Red Bull Salzburg gewinnt die UEFA Youth League!

Die Salzburger zogen sensationell ins Finale ein, dort traf man auf die U19 des portugiesischen Tradtionsklubs Benfica. Mit nur zwei Tagen Pause (eigentlich fahrlässige Körperverletzung seitens der UEFA) mussten beide Teams antreten. Die Salzburger haben jedoch ein kompetentes Trainerteam, das die Belastung wohl bestmöglich zu meistern wusste. Dies wurde einmal mehr deutlich, als die Salzburger ihr kraftraubendes Spiel beibehalten und sich den Youth League Titel sichern konnten.

 

Benficas Ballbesitz auf Stabilität fokussiert

Die Portugiesen traten in einer 4-2-3-1 Formation im Ballbesitz an und waren deutlich direkter im Ballvortrag veranlagt als die bisherigen Salzburg Gegner. Dies zeigte sich im verstärkten Fokus von langen Bällen. Die Portugiesen spielten den Abstoß stets hoch und weit, generell spielte Torhüter Duarte eher hohe Bälle auf den Flügel oder den Halbraum, gesucht wurden hier die Flügelstürmer Félix und Filipe. Wurde dann doch mal flach im ersten Drittel gespielt, kamen die beiden Sechser Florentino und Fernandes sehr tief, um die auffächernden Innenverteidiger zu unterstützen und Anspielstationen zu bieten. Hierbei wurde jedoch die Verbindung zum Zehner Goncalves sehr schwach, da dieser meist deutlich höher blieb als die zwei Sechser. Dies führte dann oftmals dazu, dass der Aufbau recht früh und simpel auf den Außenverteidiger verlegt wurde, dessen Optionen beschränkt waren.

Fokussiert wurde vor allem die rechte Seite der Portugiesen mit Außenverteidiger Buta, der viel Unterstützung von Rechtsaußen Félix, sowie Zehner Goncalves bekam. Zur Absicherung dieses Rechtsfokus rückte Linksverteidiger Araujo immer wieder weit mit ein und besetzte den ballfernen Halbraum in der Kette, sodass Buta hoch schieben konnte und oftmals höher als die eigenen Sechser agierte. Benfica formierte sich also zu fünft im Zentrum und wollte sich so für Ballverluste absichern. Zudem hatte man so gute Chancen um zweite Bälle zu gewinnen. Die hohen Bälle im Aufbau von Duarte kamen eben meist auf die rechte Seite, wo zugeschoben und um die zweiten Bälle gekämpft wurde. Dies tat man jedoch nur mit einer begrenzten Anzahl von Spielern, der Fokus auf Risikominimierung war groß bei den Portugiesen. Die Sechser blieben meist hinter dem Ball und sprangen nur selten aus ihren Positionen vor der Abwehr, sodass man Angriffe der Salzburger, wenn sie den zweiten Ball gewannen, zumindest auf die Seite leiten konnte. Dort kam es dann immer wieder zu Duellen und auch Direktpässen entlang der Linie nach möglichem Ballgewinn. Dies führte zu vielen Einwürfen auf diesem Flügel, die Benfica Schritt für Schritt erlaubten ihre Angriffe vorzutragen.

Flügelangriffe waren sowieso das beliebteste Mittel von Benfica. Die recht breite Ausgangsposition von Félix und Filipe wurde genutzt, um sie in Situationen mit etwas Zeit und Raum zu bringen. Von dort wurden dann Dribblings fokussiert. Vor allem Filipe zeigte seine starke Ballbehandlung, gepaart mit Schnelligkeit. Eine flache Hereingabe in Minute 13 hätte fast für die Führung der Portugiesen gesorgt. Ballfern sprintete Félix dynamisch in den Strafraum und schloss von dort ab. Der Salzburger Torhüter Zynel konnte den Ball jedoch noch zur Ecke abwehren. Auch die Rolle von Stürmer Gomes war recht simpel ausgewählt: Der bullige Stürmer pendelte primär horizontal, versuchte die Abwehr der Salzburger so weit wie möglich nach hinten zu drängen und den Block der Mozartstädter vertikal auseinander zu ziehen. Zudem war er Zielspieler für einige lange Bälle, wich also immer wieder weit mit auf die Flügel aus, versuchte Kopfballduelle zu gewinnen oder im Idealfall Bälle festzumachen und Ablagen auf nachrückende Mitspieler, primär die offensive Dreierreihe, zu spielen. Wichtig waren ebenfalls Halbraumsprints, die genutzt wurden um entweder Platz für Dribblings oder für Verlagerungen zu schaffen.

