2.Trainingswoche: Struktur mit Ball

Nach einer weiteren kurzen Trainingspause durften wir diese Woche wieder trainieren. In diesem Artikel werden verschiedene Übungen aus dieser Trainingswoche vorgestellt, die sich mit der Struktur mit Ball und Bewegungen aus dieser Struktur beschäftigen. 

Was war das Ziel?

Das grundsätzliche Ziel ist es die Vorstellung der Spieler aufzubrechen und sie von bestimmen Vorstellung über Fußball zu befreien, um ihnen auch die Chance zu geben Entscheidungen zu treffen, die nicht mit diesen Vorstellung zusammenpassen. Also: Dem Spieler die Möglichkeit zu geben so viele unterschiedliche Entscheidungen zu treffen.

Dabei geht man davon aus: 

Spieler A trifft eine Entscheidung. 

Die Entscheidung wird durch seine Vorstellung vom Fußball beeinflusst. Also: Was wird erfolgreich sein? Nach diesen Vorstellungen/Prinzipien handelt ein Spieler.

Die Vorstellung davon was zu Erfolg führt entsteht aus seiner Erfahrung (die der Trainer mit beeinflusst) und dem Coaching des Trainers, also welche Prinzipien vermittelt der Trainer? 

Das grundsätzliche Ziel ist es zu verstehen: 

Welche Entscheidungen treffen die Spieler? 

Auf welchen Vorstellung vom Fußball basieren diese Entscheidungen? 

Wie kann man den Spieler zu neuen Entscheidungen führen?

Erste Übung: Macht das Spiel breit!

In der Jugend wird oft gecoacht, dass die Spieler das Spiel breit machen sollen und den Gegner auseinander ziehen sollen. Die meisten Mannschaft spielen so, dass der Außenverteidiger und der Flügelspieler konstant breit sind. 

Also:

Situation: Viele Spieler auf wenig Raum.

Entscheidung: Die Spieler bewegen sich zum Flügel und ziehen den Gegner auseinander. 

Effekt: Zu viele Bewegungen zum Flügel, flache Staffelungen am Flügel.

Lösung? 

Wie gehen die Spieler damit um, wenn sie keinen Raum haben, aber das Spiel nicht breit machen können, also ihre Lösungsmöglichkeit vom Aufbau der Übung nicht zugelassen wird. 

Die Übung:

Wir spielten ein 5-gegen-5 auf ein 30 Meter langes und 12 Meter breites Feld. Außerdem wurden zwei Endzonen abgesteckt, ungefähr 4 Meter vor den Toren wurde die Linie gezogen. Diese Linie fungierte als Abseitslinie, die Spieler durften sich erst in die Endzone bewegen, wenn der Pass schon gespielt wurde.  Durch den Aufbau der Übung sollten die Spieler also die Kompaktheit des Gegners aufbrechen und Raum schaffen, in dem sie eine gute vertikale Struktur haben. 

Also z.B: richtige vertikalen Abstände und Bewegungen hinter die Kette, damit sie die letzte Kette des Gegners nach hinten drücken und Räume zwischen den Linien öffnen.

Wie lief die Übung?

Man hat gesehen, dass sich die Spieler auch bei einem Feld, was nicht besonders breit ist, sofort zum Flügel orientieren und dazu tendieren flache Staffelungen zu haben. Außerdem hatten sie sehr häufig vom tiefsten bis zum höchsten Spieler nur einen Abstand von 5-10 Metern. Dadurch wurde das Spiel super eng und führte teilweise auch zu frustrierenden Erlebnissen bei den Spielern, allerdings konnte man den Spielern sehr gut zeigen, wie sie Räume kreieren können, in dem sie z.B höher stehen und Bewegungen in die Tiefe machen. 

Variationen

In den letzten 10. Minuten der Übung wurde dann ein Spieler der eigenen Mannschaft in der Endzone der gegnerischen Mannschaft positioniert. Dieser sollte sich in der Endzone bewegen und aus dem Deckungsschatten lösen. Nach einem vertikalen Pass kann er den Ball dann schnell ablegen. Wenn die Mannschaft über diesen Spieler ein Tor erzielte, zählte das Tor doppelt. 

