KF-Trainerblog #1

Mit unserem Adventskalender haben wir uns erstmal etwas mehr von unserem Kernthema der Spielanalyse abgewandt und sind mit der Präsentation von Trainingsübungen mehr in die Praxis gegangen. Das Feedback dazu war insgesamt sehr positiv und schon mehrmals ist nun die Frage aufgekommen, ob wir nicht öfters über trainingsbezogene Themen schreiben können. Dies möchte wir von nun an mehr oder weniger regelmäßig in einem Trainerblog tun, in dem wir von unserer Tätigkeit als Trainer erzählen, über die Arbeit mit der Mannschaft sprechen, paar Übungen, die wir nutzen, vorstellen und auch theoretische Aspekte dazu erklären. In ziemlich ähnlicher Form macht dies unser Autor Nils Poker bereits für DFB-Training. Zudem freuen wir uns auch noch über Feedback zu unserer Arbeit, damit wir selber durch den Austausch und einen vernünftigen Diskurs dazulernen und uns als Trainer weiterentwickeln können.


Als 5-jähriges Kind habe ich mit dem Fußball spielen begonnen, 15 Jahre später war ich gerade Stammspieler in der Achthöchsten Spielklasse in Österreich. Aufgrund meines Studiums zog es mich dann aber in eine andere Stadt, nach St. Pölten. Dies bedeutete für mich, dass ich nicht mehr bei meinem alten Verein spielen konnte, jedoch ergab sich dadurch glücklicherweise auch die Möglichkeit beim SKN St. Pölten, der in der vergangenen Saison den Aufstieg in die österreichische Bundesliga geschafft hat, als Jugendtrainer zu beginnen.

Ich war dort eine Saison lang Co-Trainer der U11, die eigentlich eine U10 war und nur um U11-Bewerb spielte, und sammelte erste Erfahrungen als Trainer. Den vergangenen Herbst verbrachte ich daraufhin in Italien – trainierte dort auch – und ursprünglich war eingeplant nach meiner Rückkehr wieder beim SKN anzufangen. Jedoch habe ich mich dann doch anders entschieden.

Mittlerweile habe ich meiner Meinung nach doch eine recht große Menge an theoretischem Wissen angehäuft, ein guter Trainer bin ich deswegen aber noch lange nicht. Ganz im Gegenteil, ich habe sehr hohe Ansprüche an Trainer und werden diesen selber überhaupt nicht gerecht. Ich erkenne Fehler von anderen Trainern, kann es aber selber wohl kaum besser machen und habe noch extrem viel zu lernen. Nach 1,5 Jahren als Co-Trainer habe ich nun den Entschluss gemacht, nicht mehr als Assistent und nicht mehr im Kinderbereich aktiv zu sein, wenn auch bei einem der besten Vereine in Österreich. Um mehr meiner eigenen Ideen umsetzen zu können trainiere ich nun statt Kindern des SKN die U14 eines kleinen Vereins in der Stadt, die im Herbst die unterste Liga am letzten Tabellenplatz beendete.

Acht Trainings und zwei Spiele habe ich bisher mit der Mannschaft absolviert. Vor dem ersten Training war die erste wichtige Frage für mich: Was trainiere ich mit einer Mannschaft, die ich absolut nicht kenne? Ich beschloss, mich zunächst allgemein auf das Ballbesitzspiel der Mannschaft zu fokussieren. Meine ersten Planungen für Trainings stellten sich aber ohnehin als recht irrelevant heraus. Beim ersten Training hatte ich 6 Spieler und trainieren konnte man wegen des schlechten Wetters nur am Hartplatz, quasi selbe Situation bei der zweiten Einheit. Ein ausgemachtes Testspiel wurde zunächst abgesagt, woraufhin sich paar motivierte Jungs ärgerten und doch noch genug Spieler aufgetrieben, sodass gespielt werden konnte. Das Ergebnis war ein 4:1-Sieg gegen einen sehr schwachen Gegner und für mich ein besseres Kennenlernen, der mir zur Verfügung stehenden Spieler.

