Barcelona defensiv verbessert gegen Elche

In den letzten Wochen ging es drunter und drüber in Barcelona. In der Clubführung rappelt es, nicht zuletzt haperte es aber eben auch auf dem Platz.

In unpassender Besetzung ließ man sich von Moyes zonenorientierter Manndeckung im 4-4-1-1 in seinen kollektiven Bewegungen hemmen und im Endeffekt immer wieder isolieren. Das resultierte in einer eher peinlichen Leistung und im Endeffekt folgerichtiger Niederlage. Hier Rene Maric’s Analyse zum Spiel.

Am Donnerstag Abend empfing man dann Tabellenletzten Elche im Copa Del Rey. Die Leistung machte einen durchaus beachtlichen Sprung in einzelnen Teilaspekten.

Spielvorbereitungen

Vor dem Spiel merkte Luis Enrique an, dass Elche viele verschiedene Spieler einsetze und auch formativ variabel aufgestellt sei. Man könne sich schwer auf sie vorbereiten.

Elche trat dann tatsächlich in einem eher klaren 5-3-2 auf. Das stellte zumindest meiner Meinung nach nicht die beste Variante gegen das momentane Barca an. Gegen das sowieso kaum angesteuerte Sturmzentrum waren die drei Innenverteidiger eher verschenkt. Auf den Flügeln hatte man dagegen nominell eine 1:2 Unterzahl, was nur durch ein weites Einschieben der drei Sechser kompensiert werden konnte. So stand man ballfern aber offen und war nach Verlagerungen potentiell anfällig.

 

Barca unpassend und undurchschlagskräftig

Wie schon oben erwähnt, konnte Enrique den Gegner wohl nicht ausreichend einschätzen, was sich auch durchaus in der ersten Hälfte andeutete. Zwar konnte man halbwegs stabil, wenn auch oft umständlich, bis ins zweite Drittel zirkulieren, trotzdem haperte es spätestens im letzten. Insbesondere die Rollenverteilung auf den Flügeln bereitete Probleme. Messi startete wieder einmal nominell auf dem Flügel und hing dort anfangs auch sehr fest. Neymar und Messi sahen sich immer verfolgt von den gegnerischen Wing-Backs, die so meistens ein Aufdrehen verhindern konnten. Sie reagierten darauf, indem sie sich betont breit postierten, um sich zu befreien. Ihre Tandempartner, die Außenverteidiger Alba und Alves, rückten dafür immer wieder in die Halbräume in eine engere Stellung ein. Durch diese unglückliche und eben unvorbereitete Reaktion entwickelten sich unpassende Rollenverteilungen. Messi und Neymar wurden in raumöffnende Rollen gedrängt, während Alves und Alba zu dominanten Aktionen gedrängt wurden, was gerade den beiden nicht liegt.

Anpassungen nach der Pause

Dieses Problem schien mir Luis Enrique in der Pause anzugehen. Links ging Alba öfters breit oder diagonal in die Schnittstelle Wing-Back – Innenverteidger, um die Aufmerksamkeit ersteres auf sich zu lenken. Dadurch entledigte er Neymar seines Bewachers, der so in Hälfte zwei mehr Einfluss entwickeln konnte. Zudem wurde Messi zunehmend freier, bewegte sich in die Mitte, zurück, auch auf links, usw. Dafür war Alves öfter breit postiert.  Auch Suarez, der im Zwischenlinienraum fast komplett abgemeldet war, bewegte sich öfters gegenläufig nach außen.

So brachte man weitere Bewegung ins Spiel und konnte die zu Anfang erwähnten Schwächen Elches nach Verlagerungen ausnutzen. So wurde vor allem Neymar immer wieder nach Spielverlagerungen gesucht, von wo aus er dann meist ins Dribbling ging.

So spielte Barca endlich seine bei weitem überlegene individuelle Klasse aus und konnte noch einige Tore markieren.

 

Umzingelndes Gegenpressing

Kurzer Rückblick: Guardiolas Zugriffsart als Ballumzingeln und situative Reaktionen

Laut Jürgen Klopp war die beeindruckendste Fähigkeit von Barca um die Jahre 2010-2012 nicht etwa das Ballbesitzspiel, sondern ihre Defensivarbeit insbesondere im Umschaltmoment. Diese profitierte zwar auch von der vorherigen Kontrolle über den Ball und die vorbereitenden Staffelung, war aber eben auch schlicht im Zugriffsmoment genial.

