.

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Die beiden Flügelstürmer Salah und El Shaarawy blieben defensiv eher breit und orientierten sich an den Halbverteidigern der Fiorentina. Der zentrale Innenverteidiger Gonzalo wurde freigelassen, seine Passoptionen ins Zentrum jedoch eng gedeckt. Gonzalo, der über ein ausgesprochen starkes Passspiel verfügt, konnte nur in wenigen Situationen Borja Valero und Ilicic gut einsetzen.

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Wurde der Ball auf einen der beiden Flügelverteidiger gespielt, so attackierte diesen entweder einer der zentralen Mittelfeldspieler oder ein herausrückender Außenverteidiger. Auf der linke Seite war es vor allem Digne, der herausrückte, um Bernardeschi (oder später Tello) zu pressen (siehe erstes Bild). Auf der rechten Seite waren es überwiegend Pjanic oder Nainggolan, die zu Marcos Alonso schoben, während Florenzi Borja Valero bewachte und ein mögliches Zurückfallen des Spaniers auch teilweise sehr weit verfolgte.

Im Offensivpressing wurde der freigelassene Gonzalo meistens von einem der beiden Außenstürmer angelaufen, aus dem 4-2-2-2 heraus ergaben sich aber auch ein paar Umformungen. Einerseits aufgrund der Mannorientierungen, andererseits um vorne noch besser Druck auf den Ballführenden auszuüben. So waren vereinzelt 4-2-4 und öfters auch 4-1-2-3 Staffelungen zu beobachten.

Das Offensivspiel der Fiorentina konnte sich nicht wie gewohnt entfalten und das erneut recht statische Ballbesitzspiel wurde durch die Manndeckungen Großteils gut gestoppt. Paulo Sousas Team schaffte es nichtmal ihren gewohnt recht sicheren Ballbesitz in der eigenen Hälfte zu behaupten. Der mutige Pressingansatz mit freigelassenen ZIV machte Sinn, denn bereits in der Vergangenheit zeigte sich die Fiorentina bei solchem Offensivpressing zu anfällig und versuchte oft noch bereits aussichtslose Situationen spielerisch aufzulösen. Bei den Bällen auf die Wingbacks hatte die Roma genug Zeit zum Verschieben, bei Bällen in die Tiefe auf Kalinic machten Manolas und Rüdiger einen ausgezeichneten Job. Zu halbwegs gefährlichen Aktionen kam es entweder durch Einzelaktionen am Flügel oder wenn Gonzalo es schaffte einen der beiden 10er einzusetzen.

Die Fiorentina presste in ihrem gewohnten 4-4-2 und machten dabei offensichtlich den Ex-Stuttgarter Rüdiger als Schwachpunkt der Roma im Spielaufbau aus. Der linke Innenverteidiger wurde anfangs freigelassen, dann verschoben die beiden Stürmer in seine Richtung. Durch das Abkippen von Keita und der Unterstützung von Pjanic oder Nainggolan konnte die Roma solche Situation anfangs oft lösen und schnell auf die rechte Seite zu Manolas oder Florenzi verlagern, auch weil die Fiorentina etwas weniger Intensität in der Arbeit gegen den Ball zeigte. Mit der Zeit musste Rüdiger immer öfter zu langen Bällen greifen.

In Ballbesitz agierte die Roma aus einer 4-3-3-Grundordnung heraus, wobei diese sehr fluide und recht chaotisch interpretiert wurde. Wesentlichster Punkt ist dabei Diego Perottis Rolle als falsche Neun. Perotti, Neuzugang von Genoa, spielt dabei nicht unbedingt eine typische falsche Neun, sondern treibt sich einfach wild auf dem ganzen Platz herum. Dies führte oft zu Überladungen im Mittelfeld mit verbesserungswürdigen Positionierungen und somit zu einer bemühten aber eher schwachen Ballzirkulation. Perotti besetzte das Sturmzentrum eigentlich nie, dieses blieb bei Ballbesitz in tieferen Zonen somit frei und wurde erst in höheren Zonen mehr von den einrückenden Flügelstürmern Salah und El Shaarawy besetzt, wobei sich Salah deutlich mehr am Flügel hielt als El Sha auf der anderen Seite. Dadurch gab es des Öfteren 4-3-1-2-Staffelungen in Ballbesitz zu sehen und die Roma hatte eine hohe Präsenz im Mittelfeldzentrum und durch Perottis und Salahs Bewegungen auch einen ordentlichen Rechtsfokus.