Ich stellte schnell fest, dass die Spieler eine ganz gute technische Basis, aber ein sehr schwaches Spielverständnis haben. Vor allem die Bewegung ohne Ball ist teilweise katastrophal und auffällig ist, dass den ballführenden zumeist viel zu viele Spieler viel zu nah kommen, was in einem kindlichen Rudelfußball und mangelnde Nutzung von Breite und Tiefe resultiert. Daran versuchte ich in den kommenden Einheiten mit verschiedenen Spielen auf Ballbesitz zu arbeiten. Der Gegnerdruck war zumeist eher gering, um den Spieler mehr Zeit und Raum zu geben und Umschaltsituation zu vermeiden. Ballbesitz war häufig Selbstzweck und Ziel war es oft nur eine gewisse Anzahl an Pässen in Serie zu schaffen, wofür die Mannschaft Punkte bekam.

Die Trainings beginnen immer mit einer Hösche, in Deutschland Eckchen genannt, um gleich zu Beginn etwas am Passspiel zu arbeiten. Zu Beginn musste ich die Zeit währenddessen auch nutzen, um Übungen aufzubauen bzw. mir erst Übungen zu überlegen oder geplantes umzuändern, da es teils große Unterschiede zwischen erwarteter und tatsächlicher Spieleranzahl gab. Es folgten meistens zwei, drei Spielformen und abschließend eine halbe Stunde recht freies Spiel.

 

Einheit #1:

Dies war die sechste Einheit mit der Mannschaft. 11 Spieler waren anwesend, davon zwei Torhüter. Die Einheit begann mit einem simplem 7vs2.

Als Spielform danach folgte ein 4vs4+1 mit Liniendribbling als Ziel. Hierbei war die Aufteilung der Mannschaft der wesentlichste Coachingpunkt. Dem zentralen Spieler sollten zu Beginn eine Anspielstation rechts und eine links zur Verfügung stehen, der vordere Spieler und der Joker sollten die Tiefe besetzen und Platz für den Spielaufbau schaffen. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Positionierung des zentralen Aufbauspielers, der stets eine Rückpassoption geben sollte.

Im Anschluss ging es weiter mit einem Positionsspiel im 7vs4. Die Übung ist prinzipiell abgeleitet aus dem im Adventskalender vorgestellten 5vs3 und wurde von Judah Davies als 7vs5 bei SV.com präsentiert. Aufgrund der recht bescheidenen Qualität meiner Spieler wurde der Gegnerdruck etwas reduziert und im 7vs4 gespielt, wobei für die Übung ein Tormann und ich hinzukamen, um elf Spieler zur Verfügung zu haben.

Ziel der Übung ist es, von einer Seite auf die andere zu verlagern, der Fokus lag auf den Spielern in Ballbesitz und es wurde ohne Umschaltsituationen gespielt. Ballnah sollten sich zwei Spieler außen Positionieren, ballfern stand ein Spieler tief in der linken Zonen, einer in der rechten, der zentrale Spieler dagegen durfte sich ohne Vorgaben bewegen, ebenso die Verteidiger. Die Übung war bewusst eher statisch, da das Bewegungsspiel der Mannschaft derzeit sehr schwach, die Spieler ihre Position zu wenig halten und die Vorgaben erstmal recht einfach sein sollen. Die Anordnung der Spieler wurde dann während der Spielform mehrfach gewechselt.

