Vorschau U21-EM: Die deutsche Gruppe

Am Mittwoch, den 24.03.2021 geht es los: Die Gruppenphase der U21-Europameisterschaft startet in Slowenien und Ungarn. Innerhalb von sieben Tage werden alle 24 Gruppenspiele gespielt, die Finalrunde wird dann ab dem 31.05.2021 stattfinden. Deutschland startet am Mittwoch um 21 Uhr gegen Ungarn ins Turnier. Neben Ungarn sind auch die Niederlande und Rumänien in der Gruppe A. 

Vorschau Deutschland

Kader

Mit Mateo Klimowicz, Malick Thiaw, Anton Stach und Youssoufa Moukoko sind insgesamt vier Neulinge bei dem kommenden Turnier dabei. Die Nominierung von Ridle Baku kam etwas überraschend, da er aufgrund seiner zuletzt sehr starken Leistungen von vielen Personen als Kandidat für Joachim Löw gesehen wurde. 

Für die Spielweise, welcher im weiteren Verlauf genauer beschrieben wird, spielen die Außenverteidiger eine besonders große Rolle. Diese Positionen sind links mit Ismail Jakobs und David Raum stark besetzt. Auf der anderen Seite ist die deutsche U21 mindestens genauso stark besetzt. Dort sind Ridle Baku und Josha Vagnoman nominiert. 

Taktische Herangehensweise

Um einen taktischen Überblick über die deutsche U21-Nationalmannschaft zu bekommen, wird nun die Herangehensweise der letzten beiden Spiele noch einmal dargestellt. Die Spiele liegen mittlerweile schonwieder vier Monate zurück, da es aber kaum Vorbereitungszeit für das Turnier gibt, ist davon auszugehen, dass sich aus dem Testspiel gegen Slowenien (12.11.2020) und das letzte Qualifikationsspiel gegen Wales (17.11.2020) gewisse Muster wiedererkennen kann.

Beim 1:1-Unentschieden gegen Slowenien schickte Stefan Kuntz sein Team in einem 4-2-2-2 auf das Feld. Fünf Tage später gegen Wales agierte seine Mannschaft in einem 4-1-2-1-2. Unabhängig von der Grundformation ließen sich ähnliche Muster erkennen. 

In beiden Partien hatte die deutsche U21-Nationalmannschaft viel Ballbesitz. Sowohl Slowenien als auch Wales attackierten die Kuntz-Elf in einem Mittelfeldpressing. Dadurch konnten die beiden Innenverteidiger das Spiel in den meisten Fällen ruhig aufbauen. Die beiden Außenverteidiger schoben hoch und die beiden Innenverteidiger positionierten sich breit. Insbesondere im Qualifikationsspiel gegen Wales agierten sie hier mit schnellen Verlagerungen von Innenverteidiger zu Innenverteidiger. So konnten sich die Deutschen den Gegner solange hinlegen, bis sie nach vorne vorstoßen konnten. Der Spielaufbau erfolgte dabei nicht immer flach. In einigen Situationen wurde das Spiel auch mit einem hohen Diagonalball aus der Innenverteidigung oder dem Mittelfeldzentrum auf den ballfernen Außenverteidiger eröffnet, welcher zuvor hinter die Kette startete.

Die beiden Stürmer Deutschlands bewegten sich meist relativ frei und ließen sich immer wieder fallen oder schoben weiter auf dem Flügel um dort Überzahl zu schaffen. Dies geschah teilweise zu Lasten einer mangelnden Zentrumsbesetzung, da in diesen Situationen gelegentlich nicht ordentlich nachgeschoben wurde. Das Unterstützen des Stürmers auf dem Flügel sorgte dafür, dass Deutschland auf dieser Seite eine Überzahl hatte und die durch die pfeilschnellen Außenverteidiger ausspielen konnte. 

