Türchen 12

Fünf-Zonen-Torhüter-Spiel
von Eduard Schmidt

Allzu häufig wird Torwarttraining isoliert betrieben. Während der Rest des Teams sich in Positionsspielen und anderen Formen vergnügt, okkupieren die Torhüter gemeinsam mit ihrem eigenen Trainer ein Tor und gehen separat ihren Aufgaben nach – wenn es diesen speziellen Trainer überhaupt gibt. Falls nicht stellt sich ohnehin die Frage: Wie kann man das Torwartspiel fokussieren, ohne an Trainingszeit für die Mannschaft einzubüßen?
Eine Idee davon gibt folgende Spielform.

Ablauf

In der ersten Stufe wird ein Torhüter im Strafraum (rot) positioniert. Er verteidigt ein normales Großtor. Sein Gegenüber steht im blauen Feld und verteidigt zwei Seiten eines Dreieckstores (Seitenlänge ca. 3-5 Meter). Beide Torhüter spielen gemeinsam mit den im schwarzen Feld befindlichen blauen Spielern im 8 gegen 6 gegen Team Schwarz.

Das Spiel startet nach jeder Unterbrechung abwechselnd bei einem der beiden Torhüter. Ziel ist es erfolgreich von einem Torhüter zum anderen durchzuspielen, ohne dass der Gegner den Ball zwischenzeitlich kontrolliert. Hierfür gibt es einen Punkt. Drei Punkte können durch ein direktes flaches Zuspiel von Torwart zu Torwart erzielt werden. Im Rahmen der Ballzirkulation darf jeweils ein Spieler das Feld ins seitliche gelbe Feld verlassen.

Schwarz versucht hingegen den Ball zu gewinnen und anschließend zu kontern. Dies kann auf beide Tore geschehen: In den roten Strafraum darf lediglich per (Schnittstellen-)pass gespielt werden (Strafraumlinie = Abseitslinie), während die blaue Zone nur per Dribbling zu erreichen ist. Ein Abschluss muss dann innerhalb von 5 Sekunden erfolgen. Zunächst darf kein Verteidiger folgen. Für jedes erzielte Tor gibt es einen Punkt.

Kontext und Ziele

Durch die Gleichzahl im Zentrum des Feldes erreicht man einerseits, dass die Verteidigungsweise mannorientierter wird. Eine Situation mit der die Torhüter verhältnismäßig häufig im Spiel konfrontiert sind, vor allem bei Abstößen, welche durch den ständigen Neustart bei einem der Keeper simuliert werden. Zugleich agieren diese im weiteren Verlauf als Überzahlspieler für die ballbesitzende Mannschaft und müssen aktiv ins Spiel eingebunden werden – alleine, da sie nach jedem Ballgewinn erneut angespielt werden müssen.

Die Torhüter spielen idealerweise drei verschiedene Arten von Pässen. Ein einfaches Zuspiel auf einen der nächsten Spieler (Soll er nur klatschen lassen und einen Gegner rausziehen oder den Ball so in den Fuß bekommen, dass er direkt Tempo aufnehmen kann?). Einen Chipball auf den Flügel oder in anderweitig freigezogenen Raum. Durch Läufe in die Flügelzone kann gleichzeitig der Weg zur anderen Seite für einen Laserpass geöffnet werden – der Königsweg.

Das ständige Abwägen zwischen diesen verschiedenen Optionen stellt hohe Anforderungen an die jeweilige Wahrnehmung. Passende Situationen müssen (bewusst) erkannt werden. Etwa ob der Lauf zum Flügel gegnerbindend eingesetzt wird oder um tatsächlich dort an den Ball zu gelangen.

Gleichzeitig wird auch das „klassische“ Torwartspiel in hohem Maße gefordert, samt unterschiedlicher kognitiver und koordinativer Schwerpunkte. Bei der Verteidigung des Dreieckstores geht es neben allgemeinem Zeitgewinn darum, den Stürmer auf eine Seite zu lenken und durch gutes Stellungsspiel den Weg zum Tor zu versperren.

Das Spiel im normalen Tor erfordert hingegen ein offensiveres Stellungsspiel, welches optimalerweise bereits im Abfangen des Zuspiels resultiert und keine 1 gegen 1-Situation entstehen lässt. Kombiniert sich das angreifende Team kleinräumiger in den Strafraum, so ist auf passendes Timing beim Herauslaufen sowie das obligatorische Winkelverkürzen zu achten. Vor allem der Rhythmuswechsel vom vorsichtigen Herantasten hin zum schnellen Erreichen des Balles erfordert Übung.

In dieser Form findet sich ein guter Platz für dahingehend explizites Feedback. Wenn ein Torwarttrainer oder Assistent zur Verfügung steht, kann dieser sich im Rahmen der gesamten Spielform beispielsweise ausschließlich auf das Coaching der beiden Torhüter in allen Spielphasen konzentrieren.

Doch auch die anderen Spieler werden nicht vernachlässigt. Bei Blau geht es vor allem um die Abstimmung der Bewegungen untereinander. Erhält Schwarz den Ball müssen sich die Feldspieler in zwei Richtungen orientieren. Die Verteidiger versuchen lokal Überzahl zu erzeugen, während das ballbesitzende Team vor allem dann effektiv sein kann, wenn es den Gegner in eine Zone lockt, um zur anderen, in den freien Raum, zu verlagern. Dabei müssen die jeweiligen Charakteristiken der Endzonen beachtet werden.

Variations- und Erweiterungsmöglichkeiten

Durch das Hinzufügen von jeweils zwei Außenspielern (Positionswechsel möglich!) kann einerseits die Tendenz zum mannorientierten Verfolgen abgeschwächt und durch die Besetzung der Breite ein spielnäheres Element hinzugezogen werden. Hier lässt sich dann gruppentaktisch zusätzlich an Rotationen und Positionswechseln arbeiten, um stets Anspieloptionen zu schaffen und durch eine flexible Flügelbesetzung unter den angepassten Bedingungen für Verwirrung zu sorgen.

Um den Fokus vermehrt auf Orientierungsfähigkeit zu legen, kann schlichtweg die Zahl der Spieler zusätzlich erhöht werden. Weiterhin kann man zum Beispiel weitere Minitore für Team Schwarz an den Seitenlinien positionieren. Behält man die Restriktion in der Flügelzone bei, so entstehen 1 gegen 1-Situationen und weitere Möglichkeiten zum Anlocken und Verlagern.

Zur Erhöhung der Schwierigkeit kann beispielsweise auch Schwarz eine Überzahl an Feldspielern erhalten. Die Rolle der Torhüter als Überzahlspieler wird dadurch essentiell, der Gegnerdruck höher. Eine gegenteilige Überzahl würde wiederum für Erleichterung und weniger mannorientiertes Spiel sorgen.

Um noch realistischere Situationen zu generieren, kann einem oder mehreren blauen Spielern beim Verteidigen das Nachrücken in eine der Endzonen erlaubt werden. Hierbei bietet es sich an, die Restriktion in Bezug auf Eindribbeln bzw. Schnittstellenpässe gleichzeitig zu entfernen.

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