Durch die 7vs4-Überzahl war eine sichere Ballzirkulation der ersten drei Spieler möglich, wobei auffällig war, dass die beiden äußeren Spieler oft blind wieder zurück zum zentralen Außenspieler (auf der einen Seite ein Innenverteidiger, auf der anderen Seite ich) passten, ohne davor die Möglichkeit eines Passes in die Tiefe zu überprüfen. Daher erklärte ich die Blickorientierung der Spieler. Zunächst sollte immer die Möglichkeit eines Passes auf den anderen Zielspieler (nur flach erlaubt) überprüft werden, da dies der bestmögliche Pass ist, dann die nächstlängsten Passoptionen, also die beiden Spieler in der anderen Hälfte des Feldes (quasi die Achter). Die Ballzirkulation verlangsamte sich daraufhin ein wenig, aber es wurde weniger gute Passmöglichkeiten übersehen. Bisschen gecoacht wurde auf die Positionierungen der Spieler, die Achter sollten sich hinter ihren Gegenspieler positionieren, ohne dabei im Deckungsschatten zu sein, oder den Passweg auf den Zielspieler frei machen, die äußeren Aufbauspieler so hoch wie möglich, so tief wie nötig positioniert sein.

Mit der Zeit wurde das Ballbesitzspiel immer besser, wobei die Verteidiger recht unkoordiniert und wild pressten und sehr oft auf die Optionen in ihrem Rücken vergessen haben. Hier wurde daran erinnert zunächst die hinteren Optionen abgesichert zu haben, bevor ich mich weiter nachvorne orientieren und höher pressen kann.

Beim abschließenden Spiel gab es je zwei Tore, die etwa in den Halbräumen des Feldes aufgestellt waren. Ein Tor zählte 2 Punkte, 8 Pässe in Folge zählten 1 Punkt. Gespielt wurde wieder im 4vs4+1, Coachingpunkte waren daher auch etwa die selben wie zuvor beim 4vs4+1 auf Liniendribbling, jedoch standen hier Verlagerungen und generell die Ballzirkulation mehr im Fokus, was durch 1 Punkt für 8 Pässe in Folge belohnt wurde. Ein Spiel auf ein großes Tor und zwei kleine Tor war eigentlich noch eingeplant, dies konnte aber aufgrund von Platzmangel nicht gemacht werden.

 

Einheit #2:

In der ersten Meisterschaftsrunde setzte es eine bittere 11:0 Niederlage gegen den wohl stärksten Gegner der Liga, wobei mein Team aufgrund von Verletzungen und Schulausflügen etwas geschwächt war. Der Gegner war uns körperlich überlegen, zudem pressten wir auch sehr schwach. Wir begannen im 4-3-3, welches gegen den Ball eigentlich ein 4-1-4-1 sein sollte. Der Gegner überlud unsere Verteidigungslinie und spielte für lange Bälle in die Tiefe, ihre Stürmer konnten von uns dann kaum gestoppt werden. Neben großen Kompaktheitsproblemen war auch das individuelle Zweikampfverhalten problematisch und die gegnerischen Stürmer hatten leichtes Spiel. Beim Halbzeitstand von 4:0 stellte ich auf ein 5-4-1 um, im Nachhinein betrachtet ein Fehler. Unsere Verteidigungslinie wurde gestärkt, allerdings verloren wir Kontrolle im Mittelfeldzentrum und wurden im Ballbesitz viel schwächer. Nachdem wir in der ersten Hälfte noch ganz gut kombinierten, passte die veränderte und noch nie vorher geübte Formation in Ballbesitz überhaupt nicht.

Nachdem Spiel stellte sich mir die Frage, wie es nun in den Trainings weitergeht. Die Probleme bei gegnerischem Ballbesitz waren doch weit größer als jene bei eigenem, wodurch womöglich der Fokus im Training geändert werden sollte. Dies tat ich ein wenig, im ersten Training nach der Einheit wurde das Simeone-Rondo gemacht, 1vs1 mit Verteidiger im Rücken geübt und Offensive vs Defensive gespielt.

Die zweite Einheit nach dem Spiel war dann die Folgende (siehe Bild oben):

14 Spieler waren anwesend, 2 davon waren Tormänner. Begonnen wurde mit je einer 5vs2-Hösche, wobei die Kontaktzahl etwas variiert wurde (2 Kontakte, 1 Kontakt, 2 Kontakte Pflicht), 12 Pässe eine Extrarunde für die Verteidiger bedeuteten und ein Pass zwischen den zwei Verteidigern durch doppelt zählte.

