Preview: Dortmund – Leipzig

Dortmund gewann die Generalprobe am Wochenende mit 3:2. Aber wie? In diesem Artikel wird analysiert, wie Leipzig verteidigte und wie es Dortmund gelang diese Verteidigung zu bespielen. Am Ende gibt es einen kleinen Ausblick auf das heutige Pokalfinale. Kann man heute ähnliches erwarten? Wird Dortmund mit einer anderen Grundstruktur von Leipzig Probleme bekommen?

Grundstruktur am Wochenende

Dortmund lief im 4-2-3-1/4-4-2 auf, wobei mit Hazard und Reus zwei Spieler in der Spitze spielten, die viele Positionswechsel provozierten und sich zum Flügel oder ins Mittelfeld fallen lassen konnte. Die letzte Linie wurde dann sehr variabel aufgefüllt, so dass trotz der fluiden Grundausrichtung selten Durchbruchsprobleme entstanden. Leipzig lief im 3-5-2 auf. Defensiv übernahm Forsberg die Rolle des zweiten Stürmers und die drei Mittelfeldspieler standen leicht versetzt auf einer Höhe.

Defensive Struktur der Leipziger und Lösungen von Dortmund

1. Angriffspressing

Die Leipziger positionierten sich hoch im 3-5-2. Die Stürmer fokussierten sich auf die beiden Innenverteidiger und liefen diese an. Die drei Mittelfeldspieler konnten mannorientiert auf Spieler nachschieben, die sich fallen ließen (meistens Dahoud oder Can). Durch die enge Staffelung (pressten von innen nach außen) und die situativen Mannorientierungen im Zentrum, wollten sie die Dortmunder zum Flügel lenken. Dort liefen die Wing-Backs aggressiv an, wobei sie teilweise leicht versetzt mit Deckungsschatten Richtung Zentrum anliefen und so long-line Pässe provozierten auf diese Pässe schoben dann die Halbverteidiger und Pässe ins Zentrum wurde durch die nachschiebenden Achter abgesichert.

3-5-2 Pressing

1.1 Dortmunder Lösungen Angriffspressing

Dortmund hatte situativ sehr tiefe Außenverteidiger, so dass die Wing-Backs sehr hochschieben mussten, um ins Pressing zu kommen.

So entstanden einige Situationen in denen sie sich über die tiefen Außenverteidiger raus kombinieren konnten. Wenn die Außenverteidiger den Ball tief hatten, positioniert sich meistens eins Spieler entlang der Linie, so dass die Staffelung eigentlich die gewünschten long-line Pässe provoziert. Dortmund konnte sich daraus aber über ihre pressingresistenten Flügelspieler (Sancho, Reyna, Reus, Guerreiro) lösen. Gerade Sancho ist in klaren engen Situationen, in denen er sehr enge, aber klare Strukturen andribbeln kann sehr effektiv. Diese Situation bot Leipzig zu oft an und in solchen Situationen ging er auch direkt mit Klostermann (rechter Halbverteidiger) in den direkten Zweikampf, kann also nach der Auflösung der Situation schnell verlagern, da Leipzig die letzte Linie nur mit drei Spielern breit verteidigte und weit verschoben hatte. (+ nachrückender Guerreiro und Dahoud)

1.2 Variationen Angriffspressing

Teilweise entstanden durch die tiefen Positionierungen der Außenverteidiger Situationen in denen die Stürmer durchlaufen mussten und ins Pressing gingen, weil die Wing-Backs noch zu tief standen. Wenn die Wing-Backs + die Achter in solchen Situationen die Passwege ins Zentrum verteidigten oder der Wing-Back den Spieler entlang der Linie mannorientiert deckten, dann hatten sie eine sehr stabile Staffelung gegen die Dortmund teilweise auch höhere Ballverluste hatte, auch wenn es selten direkte Ballverluste waren, weil die Außenverteidiger sehr viel Zeit hatten und teilweise auch diagonale die Pressingbewegung der Stürmer kreuzen konnten.

2. Mittelfeldpressing

In etwas höhere Zonen blieb Leipzig konsequent beim 3-5-2, wobei die Abläufe sich etwas veränderten. Die Achter schoben weit bis zum Flügel raus und die Stürmer positionierten sich etwas höher in der Lücke zwischen Achter und Sechser, so dass sie den Passweg in den Halbraum versperren konnten, also eine zum flügel-lenkende Struktur erzeugten, aber gleichzeitig am Flügel schon breit verteidigen konnten. 

Situativ entstanden im Mittelfeld auch 6-4-1 Staffelungen, wenn die Stürmer sehr weit mit zurück pressten und die Halbräume bei Verlagerungen von hinten anliefen. Diese Staffelung war häufiger als die versetzte Staffelung von oben.

