Türchen 21

Rogerball-Dribblingübung

von Alex Belinger

Diese Übung stammt ursprünglich von Roger Schmidt und ist dabei spezifisch auf das System von Bayer Leverkusen ausgerichtet. Im 4-2-2-2 sollen mit der Übung lange Vertikalpässe, Ablagen sowie das Timing der durch Ablagen angespielt Spieler und das Pressing des Stürmers trainiert werden.

Trotz dieser spezifischen Ausrichtung war diese Übung etwas angepasst auch für meine Zwecke sehr brauchbar. Ich mache derzeit ein Auslandssemester in Italien und bin hier auch als Co-Trainer bei einer U13 eingestiegen. Die Trainer der Mannschaft trainieren generell eher isoliert und analytisch und setzten dabei stets Schwerpunkte über einen längeren Raum. Als diese Übung eingesetzt wurde, war das Schwerpunktthema das offensive 1vs1. Doch wie bereits im gestrigen Türchen ist das Training des 1vs1 ein sehr schwieriges Thema, bei dem es oft an einem realistischen Kontext mangelt und wo etwa auch die physisch überlegenen Spieler einige Vorteile haben, die es im Match so nicht direkt gibt. Zudem wird das 1vs1 sogar öfters mit dem Dribbling generell gleichgesetzt. Zumindest hier in Italien habe ich stark den Eindruck, dass das Dribbling unterschätzt und das 1vs1 überschätzt wird. Ich habe den Trainern hier meine Kritik an ihrer Vorgangsweise erläutert und meinen Ansatz erklärt. In einer Trainingseinheit von mir habe ich dann die folgende Übung als Aufwärmen verwendet und statt dem isolierten 1vs1 eher das generelle Dribbling in einem spielnäheren Kontext fokussiert.

Aufbau und Regeln

Für die Übung wurde ein Feld mit vier Zonen aufgebaut. Zwei Teams zu je 5 Spielern wurde gebildet, jede Mannschaft hatte dabei zwei Verteidiger, zwei Flügelspieler und einen Mittelstürmer. Das Spiel startet in einer Zone mit einem 2vs1, bei dem die Verteidiger versuchen müssen den pressenden Stürmer zu überwinden und in die zweite Zone zu gelangen. Aus dieser Zone soll ein Pass auf den Stürmer gespielt werden, der zunächst in der Zonengrenze in der anderen Spielhälfte positioniert wird. Nach einer Ablage auf einen der beiden Flügelspieler werden die gegnerischen Verteidiger aktiv und es entsteht ein 3vs2  (demnach wird also auch der zweite Flügelspieler aktiv) mit dem Ziel über die Grundlinie zu dribbeln. Gewinnen die Verteidiger den Ball, so gegenpresst nur der Stürmer und die Flügelspieler werden passiv. Gewinnt ein Stürmer im Pressing den Ball, so werden die Flügelspieler sofort aktiv. Die Punkte für ein Dribbling über die Grundlinie werden dabei stets mitgezählt, wodurch es gleich zu Beginn des Trainings ein Spiel mit einem Wettbewerb gibt.

Für die Übung wurden die Spieler zunächst auf ihrer angestammten Position eingesetzt, später wurden die Positionen nach einer bestimmten Anzahl von Angriffen gewechselt, damit die jungen Spieler nicht auf eine Position festgefahren sind.

Lerneffekte

Bei dieser Übung werden quasi gleichzeitig ein 2vs1 und ein 3vs2 trainiert. Es wurde auf engem Raum gespielt, wodurch der Druck für die ballbesitzenden Spieler größer war. Durch die Überzahl war aber stets eine Anspieloption gegeben. Sowohl im 2vs1 als auch im 3vs2 lag der Fokus darauf, freie Räume zu kreieren, diese zu erkennen und mittels Dribbling auch zu nutzen. Das Dribbling ist daher nicht die einzige Angriffsoption in dem Spiel und muss richtig in Bezug zu Gegen- und Mitspielern eingesetzt werden. Dabei sind durch das 2vs1 und das 3vs2 Situationen mit unterschiedlicher Spieleranzahl und dabei unterschiedlicher Komplexität zu lösen.

Außerdem müssen die Spieler lernen, in Unterzahl zu verteidigen. Dadurch können sie nicht manndecken und müssen geschickt Passoptionen schließen, während sie Druck Richtung ballführenden Spieler ausüben. Der Stürmer hat gegen die zwei aufbauenden Verteidiger eine interessante Pressingsituation, hier wurde von mir das leitende Anlaufen mit schließen der Passoption zum anderen Verteidiger gecoacht. Bei den zwei Verteidigern ist das Verschieben und gegenseitige Absichern wesentlich.

Die Umschaltsituationen sind im Spiel nicht gut, allerdings ist dies ein vernachlässigter Aspekt, da es eine Übung ist, die als Aufwärmen das Dribbling fokussiert.

Im Anschluss an die Übung wurde im gleichen Feld, nur ohne die Zonenbeschränkungen, 5vs5 gespielt. Erneut war das Ziel über die Grundlinie das Ziel. Um im 5vs5 das Dribbling häufiger auszulösen, wurden dabei zunächst drei, dann vier Kontakte als Minimum eingesetzt.

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