Danach folgte eine Rondo-Variante im Hexagon. Im 6vs6+1 war das Ziel von einem Zielspieler bis zum anderen durchzukombinieren, was 2 Punkte brachte. 1 Punkt gab es für das Spielen von 8 Pässen in Serie. Da die beiden Zielspieler defensiv nicht mitspielten, wurde effektiv immer 7vs4 gespielt, was eine passende Überzahl für meine Spieler darstellte. Ging ein Ball ins Out, wurde immer bei einem der Außenspieler neu begonnen.

Coachingpunkte waren das Besetzen von Breite und Tiefe in Ballbesitz. Üblicherweise gab es das Problem, dass zu viele Spieler dem ballführenden Außenspieler nahe entgegenkamen und so auch den Raum verengten. Hatte ein Außenspieler den Ball, so sollte eine Raute gebildet werden, die anderen zwei Spieler sollten die Tiefe besetzen. Fixe Regeln zur Raumbesetzung gab es aber nicht. Zudem wurde erneut explizit auf die Orientierung der Spieler eingegangen, da zu Beginn einige die Möglichkeit eines Zuspiels auf den Zielspieler übersahen und generell nach Erhalt des Balles nicht gut über die Positionierung von Gegen- und Mitspieler Bescheid wussten.

Nach dieser Spielform wurde es weitaus isolierter. Aufgrund der Defensivprobleme im vergangenen Spiel wurde kurz an Grundlagen im individuellen Verteidigen gearbeitet. Zunächst bildeten sich Pärchen und passiv wurde kurz am defensiven 1vs1 gearbeitet und aufgezeigt, wie dies etwa auszusehen hat. Dies war nur kurz und ich denke, dass es auch kaum etwas gebracht hat. Schnell wurde das 1vs1 aktiv gestaltet und mit Abschlüssen verbunden. Der Stürmer spielte einen kurzen Doppelpass, der Verteidiger begann recht weit entfernt und durfte ab dem ersten Pass nach vorne attackieren. Er musste also schnell die Distanz verkürzen, dann verzögern und den Gegner leiten. Hier wurde das DFB-Modell mit Anlaufen, Stellen, Lenken, Balleroberung (=ASTLB) Mal aufgezeigt, wobei ich daraufhin in nächster Zeit wohl kaum weiter eingehen werde. Die Jungs freuten sich außerdem darüber, dass mal Torabschlüsse geübt wurden.

Abschließend gab es ein freies Spiel im 7vs7+1. Die Mannschaften sollten beide mit einer Viererabwehr und zwei Spieler davor verteidigen, in Ballbesitz war die Struktur quasi dieselbe, wobei sich der Joker immer als Stürmer anbieten sollte.  Gecoacht wurde hierbei ein wenig das Verschieben in der Abwehr und sonst hauptsächlich auf Intensität gegen den Ball und Nachsetzen nach Ballverlust.

Anmerkung zu den Übungen: Ich habe leider keine Ahnung welche Feldgrößen verwendet wurden, da ich dies eigentlich nur nach Gefühl mache und mir hierzu nichts notiere. Auch die Dauer der Übungen erfolgt eher nach Gefühl, wobei für das freie Spiel am Ende üblicherweise eine halbe Stunde eingeplant ist. Die Auswahl der beiden Trainingseinheiten erfolgte recht willkürlich und stellen einfach zwei typische Trainings dar.

 

 

 

Über Alex Belinger

War als Kind zu oft in Italien auf Urlaub und mag jetzt italienischen Fußball.

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10 Kommentare

  1. Das Simeone-Rondo ist eine Klasse Übung, weil viele Dinge auf einmal trainiert werden können. Für das Verschieben und Dreieckbilden der Defensivketten ist es klasse. Für Pässe in die Schnittstellen und das anbieten auf Lücke.

