Ein Blick in die Zukunft: Die Talente des FC Barcelona – Teil 1

Der FC Barcelona ist weltberühmt für seine hervorragende Jugendarbeit. Spieler wie Xavi, Iniesta, Busquets und nicht zuletzt Messi wurden alle in der eigenen Nachwuchsschule La Masia ausgebildet und gehören heute zu den weltbesten Fußballern. In vielen Spielen standen bei Barca sogar nur Spieler aus der eigenen Jugend in der Startelf. Diese Serie beschäftigt sich mit den jungen Talenten des FC Barcelona die eines Tages mal in die Fußstapfen der erwähnten Stars treten könnten.

 

(Nils Poker)

Sergi Samper

 

Sergi Samper besitzt das Potenzial zur Identifikationsfigur bei Barca. Der 19 Jährige ist in Barcelona geboren und hat seit seinem 6. Lebensjahr alle Mannschaften des FC Barcelona durchlaufen. Von der Jugendabteilung Barcas ging es für Samper letzte Saison zu Barca B, wo er Erfahrung in der zweiten spanischen Liga sammeln durfte. In 40 Partien kam Samper hierbei auf ungefähr 2500 Minuten Einsatzzeit, was bedeutet, dass er pro Spiel durchschnittlich 60 Minuten auf dem Platz stand. In der Vorbereitung dieser Saison durfte der Jungprofi bereits bei den Profis reinschnuppern und wusste in den Testspielen durchaus zu gefallen.

 

Spielstil; Stärken und Schwächen

Sergi Samper läuft in den meisten Spielen als alleiniger 6er auf.

Hierbei kümmert er sich besonders um das Aufbauspiel und die Ballzirkulation seiner Mannschaft. Er ist ein richtiger Barca 6er.

Samper kippt im Aufbau viel zwischen die Innenverteidiger ab und holt sich so die Bälle ab um sie zu verteilen. Alternativ ermöglicht sein Abkippen den Innenverteidigern selber breiter zu stehen und aggressiver mit dem Ball am Fuß vorzustoßen, da sie von Samper abgesichert werden. Im weiteren Angriffsverlauf bietet er seinen Mitspielern immer wieder eine Rückpassoption im Zentrum und hält die Ballzirkulation somit am Leben.

Sampers Passspiel ist sauber und strategisch, wobei seine Passlänge meist recht kurz ist. (Ist ja auch nur logisch, er spielt bei Barca) Unsauberkeiten sieht man recht selten, wodurch er durchschnittlich eine Passquote von um die 90% erreicht. Aber trotz seiner hohen Passquote spielt Samper nicht nur „einfache“ Horizontal- und Rückpässe sondern auch anspruchsvollere Pässe nach vorne. Hierbei sind besonders seine Lochpässe zu beachten mit denen er Mitspieler in der gegnerischen Formation bedient. Bei diesen Pässen spielt Samper aber auch meist strategisch und spielt sie nur wenn sie wirklich sinnvoll sind, sprich der Mitspieler eine Chance besitzt sie sinnvoll weiter zu verarbeiten und zusätzlich auch noch im Falle eines Ballverlustes abgesichert ist.

Wie es sich für einen Mittelfeldakteur bei Barcelona gehört ist Sergi Samper natürlich auch noch pressingresistent. Da er nicht über einen außergewöhnlichen Antritt verfügt kann er sich seine Gegenspieler nicht mit Tempo entledigen, bei ihm kommt es auf das Timing an. Mit einer kurzen Drehung oder einer Körpertäuschung verlädt er seine Gegner und ist dadurch in der Lage, relativ unbedrängt, in den freien Raum zu dribbeln. Seine starke Technik kommt ihm hierbei natürlich entgegen.

Auch in der Defensive kann Samper bereits durchaus überzeugen. Er hält sich meist im Zentrum und ist besonders stark im Abfangen von Pässen und aufsammeln von losen Bällen. Im Tackling ist er noch etwas inkonstant, was gegen individuell stärkere Gegenspieler zum Problem werden könnte.

Ausgemachte Schwächen besitzt der junge Spanier eigentlich nicht, wenn man von seiner positionsbedingt geringen Scoringquote absieht. Eine kleinere Schwäche ist, dass er sich teilweise in sehr gefährliche Situationen bringt, wie wenn er z.B. am eigenen Strafraum als letzter Mann in ein 1vs1 geht und hierbei fast den Ball verliert. Er ist zwar meist in der Lage auch diese Situationen zu lösen, aber (zu) riskant sind sie doch.

Die Gretchenfrage bei Sergi Sampers dürfte sein, ob er all seine genannten Stärken nicht nur in der zweiten Liga abrufen kann oder auch in der Lage ist in der ersten Mannschaft seine Leistung zu bringen. Da er aber noch sehr jung ist bleiben ihm für diesen Nachweis aber noch ein paar Jahre.