2.1 Dortmunder Lösungen Mittelfeldpressing

Auf die erste Struktur hatte Dortmund keine wirklich eigenen Lösungen. Es gibt für Leipzig ein ähnliches Problem wie beim Angriffspressing: Dortmund kann sich aus den flachen und engen Strukturen am Flügel über Dribblings, nachschiebende Bewegungen uns insgesamt sehr saubere gruppentaktische Abläufe. (Wie genau sahen diese gruppentaktischen Abläufe? Z.b vertikaler long-line Pass auf Sancho, nachrückender Guerreiro, der das Zentrum besetzt, der Spieler der die letzte Linie besetzt weicht dann passend zu Guerreiro einrückenden Bewegungen und Sanchos diagonalem andribbeln leicht nach außen hinter die gegnerische Kette aus.)

Wenn Leipzig so tiefere 6-4-1 Staffelungen kreierte konnte Dortmund diese sehr gut bespielen. Die aufrückende Bewegung der Außenverteidiger konnte in solchen Situationen nicht direkt gepresst werden, die Mittelfeldspieler blieben sehr zentral und die Wing-Backs waren so sehr oft von den breiten Positionierungen der Flügelspieler gebunden, die zu breit standen, um sie zu übergeben, aber auch zu hoch standen um die aufrückenden Außenverteidiger direkt zu pressen. Deswegen mussten die Stürmer (meistens Forsberg) den freien Raum zu laufen. Dadurch konnten sie aber nicht die diagonalen Passwege in die Halbräume schließen, da sie aus einer hohen Position kamen und somit nur Zeit- und Raumdruck auslösten, aber keine Passwege innerhalb des Sichtfelds des Außenverteidigers zu liefen.

Gerade Dahoud nutzte die Passwege in die Halbräume geschickt aus, er stieß oft in die Halbräume und konnte von dort das Spiel ankurbeln und . Außerdem besetzten Reus und Hazard (oder bei Positionstauschen die anderen Spieler, die die letzte Linie besetzten) diese Räume geschickt, um Anbindung in die Tiefe herzustellen. Vor dem ersten Tor am Wochenende sieht man, wie Reus und Hazard diesen Kanal nutzen, um sich hinter die letzte Linie zu kombinieren. Leipzig kann theoretisch in dem Halbraum sofort Zugriff herstellen, aber in solchen Situationen wie vor dem 1:0 (Nur Hazard berührt einmal den Ball in der engen Zonen) oder wenn pressingresistente Spieler wie Dahoud den Ball erhalten, kann Dortmund das Zusammenziehen von Leipzig in der Folgeaktion zusätzlich bespielen und kann davor (Pass in den Halbraum) sehr simpel viele Spieler und große Räume überbrücken. So erhielten sie zu oft eine lange Ballzirkulation und eine stabile Grundstruktur in der gegnerischen Hälfte, die es ihnen auch im Gegenpressing ermöglichte viele Bälle zu gewinnen. 

Verteidigung in tiefen Zonen

In tiefen Zonen verteidigte Leipzig teilweise skurril, wobei man nicht genau sagen kann, ob die Staffelungen der Struktur von Dortmund geschuldet waren und man darauf keine passenden Lösungen fand oder ob wirklich so mannorientiert verteidigt werden sollte. Die Leipziger verfolgten ihre Gegenspieler sehr weit und übergaben bei vertikalen Bewegungen sehr selten. Horizontale Bewegungen konnten gut verteidigen und gut übergeben, wenn ihre Staffelung nicht durch vertikale Bewegungen etwas verzerrt war.

Lösungen von Dortmund in tiefen Zonen

Wie genau Dortmund die tiefen Staffelungen bespielte, lässt sich gar nicht genau sagen, da sie unfassbar flexibel auftraten. Man kann aber festhalten, dass es viele Positionswechsel gab und es immer wieder die vertikalen Bewegungen von der letzten Linie ins Mittelfeld gab, die einen der Spieler aus der Dreierkette rauszogen, die ergänzt wurden durch flexible nachschiebende Bewegungen bis zur letzten Linie. Diese vorschiebenden Bewegungen wurden dann wiederum von den Mittelfeldspielern verfolgt, so dass Strukturen entstanden in denen Sabitzer in der letzten Kette mit verteidigte. Diese rochierenden sehr vertikalen Bewegungen nutze Dortmund, um die Halbräume frei zuziehen und dann anschließend das Spiel in die Tiefe zu suchen. Einziges Manko: Die Pässe in die Tiefe waren öfters unsauber und trotz guter Strafraumbesetzung konnten sie es nicht oft genug sauber zu Ende spielen.

Was ist zu erwarten?

Die Aufstellungen sind bereits raus, deswegen kann man festhalten, dass Leipzig sehr wahrscheinlich nicht mit einer Dreierkette auflaufen wird. Dadurch haben sie viele Probleme, die sie am Wochenende hatten, nicht. Sie können die Breite gut verteidigen und sauber nachschieben, außerdem müssen sie nicht so weit verschieben und können aus der Grundstruktur simplere und stabilere Strukturen wählen, die dafür vielleicht nicht so viel Zugriff erlauben (den es aber am Wochenende auch nicht gab). Es wird spannend zu sehen, ob Dortmund dafür im Ballbesitz eine passende Antwort findet.

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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