Einbindungsprobleme bei Leroy Sané

Das ist die grundsätzliche Frage des Artikels. Wieso ist das so? Und ist das überhaupt so? Welche Faktoren wirken auf das Spiel von Sané ein und führen dazu, dass er auf der linken Seite bessere Leistungen zeigt als auf der rechten Seite? Kann man dieses Problem vielleicht lösen?

Wie kann man diese Fragen beantworten?

  1. Grundsätzlich muss man klären, ob Leroy Sane auf dem rechten Flügel wirklich schlechtere Leistungen zeigt. Also eine statistische Analyse durchführen, bei der man sein Outcome auf beiden Seiten vergleicht. 
  1. Anschließend muss man analysieren, wie er auf jeder Seite spielt? Was ergibt sich daraus?
  2. Wieso verändert sich sein Spiel dadurch?
  3. Bei der Beantwortung dieser Fragen, kommt man dann schnell zu den verschiedenen Faktoren, die das Spiel von Sané beeinflussen. Also: Was beeinflusst ihn wie? Und da es mir bei vorherigen Analyseversuchen nicht gelungen ist, eine objektive Analyse dazu zu erstellen, könnte es wichtig sein einen Rahmen zu kreieren. Was wäre dieser Rahmen? Als Oberbegriff könnte man Einbindung nehmen. Also: Was ist Einbindung? Wie hat sie einen Einfluss auf den Spieler? Das ist wichtig, weil es nicht darum geht Sanés Spielweise zu analysieren, sondern es geht darum, wie sich seine Spielweise in verschiedenen Situationen verändert und wieso?
  4. Wie könnte man das Problem theoretisch lösen?

Ist Sane wirklich besser auf dem linken Flügel als auf dem rechten Flügel?

  1. Leroy Sane hat 54% seiner Spiele als linker Mittelfeldspieler, 25% als rechter Mittelfeldspieler und 21% auf andere Positionen gemacht. Bei Bayern hat er 80% seiner Spiele als rechter Mittelfeldspieler gespielt (2.103 Minuten von 2.627) und nur 15% seiner Spiele auf dem linken Flügel (407 Minuten) gemacht. Und 5% seiner Spiele auf anderen Positionen. Bei Manchester City hat er nur 8% seiner Spiele auf der rechten Seite gemacht und 86% auf der linken Seite. Man kann also festhalten, dass sich seine Position bei Bayern sehr stark verändert hat. Wie wirkt sich das auf seine Leistungen aus?
  2. Um seine Leistungen zu bewerten, werden die xG und xA Werte von ihm gegenübergestellt. 
  3. In 122 Spielen von 2017 bis 2020 (also vor Bayern) hat er einen durchschnittlichen xG pro Spiel von 0,24 und einen xA von 0,29. 
  4. In dieser Saison hat er einen xG von 0,18 und einen xA von 0,29 (also eine Differenz von -0,06 xG und 0 xA zu seinem Durchschnitt). 
  5. In 64 Spielen in der Premier League (ab der Saison 2017/18) hat er einen durchschnittlichen xG von 0,19 und einen xA von 0,4 pro 90 Minuten. 
  6. In der  Saison 2018/19 hat er sogar einen xG von 0,21 und einen xA von 0,45 generiert. 
  7. Um diese Zahlen noch besser einzuordnen, müsste man die Qualität der Liga vergleichen und den Unterschied zwischen Bayern München und ihren Gegnern und Manchester City und ihren Gegner herausarbeiten. Letzteres wäre sehr aufwendig. Allerdings dürfte es kein Geheimnis sein, dass die Premier League eine schwierigere Liga ist. 
  8. Was bedeuten diese Zahlen konkret? Wenn man die Zahlen auf eine ganze Saison hochrechnet, lassen sie sich besser vergleichen. 
  9. Ein durchschnittlicher Leroy Sane hat in 34 Spielen einen xG von 8,16 und xA von 9,86. Leroy Sane bei Bayern München hat in 34 Spielen einen xG von 6,12 und auch einen xA von 9,86.
  10. (10)Wenn man jetzt beides addiert, kommen folgende Werte für 34 Spiele heraus: LSBayern = 15,98 xG + xA und LS2017-2020 = 18,02 xG + xA. Leroy Sane generiert bei Bayern also in 34 Spielen -2,04 xG + xA als durchschnittlich
  11. (11)Es lässt sich also sagen, dass sich sein Output um 11% verringert hat.
  12. (12)Wie lassen sich die Zahlen mit den Werten in der Premier League vergleichen? Bei Manchester City hätte er in 34 Spielen 6,46 xG und 13,6 xA. Der LSPremier League hat also einen xG + xA von 20. 
  13. (13)Sein Output hat sich also um 20% verringert, wenn man es mit dem bei Manchester City vergleicht. Und für diese Art von Output hat man ihn verpflichtet.