Allerdings war der Spieler sehr frei, er hat z.b auch mit verteidigt und musste nicht nur in der Endzone stehen. Damit sollte die Übung etwas spielnäher werden, dadurch wurde es aber schwierig zu bewerten wann das Tor doppelt zählt, da er sich teilweise sehr weit fallen ließ und den Ball nicht nur in der Endzone erhielt. Außerdem waren die Spieler nach 20. Minuten schon auf die Abseitsregel gepolt, deswegen war diese Variation intuitiv für die Spieler verwirrend. Grundsätzlich sollte man mit dieser Variation beginnen, also einen Spieler fest in der gegnerischen Endzone positionieren, damit die Spieler auch direkt ein positives Erlebnis haben, wenn sie die ganze Tiefe nutzen. Wenn man das Spiel dann lockert und die Abseitslinie einführt, müssen die Spieler dann eine ähnliche Staffelung herstellen, aber werden durch Regeln des Spiels (Abseits) eingeschränkt. 

Zweite Übung: Wie öffne ich Räume, die ich brauche?

Aufbau der zweiten Übung, Kästchen in der Mitte ist zu groß, müsste proportional kleiner sein.

In dieser Übung  wurde in der Mitte ein 5 Meter x 5 Meter großes Feld abgesteckt. Die Spieler durften erst ein Tor erzielen, wenn sie in das Feld in der Mitte gespielt hatten. Also: Pass rein und mindestens ein Ballkontakt in der Zone. Die Tore waren dabei nicht spezifisch einer Mannschaft zugeordnet, so dass sie in beide Richtungen umschalten konnten. 

Was ist das Ziel der Übung?

Sie greift die Lerninhalte aus der ersten Übung auf, allerdings müssen die Spieler variablere Lösungen finden. Sie sollen eine gute vertikale und horizontale Staffelung kreieren, damit Passwege in die zentrale Zone entstehen. Die defensiven Spieler müssen sich eng zusammenziehen, die Passwege verteidigen und den Gegner in ungefährliche Zonen drücken. 

Hat die Übung funktioniert?

Rückblickend muss man sagen, dass die Übung nicht besonders gut ist.

Wieso?

(1) Dadurch dass die Tore gegenüber voneinander positioniert sind, lesen die Spieler den Aufbau so, dass jede Mannschaft ein Tor hat und sie auch nur ein Tor attackieren müssen. Diese Entscheidung ist nicht bewusst, aber dadurch dass man eine bekannte Übungsstruktur nimmt, und trotzdem die Regeln ändert, orientieren sich die Spieler oft intuitiv an dem vorherigen Aufbau. 

Man könnte argumentieren, dass sie so kognitiv überfordert werden. Also: Gleicher Aufbau, aber andere Regeln/ Belegung, ablegen von festen Verknüpfungen zwischen bestimmten Merkmalen einer Übung und spezifischen Regeln.

Allerdings denke ich, dass man die Übungen immer so gestalten sollte, dass sie den Spieler in seinem Spiel unterstützen. Innerhalb einer Übung kann es zu einer kognitiven Überforderungen kommen, aber nicht durch den Aufbau der Übung. Der Aufbau der Übung ist der wesentliche Teil, den der Trainer zum Training beiträgt. Er kommuniziert seine Vorstellungen und Wünsche, diese Kommunikation sollte maximal klar sein und sich nicht gegen den Spieler wenden.

Eine veränderte Übung könnte dann z.B so aussehen: 

So hätte man vier Tore, dadurch orientieren sich die Spieler nicht zwingend zu einem Tor. Sie können auf verschiedene Tore umschalten. Dazu könnte man den Ball immer im Zentrum einspielen, so dass die Struktur des Platzes den Spieler nicht dazu verleitet sich auf einer Seite zu positionieren.

Oder:

Wenn man Hüttchentore nimmt, die asymmetrisch aufgestellt sind, schalten die Spieler auf alle Tore um und sie fokussieren sich eher darauf durch zu dribbeln, auch wenn man es nicht explizit anzeigt. So kann man die Dauer der Angriffe verlängern.

(2) Wenn die Spieler nur einen Raum attackieren müssen, um ein Tor zu erzielen, dann kann die Mannschaft ohne Ball auch nur einen Raum verteidigen. Sie müssen also Bewegungen in die Tiefe oder in die Breite nicht zwingend aufnehmen. Dementsprechend würde eine gute Struktur nicht direkt zur einer erfolgreichen Nutzung der zentralen Zone führen. 