Abbildung 1: Goncalves läuft durch den Halbraum und zieht Sturm mit. Dies schafft Raum für..

Abbildung 2: .. Filipe der nach innen dribbelt und die Verlagerung auf den freien Buta spielt. Vor ihm schafft Félix Raum mit einem Sprint.

Ein Umschalt-Spiel

Dass für Red Bull das Gegenpressing, sowie das Kontern ein sehr wichtiger und fokussierter Teil der Spielphilosophie ist, ist wohl mittlerweile allseits bekannt. Doch auch die U19 von Benfica arbeitete stark mit den auf Englisch sogenannten „transitions“, nur auf eine andere Art und Weise. Deswegen entwickelte sich das Umschalten zum Kernaspekt dieser Partie.

Beide Mannschaften bereiten sich bereits im Ballbesitz auf einen Ballverlust vor. Salzburg macht dies unter anderem durch die Formation und generelle Raumaufteilung. Durch die Raute in der Zentrale hat man eine geometrische Diagonalität in der Formation, sowie viele Dreiecke für die Ballzirkulation. Im Ballbesitz halten die Jungbullen immer recht enge Distanzen zueinander, um zum einen Kurzpässe zu spielen, zum anderen aber auch nach Ballverlust kurze Distanzen zum Gegenpressen zu haben. Dieses Gegenpressing vollstreckt man kollektiv und mit hoher Geschwindigkeit. So soll die Unordnung des Gegners nach gerade erlangtem Ballgewinn für Gegenkonter genutzt werden, oder der Gegner zumindest an einem erfolgreichen Konter gehindert werden.

Haben die Salzburger erstmal den Ball gewonnen, versuchen sie über flache Diagonalpässe schnell zu kontern. Hierbei spielt wieder die Formation eine große Rolle, da man leicht aus der generellen Ausgangsposition im Pressing diagonale Anspielstationen kreieren kann. So gut wie nie wird ein Ball unkontroliert nach vorne geschlagen, stets ist eine gewisse Absicht hinter Klärungsversuchen zu erkennen. Innenverteidiger Meisl ist einer der wichtigsten Spieler in diesen Umschaltmomenten, da er hervorragende Pässe spielen kann, ohne viel Zeit dafür zu beanspruchen. Flache Pässe über mehrere Linien sowie auch direkte hohe Diagonalbälle sind für den gebürtigen Salzburger kaum ein Problem. So kommen die Spieler von Rose/Maric immer wieder aus Pressing und Gegenpressingsituationen heraus, ohne die Kontrolle über den Ball zu verlieren.

Hier ein direkter Diagonalball von Luca Meisl

Ebenfalls wichtig in diesem Spiel waren die Dribblings von Zehner Hannes Wolf. Nach Ballgewinnen konnte er immer wieder schnell wichtige Meter überbrücken und gleichzeitig versuchen, den kompakten Zentrumsblock der Portugiesen auszuspielen oder etwas auseinanderzuziehen, indem er Zweikämpfe einlud und die Portugiesen zum Verlassen ihrer Positionen zwang. Dies gelang jedoch nicht immer sonderlich gut. Benfica agierte passiv und kompakt, vor allem die beiden Sechser ließen sich selten vom Ball anziehen.

 

Damit kommen wir auch zur Spielanlage der Portugiesen im Umschaltspiel. Benfica sorgte mit tiefen Sechsern vor der Abwehr bereits im Ballbesitz für Absicherung. Auch die bereits erwähnten einrückenden ballfernen Außenverteidiger verstärkten das Zentrum, sodass im Falle eines Ballverlustes immer zumindest ein zentraler 3-2 Defensivblock zu überspielen war. Dieser hielt sich generell sehr zurück, auch wenn es im Kampf um den zweiten Ball ging. Hier ließen die Portugiesen vornehmlich die ballnahen Spieler gegenpressen, anstatt situativ dynamisch aus den Positionen zu springen und den Ballführenden im Verbund mit den Mitspielern zu attackieren. Diesen Kampf um den zweiten Ball hatte Benfica recht oft, da ja im Aufbau wie bereits erwähnt immer wieder einige hohe Bälle gespielt wurden.

