Spielanalyse: Saint-Etienne – PSG 1:1

Bei Pochettinos Einstand kommen die Pariser nicht über ein 1:1 hinaus. Den Sieg kosten sie ansuboptimalen Staffelungen in der Offensive und eine schlechte Einbindung von Mbappé. In diesem Artikel sollen die offensiven Probleme analysiert werden und ein kleiner Ausblick auf das Spiel PSG – Brest gegeben werden.

Grundformation

Grundformation

Paris Saint-Germain formierte sich ohne Ball im 4-4-2 und mit Ball variierten die Staffelungen zwischen einem 4-2-3-1 und einem 4-3-3. Saint-Etienne lief in einem engen 4-4-2 auf. 

PSG mit Ball

Staffelungen aus dem 4-2-3-1

Die Mannschaft von Pochettino hatte 68% Ballbesitz und sie konnten sich einen xG von 1,68 erarbeiten. Trotzdem hatten sie mit dem Ball einige Probleme. 

Im tiefen Aufbauspiel lies sich einer der Sechser (meistens Herrera) häufig nach außen hinter den Außenverteidiger fallen und bildete eine leicht versetzte Dreierkette. Gueye positioniert sich zentraler und verband die beiden Spielhälften. Verratti interpretierte seine Rolle in der ersten Hälfte als Zehner (4-2-3-1) und bewegte sich meistens in den Zwischenlinienraum in den linken Halbraum. So entstand eine asymmetrische doppelte Halbraumbesetzung durch Di Maria (rechter Halbraum) und Verratti (linker Halbraum). Durch seine höheren Bewegungen gab es einige strukturelle Probleme. Mbappe bewegt sich vom linken Flügel häufig nach innen, wobei er meistens die Schnittstellen in der Verteidigungslinie des Gegners besetzt und Bewegungen in die Tiefe macht. Aus dieser höheren Positionierungen kann er sich situativ in die tieferen Halbräume fallen lassen und dann zielstrebig die breiten Außenverteidiger einsetzen. Diese Bewegungsketten wurden durch die höhere Position von Verratti blockiert. Wenn Mbappe die letzte Linie besetzte, positionierten sie sich häufig im gleichen Passweg. Selten gelang es den beiden eine Struktur zu finden, in denen beide Spieler gut eingebunden waren. Mbappe reagierte darauf mit breiteren Positionierung, so entstanden einige Situationen in denen Bakker und Mbappe beide breit am Flügel standen. Diese Situationen konnten von Etienne leichter verteidigt werden, es konnte kaum Durchschlagskraft entwickelt werden. 

Staffelungen aus einem 4-2-3-1 mit tieferem Verratti 

Interessante Strukturen entstanden, wenn Verratti sich etwas tiefer positionierte und sich ähnlich wie Herrera auf der anderen Seite leicht nach außen bewegte. In solchen Situationen positionierte sich dann der ballferne Achter (meistens Herrera, wobei Gueye teilweise auch höhere Räume im Zentrum besetzte) höher und band den zweiten Sechser von Etienne. Dadurch entstanden Räume im ballfernen Halbraum, in die sich di Maria häufig bewegte und aus denen er das Spiel vorantreiben konnte. Im Spiel wurden diese Szenen noch sehr selten ausgespielt. Allerdings könnten diese Staffelungen durchaus interessant sein. Gerade das Zusammenspiel der drei zentralen Mittelfeldspieler war sehr geschickt und so könnte man in der Zukunft die Halbräume überladen und freie Räume für den einrückenden di Maria schaffen. Wenn Mbappe und Kean die letzte Kette besetzen und die Tiefe attackieren, gibt es auch variable Anschlussaktionen und die Angriffe können gefährlich zu ende gespielt werden. Wieso hat das auf der linken Seite nicht funktioniert? Dafür könnte es zwei Gründe geben. Verratti rückte früher nach vorne, besetzte also schon den Halbraum und stößt nicht wie Herrera nach. Dadurch sind die Bewegungen leichter zu verteidigen. Außerdem bewegt sich Mbappe eher diagonal nach innen und fokussiert sich eben auf Bewegungen in die Tiefe und das Herstellen von 1-gegen-1 Situationen. Di Marias Bewegungen ins Zentrum sind horizontaler und vom Spielertyp ist er spielmachender, deswegen besetzt er die tieferen Halbräume häufiger. 