Gegen Slowenien ließen sich die Flügelspieler Burkhardt und Jakobs immer wieder in den Halbraum fallen, sodass die Flügelspur für den Außenverteidiger geräumt wurde. Dies war gegen Wales nicht nötig, da dort der Flügel formationsbedingt schon nicht doppelt besetzt ist. Geriet der Außenverteidiger in der Offensive in Schwierigkeiten, so startete er entweder der ballnahe Stürmer diagonal auf den Flügel oder Burkhardt übernahm diese Rolle. Im Allgemeinen war aber in beiden Spielen klar zu erkennen, dass Außen zur Grundlinie gekommen werden soll, um von dort den Ball in den Rücken zu legen. Dem Fürther Linksverteidiger Raum gelang dies besonders oft. Allerdings führten die Durchbrüche auf den Flügeln noch zu wenig Gefahr, da die Flanken oftmals keinen Mitspieler fanden. 

Gegen den Ball ließ die deutsche U21 in beiden Spielen wenig zu. Sie versuchten den Gegner bereits früh zu stören und so lange Bälle zu produzieren, wovon eine Großzahl wieder zu einem Ballgewinn führten. Dennoch wurde es gelegentlich gefährlich. Chancen des Gegners resultierten entweder aus einer nicht-optimalen Konterabsicherung oder aus eigenen Fehlern im Spielaufbau. So kam es in beiden Spielen immer wieder zu Ungenauigkeiten im Spielaufbau (Spiel in den falschen Fuß, schlecht dosierte Pässe), welche Slowenien und Wales allerdings nicht ausnutzen konnten. Dies sollte im kommenden Turnier seltener vorkommen, da die kommenden Gegner solche Fehler wohl bestrafen dürften.

Vorschau Niederlande

Kader

Die niederländische U21-Nationalmannschaft ist mit vielen bekannten Namen gespickt. Dabei sticht besonders Teun Koopmeiners heraus, welcher auch eher für die A-Nationalmannschaft gehandelt wurde. Dort debütierte er bereits im vergangenen Oktober. 

Ansonsten hat Trainer Erwin van de Looi besonders in der Offensive die Qual der Wahl. In diesem Bereich ist die niederländische U21 grandios besetzt. Cody Gakpo und Myron Boadu kommen zusammen in der aktuellen Eredivisie-Saison auf 20 Torbeteiligungen. 

Taktische Analyse

In der Gruppenphase setzten sich die Niederländer vor Portugal und Norwegen als Gruppenerster durch. Das vorletzte Qualifikationsspiel gewannen sie mit 5:0 gegen Weißrussland und wenige Tage später verlor die Mannschaft van de Looi mit 2:1 gegen Portugal. In beiden Spielen waren ähnliche Muster zu erkennen, welche nun geschildert werden.

In beiden Spielen liefen die Niederländer in einem 4-2-2-2 auf. Der Spielaufbau gestaltete sich gegen das tiefe Pressing etwas anders als gegen Portugal. In beiden Spielen rückten die beiden äußeren Mittelfeldspieler in das Zentrum ein und die Außenverteidiger schoben entlang der Außenlinie hoch. Die Innenverteidiger positionierten sich etwas breiter. Gegen das 5-4-1 bewirkte das Einrücken von Ekkelenkamp und Dilrosun, dass die äußeren Mittelfeldspieler von Weißrussland gebunden wurden. So war der Passweg zum hochgeschobenen Außenverteidiger stets frei. Von dort wurde das Spiel meist per Dribbling oder einem Pass in die Tiefe auf einen Mittelfeldspieler beziehungsweise Stürmer fortgesetzt. In dieser Partie standen die Niederländer allgemein sehr hoch, da sich Weißrussland sehr tief positionierte. Hierbei agierte die Elf von van de Looi sehr geduldig und verlagerte das Spiel immer wieder von Außenverteidiger zu Außenverteidiger. Um eine weitere Anspielstation zu schaffen, schob situativ ein Innenverteidiger im Halbraum mit hoch. Dies unterstützte die allgemein starke Zentrumsbesetzung der Heimmannschaft.