Gewann man diese zweiten Bälle, suchten die Iberer einen sehr direkten Weg nach vorne. Dieser Fokus wurde durch folgende Faktoren bestärkt: Zum einen hatte man sehr dribbelstarke Offensivspieler im Mittelfeld, die enge Situationen immer wieder gut lösen konnten. Oft schon mit einer Mitnahme in den freien Raum, am Gegenspieler vorbei, konnten die Flügelstürmer Benficas den Angriff schnell nach vorne tragen oder Fouls ziehen. Auch Goncalves auf der Zehn zeigte immer wieder seine Nadelspielerfähigkeiten und konnte sich ein paar Mal gegen mehrere Gegenspieler behaupten. Das Kontern selbst erfolgte meist über die Flügel, wo die „Águias“ die stärksten Spieler hatte und ihre Fähigkeiten fokussieren wollte. Flache Hereingaben mit dynamischer Strafraumbesetzung von Gomes an der kurzen Stange, sowie dem ballfernen Flügelstürmer am Elfmeterpunkt sollten Chancen kreieren. Durch die einfache Flügelbesetzung der Salzburger und den starken Dribblingfähigkeiten der portugiesischen Außenspieler gelang dies auch bisweilen. Die Entscheidungsfindung der Benfica Spieler in Gegenpressingsituationen gegen ist ebenfalls hervorzuheben. Zwar besitzen sie eine recht hohe Pressingresistenz, wussten jedoch meist genau wann sie diese nutzen konnten und wann nicht. Bei letzteren Situationen schlugen sie dann den Ball weg und verweigerten Salzburg Zugriff auf den Ball und Möglichkeiten zur Balleroberung.

 

Benfica mit leichten Vorteilen in Durchgang eins

Salzburg hatte von Beginn an keine große Not mit hoher Intensität pressen zu müssen. Zustellen der Innenverteidiger oder Sechser reichte meist schon zu hohen Bällen Benficas, die ja sowieso fokussiert wurden. In einem wie bereits erwähnt an Umschaltsituationen reichem Spiel waren die Salzburger sauberer strukturiert im Ballbesitz, sowie generell gewillter das Spielgerät flach durch die eigenen Reihen zirkulieren zu lassen. Die Direktheit darin wurde immer wieder klug gewählt, man übertrieb es nicht mit Vertikalbällen, sondern bereitete diese immer wieder gut durch Verlagerungen, Horizontalpässe oder sogar Rückpässe vor, nutzte dann Direktpässe um Rhythmuswechsel zu erzeugen. So kam man zu Beginn auch zu guten Annäherungen an das gegnerische Tor und feuerte einige Schüsse ab, wenngleich nichts von zwingender Natur war.

In der Defensive hatte man deutlich mehr Probleme als noch gegen den FC Barcelona, was überraschend klingen mag. Die hohe Direktheit von Benfica gepaarte mit den sehr starken Flügelspielern, schaffte es jedoch einige Male mit Schnellangriffen oder Kontern nach Sieg in Kämpfen um den zweiten Ball Torchancen herauszuspielen. In Minute 28 gingen die Portugiesen dann nach einer Freistoßflanke in Führung. Nach einem Einwurf wurde der Kampf um den zweiten Ball durch die physisch starken Sechser gewonnen. Gomes zog mit starker Ballsicherheit im Flügel ein Foul, aus dem folgenden Freistoß köpfte dann der gerade noch zuvor gefoulte das 1:0.

Nach diesem Tor erhöhte sich das Tempo der Partie um einiges, die Portugiesen ließen nun mehr Konter zu. Durch Vertikalpässe von Meisl wurde Hannes Wolf ein, zwei Mal stark frei gespielt und konnte auf die Abwehr zu laufen. Die Strafraumverteidigung Benficas war aber sehr konsequent, Pässe auf Berisha und Meister waren nur schwer möglich, zudem wurde Wolf immer wieder passend attackiert und der Ball abgenommen. Fehlende Unterstützung bei diesen Kontern, sowie eine teils zu flache Staffelung in der letzten Linie taten ihr Übriges. Die beiden Mannschaften gingen mit einem Halbzeitstand von 1:0 für Benfica in die Kabinen.

