Red Bull Salzburgs U19 zieht ins Youth League Finale ein

Die Salzburger U19, die es in der Form im Ligabetrieb gar nicht wirklich gibt, zeigte unter Trainerteam Rose/Maric starke Leistungen, schlug PSG, Atletico Madrid und Manchester City. Nun setzte man sich im Halbfinale auch noch gegen den FC Barcelona durch.

Barcelona findet Mittel gegen RBS-Pressing

Der FC Barcelona agierte im Ballbesitz zunächst in einem 3-1-4-2, wobei Stürmer Ruiz breiter blieb und Rechtsverteidiger Ingolitsch binden sollte. Die Dreierkette mit dem Sechser davor sollte helfen, Salzburgs Pressing zu umspielen. Situativ nahm Zehner Hannes Wolf nämlich Mannorientierungen auf Sechser Busquets auf. Dies sollte dann dafür genutzt werden um Räume für zurückfallende Spieler zu öffnen. Die beiden Achter, sowie teilweise auch Stürmer Manneh ließen sich dynamisch in den Sechserraum fallen, um die Ballzirkulation zu unterstützen. Die Katalanen fanden so Lücken im Pressingverbund Salzburgs. Diese zurückfallenden Bewegungen wurden zwar immer wieder klug aufgenommen, die Achter Salzburgs und Gorzel auf der Sechs übergaben Verantwortungen mit gutem Timing, die Katalanen ließen die Bälle im Notfall jedoch einfach prallen und starteten den Aufbau von neu. Diese Prallpässe, die von den Achtern meist auf die Halbverteidiger zurück gingen, lockten die Stürmer Salzburgs zum Pressing. Mit einem weiteren Direktpass in die Mitte fand man so oft freien Raum, um einen Wechselpass zu spielen und sich eine Zone weiter nach vorne zu kombinieren.

Abbildung 1: Zurückfallende Achter bilden hier ein 3-2-4-1 Gebilde und helfen bei der Zentrumsbesetzung. Der freie Halbverteidiger wird angespielt und zwar unter Druck gesetzt, hat jedoch entweder Optionen auf die Seite, diagonal nach innen oder nach hinten.

Ebenfalls als Mittel, um sich aus dem Pressing zu befreien, wurden nach außen kippende Achter genutzt. Montes und Collado kippten in die Räume, die durch zweierlei Gründe au den Flügeln frei waren. Zum einen agierten die Barcelona-Flügelverteidiger recht hoch, was die Außenverteidiger Salzburgs band. Zum anderen spielte Salzburg in einem 4-1-2-1-2 also mit Raute. Somit sind die Flügel automatisch frei. Zwar können und werden diese von den Achtern zugeschoben, dennoch kann man die Flügel klug nutzen. Sei es zum einen um von dort wieder ins Zentrum zu gelangen, falls dieses weiterhin adäquat besetzt ist. Wie bei Barcelona mit Busquets als sich klug bewegendem Sechser, den bis in die zentrale Spur hineinschiebenden Achtern und Manneh als Zielspieler im Zehnerraum. Oder auch um die Zirkulation generell am Flügel auszuführen und dort die numerische Überzahl zu nutzen.

Hatte man es ins Mittelfeld geschafft, versuchten die Spieler von Gabriel de la Torre durch Überladungen auf links sich durchzukombinieren. Der vertikal agierende Flügelläufer Cucu versuchte immer wieder mit Doppelpässen dynamische Durchbrüche zu erzielen. Der nach links versetzte Ruiz sollte diese Kombinationen und Überladungen unterstützen. Dadurch, dass Ruiz seine Position an Ingolitsch orientierte, musste sich dieser mehr auf die Hilfe seiner Achter im Pressing verlassen. Zudem mussten die Nachschiebebewegungen der restlichen Viererkette passen, um Ingolitsch das Attackieren ebenfalls zu ermöglichen. Dies schafften die Salzburger konstant gut, Ingolitsch konnte Ruiz immer wieder in den Deckungsschatten stellen und den Ballführenden attackieren.

Ein weiterer Grund dieser Überladung war das Isolieren von Mboula auf dem rechten Flügel. Der Wingback hatte generell eine recht hohe Position inne, war oft in der letzten Linie zu finden und blieb ballfern auch sehr breit. In Minute 19 wurde diese Isolation auch perfekt genutzt. Nach Überladung der linken Seite spielte man einen Wechselpass aus der Mitte auf Mboula, der einen freien ersten Kontakt nehmen konnte, sich dann gegen drei Salzburger durchsetzte und den Ball ins lange Eck schoss.