 

Dem fachkundigen Leser dürfte bereits aufgefallen sein, dass sich das Fähigkeitenprofil Sampers liest als könnte es auch von Busquets stammen. Die beiden Spieler sind sich wirklich außergewöhnlich ähnlich, wobei Busquets natürlich (noch) auf einem anderen Niveau agiert. Bei Busquets ist insbesondere anzumerken, dass er ja gerade in Sachen Konstanz ein wahres Wunder ist und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten in fast jedem Spiel abrufen kann.

 

 

Zukunftsaussichten

 

Samper wird wohl kurzfristig nur zu Einsätzen bei Barca kommen wenn rotiert wird, da neben Busquets auch noch Javier Mascherano auf der 6 agieren kann und dieser durch die vielen Neuverpflichtungen wohl nicht mehr so häufig in der Abwehrkette agieren muss. Ob Samper zu Pflichtspieleinsätzen im A-Team kommt hängt wohl maßgeblich davon ab wie stark Enrique rotieren lässt und mit wie vielen Verletzungssorgen sich Barca diese Saison quälen muss.

Langfristig dürfte Samper in der Lage sein sich im Kader von Barca zu integrieren. Hierdurch wären andere Rollen für Busquets möglich (IV, ZM, ZOM), die eigentlich einen eigenen Artikel wert wären.

 

(CF)

Jean Marie Dongou

 

Ein weiteres verheißungsvolles Talent aus La Masia ist der junge kamerunische Stürmer Jean Marie Dongou. Wie so viele Nachwuchsspieler entspringt auch Dongou der Stiftung von Eto´o, welche sich dafür einsetzt, dass Kinder aus ärmeren Verhältnissen in Kamerun gescoutet werden und eine gute (fußballerische) Ausbildung erhalten. Die besonders talentierten Spieler dürfen dann für die jeweilige Altersklasse der Stiftung spielen. Diese einzelnen Mannschaften spielen wiederum Turniere gegen unterschiedliche  Nachwuchsteams aus Europa.  Während diesen Turnieren sind dann oft viele Scouts anwesend, welche sich die Jungspunde anschauen.

Gerade Barcelona betreibt eine sehr intensive Zusammenarbeit mit der Stiftung und so ist es nicht verwunderlich, dass die zweitmeisten Spieler in La Masia aus Kamerun kommen. Bemerkenswert ist auf jeden Fall,  mit wie wenig Einsatz Eto´o aus seinem Land so viel „herausgeholt“ hat. Die Anzahl der überragenden Spieler, die nie entdeckt werden und somit keine richtige Förderung oder wirkliche Ausbildung erhalten, lässt sich nur erahnen, wenn man sieht wie viele Talente mittlerweile aus Kamerun kommen. Dongou hatte Glück: er bekam eine gute Ausbildung und wurde schließlich von den Barcelona Scouts auf einem der Turnier der Nachwuchsmannschaft entdeckt. Nach kurzer Zeit war man sich bei Barcelona sicher, dass er großes Potenzial mitbrachte und so verpflichtete man ihn im zarten Alter von 13 Jahren. Genau wie Messi wurde er also früh entdeckt und zog mit gerade einmal 13 Jahren in die Akademie ein. Doch die Akklimatisierung sollte nicht lange dauern. Denn schnell wanderte er weiter auf den Pfaden von Messi und machte auf sich aufmerksam, als er in einem Jahr direkt für drei unterschiedliche Altersstufen spielte. Für seine jeweilige Altersklasse war er immer zu gut, also entschieden die verantwortlichen Trainer, dass er für einen älteren Jahrgang spielen sollte, um die zur Weiterentwicklung gewünschte Wettkampferfahrung zu bekommen. Nachdem dies und seine Vorgeschichte bekannt wurden, galt Dongou bei vielen Experten und Fans schnell als der neue kamerunische Messi.

 

Kein Messi, Kein Eto´o, Ein Raumdeuter

Sind sich Messi und Dongou von ihrer Laufbahn und ihrer Position sehr ähnlich, so sind sie als Spieler eher unterschiedliche Typen. Dongou ist keinesfalls ein falscher Neuner wie Messi. Er kommt stärker über seine Physis, auch sein Spielstil und sein Spielrhythmus sind ganz anders. Dongou ist keine wirklich falsche Neun. Er lässt sich nicht stark fallen, verteilt die Bälle nicht raumgreifend und effektiv oder zieht mit schnellen Dribblings in offene Räume, viel eher kommt er über seine gute Bewegung und ein zuarbeitendes Spiel zum Erfolg. Der gravierendste Unterscheid dürfte sein, dass Dongou stärker die positive Passivität eines Stürmers besitzt. Er ist nicht so aktiv und dominant in Dribblings oder Kombinationen. Vielmehr ist er passiv, lässt sich intelligent in den Zwischenlinienraum fallen, verbindet Räume oder sorgt mit schönen Ablagen für schnelle Rhythmuswechsel. Sein Passspiel ist nicht so dominant und kaum raumgreifend. Auch Schnittstellenpässe spielt er eher selten. Dafür ist er überdurchschnittlich strategisch und seine Entscheidungsfindung ist sehr stabil, auch wenn es teilweise noch Unkonzentriertheit gibt, welche aber eher individueller Natur sind, wie zum Beispiel schlechtes Timing im Ablegen von Bällen.