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Das Offensivspiel der Roma präsentierte sich sehr fluide und chaotisch, es gab viele Bewegungen, die oft nur mangelnd eingebunden waren. Wesentlich waren die Wechselbewegungen von Nainggolan und Perotti, die das Mittelfeld der Fiorentina vor Probleme stellte. Wenn sich Perotti zurückfallen ließ, rückte der Mittelfeldspieler oft auf – eine interessante Rolle für den dynamischen, durchschlagskräftigen und abschlussstarken Belgier. Die Abwehrkette der Fiorentina zeigte keine Reaktion auf das Zurückfallen Perottis, das Mittelfeld sah sich mit einem zusätzlichen Gegenspieler konfrontiert und wusste oft nicht so recht wie es auf die Wechselbewegung von Nainggolan und Perotti reagieren sollte. Nainggolan lief üblicherweise nicht ganz durch und Perotti ließ sich auch nicht wirklich zurückfallen, sondern blieb oft einfach stehen, während sich Fiorentinas Defensivverbund leicht Richtung eigenes Tor bewegte. Durch diese Bewegungen agierte die Fiorentina etwas zu zögerlich, konnte oft nicht ausreichend Druck auf den Ball ausüben und wurde weiter zurückgedrängt, wobei die Kompaktheit durch die Bewegungen im Mittelfeld ein klein wenig litt. In der Strafraumverteidigung zeigte sich Sousas Team dann etwas schwächer als sonst, die Mittelfeldspieler standen öfters zu tief – als Reaktion auf ein Durchlaufen von Nainggolan oder Florenzi – und in unpassenden Abständen. Dies zeigte sich etwa beim zweiten Gegentor, einem abgefälschten Schuss von Salah. Durch die vielen, teils überambitionierten Bewegungen, war Romas Offensive aber trotz Großteils eher schwacher Struktur unangenehm zu verteidigen und nur schwer vorhersehbar.

Das Spiel hatte für beide Teams eine große Bedeutung und so entstand anfangs auch eine gewisse Hektik und sowohl Roma als auch Fiorentina machten überdurchschnittlich viele Fehler. Vor allem Spallettis Roma presste gut, doch Fiorentina verlor die Bälle weitaus leichtfertiger als man es von ihr gewohnt ist. Nach etwa 22 Minuten erzielte Stephan El Shaarawy den Führungstreffer, hervorgegangen war dem ein Ballverlust im Mittelfeld und ein sehr schöner Steilpass von Pjanic auf Salah, der sich allerdings in Abseitsposition befand. Nur kurz danach folgte durch Salahs abgefälschten Schuss das 2:0, Perotti vergab nach einem zu kurzen Rückpass von Astori alleine vor Tatarusani, traf aber in der 38. Minute nach einem zum 3:0. Ein simpler Gegentreffer, nachdem Roncaglia nach einem langen Abschlag des Tormanns – warum auch immer – zum Spielen aufhörte und Gonzalo sich leicht von El Shaarawy ausspielen ließ. Die Fiorentina verlor in der Zwischenzeit verletzungsbedingt sowohl Borja Valero als auch Matias Vecino und konnte nur kurz vor der Halbzeitpause nach einem Elfmeter nach Foul an Tello auf 3:1 verkürzen. In der zweiten Halbzeit folgte schließlich der zweite Treffer von Salah zum 4:1 Endstand.

Ausschlaggebend waren in dieser Partie die vielen Ballverlusten der Fiorentina in der eigenen Spielhälfte. Sousas Team konnte ihr gewohntes Ballbesitzspiel nicht wirklich aufziehen und verlor viele Bälle schon sehr früh. Auch das Ballbesitzspiel der Roma überzeugte noch nicht ganz, die Ballverluste kamen aber in ungefährlicheren Zonen und waren weitaus weniger problematisch. Ein weiterer Vorteil für die Roma war hierbei auch die Qualität der Offensivspieler, die aufgrund ihrer Schnelligkeit und ihrer technischen Qualität sehr gut für schnelle Gegenstöße geeignet sind und die Räume nach Balleroberungen gut nutzen konnten. Ansonsten präsentierte sich Spallettis Roma chaotisch und wild, mit Schwächen aber unangenehm zu verteidigen, wodurch sich ein verdienter Sieg der Römer ergab. Für Luciano Spalletti ist es der siebte Sieg in Serie und so schaut es derzeit sehr gut aus für das Erreichen eines Champions-League-Platzes.

Über Alex Belinger

War als Kind zu oft in Italien auf Urlaub und mag jetzt italienischen Fußball.
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