Ein Blick in die Zukunkft: Die Talente des FC Barcelona – Teil 2

Der FC Barcelona ist weltberühmt für seine hervorragende Jugendarbeit. Spieler wie Xavi, Iniesta, Busquets und nicht zuletzt Messi wurden alle in der eigenen Nachwuchsschule La Masia ausgebildet und gehören heute zu den weltbesten Fußballern. In vielen Spielen standen bei Barca sogar nur Spieler aus der eigenen Jugend in der Startelf. Diese Serie beschäftigt sich mit den jungen Talenten des FC Barcelona die eines Tages mal in die Fußstapfen der erwähnten Stars treten könnten.

In diesem zweiten Teil werden wir vom Goalimpact unterstützt. Grob gesagt, sagt dieser statistische Wert aus, wie sich ein Spieler auf die Tordifferenz seines Teams auswirkt. Für weitere Informationen könnt ihr die Seite von Goalimpact besuchen.

(Nils Poker)

Munir El Haddadi

 

Ein echter Senkrechtstarter ist Munir El Haddadi, genannt Munir. Anstatt wie die meisten Talente Barcas erstmal von der Jugendmannschaft in die zweite Mannschaft zu wechseln, schafft Flügelstürmer Munir bislang in seinem ersten regulären Seniorenjahr den Sprung in die erste Mannschaft. Der Sohn marokkanischer Eltern feierte außerdem am 8. September gegen Mazedonien bereits sein Debüt für die spanische Nationalmannschaft. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass er nicht aus rein Leistungstechnischen Gründen berufen wurde, sondern auch um frühzeitig zu verhindern, dass Munir sich in weiteren Verlauf seiner Karriere dafür entscheidet für die Nationalmannschaft Marokkos aufzulaufen zu wollen. Dieses Verhalten des spanischen Verbandes wiederum zeugt aber auch davon wie viel man Munir für die Zukunft zutraut.

 

Munir „der neue Pedro“

 

Die meisten großen Barca-Talente werden mit aktuellen Spielern aus der ersten Mannschaft verglichen. Dongou gilt z.B. als „der neue Samuel Eto’o“, Sergi Samper als „der neue Busquets“ oder Alen Halilovic als „der neue Messi“. Bei Munir kommt es eigentlich in der breiten Öffentlichkeit nicht zu solchen Vergleichen, gerade weil der dem er im Kader der Katalanen am ähnlichsten ist von der Öffentlichkeit unterschätzt und oft auch vergessen wird. Die Rede ist von Pedro.

Pedros, wie auch Munirs, größte Stärke ist sein herausragendes Spielverständnis. Beide Spieler sind in der Lage sich sehr intelligent zu positionieren und Räume zu nutzen. Bei der Nutzung dieser Räume, insbesondere bei Läufen hinter die gegnerische Abwehr, hilft beiden ihr hohes Tempo. Aber Munir und Pedro sind nicht nur in der Lage sich selbst durch ihre starken Läufe (in die Tiefe) Tormöglichkeiten zu generieren, sondern dienen ihren Mitspielern als Raumöffner. Mit ihrem beeindruckenden Positionsspiel beeinflussen sie positiv die eigenen Attacken, auch wenn man dies auf den ersten Blick vielleicht gar nicht war nimmt.

Im Passspiel sind Pedro und Munir beide ehr unpräsente Kombinationspartner und keine Spielmacher, die dominant Spielzüge einleiten.

In der Defensive sind die beiden Spanier engagierte Pressingsspieler, die ihr Tempo und ihre Spielübersicht dazu nutzen den Gegner unter Verwendung ihres Deckungsschattens effektiv zu attackieren.

 

Kann Munir sich dauerhaft bei Barca etablieren?

 

Für Munir könnte es schwierig werden sich bei Barca durchzusetzen. Wenn man als Vergleich Pedro nimmt, fällt auf, dass dieser nie unumstrittener Stammspieler war und es immer wieder Gerüchte gab bzw. gibt, dass er Barca verlassen soll. Hierbei ist mit Sicht auf Munir zu sagen, dass Pedro ihm individuell noch einiges voraus hat. Besonders technisch und im Dribbling ist Munir noch recht inkonstant und Pedro klar unterlegen. Selbst wenn Munir es also schaffen sollte individuell das Niveau von Pedro zu erreichen ist also fraglich, ob er sich durchsetzen kann. Zur Betrachtung seiner momentanen individuellen Qualität und seinem Potenzial werfen wir einen Blick auf seinen Goalimpact.

munirSein GI ist momentan noch nicht besonders hoch, aber sein Potenzial ist nicht schlecht, wobei auch dieses nicht so gut ist der aktuelle Wert von Pedro. Generell ist Pedros GI aber mit Vorsicht zu genießen, da bislang erst wenige Spiele zur Berechnung heran gezogen werden konnten. Zum Vergleich das GI-Chart von Pedro.

pedro

Als Rollenspieler für bestimmte Spiele oder Situationen sind beide für Barca geeignet, wobei bei Munir (noch) ein Fragezeichen hinter der individuellen Klasse steht. In den meisten Spielen dürften ihnen aber andere Spieler vorgezogen werden.