Beeindruckend ist vor allem, dass er ein gutes Gefühl für den Rhythmus besitzt und er nie hektische Entscheidung entgegen diesem trifft. Auch kann er mit schnellen Rhythmuswechseln oder guten Bewegungen Dynamik erzeugen und Durchbrüche generieren. Dies dürfte auch einer seiner größten Stärken sein. Mit einer Torquote von 1,2 pro Spiel trifft er extrem oft und es gibt auf der ganzen Welt nur 4 Spieler, welche unter 20 Jahre alt sind und eine höhere Torquote aufweisen.

Dazu muss man sagen, dass er immerhin schon in der zweiten spanischen Liga spielt und somit schon längere Zeit auf relativ hohem Niveau seine Tore schießt. Er bewegt sich immer relativ vertikal und fordert auch schon früh lange Bälle hinter die Kette, dazu kommt, dass er ein gutes Gespür für den Verlauf des Angriffes besitzt. Er weiß wann er sich absetzen muss und ist gerade im Strafraum sehr gefährlich. Auffällig ist, dass viele seiner Tore innerhalb des Strafraums nicht wirklich anspruchsvoll oder wahre athletische Kunstwerke sind. Vielmehr schafft er sich durch seine passenden Bewegungen Raum und ist vor dem Tor sehr effektiv im verwerten der Angriffe. Seine Physis nutz er vor allem für Dribblings oder Durchbrüche durch die Schnittstellen. Er ist sehr robust und trotzdem extrem schnell, dies hilft ihm auch im Pressing, da er so sehr gut und aggressiv auf den Ball gehen kann. Wie viele physischen Spieler verlässt er sich aber nicht nur auf seine Physis, sondern ist auch sonst ein sehr intelligenter Pressingspieler, welcher eine gute Arbeit mit dem Deckungsschatten hat. Interessant ist auch, dass er in seinen Pressingwegen sehr stark die Passwinkel oder Sichtfelder der gegnerischen Spieler nutz und so viele Bälle antizipiert und abfängt. Zu seinen Pressingfähigkeiten hier eine Beispielszene:

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Eine schöne Pressingszene von Dongou. Er orientiert sich an dem gegenerischen Innenverteidiger und lenkt so das Sichtfeld des gegenrischen Spielers. Dieser dreht sich und hat nun eigentlich nur noch eine wirkliche Option zum Anspielen, den Torwart.

 

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Dies erkennt Dongou und sprintet, bevor sein Gegner den Pass überhaupt antäuscht oder ansetzt, los. Er läuft genau in den Passweg und hat ein schönes Timing den Ball mitzunehmen. Am Ende wird der Winkel etwas zu spitz und er kann nur noch den Keeper anschiessen. Trotzdem eine schöne Szene in der er seine Schnelligkeit mit seiner Intelligenz im Pressing gewinnbringend verbindet.

Zwar ist er kein wirklicher Raumdeuter wie Thomas Müller, trotzdem besitzt er durchaus ähnliche Qualitäten und kommt so ebenfalls auf eine sehr hohe Anzahl an Toren. Er ist also quasi eine Mischung aus Fred, Immobile und Müller, welche aber auch über ähnliche technische Ansätze wie Messi verfügt.

Fazit

Mit dem letzten Satz ist eigentlich schon alles gesagt. Dongou ist ein sehr intelligenter Spieler, welcher aber auch über die physischen Fähigkeiten verfügt. Obwohl er sehr variabel ist, wird es bei Barcelona schwer für ihn sich durch zu setzen. Eine Position als Stürmer wäre nicht besonders passend, da er kein wirkliche falsche Neun spielen kann. Davon abgesehen, dass die Position bei Barcelona natürlich schon Weltklasse besetzt ist. Die einzige Möglichkeit ist, dass man ihn als Flügelspieler auflaufen lässt und ihn als eine Art Raumnutzer von Messi installiert, welcher sich immer wieder horizontal in die freigezogenenen Räume von Messi bewegt. Allerdings ist Munir für mich dort für die Zukunft besser geeignet, da sein Passspiel noch nicht über die nötige Klasse verfügt. Auch ist er nicht besonders pressingresistent und fühlt sich in engen Räumen oder auf kleinen Räumen in schnellen Kombinationen eher unwohl. Dass Beste wäre es wohl, den Verein im nächsten Sommer zu verlassen. Wie er sagt, war es für ihn eine große Enttäuschung dieses Jahr noch nicht mit der ersten Mannschaft zu trainieren, da er sich persönlich für diesen Schritt bereit gefühlt hat. Alles in allem ist seine Lage bei Barcelona schwierig. Doch Dongou ist ein unglaublich variabler Spieler, welcher heute schon vielen Vereinen in den europäischen Topligen weiterhelfen könnte.

Über Nils Poker

Konstruktiv, Kreativ, Kombinativ #Spielgeist
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