    Ich trainiere seit Mai 2016 und die wichtigsten Erfahrungen die ich gemacht habe sind:
    – Gleichberechtigter Umgang mit den Spielern
    – Nicht zu viel auf einmal wollen (Spieler nehmen viel weniger auf als man denkt)
    – Trainingsschwerpunkte setzen
    –> das heißt 3-4 Wochen nur an einem Thema arbeiten
    –> gezielt Fehler vom letzten Spiel trainieren macht nur bei Profis/Senioren Sinn
    – Ballführendem Spieler keine Tipps geben wo er hinzuspielen hat (im Nachhinein womöglich bessere Optionen zeigen)
    – Spieler nicht vor versammelter Mannschaft kritisieren
    – Spieler nicht wegen individueller Fehler kritisieren (verunsichert aus eigener Spielererfahrung nur)
    – positive Ergebnisse sind leider das beste Mittel für Teamgeist und Trainingsmotivation
    – Improvisationskünste sind gefragt 😉

    Unser Plan ist das Spiel von hinten kontrolliert aufzubauen und unsere zentralen Mittelfeldspieler in Szene zu setzen, die dann wenn möglich unsere zentralen Angreifer und ansonsten die Flügel suchen. Spielsystem 4-2-3-1, wobei wir das in ein 4-3-3 ändern wenn wir Probleme im Spielaufbau haben.
    Defensiv lasse ich im 4-4-1-1 verteidigen und stehe ca. 25 m vorm eigenen Tor mit der Viererkette. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass das Spielfeld im U15 Bereich noch zu groß fürs Pressing ist. So viel Kondition haben die einfach noch nicht. Ich bin zufrieden wenn wir kompakt stehen und die Offensivspieler die Passwege ins Zentrum schließen und das Verschieben im Verbund klappt.
    Wenn der Gegner unsortiert ist bzw. viel Platz nach Ballgewinn anbietet kann gerne schnell umgeschaltet werden.
    Zu Beginn haben die Spieler fast nur den schnellen Weg in die Spitze gesucht. Mittlerweile (nach 5-6 Monaten) wird auch mal auf den Ball getreten und die Seite verlagert bzw. nochmal die innenverteidiger mitgenommen, da die Spieler „endlich“ verstanden haben so auch mal Luft holen zu können bei eigenem Ballbesitz.

    Zu Tim:
    Ich habe in meiner Mannschaft keine so herausragenden Einzelspieler. Das finde ich für meine Spielidee zu vermitteln aber als Vorteil, weil die Spieler dadurch gezwungen werden gemeinsam anzugreifen.
    Ich sehe das Problem nämlich bei unserer U17 mit zwei für ihre Leistungsklasse herausragenden Stürmern. Da werden nur lange Bälle von den Abwehrspielern geschlagen und ein Mittelfeldspiel im Ballbesitz findet gar nicht statt. Weil es dadurch natürlich viel hin und her geht wird dementsprechend auch einiges an Kondition gebolzt und der Ball ist zu Beginn der Trainingseinheiten häufig nebensächlich. Das ganze ist relativ erfolgreich, weshalb die Spieler die Strategie wenig hinterfragen. Schön anzusehen ist es meiner Meinung nach nicht und ob es eine so sinnvolle fußballerische Ausbildung für den Großteil des Teams ist bewzeifle ich auch. Freue mich schon nächstes Jahr die Mannschaft übernehmen zu dürfen, auch wenn einer der beiden Stürmer in die U19 aufrückt.

  2. Überragende Idee mit dem Trainerblog 👍, da freue ich mich auch riesig auf die folgenden Beiträge!

    Ich hätte lediglich noch ein paar Fragen wie du in den Übungen die Intensitäten steuerst. Arbeitest du in den Spielformen generell mit mehreren kurzen Durchgängen (z.B. 3 x 4 Minuten im Hexagon) oder wählst du auch längere Intervalle um gezielt die Grundlagenausdauer zu verbessern?

    Die Frage richtet sich durchaus auch an die anderen Trainer hier, wie handhabt ihr das in euren Einheiten? Bei mir wird tendenziell von kürzeren Intervallen in den ersten Spielformen gegen Ende des Trainings auf längere übergegangen um die Intensität hinten raus zu senken. Geht ihr ähnlich vor?