 

Denis Suarez

 

Als einziger Spieler dieser Serie ist Denis Suarez momentan nicht bei Barca aktiv, sondern wurde für diese Saison zum FC Sevilla verliehen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nachwuchskräften Barcas wurde Denis nicht in La Masia ausgebildet sondern stammt aus der Fußballschule Celta Vigos. Diese verließ er im Sommer 2011 um sich Manchester Citys Jugend anzuschließen. Von hier aus wechselte er 2013 für geschätzte 1,5 Mio. € nach Barcelona. In Barcelona spielte er eine erfolgreiche Saison in der zweiten Mannschaft. In 36 Spielen erzielte Denis 7 Tore und bereitete 11 weitere vor. Beim Europa League Sieger der letzten Saison soll der 20 Jahre alte Mittelfeldspieler Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln. Dies scheint ihm auch zu gelingen; trotz der starken Konkurrenz im Mittelfeld stand er bislang in allen Pflichtspielen der noch jungen Saison in der Startelf.

 

Charakteristika

 

Denis Suarez ist ein vielseitiger Mittelfeldspieler, der aber wohl in einer offensiven Rolle am besten aufgehoben sein dürfte. Er kann als 8er, 10er oder einrückender Flügel spielen. Bei Sevilla agierte er bislang als 10er im 4231-System.

Die größten Stärken Denis sind seine Technik und seine Dribblingskills. Er ist schnell und wendig und besitzt deshalb auch eine gewisse Pressingresistenz, die aber phasenweise davon abgemildert wird, dass er sich teils sehr unreflektiert bei der Ballannahme in den Gegner „reindreht“. Diese Szenen erscheinen mir aber nicht wie eine echte Schwäche, sondern als kleinere und seltene Konzentriertheiten. Stärker ausgebildet als seine Pressingresistenz seine Fähigkeiten im offensiven 1vs1. Hierbei schafft er es immer wieder sich durchzusetzen und freie Räume anzudribbeln. Hierbei schafft er es aber oft sich vom Ball zu trennen bevor die Situation zu eng wird.

Im Passspiel agiert er meist mit vielen „logischen“ einfachen Pässen, weshalb er auch häufig eine Passquote von um die 80% erreicht. Dies finde ich für einen 20 jährigen 10er in vollkommen ok, gerade wenn man bedenkt, dass er auch Standarts tritt die höchstwahrscheinlich eine Erfolgsquote von unter 80% besitzen.

Bei Sevilla tritt Suarez auch relativ balancierend auf und weicht immer mal wieder in die Halbräume aus wenn nötig und öffnet damit auch den 10er Raum für seine Mitspieler, wie z.B. Flügelspieler Vitolo. In seinem Bewegungsspiel kann er aber noch etwas dominant ballfordernder werden, in manchen Phasen des Spiels taucht er noch etwas ab.

Schwächen weißt Denis Suarez noch im Defensivspiel auf. Im Pressing verhält er sich inkonstant und schafft es nicht immer seine Gegner optimal unter Druck zu setzen und seinen Deckungsschatten effektiv zu nutzen. Außerdem wirkt er in manchen Situationen recht passiv. Wenn er es aber schafft in den Zweikampf zu kommen, verhält er sich aber oft gut und kann seinen ehr schmächtigen Körper gut einbringen.

 

Eine Zukunft bei Barca?

 

Eine Prognose, ob sich Denis Suarez bei Barca durchsetzen kann fällt relativ schwer. Er bringt zwar die notwendigen Technisch/Taktischen Fähigkeiten mit, ist aber momentan noch recht inkonstant. Um dies abzustellen sollte man ihm aber noch ein paar Jahre Zeit geben. Genauso muss er im Passspiel noch ein bisschen dominanter werden, momentan ist es noch etwas zu stark auf die einfachen Optionen beschränkt.

Ob es für Barca reicht erscheint also noch unsicher, aber für eine bessere Mannschaft im Profifußball besitzt er aber eindeutig das nötige Potenzial.

Hier noch mal sein GI-Chart.

denis-suarez

Auffällig ist, dass sein GI und sein Peak-GI (Potenzial) nicht besonders hoch sind, aber er in letzter Zeit beides steigern konnte, was laut dem Erfinder des GI, Jörg Seidel, dafür spricht, dass er sein Potenzial auch ausschöpfen kann oder es sogar zu übertreffen in der Lage ist.