4-3-3 Staffelungen

Situativ hatten sie 4-3-3 Staffelungen. Dann standen die drei Sechser/Achter tiefer und die beiden Flügelspieler positionierten sich in den Halbraum. Dadurch wurden die leichte asymmetrische Halbraumbesetzung (Verratti und di Maria) aufgelöst. Die Achter positionierten sich in den tiefen Halbräume und dribbelten an (dribbeln auf den gegnerischen Sechser, Passwege in die Halbräume sollen geöffnet werden). Dadurch entstehen sehr symmetrische Staffelungen, die aber für Mbappe trotzdem nicht ideal sind. Er wird in eine spielmachende Rolle gedrückt, aus denen er zwar auch Durchschlagskraft kreieren kann, allerdings müssen viele erste Impulse von ihm ausgehen und er muss enge und festgefahrene Staffelungen auflösen und beschleunigen. Dies dürfte nicht seine ideale Rolle sein. Zeigt aber, dass für die verschiedenen Spieler (di Maria und Mbappe) auch unterschiedliche Staffelungen (links und rechts) kreiert werden müssen, in denen die Fähigkeiten beider Spieler gut eingebunden sind. In der ersten Halbzeit gab es eine Situation in der Bakker einrückte und den Halbraum besetzte. Er positionierte sich nicht ideal, allerdings wurde so der Flügel nur einmal besetzt und Mbappe kann häufiger in 1-gegen-1 Duelle kommen und auch diagonal nach innen dribbeln und die frei-geblockten Räume anvisieren und nutzen.

Umstellung in der zweiten Halbzeit 

In der zweiten Halbzeit stellte Pochettino mit der Einwechselung von Draxler auf ein 4-4-2 um. Mbappe bildetet nun mit Kean das Sturmpaar und Verratti bildete mit Herrera die Doppelsechs. Mit dieser Umstellung reagierte Pochettino auf die Staffelungsprobleme in der ersten Halbzeit. Der neue Plan ging in den letzten 30. Minuten des Spiels sehr gut auf, was vor allem an der veränderten Rolle von Mbappe lag. Im 4-4-2 rückten die beiden Flügelspieler sehr weit ein und besetzen die Halbräume. Draxler und di Maria übernahmen somit verstärkt spielmachende Rollen. Mbappe wurde etwas aus dieser Rolle befreit und konnte aus dem Sturmzentrum, gezielter freie Räume besetzten und 1-gegen-1 Situationen herstellen. Er reagierte auf die einrückenden Bewegungen von Draxler häufig mit gegensätzlichen Bewegungen zum Flügel und konnte dort 1-gegen-1 Situationen und Durchbrüche forcieren. Diese gegensätzlichen Bewegungen zwischen Mbappe/Flügelspieler wurden vor allem bei Tuchel sehr aktiv genutzt. Es wird also deutlich, dass viele Muster natürlich noch sehr präsent sind und die Spieler immer wieder in ähnliche Bewegungsmuster fallen. Wenn die dann von der Grundstruktur (Formation, andere Spielerwahl usw.) nicht mehr unterstützt werden, dann kommt es zu Problemen (s. oben strukturelle Probleme zwischen Veratti/Mbappe). Diese Probleme wird es in den nächsten Spielen wahrscheinlich auch noch häufiger zu sehen werden. Sie zeigen sich unteranderem auch defensiv. Gegen Etienne lies man einige Konter zu, da man den Ball entweder außerhalb der gegnerischen Formation verlor (also vor den zwei Viererketten) oder weil die Strukturen im Ballbesitz nicht gut genug waren und man auch nach höheren Ballverlusten nicht ins Pressing kam. St. Etienne konnte sich einen xG von 1,24 herausspielen, allerdings spielten sie auch einige gute Kontersituationen nicht gut zu Ende (diese werden im xG nicht abgebildet). 

Durch die Umstellung konnten sich Kean und Mbappe häufiger ins Zentrum fallen lassen und flexibler die letzte Linie und das Zentrum besetzen, dadurch wurde die etwas starre Halbraumbesetzung situativ durch die beiden Stürmer aufgelockert. Durch die fallenden Bewegungen entstanden außerdem mehr Lücken in der gegnerischen Kette, diese konnten die beiden mit vertikalen Läufen attackieren. 

Fazit

Es wird interessant, wie Pochettino mit den Erkenntnissen aus dem ersten Spiel umgeht und welche Formation und Ausrichtung er gegen Brest wählt. Probiert er es wieder mit dem 4-2-3-1/4-3-3 und baut die positiven Bewegungen der Achter weiter aus und passt zusätzlich die Rolle von Mbappe und Verratti an oder stellt er von Anfang an auf ein stabileres 4-4-2 mit di Maria, Sarabia oder Draxler auf den Flügelpositionen. Spannend wird auch, welche Rolle er für Mbappe finden wird. Nach dem ersten Spiel kann man festhalten, dass es Tuchel bei PSG durchaus gelungen ist, passende Rollen für Neymar, Mbappe und di Maria zu finden. Diese präzise Abstimmung der Spielertypen kann ihm durchaus hoch angerechnet werden. Es wird für Pochettino entscheidend, wie lange die Mannschaft braucht alte Muster abzulegen und wie effektiv er neuen Muster entwickelt. 

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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