    • Ich arbeite mit den Intensitäten ähnlich wie du. Anfangs der Einheit (nach entsprechenden Erwärmen)sind die Spielformen mit höherer Intensität an der Reihe, da hier die Frische bzw. Konzentration der Spieler am höchsten und somit die Verletzungsgefahr geringsten ist. Mit fortlaufender Trainingsdauer werden Felder bzw. Mannschaftsstärken größer, so dass die Intensität der einzelnen Spieler sinkt.

  3. Sehr, sehr guter Artikel! Nur eine Frage hätte ich noch: Was ist mit dem „Simeone-Rondo“ gemeint?

    Übrigens finde ich, dass Ergebnisse in dieser Altersklasse relativ wenig über das spielerische und taktische Niveau einer Mannschaft aussagen. In unserer Liga bspw. (trainiere eine U15 im unteren Amateurbereich) spielt der Tabellenerste ziemlich – nach meinem Empfinden – schlechten Fussball. Ein Spielaufbau ist quasi nicht vorhanden und generell scheint man wenig von Passspiel zu halten. Allerdings, und das ist der entscheidende Punkt, haben die auf den Außen und im Sturm 3 individuell überragende Spieler (spielen dementsprechend eine Art 4-3-3) und überrennen ihre Gegner einfach. Und wenn man selbst Wert legt auf Dinge wie auf Angriffspressing und konsequentem hinten rausrücken, kann das ziemlich übel enden, wenn dann der Ball einfach nach vorne gekloppt wird in der Hoffnung, dass den schon jemand erlaufen wird. Also, Ergebnisse wie so ein 0:11 nehme ich schon gar nicht mehr richtig ernst, auch wenn manche Väter nach solchen Niederlagen „mal richtiges Ausdauertraining“ fordern. Andersrum bilde ich mir aber auch nichts auf hohe Siege ein, wenn der Gegner individuell schwach besetzt war und man einfach nur „durchrennen“ konnte.

    • Bei Simeone-Rondo hab ich vergessen einen Link drüberzulegen, habe ich jetzt nachgeholt. (bzw hier nochmal: https://www.youtube.com/watch?v=pNNTqISURbw)

      Stimme dir zu, als Trainer ist es viel wichtiger auf die Leistung und auf die Entwickung der Spieler zu achten, dies habe ich auch versucht meiner Mannschaft klar zu machen. Natürlich ist es aber nicht schön so hoch zu verlieren und den Spielern sind Ergebnisse nun mal wichtig. Dies spielt für mich daher auch eine Rolle, da ich die Jungs bei Laune halten will, so hohe Niederlagen können dazu führen, dass Spieler eventuell weniger offen für mein Coaching sind, die Trainingsbeteiligung sinkt oder gute Spieler sich lieber einen anderen Verein suchen.

    • ich habe im vergangenen Jahr eine U19 trainiert, deren ärgster Widersacher auch drei individuell sehr starke Offensivspieler hatte. Da wurde ebenfalls lediglich der lange Ball gespielt und kein Fokus auf gruppen- bzw. mannschaftstaktische Ausbildung gelegt. Erfolgreich war dieses Spiel in der U19 schon, doch merkt man nun im Seniorenbereich sehr stark, dass die drei Spieler noch sehr großen Nachholbedarf im Bereich Spielverständnis haben und so auch im Herrenbereich bisher keinen Anschluss gefunden haben.

  4. Sehr schöner Beitrag.
    Ich denke, dass viele – wenn nicht sogar die meisten – Trainer die das hier lesen vor ähnlichen Herausforderungen bei der Trainingsplanung stehen und auch auf einem ähnlichen Niveau trainieren.