Auch in der Partie gegen Portugal wichen sie nicht von ihrem Prinzip ab, das Spiel flach aufbauen zu wollen. Trotz des hohen Pressings der Portugiesen versuchten sie das Spiel flach aufzubauen, wobei sich hierbei die Außenverteidiger tiefer positionierten.

Im Spiel gegen Weißrussland ergaben sich kaum Pressingsituationen, da sich die die Gäste auf lange Bälle beschränkten. Gegen Portugal agierte der Gewinner der Qualifikationsgruppe 7 in einem Mittelfeldpressing. Dabei bereiteten die Zwischenräume zwischen Verteidigung und Mittelfeld immer wieder Probleme, da Portugal oftmals einen Sechser der Niederländer rauszog und den entstehenden Raum dahinter belief.  

Vorschau Rumänien 

Kader

Rumänien schaffte es in der vergangenen U21-Europameisterschaft bis ins Halbfinale, wo man dann gegen die deutsche U21-Nationalmannschaft ausschied. Der Kader setzt sich vor allem aus Spielern zusammen, welche in der heimischen Liga 1 spielen. Ein Spieler auf den ein besonderes Augenmerk gelegt werden sollte, ist Alexandru Matan. Matan läuft ab der kommenden Saison für Columbus Crew auf. In den beiden letzten Gruppenspielen fand er immer wieder gute Lösungen im 1vs1. 

Taktische Analyse

Die rumänische U21-Nationalmannschaft setzte sich in Qualifikationsgruppe 8 vor Finnland und der Ukraine als Gruppenzweiter durch. Als Gruppensieger ging die dänische U21-Nationalmannschaft hervor, welche in Gruppe C unter anderem auf Frankreich trifft. Die letzten zwei Qualifikationsspiele bestritten die Rumänen gegen Malta und Dänemark. Gegen Malta gelang ein 4:1-Sieg und gegen den späteren Gruppensieger aus Dänemark endete das letzte Gruppenspiel 1:1. 

In beiden Spielen stellte Adrian Mutu seine Mannschaft in einem 4-3-3 auf. Dänemark erwartete die Rumänen in einem 4-1-4-1. Im Spiel mit Ball positionierten sich die beiden Dreierreihen relativ eng, sodass die Flügelspur für die hochschiebenden Außenverteidiger frei wird. Das Spiel bauten die Rumänen grundsätzlich über ihre beiden Innenverteidiger auf, diese wurden dabei immer wieder von den diagonal abkippenden Achtern unterstützt. Wurde der Druck zu groß, so beharrten die Rumänen in ihrem Spielaufbau nicht auf die flache Spieleröffnung, sondern streuten unter Druck auch immer wieder einen langen Ball ein.

In der Arbeit gegen den Ball agierte die Mutu-Elf im Spiel gegen Dänemark in einem Angriffspressing. Dabei versuchte Costache den ballführenden dänischen Innenverteidiger nach außen zu lenken, wo dann der Achter und der Flügelspieler Druck ausüben konnten. Ein interessanter Ablauf im Pressing der Rumänen war in diesem Spiel, dass der ballferne Flügel seine Seite immer wieder verließ um den dänischen Sechser zuzuschieben. So schafften die Rumänen in Ballnähe extremen Zugriff, waren dadurch aber auch anfällig für schnelle Verlagerungen auf den ballfernen dänischen Außenverteidiger. 

Vorschau Ungarn 

Kader

Schaut man sich den ungarischen Kader an, so kommt einem wohl kaum ein Spieler bekannt vor. Verwunderlich dürfte vor allem die Nominierung von Palko Dárdai sein, da dieser ja zuletzt für die deutsche U20-Nationalmannschaft auflief. Da er in der deutschen U21-Kaderplanung keine große Rolle spielte, entschied sich der Deutsch-Ungar für die ungarische U21-Nationalmannschaft. Der Ex-Herthaner fällt allerdings kurzfristig aus. Zusätzlich hat das ungarische Team bereits mit Corona-Fällen zu kämpfen, sodass es noch einige Veränderungen im Kader geben wird.