 

Barcelonas Pressing gestaltete sich in einem passiven 3-1-4-2. Prinzipiell war man zwar hoch ausgerichtet, übte jedoch nicht optimalen Druck auf die Salzburger aus, nutzte die Deckungsschatten nicht effektiv, weshalb die Österreicher durch minimale Positionsanpassungen trotzdem Passwege finden konnten. Die vertikale Kompaktheit der Katalanen ließ ebenfalls zu wünschen übrig, weshalb es im Spiel ein, zwei Szenen gab wo RB recht einfach aus dem Aufbau ins Mittelfeld dribbeln konnte. Kluge Bewegungen vom ballführenden Spieler weg zogen die mannorientierten Culés nach hinten, was für mehr Raum für die Salzburger sorgte. In tieferen Zonen füllte Busquets die Viererkette auf, so bildete sich oftmals ein 4-4-2 gegen den Ball. Die Raumaufteilung war oft suboptimal, sodass die Salzburger immer wieder mit Vertikalpässen in den katalanischen Block gelangten. Die Intensität der Blaugrana war aber gut genug, um saubere Folgeaktionen entweder komplett zu verhindern oder oftmals zumindest zu drosseln.

 

Salzburg hält die Blaugrana aus strategisch wichtigen Zonen fern

Die Salzburger starteten in ihrem für sie üblichen 4-1-2-1-2. Das Pressing ist RB’s Markenzeichen, dies musste gegen die ballbesitzfokussierten Katalanen noch mehr zur Geltung kommen. Entgegen der allgemeinen Meinung war das RB- Pressing kein Dauerangriffspressing über 90 Minuten. Eine gewisse Höhe gibt es zwar immer, jedoch pressten die Salzburger vor allem in Phasen und nach bestimmten Triggern. Vor allem Körperorientierung der Flügelläufer und Halbverteidiger war ein Pressingtrigger gegen die Katalanen. Dies ist jedoch nicht sehr häufig anzutreffen, da der FC Barcelona ja auf diese Dinge sehr viel Wert legt. So gab es vor allem in den ersten 20 Minuten nur vereinzelte Szenen wo man den ehemaligen Youth League Sieger hoch unter Bedrängnis bringen wollte. Durch Bogenläufe von Meister oder Berisha drängte man den Aufbau auf eine Seite, versuchte Rückpässe zu erzwingen, die im Sprint verfolgt wurden. Wolfs situative Mannorientierungen auf die Zentrumsoption sollte den Aufbau weiter auf die Flügel drängen, wo die Achter nachschoben, der Stürmer Druck auf den Ballführenden machte, während er die von Wolf gedeckte Option im Deckungsschatten hielt. Hier sah man immer wieder Schulterblicke der ansprintenden Stürmer, die sich orientierten um den zentralen Spieler im Deckungsschatten zu behalten. Vor allem in den letzten 10 Minuten der zweiten Halbzeit schaffte man es konstant den Rhythmus der Partie hoch zu halte und viele Ballbesitzwechsel zu erlangen. Die Abstöße der Katalanen wurden hoch zugestellt, im Anschluss attackierte man gespielte Chipbälle auf die Flügel oft in einer 3v1 Situation, um dort zumindest Einwürfe zu erzwingen. Die lang gespielten Abstöße gewann man meist, den Kampf um den zweiten Ball ebenfalls. Das deutlich besser greifende Pressing war der Hauptgrund für die beste Phase der Jungbullen gegen Ende der ersten Hälfte.

Wurde über die Flügel gespielt, dann waren die Achter stets bereit den Ballführenden zu pressen, die Außenverteidiger verteidigten mit gutem Timing nach vorne und konnten so immer wieder Ballgewinne auf den Flügeln erzielen. Diese waren jedoch oft nicht sauber genug, um aussichtsreiche Anschlusskonter zu erzeugen. Zwar war die Dynamik sehr hoch, die zufallsabhängige Natur von Zweikämpfen verhinderte jedoch, dass man diese optimal nach Ballgewinnen nutzen konnte. Abgefangene Bällen waren schwierig zu erlangen, da die Katalanen im Ballbesitz eine sehr gute Raumaufteilung hatten, stets Verbindungen zueinander hielten und stark in der Positionierung waren. Trotz der prinzipiell richtigen Mechanismen fand Barca immer wieder Lösungen aus dem Pressing. Vor allem Diagonalbälle in den ballfernen Halbraum fanden nach kurzen, gegnerlockenden Kombinationen immer wieder ihren Empfänger, von wo die jungen Männer von de la Torre die Salzburger in einen tieferen Block zurückdrängen konnten.