 

Durch Ballbesitz dominant

Gleich nach der Pause wurde Salzburg deutlich dominanter, wie auch stabiler im Ballbesitz. Das tiefe 4-4-1-1 Mittelfeldpressing der Portugiesen wurde zusehends zurück gedrängt. Die beiden Salzburger Innenverteidiger dribbelten immer wieder die Halbräume an und somit an den Stürmern vorbei. Gorzel wurde auf der Sechs immer vom ballfernen Stürmer gedeckt, während die andere Spitze die Verlagerung zum anderen Innenverteidiger zustellte, jedoch aus dieser Position den Ballführenden nicht attackierte, was eben jenem Zeit zum Dribbeln gab. Die portugiesischen Mittelfeldspieler blieben passiv in ihrer Viererkette, weshalb das Andribbeln so erfolgreich war. Die sehr hoch agierenden Außenverteidiger halfen dabei diese Mittelfeldreihe zu binden. Wenngleich die Portugiesen in Raumdeckung agierten, mussten sie dennoch Acht geben auf die im Rücken der Flügelstürmer positionierten Außenverteidiger. Zudem stellten die Achter im Halbraum, sowie die etwas breit agierenden Stürmer ein Zuordnungsprobleme her. So konnte man aus dem Andribbeln immer wieder Chipbälle in die Flügelräume spielen, die die hohen Außenverteidiger erreichen konnten. Von dort wurden notfalls Flanken geschlagen, im Idealfall brach man aber mit einem Dribbling bis zur Grundlinie durch und brachte eine flache Hereingabe in den Strafraum. Dieser erhöhte Druck kulminierte schlussendlich im Ausgleich. Nach einem simplen Durchbruch auf dem linken Flügel wurde eine Flanke in den portugiesischen Strafraum geschlagen, die zur Ecke abgewehrt wurde. Der eingewechselte Patson köpfte diese Ecke zum 1:1 in der 72. Minute ein.

Durch die starken Verbindungen im Ballbesitz und das Zurückdrängen des portugiesischen Defensivblocks hatten die Salzburger nun viel besseren Zugriff im Gegenpressing, was den Druck auf Benfica und die Dominanz der Jungbullen weiter erhöhte, sie zudem für kurze, intensivere Pressingphasen rasten ließ. Ballgewinne wurden nun viel früher als noch zuvor erzielt, wo die Portugiesen sich noch oft befreien konnten. Nun wurden sie aber müde, die Exekution sowie die Entscheidungen schlechter. Die Salzburger konnten nun auch besser Konter fahren. Einer dieser Konter führte auch zum 2:1 durch Schmidt in Minute 75. Nach einem Ballgewinn am eigenen Sechzehner brauchte man nur 19 Sekunden um das Tor zu erzielen. Wie auch gegen Barcelona sorgte ein diagonales Dribbling von rechts mit anschließendem Pass nach innen für einen Orientierungswechsel des Gegners. In diesen Orientierungswechsel startete Wolf in den geöffneten Raum, brachte eine flachen Pass in den Strafraum, wo Alexander Schmidt den Ball ins Netz schoss. Die restlichen 15 Minuten versuchte Benfica zwar durch höheres Pressing und erhöhter Vertikalität den Ausgleich zu erzielen, jedoch schaffte es Salzburg immer wieder das unkompakte Pressing zu überspielen und Entlastungskonter zu fahren. Zudem griff das Pressing wie immer ausgezeichnet, weshalb die Jungbullen das 2:1 über die Zeit bringen konnten.

Abbildung 3: Ein invereses Dribbling ins Zentrum zieht die Orientierung der Benfica Verteidiger auf sich.

Abbildung 4: Dies nutzt Wolf und stiehlt sich im Rücken der Defensive davon, um dann den Pass aus dem Zentrum in die Tiefe zu bekommen und von dort das Assist zum 2:1 zu geben.

 

Fazit

Der Sieg der Mannschaft vom Trainerteam Rose/Maric ist aufgrund mehrerer Faktoren beeindruckend. Zum einen gibt es keine U19 in Österreich, weshalb das Team sehr selten miteinander trainierte, oftmals nur ein zusätzliches Training neben dem Abschlusstraining. Zum anderen besiegte man reihenweise europäische Größen: Manchester City, PSG, Atletico Madrid, FC Barcelona und im Finale Benfica. Man war stets auf den Gegner vorbereitet und wusste sich anzupassen. Sehr prägnant war auch, dass Salzburg auf mehrere Weisen den Gegner beherrschen kann. Gegen City und Barcelona dominierte man ohne Ball, ließ kaum Torchancen zu. Barcelona konnte gar nur 4 Schüsse in 93 Minuten verzeichnen. Gegen PSG nutzte man offen gelassene Räume durch Schnellangriffe eiskalt aus, während man in der zweiten Halbzeit gegen Benfica durch kontinuierlichen Spielaufbau den Gegner in seiner eigenen Hälfte einschnürte. Man mag von Red Bull Salzburg als Verein halten was man will, aber in der Jugendarbeit besteht unheimlich viel Potential, das nicht verschmäht werden sollte.

Über David Goigitzer

1v1 ist eine Lüge. Beistriche auch.
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