Türchen 11

7vs2 Ballhalten

von Alex Belinger

In der vergangenen Saison war ich Co-Trainer bei der U11 des SKN St. Pölten, wobei die Mannschaft eigentlich eine U10 war und nur in der Meisterschaft gegen ein Jahr ältere Spieler antrat. Die Spieler waren daher Großteils neun Jahre alt, die Übung wurde als Aufwärmen genutzt.

Ablauf:

Der Ablauf der Übung ist dementsprechend auch nicht besonders kompliziert. Es wird ein Feld aufgebaut, in dem sich neun Spieler einfinden. Zwei davon sind stets Balljäger, die anderen sieben haben je einen Ball und versuchen diesen zu behaupten (die genaue Spieleranzahl kann natürlich variiert werden, wobei das Verhältnis zwischen Offensivspielern und Balljäger passend bleiben sollte). Die zwei Verteidiger versuchen so schnell wie möglich alle Bälle aus dem Spielfeld zu befördern. Verliert einer der sieben Angreifer den Ball, so kann er sich seinen Mitspielern als Anspielstation anbieten. Dadurch müssen sich die Spieler auch auf mehrere Bälle konzentrieren, bis schließlich nur noch ein einziger Ball im Spiel ist, der von den sieben Angreifern gegen die zwei Verteidiger gesichert werden soll. Das Spiel ist aus, sobald der letzte Ball aus dem Spielfeld befördert wurde, danach werden die Verteidiger gewechselt. Für das 7vs2 mit nur einem Ball sollte ein Kontaktlimit, je nach Spielerqualität, festgelegt werden, damit die Situation nicht zu einfach wird und zudem die Ballzirkulation gefördert wird.

Lerneffekte:

Bei Spielern dieser Altersklasse wird aus meiner Sicht viel zu isoliert und einschleifend trainiert, dabei ist auch bei 9 oder 10-Jährigen ein gewisser ganzheitlicher Trainingsansatz umsetzbar und vorteilhaft. Gerade diese Übung bringt dabei einige interessante Aspekte mit sich und trainiert spielnah einige Themen gleichzeitig, wodurch nicht nur die Lerneffekte besser sind sondern auch die kostbare Trainingszeit effektiver genutzt wird.

Bei der Übung können die Jungs spielen und haben dabei auch einen Wettbewerb, was für meine Spieler stets sehr wichtig war. Kein Spieler möchte den Ball zu Beginn verlieren, die Verteidiger möchten dafür alle Bälle so schnell wie möglich aus dem Feld befördern, was von mir auch Mal mit der Uhr abgestoppt wurde, um das schnellste Verteidigungsteam zu ermitteln. Die Übung macht mehr Spaß als isoliertes Training und bei den Spielern war es sogar besonders beliebt, ohne Ball als Verteidiger im Einsatz zu sein.

Zudem beginnt jeder Spieler das Training durch diese Spielform mit einem eigenen Ball und hat so eine höhere Zahl von Ballkontakten. Dabei ist der Gegnerdruck bei 7vs2 zunächst eher gering, die Spieler müssen aber nicht intentionslos irgendwelche Hütchen ausdribbeln, sondern die Verteidiger im Auge behalten und sich anhand ihrer Position im Raum bewegen.

Neben einer entscheidungsorientierten Ballführung und der Ballbehauptung werden noch weitere wesentliche Aspekte des Offensivspiels trainiert. Die Übersicht wird geschult, da Spieler stets Ball, Gegen- und Mitspieler im Auge haben müssen. Dies wird verstärkt, wenn nur noch zwei oder drei Bälle im Spiel sind und verstärkt kombiniert wird. Dabei spielt auch die Kommunikation eine wesentliche Rolle, da es öfters vorkommt, dass ein Spieler angespielt wird, aber auf einen anderen Ball fokussiert ist und den Pass daher nicht kontrollieren kann. Oder aber es wird ein Spieler gleichzeitig von zwei Kollegen angespielt. Bei meiner Mannschaft war es so, dass am Anfang eher wenig kombiniert wurde und jeder Spieler froh war, selbst am Ball zu sein. Mit der Zeit erkannten sie aber von selbst, dass sie durch einen Pass auf einen Mitspieler den Ball als Team oft besser sicher können. Oft nahmen die Spieler einen Pass nicht wahr, da sie auf einen anderen Ball fokussiert waren, durch verbesserte verbale Kommunikation wurden diese Situation jedoch mit der Zeit seltener.

Im 7vs2 mit nur einem Ball wurde zudem das Pass- und Kombinationsspiel verbessert. Gegnerdruck ist gegeben, zu hoch ist dieser jedoch nicht. Durch die Kontaktbeschränkung wurden schnelle Entscheidungen gefordert und die Spieler lernten auch sich im Raum passend aufzuteilen.

Die verteidigenden Spieler agierten zunächst alleine und plagten sich dabei teilweise schon im 7vs2 mit sieben Bällen einen Ball zu erobern. Schnell kam aber ein Verteidigungspärchen auf die Idee, gemeinsam zu pressen, wodurch sie wesentlich schneller zu Balleroberungen kamen. Aufgrund des Erfolgs dieser Variante wurde dies schnell von den restlichen Spielern übernommen.

 

 

 

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