Man sollte immer mindestens drei Aspekte haben zwischen denen sich die defensive Mannschaft entscheiden muss. Also: (1) Tor verteidigen (2) bestimmte Zonen verteidigen (mit dem Ziel = kein Tor kassieren) (3) Ball gewinnen. In dieser Übung gab es nur zwei Aspekte: (1) Zone verteidigen (2) Ball gewinnen.

Dritte und vierte Übung: Aus einer vertikalen Struktur die Tiefe attackieren

Bei der dritten und vierten Übung ging es darum, dass die Spieler aus einer passenderen Struktur die Tiefe attackieren. 

Dafür wurde wieder ein ähnliches Feld wie bei der ersten Übung abgesteckt. Die Spieler sollten sich den Ball zu werfen und wenn sie den Ball in der Endzone gefangen haben, erhielten sie einen Punkt. 

Variatonen

Diese Übung kann auf verschiedene Arten variiert werden, um den Spieler vor neue Herausforderungen zu stellen. Man könnte z.B einen weiteren Ball ins Spiel geben. Dann müssen die Spieler sich auf zwei Bälle fokussieren, so können sie nochmal kognitiv getestet werden, man könnte auch einführen, dass die Mannschaft einen Extrapunkt erhält, wenn sie mit beiden Bällen einen Punkt erzielen. 

Weitere Variation: Man könnten einführen, dass die Spieler die Endzone nicht berühren dürfen, bevor sie den Ball erhalten. Sie müssen also in die Endzone springen und den Ball erhalten.mSo könnte man das Timing noch trainieren, also einen weiteren Aspekt integrieren.  

Vierte Übung

Die vierte Übung ist eigentlich eine Variation der zweiten Übung, die nicht wirklich aufgebaut werden muss und sich deswegen schnell einstreuen lässt, um die Spieler nochmal in neue Situationen zu bringen. 

Es werden zwei Mannschaften gebildet, die auf einer Hälfte spielen. Eine Mannschaft erhält einen Punkt, wenn sie den Ball in den Strafraum spielen. Die andere Mannschaft erhält einen Punkt, wenn sie den Ball in den Mittelkreis passen. Nach ein paar Minuten wird gewechselt.

Die Spieler müssen das Spiel durch ihre Positionierung ohne Ball wieder so öffnen, dass sie Pässe in die Zonen spielen können. Dabei müssen sie die richtige Mischung aus Breite und Tiefe finden.

Variationen

Es kann mit Abseits gespielt werden, dann wird verstärkt das Timing trainiert. Außerdem kann die Kontaktanzahl geändert werden, da die Übung relativ einfach ist und man die Spieler darüber überfordern kann. 

Hat die Übung funktioniert?

Die Übung finde ich sehr produktiv. Höhere Flügelzonen sind für den Erfolg der Übung fast irrelevant, deswegen werden die Spieler auf gute Staffelungen geprimt. Außerdem hat jede Mannschaft einen anderen Fokus, je nachdem auf welcher Seite sie spielen. Diese Veränderung innerhalb der Übung ist spannend. 

Fazit

Es waren ein paar interessante Aspekte dabei, die die Spieler auch gut umgesetzt haben, damit man aber noch genauer die etablierten Prinzipien aufbrechen kann, sollte man diese nochmal genauer herausarbeiten.

Also folgende Fragen beantworten:

Welche Entscheidungen treffen die Spieler? 

Auf welchen Vorstellung vom Fußball basieren diese Entscheidungen? 

Wie kann man den Spieler zu neuen Entscheidungen führen?

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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Ein Kommentar

  1. Es ist interessant, zu Übung 4 Konzepte aus Übung 2 für das Team in offensivem Übergang nach Wiedererlangung des Ballbesitzes hinzuzufügen, um in dieser Phase des Spiels mit einem Spieler, der sich auf die Mitte des Feldes beschränkt, Erleichterung zu suchen. Dieser Aspekt würde auch die Idee von Restriktionen bereits in der Aufbauphase für das Team, das den Strafraum sucht (mit Mitspielern im Rest) fördern und einzelne Aktionen so erahnen, dass Spieler im letzten Drittel mit zahlenmäßiger Unterlegenheit nahe dem tolle Gegend.

    Mach weiter so

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