Trotz der eher weniger bekannten Namen sind Szabolcs Schön und Sczabolcs Mezei zwei Namen, die man sich merken sollte. Schön setzt sich auf dem Flügel immer wieder gut in 1 vs 1-Situationen durch und Mezei bietet im zentralen Mittelfeld immer wieder gute Anspielstationen und löst sich stark aus dem Deckungsschatten seines Gegenspielers.

Taktische Analyse

Die letzten beiden Spiele verlor die ungarische U21-Nationalmannschaft nicht. Die Elf von Trainer Zoltán Gera konnte das Testspiel gegen Russland mit 2:0 für sich entscheiden. Zwei Monate zuvor spielte man sich eine 3:0-Führung in einem Freundschaftsspiel gegen Slowenien heraus, verspielte diesen dann aber in den letzten 30 Minuten noch. Das Spiel endete 3:3. Dennoch konnte die Gera-Elf in diesen beiden Spielen zeigen, dass sie die „Großen“ der Gruppe ärgern können.

Im Spielaufbau positionierten sich die beiden Innenverteidiger tief und breit, die Außenverteidiger schieben etwas hoch. Der Sechser bot sich kurz vor dem Strafraum an, diese Rolle nahmen sowohl Hidi gegen Slowenien, als auch Csonka gegen Russland ein. Im Anlaufverhalten unterschieden sich die beiden Gegner. Slowenien agierte mit einem Mittelfeldpressing gegen den Ball und ließ den Ungarn so viel Platz für den Spielaufbau. Dies nutzten die Elf von Trainer Gera aus und ließ den Ball ruhig durch die eigene Kette laufen. So lockten sie die Slowenen etwas an. Die äußeren Mittelfeldspieler rückten etwas ein, die Außenverteidiger hielten die Breite. Wurden die Slowenen angelockt, so spielten die Gastgeber oftmals einen Diagonalball auf den ballfernen Außenverteidiger, sodass dieser andribbeln konnte.

Im Gegensatz dazu versuchte Russland den Spielaufbau durch ein situativ hohes Anlaufen immer wieder zu unterbinden. Auch hier lockten die Innenverteidiger und der Torwart das Pressing immer wieder an um die erste Pressinglinie dann mit einem hohen Ball zu überspielen. Ziel hierbei war entweder der ballferne Außenverteidiger oder der einrückende linke Mittelfeldspieler Schön. Dieser ließ den Ball dann klatschen, sodass Mezei den Ball mit Blick in Spielrichtung erhielt und das Spiel fortsetzen konnte. So gelang es das russische Angriffspressing schnell zu überspielen und Mezei in eine aussichtsreiche Aufbauposition zu bringen. Wird der Druck der gegnerischen Mannschaft vorher allerdings zu groß, eröffnete Demjen das Spiel lang auf Stürmer Bárány. 

Gegen den Ball agierte die ungarische Elf in einem Mittelfeldpressing. Dabei versuchte Stürmer Bárány den Passweg zwischen den russichen Innenverteidigern zuzustellen um den Gegner so auf den Flügel zu lenken. Dort attackierte dann der äußere Mittelfeldspieler den gegnerischen Außenverteidiger. Gelang es der russichen Mannschaft den Querpass zu spielen, so schob der ballferne Achter auf den ballbesitzenden Innenverteidiger um dort Druck auszuüben. 

Gewannen sie den Ball zurück, so versuchten sie sehr schnell umzuschalten. Dafür starteten sowohl die beiden äußeren Mittelfeldspieler, als auch Bárány in die Tiefe. So konnten die Ungarn sich im Spiel gegen Russland gute Chancen erspielen.

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