Was lässt sich genau sagen?

  1. Leroy Sanes Position hat sich bei Bayern verändert. Er spielt 80% seiner Spiele auf dem rechten Flügel. In seiner ganzen Karriere hat er 53% der Spiele auf dem linken Flügel gespielt.
  2. Leroy SaneBayern liegt -2,02 xG + xA unter seinem Durchschnitt und -4,02 xG + xA unter seinen durchschnittlichen Werten in der Premier League. 

Wenn man sich das anschaut, lieg die Vermutung nahe, dass seine Position einen großen Einfluss auf seine xG + xA Werte hat. Um die These zu bestätigen, müssen seine xG und xA Werte positionsspezifisch untersucht werden. 

  1. (14)In 115 Spielen auf dem linken Flügel hat er durchschnittlich einen xG von 0,35 und einen xA von 0,49 pro 90. Minuten. In 17 Spielen für Bayern auf dem rechten Flügel hat er einen xG von 0,32 und 0,35 xA pro 90. Minuten (Dieser Wert wurde ungefähr zur Winterpause berechnet, die Rückrunde zählt nicht mit herein, allerdings waren seine Werte in der Rückrunde schlechter, deswegen kann davon ausgegangen werden, dass der Unterschied noch größer wäre). Auf dem linken Flügel generiert Sane also einen xG + xA von 0,84 und auf dem rechten Flügel einen xG + xA von 0,67 pro 90. Minuten. 

Man könnte also sagen, dass Leroy Sane auf dem rechten Flügel schlechtere Leistungen zeigt. Dieser Fakt ist zwar hinlänglich bekannt, trotzdem war es wichtig, nochmal genau herauszuarbeiten, wie groß dieser Unterschied ist und ob es sich nicht nur um eine subjektive Einschätzung handelt. Nun soll analysiert werden, wie er auf beiden Seiten spielt.

2. Wie spielt Leroy Sané auf dem linken Flügel?

Da er meistens auf dem linken Flügel gespielt hat, wird damit begonnen. Anhand von seiner Spielweise auf der linken Seite kann man dann die Veränderungen auf dem rechten Flügel herausarbeiten. 

Ergänzung: Es werden immer zwei Videos angezeigt. Da muss man leider selbständig das Richtige wählen.

Grundposition

Bei Manchester City gab er oft die Breite, deswegen startet er die meisten seiner Aktionen aus einer breiten Position am Flügel. Was ergibt sich daraus?

Durch seine breite Position kann der linke Außenverteidiger einrücken. Er kommt nach Verlagerungen, die für Guardiola typisch sind, im letzten Drittel in 1-gegen-1 Situationen. Seine Aktionen wirken sich auf die letzte Linie aus, er ist nicht so stark in die kreierende Aspekte der Angriffe integriert, sondern nutzt freie Räume und bestehende Situationen aus. 

Aus dieser Grundrolle heraus macht er verschiedene Dinge. Was genau?

Dribblings aus der Grundposition

Aus der Grundposition kann er auf verschiedene Arten dribblen, allerdings sind seine Dribblings vom Ablauf oft ähnlich. Sané dribbelt sehr horizontal an, bewegt sich fast auf einer geraden horizontalen Linie und führt den Ball mit der Innenseite. Dadurch hat er den Fuß zwischen Gegenspieler und Ball. Durch seine horizontale Bewegung nach innen verschiebt die Kette des Gegner horizontal mit und es entstehen seitlich Räume. In diese kann sich Sané sehr schnell drehen, in dem er den Ball mit der äußeren Seite seines linken Fußes in diese Räume legt. Bevor er das macht, täuscht er oft mehrere Bewegungen an, ohne den Ball zu berühren. In den meisten Dribblings hat er nur in der ersten Phase, also dem Führen mit der Innenseite viele Ballkontakte, danach agiert er sehr raumgreifend. Auch in engen Situationen findet er oft Räume, in die er den Ball legen kann. Seine Dribblings sind nicht durch seine Technik geprägt. Er greift häufig auf seine unfassbare Koordination und Beschleunigung zurück. Gepaart mit dem geschickten Andribbeln kann er so in seitliche Zonen kommen, von wo er abschließen kann oder den Ball direkt vors Tor legen kann. 