    Ich trainiere mit meiner Mannschaft (U19) in der selben Art und Weise. Viele Spielformen etc. Ich trainiere die Mannschaft jetzt nun schon im dritten Jahr. Das Ballbesitzspiel funktioniert deshalb schon ziemlich gut.
    Bei uns liegt der Fokus nun deshalb auf Umschaltaktionen.
    Dort kombinieren wir desöfteren verschiedene Spielformen um auch innerhalb eine Übung viele Umschaltaktionen zu erzeugen.

    Eine Spielform die wir in letzter Zeit sehr gerne machen sieht wie folgt aus:

    Ein Feld mit 2 Großtoren aufbauen. In den Ecken im Feld Hütchen Tore mit unterschiedlicher Ausrichtung aufbauen. Ziel ist es zu Beginn 2 Punkte durch die Hütchentore zu erzielen (dribbeln/passen je nach Aufgabenstellung. Die Torhüter sind freie Spieler und dürfen vom jeweils Ballbesitzenden Team angespielt werden. Erzielt ein Team ihren zweiten Punkt so greift es auf dann entfernte Großtor an. Dann Spiel auf die Großtore bis zum Tor Erfolg.

    Durch diese Aufgabenstellung gilt es vor dem erzielen des zweiten Punkts den Angriff auf das Großtor vorzubereiten. Den verliere ich direkt nach dem erzielen des zweiten Punktes den Ball, ist das Gegnerische Team sofort in Aussichtsreicher Position.

    Ich hoffe die Erklärung war halbwegs verständlich 😉

    Ich freue mich auf weitere Beiträge dieser Reihe!

    Gruß, SP

  5. Toller Beitrag, sehr gerne mehr davon.

    Gut zu sehen, dass nicht nur ich Probleme mit der variablen Zahl an Spielern habe. Ich überlege mir meistens voher mehrere Übung, die ich dann nach Spieleranzahl auswähle.

    2 Fragen:
    Da deine Spieler in einem ähnlichen Alter sind, wie hören sie auf dich?

    Wie gehst du mit Balleroberungen der Verteidiger im Rondo/Höschen um bzw wann wechseln sie?

    1 Anmerkung:
    Ich finde das El Chaos zum Zweikämpfe trainieren ganz gut, da hier die Wartezeit recht kurz ist. Bin mir allerdings sehr unsicher, ob dies wirklich besser ist als Spiele mit kleinen Teams…

    • in der Planung bin ich mittlerweile auch flexibler geworden, ich spiele auch häufig selber mit, wenn mir ein Spieler fehlt. Es funktioniert aber auch schon besser jetzt, dass sich die Spieler abmelden, wenn sie nicht kommen, dafür hatte ich zuletzt immer überraschend Trainingsgäste dabei.

      Die Spieler hören ganz gut auf mich. Hälfte ist U13, Hälfte U14, insgesamt aber sehr ruhige Typen und nur vielleicht zwei mühsame. Bin jetzt nicht so streng und eher der Kumpel-Typ.

      Zu den Balleroberungen: hängt ganz von der Übung ab, allgemein kann ich das nicht so sagen. Klare Balleroberung und nicht nur Ball berühren ist jedenfalls immer wichtig. Teilweise gibts nach der Balleroberung noch Ziel Ball wohin zu führen/zu passen und Gegenpressing. Bei dn hier vorgestellten Übungen: im Hexagon ging es einfach direkt weiter, beim 5vs2 wurde nach jeder Balleroberung ein Spieler getauscht, beim 7vs4 waren die Verteidiger fix (hatten daher auch eine recht langweilige Aufgabe eigentlich) und wurden einfach von Zeit zu Zeit von mir getauscht.

      Was ist El Chaos? Erklär das mal bitte, mir sagt das gerade gar nix

      • 2 Spieler spielen gegeneinander (also 1gg1) und versuchen am anderen Spieler vorbeizudribbeln. Entweder ist dies in einzelnen kleinen Feldern, wobei sie versuchen eine Linie zu überqueren, oder alle Paare in einem Feld und sie versuchen alle auf ein Tor zu schießen. Alle in einem Feld -> Chaos, daher wohl der Name.

        Ist im Buch „Fussball durch Fussball“ 😉

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