 

(Mojoe)

Alen Halilovic

Alen Halilovic, der erst vor kurzem seinen 18. Geburtstag feierte, wechselte im Sommer, nachdem er schon des längeren umworben wurde, für etwas mehr als 2 Millionen von Dynamo Zagreb zum FC Barcelona, wo er zuerst für den B-Kader eingeplant ist. Gleichzeitig macht man sich aber hohe Hoffnungen beim „Neuen Messi“ aus. Der „Neue Messi“ scheint zwar sowieso die Bezeichnung für absolut jeden Zehner (mit linkem Fuß), der dribblen kann, zu sein, allerdings ist der Vergleich zumindest verständlich.

So zeigt Halilovic klar seine größte Stärke im Dribbling. Dabei verlässt er sich auch auf ähnliche Bewegungsmuster wie Messi, insbesondere seine Vorliebe für den rechten Halbraum versprüht etwas argentinischen Flair. Er benutzt hierbei praktisch ausschließlich seinen linken Fuß bei sehr kurzen, antickenden Bewegungen, mit denen er mit dem Zweikampfabstand des Gegenspielers spielt. Sehr gute Momente kann er vor allem in hektischen, plötzlichen Szenen voller Dynamik einstreuen, wenn er unter hohem Druck ist und mit kreativer Improvisation glänzt. Problematischer dagegen sind statische Blöcke, die er im Tempodribbling-Stil andribbelt; dort zeigt er sich eher weniger durchschlagskräftig.

Auch sein Passspiel ist durch eine – für Jugendspieler typische – hohe Risikobereitschaft bei -schwankender Qualität. Dabei zeigt er sich enorm ambitioniert im Ansteuern von Gassen, scheint aber häufig Probleme mit der Passgewichtung zu haben. Sehr gerne setzt er gechippte Bälle, auch hinter die Kette, ein.

Direktspiel konnte ich bei ihm noch fast gar nicht bei ihm sehen, stattdessen verwendet er im Stile seiner kurzen „antippenden“ Dribblingschritte gerne 5-6 Ballkontakte auch praktisch ohne Raumgewinn. Dadurch könnte er schwierig ins katalanische Ballbesitzspiel einzubinden sein.

Eine sehr subjektive Einschätzung meinerseits: seine versuchten Key Passes, also Gassenpässe oder ähnliches, schienen in seiner Zeit bei zu einer etwas höheren Quote erfolgreich gewesen zu sein als in seiner (bisher kurzen!) Zeit bei Barca. Auf Grund der geringen Menge der Spiele ist dies aber eine gewagte Hypothese. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass er Probleme hat, sich an den Entscheidungsfindungsrythmus Barcas zu gewöhnen, die je nach Situation zwischen sehr sicherem Passspiel und teils auch höchst riskantem wechseln.

 

Zu konstatieren gilt, dass Halilovic insbesondere mit Blick auf sein Alter über enormes Talent verfügt; der Messi-Vergleich übersteigt ihn wohl trotzdem. Interessant wird jedoch, wie er dieses Talent ins Spielkonzept Barcas einbringen kann. Seine Optimalposition wäre wohl eine sehr hohe Acht bzw. schon Zehn, die sich im rechten Halbraum positioniert, um Nadelspielerdribblings anzubringen. Dafür fehlt ihm aber wohl die grundsätzliche Stabilität in allen Bereichen, insbesondere um konstant an der Ballzirkulation teil zu haben. Klassischer Weise werden Talente bei Barca anfangs auf dem Flügel eingesetzt, während die engere Positionierung unter Enrique ihm auch zugutekäme. Jedoch ist fraglich, ob er als Einwechselspieler, also Joker, die gefragte Durchschlagskraft im Dribbling auf dem Flügel bringt.

Halilovic bringt laut dem GI das größte Talent der betrachten Spieler mit sich, hat sogar das nötige Potenzial um unter die besten Spieler der Welt zu kommen. Es ist aber zu konstatieren, dass sich Halilovic bislang nicht wie erwünscht entwickeln konnte und sein Peak-GI gesunken ist. Ob er die in ihn gesteckten Erwartungen erfüllen kann ist also auch in dieser Hinsicht fraglich.

Über Nils Poker

Konstruktiv, Kreativ, Kombinativ #Spielgeist
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

2 Kommentare

  1. Im letzten Jahr hatte ich das Glück mehrfach bei der Zweitvertretung von Barca vorbeizuschauen. Interessanterweise waren es weder Munir, noch Sergi oder Halilovic, sondern Adama „Büffel“ Traoré der mich dabei am meisten begeisterte. Er läuft dort etwas unter dem Radar, ist aber eine unglaubliche Waffe mit seiner Stärke und Schnelligkeit.

    Insgesamt ist die Spielanlage der B-Mannschaft aber sehr enttäuschend. Leider bolzen die Innenverteidiger ein Großteil der Bälle im Aufbau einfach nach vorne. Viel erinnert dort nicht mehr an den guardiola´schen Fußball.

    • Ich habe diese Saison nur ne halbe Stunde von denen gesehen und war erschüttert wie schlecht Barca B war. Wie du gesagst hast war da nur sehr wenig Gutes, gerade wenn man das Spielermaterial beachtet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.