In dieser Szene sieht man sein typisches Muster sehr gut:

1. horizontales Andribbeln, führen mit der Innenseite 2. Verschieben der Verteidiger, freie seitliche Räume. 3. Antäuschen ohne Ballberührung 4. Ball in den freien Raum legen + Abschluss 

Auch im nächsten Clip ist es genau der gleiche Ablauf:

Wenn er den Ball in tieferen Zonen erhält, kann er sehr konstant ins Zentrum brechen, auch wenn er in 2-gegen-1 Situationen kommt. Dann legt er sich den Ball geschickt in den Halbraum und startet hinterher. 

In Kontersituationen, wenn er sehr viel Raum hat, führt er den Ball mit der Außenseite, sobald er aber gestellt wird, wechselt er auf eine feinere Ballführung mit mehr Berührungen und nutzt dabei meistens die Innenseite. 

Welche Art von Pässen kann er spielen?

Aus dieser Grundsituation spielt er verschiedene Pässe. Grundsätzlich kann er durch seine Positionierung viele horizontale Pässe ins Zentrum spielen. Spieler die diagonaler andribbeln, haben damit größere Probleme. Coman müsste z.B nochmal die Bewegung nach innen machen, bevor er die horizontalen Pässe in den Rückraum oder in den Zwischenlinienraum spielen kann. Leroy Sané kann das aus der Positionierung beim Andribbeln machen. 

Ein gutes Beispiel dafür ist dieses Video: 

Er dribbelt horizontal an und kann David Silva zwischen den Ketten anspielen. Seine nachrückende Bewegung ist ebenfalls sehr gut, er erhält den Ball in einer zentraleren Position zurück und ist im 1-gegen-1 mit dem gegnerischen Innenverteidiger. Jetzt folgt wieder sein typisches Dribblingsmuster und er spielt Silva in den seitlichen Assist-Zones frei. 

Zusätzlich zu diesen horizontalen Pässen zwischen die Kette spielt er viele Ablagen. Dabei hat er ein gutes Gespür dafür, wann er aufdrehen und ins Dribbling gehen kann und wann nicht. Seine Ablagen sind dann meistens mit Folgebewegungen in die Tiefe gepaart. Er nutzt oft ein Klatsch-Tief Rhythmus. 

Über sein Passspiel kann man sagen, dass viele seiner Pässe nicht besonders kreativ sind. Er nutzt eher eine vorhandene Situationen aus und kann scharfe und präzise Pässe spielen. Selten spielt er in engen Situationen Pässe hinter die Kette oder in die Schnittstellen. 

Bewegungen ohne Ball

Seine Bewegungen ohne Ball sind am schwierigsten zu beschreiben, da er sehr variabel ist und sich geschickt bewegt. Dabei fokussiert er sich meistens auf Durchbrüche. Er bewegt sich viel in die Tiefe und probiert Bälle um oder hinter der letzten Linie zu bekommen. 

Bewegung seitlich vom Außenverteidiger in die Tiefe

Wie oben bereits erwähnt lässt er sich oft leicht rausfallen, zieht so den gegnerischen Außenverteidiger raus, legt dann schnell ab und startet in den Raum hinter ihn.

In diesem Video sieht man die ganze Grundstruktur und den Klatsch-Tief-Rhythmus sehr gut:

Der linke Außenverteidiger (in diesem Fall Mendy) ist eingerückt, deswegen muss Sané breit bleiben. Sane lässt sich etwas zum Ball fallen, zieht dadurch den Außenverteidiger des Gegners raus. Als er den Ball erhält, legt er sofort ab und startet hinter die Kette. Wenn der Pass angekommen wäre, hätte er jetzt eine 1-gegen-1 Situationen sehr zentral mit dem gegnerischen Innenverteidiger und große seitliche Räume, in die er ausweichen kann. 

In diesem Video gibt es eine ähnliche Szene, wobei er nicht ablegt:

Er startet von einer äußeren Position hinter die Kette des Gegners und probiert den Ball in die Schnittstelle zu bekommen, um dann in zentralere Duelle mit dem gegnerischen Innenverteidiger kommen. 