Abbildung 2: Berisha läuft die Verlagerung zum Torwart zu, Wolf ist bei Busquets. Meister sprintet auf den Halbverteidiger los, während Haidara auf der Acht bereit zum Attackieren ist.

Diesen tieferen Block konnten sie dann jedoch kaum richtig bespielen. Durch die vielen zurückfallenden Bewegungen, die nötig waren um sich gegen das Angriffspressing der Salzburger zu behaupten, fehlte die Präsenz im Zwischenlinienraum. Diesen schoben die Jungbullen sowieso gekonnt zu, an Kompaktheit mangelte es keinesfalls. Durch die Raute hatte man zudem eine ideale Zentrumsbesetzung, von der man aus immer mit guter Deckungsschattennutzung heraus sprintete und die Katalanen am Flügel isolierte. Zudem hören die Salzburger nicht auf zu pressen, wenn die erste Linie überspielt wird. Sie ziehen sich nicht zurück, sondern versuchen weiterhin Druck am Ball zu erhalten, was den Katalanen die Zeit und den Raum nahm um sauber fortzuschreiten.

 

Salzburg mit wenig, jedoch kontrolliertem Ballbesitz

Die Salzburger hatten keine allzu langen Ballbesitzphasen. Dies lag nicht unbedingt am spielerischen Unvermögen, sondern an einigen anderen Faktoren. Zum einen fehlt die gemeinsame Trainingszeit, da es in Österreich ja keine U19 gibt, man somit eine Misch-Mannschat aus U18 und Liefering Spielern hat. Gut strukturiertes Ballbesitzspiel erfordert viel gemeinsames Training. Zudem agierte man gegen Barcelona wohl beabsichtigt deutlich vertikaler, auch mit hohen Bällen.  Man versuchte die fehlende vertikale Kompaktheit der Katalanen zu nutzen, immer wieder wurden Chipbälle in den Raum vor die letzte Linie gespielt, die dann entweder kontrolliert oder abgespielt werden konnten, oder der zweite Ball wurde attackiert. So schaffte man es bisweilen sich Schritt für Schritt nach vorne zu arbeiten, wo man dann im letzten Drittel mit den breiter agierenden Halbraumstürmern die Tiefe bespielen wollte. Wolf, Berisha und Meister bewegten sich klug un konnten vor allem nach höheren Ballgewinnen für Gefahr sorgen.

Salzburgs zweite Option nach misslungen Pässen in die Tiefe ist dann auch immer gleich das Gegenpressing, welches so meisterhaft praktiziert wird. Im Kollektiv antizipieren die Spieler Ballverlustsituationen, um dynamisch darauf reagieren zu können. So werden nicht nur Konter verhindert, sondern auch immer wieder zumindest Halbchancen erzeugt. In der vorher bereits erwähnten bis dahin besten Phase, also den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit, schafften die Salzburger erfolgsstabil die Mannorientierungen Barcelonas zu bespielen. Vor allem Meisl zeigte einige starke Vertikalbälle zu sich gut lösenden Mitspielern. Die hohe Vertikalität und Diagonalität der Salzburger im Ballbesitz, gepaart mit guter technischer Ausführung, bereitete dem FC Barcelona starke Probleme. Die Katalanen hatten durchaus Glück, nicht gegen Ende der Halbzeit den Ausgleich zu bekommen.

 