Alle ballnahen Spieler reagierten und rückten erst einmal Richtung Ball. Der Ballführenden wurde also vor allem von hinten oder halbdiagonal von hinten von zwei oder drei Spielern gejagt und so in eine Dynamik gezwungen. Von vorne stellten und lenkten die Spieler dann weiter. Das reine Zünden war also höchst aggressiv, in Gegnernähe wiederrum aber eher passiv, da man hier nun nichts überstürzte, sondern den Fehler abwartete. Das führte zum Beispiel zu überraschend und fast unlogisch hohen Passquoten von Ever Banega bei den Zusammentreffen. Dieser machte schlicht diese Fehler nicht, auf die man wartete. Macht der Spieler sie doch, waren die Katalanen damals wiederrum höchst aggressiv, was teilweise an das „Durchzünden“ wie bei Hyballa oder Schmidt heute erinnerte.

Guardiola vereinigte sozusagen praktisch alle möglichen Variantes des Gegenpressings in einem: hochaggressiv, passiv, leitend, usw. Mir ist absolut rätselhaft, wie Guardiola das einübte. Gepaart mit der Intelligenz der Spieler, die also auch noch korrekt auswählten, erreichte man so nahezu das Maximum.

Luis Enrique scheint über die kurze Winterpause das Defensivspiel fokussiert zu haben. Sehr auffällig war auch, wie bewusst und fast übermotiviert die Kette immer wieder aufrückte, was in den Spielen vor der Winterpause wieder nachgelassen hatte.

Auch das Verhalten nach Ballverlust war sehr bewusst, kollektiv gut organisiert und besonders gegen diesen Gegner auch sehr effektiv.

Dieses Gegenpressing wirkte ähnlich wie oben Beschriebenes von Pep; man erzeugte immer wieder Trauben um den Ballführenden und jagte ihn so in isolierte Bereiche.

Das ist eine sehr interessante Variante, ganz besonders für Barcelona. Barca zerdrückt die Staffelung des Gegners ja schon meist alleine durch ihre Ballzirkulation, sodass sich dieser dann in flacher Stellung am Sechszehner wiederfindet. Die Defensive hat dann zwar sehr hohe Räume zu sichern, dafür aber auch höchstens gegen zwei Stürmer wie auch an diesem Tage. So muss man dann nicht viele ‚hinter‘ des gegnerischen Blocks postieren, um dann ‚drauf‘ zu gehen. Stattdessen postiert man sie ‚darin‘,sodass sie dann ‚rückwärts‘ treiben.

 Hier eine Videosequenz einer solchen Gegenpressingaktion.

Die letztendliche Effektivität dieses Gegenpressings war sicher auch mit der individuellen Überlegenheit verbunden. Trotzdem konnte man Mechanismen erkennen, die durchaus vielversprechend wirkten.

 

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Elche spielt einen tiefen Ball. Bartra rückt wie so oft heraus, Mascherano und Roberto pressen rückwärts drauf. Sie erhalten hier noch keinen Zugriff.

 

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Ballverlust gegen den engen Block Elches. Man treibt den Ballführend Richtung Flügel, wo man mit Barta, Neymar und Alba zugreift. Diese waren vorhin noch vorm Ball. Auch Alves eilt zurück, Pique ist bedacht auf Tiefe.

Unbenannt

Hieraus wird das 1:0 entstehen. In Hälfte eins war das Gegenpressing das Hauptmittel, um die Staffelung offensivwirksam zu zerschlagen. #besterSpielmacher

 

Einordnung

Natürlich war es ein absoluter Pflichtsieg und selbst in dieser Höhe noch nicht einmal allzu besonders oder überraschend. Trotzdem schien es mir nach einem Schritt nach vorne gegenüber der letzten Spiele. Außerdem konnte man sehen, dass Luis Enrique an Dingen arbeitet, was von einigen Culés schon bezweifelt wurde.

Wie schon zu Saisonbeginn ist das ein ordentlicher Anfang auf der Basis eines soliden Defensivkonzepts, was ja durchaus Sinn macht. Nur darf man eben nicht die nächsten Schritte missen lassen, die insbesondere im Positionsspiel und der bewussten Beschleunigung im letzten Drittel heißen.

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