Bewegungen ins Zentrum und in die Tiefe

Wenn andere Spieler nach außen ausweichen und den Flügel besetzen, bewegt er sich oft schnell nach innen, damit der Flügel nicht doppelt besetzt ist. Dabei visiert er verschiedene Räume an. Er kann sich dann, in der Schnittstelle zwischen dem Innen- und Außenverteidiger positionieren, um den Außenverteidiger tief zu binden und Pässe hinter die Kette zu bekommen. 

Das sieht man hier sehr gut: 

De Bruyne rückt zum Flügel. Sané geht sofort nach innen und bietet sich für einen diagonalen Pass in die Schnittstelle ein. Dabei positioniert er sich so geschickt zum Ball, dass er den Ball in der Schnittstelle erhalten kann und attackiert nicht nur den Raum hinter dem Außenverteidiger. In solchen Situationen ist er sehr handlungsschnell und seine Bewegungen sind sehr präzise. 

In diesem Video rückt er ebenfalls nach innen ein, wählt aber einen anderen Ansatz: 

Gündogan geht zum Flügel, deswegen bewegt sich Sané diagonal nach innen. Da Agüero entgegen kommt, sucht er die Nähe zu ihm und nach einem diagonalen Pass kann er direkt die Ablage erhalten und in den Raum hinter dem Innenverteidiger brechen. Auch hier ist seine Bewegung vom Timing wieder passend. Interessant ist auch die Folgeaktion. Er probiert wieder die seitlichen Räume zu nutzen, die er durch seine horizontale Bewegung öffnet und in die sich Agüero bewegt. Hier könnte man vielleicht die These aufstellen, dass er sich in seinem Spiel sehr stark an bestimmten Mustern orientiert und diese konstant und sauber durchzieht. Allerdings seltener als andere Spieler Entscheidungen trifft, die davon abweichen (?).

In diesem Video startet er aus einer zentralen Position:

Bei seiner Bewegung in die Tiefe zeigt er erneut ein gutes Timing und auch eine gute Länge. Er geht nicht zu weit nach außen und kann zum Abschluss kommen. 

Variation der Grundposition: Sané rückt ein und der Außenverteidiger steht breiter

Seine Grundposition ändert sich, wenn der Außenverteidiger breit steht, dann muss er einrücken. Dazu gibt es leider nicht so viele Szenen bei Manchester City, trotzdem wäre es interessant zu sehen, wie er mit dieser veränderten Situation umgeht (gerade im Vergleich mit seiner Rolle bei Deutschland). 

In diesem Video steht der Außenverteidiger breit und er erhält den Ball im Zentrum: 

In dieser Szene sieht man, dass er damit kein großes Problem hat. Er probiert wieder sofort in sein typisches Dribblingsmuster zu kommen und die etwas zentralere Position hat keinen wirklichen Einfluss darauf. Wahrscheinlich muss er in zentraleren Situationen mehr wahrnehmen. Er könnte Probleme bekommen, wenn er die seitlichen Räume nicht selber freigezogen hat, weil er dann mehrere Prozesse wahrnehmen muss und sich fragen muss, ob der Raum frei ist. Wenn die Grundsituation simpler ist, kommt er da wahrscheinlich zu besseren Ergebnissen. 

In diesem Video startet er aus einer zentraleren Position in die Tiefe: 

Mendy geht breit und er bleibt im Zentrum. Seine Tiefenläufe verändern sich dadurch nicht wirklich, er bewegt sich wieder gut in die Schnittstelle

Wie spielt Sané auf einer anderen Position?

Spiel gegen Ungarn

Im zweiten Teil des Artikels wird das letzte Deutschlandspiel von Sané analysiert, um herauszuarbeiten, ob es sich bei seinen Leistungen um ein Einbindungsproblem handelt. Um eine umfassendere Aussage zu Sané und seinem Einbindungsproblem zu treffen, müsste man mehrere Spiele von ihm auf dem rechten Flügel analysieren. Grundsätzlich kann die Analyse des Spiels Ungarn – Deutschland aber bereits interessante Ergebnisse liefern.

Fragen: In welche Situationen kommt er und welche Aktionen daraus entstehen (im Vergleich zu seiner Spielweise bei City)? Wirkt sich das auf seine Leistung aus?