Die zweite Halbzeit

Die Katalanen hatten in der Halbzeit etwas angepasst, Cucu spielte nun tiefer, man agierte in einer Art verschobenen Viererkette. Davor spielte man nun mit einer situativen Doppelsechs, insgesamt kann man die Anpassung wohl als 3-1-3-1-2 betrachten, was aber auch immer wieder in ein 4-2-3-1 überging. Diese Anpassung schien jedoch nicht wirklich positive Wirkungen zu erzeugen, die Salzburger fanden zu Beginn der zweiten Halbzeit immer wieder optimalen Zugriff auf die erste Linie. Die Asymmetrie in der Aufbaureihe war eher negativ zu beurteilen. Zu groß waren die Abstände auf den nun höher agierenden Montes, sowie auch zum tiefer positionierten Cucu. So konnte die Salzburger Doppelspitze immer wieder einfach Passwege abschneiden, während Wolf durch die Mitte, den Sechser in den Deckungsschatten stellend, Druck erzeugte. Immer mehr suchten die Katalanen ihr Heil in hohen Bällen entlang der Flügel, weil schlicht und einfach keine anderen Optionen existent waren. Eine weitere Anpassung auf 3-2-4-1-0 (also mit falschem Neuner), half doch deutlich, man kreierte mehr Optionen und konnte sich wieder stabiler aus dem Pressing lösen. Die Salzburger schienen nach den ersten 10 Minuten der zweiten Halbzeit auch einen Gang zurück geschalten zu haben. Man kann die Vermutung haben, dass dies aufgrund der Belastungssteuerung war, um gegen Ende des Spiels fit zu sein, sowie auch für das mögliche Finale. Situativ drehte man die Intensität wieder hoch, vor allem wenn ein Ballgewinn in Aussicht stand. Die vorhandene Fitness der Salzburger war hierbei beeindruckend zu sehen, da man im Kollektiv stets den Gegner ansprintete und zu langen Bällen zwang.

Abbildung 3: Die Pressingszene kurz vor dem Ausgleich

Das Pressing war es auch, welches den Salzburgern den Ausgleich brachte. Ein kurz abgespielter Abstoß wurde zum Torhüter zurück gespielt. Dieser spielte einen Fehlpass zu Hannes Wolf, der aus 18 Metern ins vom Tormann verlassene Tor traf. Verteidiger und Torwart kamen zu spät, um den Ball noch vor der Linie zu retten. Von da an konnten die Salzburger ihre Dominanz erhöhen. Zum einen zeigten die klug gespielten hohen Bälle immer wieder passende Wirkung. Konnte der Ball nicht fest gemacht werden, konnte man immer wieder gegen pressen und Ballverluste der Katalanen erzwingen. Der für Meister eingewechselte Patson bewegte sich klug und viel, konnte im Pressing neue Dynamik bringen und auch mit Tiefenläufen immer wieder die Hintermannschaft des FC Barcelona bedrohen. Die zunehmend an Kompaktheit verlierenden Blaugrana kamen mit den  diagonalen Läufen der Salzburger Stürmer überhaupt nicht zurecht, mussten immer wieder hinter her sprinten. Die Angriffe versandeten zunehmend, da man die falschen Entscheidungen im Ballbesitz traf, mit zu wenig Unterstützung Konter suchte und im kontinuierlichen Ballbesitz zu wenig Optionen fand. Die Taktung der Schüsse Salzburgs erhöhte sich, die Jungbullen waren nun deutlich überlegen. Man erzwang immer wieder Ballverluste des FC Barcelona, die dauernd den Ball hoch und weit schlugen. Folgerichtig kam man dann auch zum 2:1. Nach starker, doppelter Halbraumverlagerung fand man die Lücke halbrechts und auch Hannes Wolf, dessen Stanglpass der eingewechselte Patson zum 2:1 Endstand verwertete. Die doppelte Verlagerung führte zu Orientierungswechseln der Katalanen, die diese nicht mit adäquatem Verschieben und Kompaktheit verbinden konnten, sodass Wolf schlussendlich allein vors Tor kam.

Abbildung 4: Die Halbraumverlagerung auf Haidara macht Berisha durch einen raumschaffenden Lauf effektiver.

Abbildung 5: Haidara findet mit einem tollen Diagonalball den Raum und Wolf. Unkompaktes Verschieben und Probleme in der Orientierung beim FC Barcelona kreieren diesen Raum.

 

Fazit

Die Salzburger zeigten eine starke Leistung. Ihr Pressing in Phasen brachte ihnen gezielte Dominanzzeiten, während sie in der restlichen Zeit ihr Tor mit passendem Abstand stark verteidigen konnten. Zwar hatte der FC Barcelona vor allem in der ersten Halbzeit immer wieder Mittel, um das Pressing auszuspielen. Jedoch kam man kaum in Strafraumnähe. Im Ballbesitz agierten die Salzburger klug, wenngleich nicht dominant. Dies schien jedoch ohnehin nicht die Absicht gewesen zu sein.

Über David Goigitzer

1v1 ist eine Lüge.
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