Grundposition

Gegen Ungarn bekleidete er zwei Positionen. In der ersten Halbzeit spielte er als Flügelstürmer oder Stürmer. Dabei positionierte er sich meistens um die Halbräume herum, da die Flügel mit den beiden Wing-Backs breit besetzt waren. Aus dieser zentralen Position musste er ins Spiel eingreifen. Der Ausgangsraum seiner Aktionen ist also deutlicher zentraler als bei City. In der zweiten Hälfte passt Löw seine Rolle etwas an. Er ging auf den rechten Flügel und Kimmich rückte ins Mittelfeld neben Kroos. Gündogan schob etwas höher. Es entstand ein 3-5-2 oder ein 3-4-1-2, je nachdem wie hoch Gündogan stand. Durch diese Änderung stand Sané nun konstant breit, sein Ausgangsraum war dem bei City ähnlicher, allerdings spielte er auf der rechten Seite.

Dribblings aus der Grundposition 

Als Halbstürmer/Stürmer spielt, hat er deutlich weniger Dribblings, deswegen wird sich hier vor allem auf die Dribblings bezogen, die er macht, wenn er vom rechten Flügel startet. Seine Abläufe verändern sich dabei enorm. 

Er hat das Problem, dass er seltener in Dribblings kommt, da er mit seinem rechten Fuß aufdrehen muss. Zu oft dreht er mit seinem linken Fuß auf, dann ist er immer in einer geschlossenen Position und kann nicht wirklich ins Dribbling gehen, sondern muss den Ball zurück spielen. 

In diesem Video sieht man das sehr gut: 

In den nächsten Videos dreht er zwar besser auf und macht den ersten Kontakt mit der Innenseite des rechten Fußes, allerdings gelingt ihm das seltener als auf der linken Seite. 

Aber auch wenn er ins Dribbling kommt, muss er ganz andere Abläufe machen. Wenn er den Ball mit seiner linken Innenseite führt, dribbelt er viel vertikaler an. Das liegt daran, dass er von der rechten Seite nicht mit der Innenseite horizontal andribbeln kann, ohne dass er kein Körperteil zwischen dem Gegner und dem Ball hat. 

Wenn er aber vertikaler andribbelt, hat er keinen wirklichen horizontalen Raumgewinn. 

In diesem Video sieht man das: 

Er dribbelt mit der Innenseite an. Bewegt sich dabei fast nur vertikal. Es entstehen keine horizontale Räume sondern nur vertikale Räume. In diesen legt er sich dann am Ende auch den Ball und flankt nach innen. Fazit: Kein wirklicher horizontaler Raumgewinn. Er muss von seinem typischen Muster abweichen.

Allerdings nutzt er die Ballführung mit der Innenseite situativ, um vertikale Raumgewinne zu erzielen, sich seitlich abzusetzen und dann horizontal nach innen zu dribbeln. 

In diesem Video sieht man das: 

Diese erste Bewegung klappt auch sehr gut und er kann häufig den ersten Gegenspieler ausspielen, allerdings tut er sich extrem schwer mit einer Anschlussaktion.

Er hat viel mehr Berührungen mit dem Außenrist. In dem letzten Video hat er nach der Auftaktbewegung nur eine Ballberührung mit der Innenseite. Seine Ballbehandlung mit der Außenseite ist allerdings nicht so fein. Wie oben beschrieben, nutzt er diese meistens nur, um sich den Ball zur Seite wegzulegen oder wenn er in Kontersituationen große Räume hat. In kleinteiligen Räumen greift er immer auf die Innenseite zurück. Das kann er nicht, wenn er von der rechten Seiten kommt. Deswegen verspringt ihm häufig der Ball. 

Außerdem kommt er von rechts nicht wirklich in den Zwischenlinienraum. Nach seiner Auftaktbewegung kann er selten zwischen die Linien starten, da er sich den Ball hinter seinen direkten Gegenspieler legt. Wenn er dann erneut gestellt wird, macht er häufig erneut diese Bewegung, deswegen kommt er immer tiefer in die eigene Hälfte und überspielt kaum Spieler. 

In diesem Video sieht man das: 

Er hat zweimal diese Bewegung nach hinten und steht dann am Ende sehr zentral vor den beiden Ketten der Ungarn. Wieso das so ist, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich passt das nicht zu seinem Bewegungsablauf und er kann die Ballführung nicht so schnell variieren, wie auf der linken Seite. Theoretisch könnte er je nach Situation variieren, welchen Fuß er nimmt. Also: Wenn er von hinten gepresst wird, die Innenseite benutzen, um den Ball zu führen und abzuschirmen und wenn er von vorne gepresst wird, mit der Außenseite den Ball führen. In dem vorletzten Video macht er das auch so, allerdings wird sein Spiel dann sofort unsauber und ihm verspringt bei dem Wechsel zwischen Innen- und Außenseite der Ball. 

Welche Pässe muss er spielen?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten, grundsätzlich kann man aber sagen, dass er von der rechten Seite ähnliche Pässe spielt. Er nutzt häufig horizontale Pässe und bewegt sich dann nach innen und er flankt viel in den Strafraum. Allerdings kommt er natürlich nicht so oft in die seitlichen Assist-Zonen. Dadurch muss er kreativere Lösungen finden und die Pässe sind nicht so stark durch die Struktur vorgegeben. Er muss sich zwischen mehreren Möglichkeiten entscheiden. In solchen Situationen ist seine Entscheidungsfindung nicht gut, was gepaart mit seiner technischen Unsauberkeit in engen Situationen zu großen Problemen führt, wenn er die Bälle in den Halbräumen erhält. 

In diesem Video sieht man das: 

Er erhält den Ball im Halbraum und ist dort von vielen Spielern umringt. Er muss jetzt auf engstem Raum Passwege kreieren und kann nicht bereits vorhandene Passwege nutzen.

Außerdem muss er bei Situationen auf der rechten Seite viel häufiger seinen rechten Fuß nehmen, um den Ball nach innen zu spielen, dass sieht man z.B bei der großen Chance in der letzten Minute. Da gelingt es ihm nicht in den Ball zu Volland rüber zulegen (ein Grund für die Kritik). 

Oder auch in dieser Szene sieht man das:

Guter erster Kontakt mit dem linken Fuß. Die Flanke muss er aber mit dem rechten Fuß bringen. 

Bewegungen ohne Ball

Seine Bewegungen ohne Ball sind ähnlich. Er sucht oft die Anbindung an die Tiefe, verhält sich dabei sehr geschickt und passt sich gut an seine Mitspieler an, wie man im letzten Video sieht. Allerdings hat er, wenn er als Halbstürmer spielt, mehr Verantwortung für die Halbräume und kann deswegen diese Fähigkeit von ihm nicht besonders gut einbringen. In vielen Situationen steht er dann zu tief (s. vorletztes Video), um nach einer Aktion mit Ball direkt in die Tiefe zu gehen und 1-gegen-1 Situationen herzustellen. Man müsste seine Bewegungen ohne Ball aber nochmal genauer analysieren. Wie bewegt er sich in den Halbräumen? Welche Prioritäten setzt er in seinen Bewegungen? Wieso hat er keine Anbindung an die Halbräume? Diese Fragen werden aber wahrscheinlich erst im nächsten Teil der Artikelreihe geklärt.

Fazit

Leroy Sané ist ein herausragender Fußballer, der aber sehr stark von seiner Einbindung abhängig ist. Die Frage kann nicht abschließend beantwortet werden. Aber man kann sagen, dass er bei der Nationalmannschaft häufig in Situationen kommt, in denen er seine Grundmuster nicht abrufen kann. Dadurch zeigt er eine Leistung, die nicht mit den Erwartungen übereinstimmt, die viele Leute (und wahrscheinlich auch er selbst) an ihn haben. Dafür kann man ihm aber keine wirklichen Vorwürfe machen. 

Diese Fragen werden im zweiten Teil diskutiert, auch wenn einige davon bereits angeschnitten wurden:

  1. Wieso verändert sich sein Spiel dadurch?
  2. Bei der Beantwortung dieser Fragen, kommt man dann schnell zu den verschiedenen Faktoren, die das Spiel von Sané beeinflussen. Also: Was beeinflusst ihn wie? Und da es mir bei vorherigen Analyseversuchen nicht gelungen ist, eine objektive Analyse dazu zu erstellen, könnte es wichtig sein einen Rahmen zu kreieren. Was wäre dieser Rahmen? Als Oberbegriff könnte man Einbindung nehmen. Also: Was ist Einbindung? Wie hat sie einen Einfluss auf den Spieler? Das ist wichtig, weil es nicht darum geht Sanés Spielweise zu analysieren, sondern es geht darum, wie sich seine Spielweise in verschiedenen Situationen verändert und wieso?
  3. Wie könnte man das Problem theoretisch lösen?

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