Alexander Isak – Das schwedische Stürmertalent

Die Transfergerüchteküche brodelt im Fußball wohl jeden Tag des Jahres. Selten sind diese Gerüchte jedoch ernst zu nehmen und oft nur Lückenfüller im Sportteil. Dennoch hält sich seit einigen Monaten das Gerücht, dass der 17- jährige schwedische Stürmer Alexander Isak von AIK Solna von unzähligen Klubs beobachtet wird. Wieso das so sein könnte, haben wir für euch etwas näher analysiert.

Dynamischer Center- Forward

Wir borgen uns hier eine Bezeichnung aus dem Basketball aus, um Alexander Isak zu beschreiben. Der Center Forward ist in Nähe des Korbes situiert und gehört oft zu den physisch stärksten, groß gewachsensten Spielern im Kader. Isak ist mit seinen 17 Jahren von der Muskelmasse her definitiv noch unter viele seiner Kollegen zu stellen, bei einer Größe von 1,90 Meter und kommenden Entwicklungsjahren kann man hier aber von zukünftigen Verbesserungen ausgehen. Der junge Schwede tritt dennoch bereits recht dominant auf und kann sich in physisch betonten Duellen durchsetzen, wenn auch nicht mit regelmäßiger Erfolgsstabilität. Er setzt seine Arme jedoch klug ein und kann so oftmals Gegenspieler von sich wegdrücken, was ihm vor allem im Strafraum bei der Verwertung von Flanken zu Gute kommt.

basketball_positions

Für seine Körpergröße besitzt er einen hervorragenden Antritt und kann so seinen Gegenspielern oft auf den ersten Metern bereits entwischen, ohne dass er sich stets an der Abseitslinie bewegen muss. Aufgrund seiner langen Beine und seines ausreichend sauberen Laufstils ist seine Sprintgeschwindigkeit im vollen Lauf ebenfalls sehr gut, weshalb sich der beim Antritt erarbeitete Vorsprung auf den Gegner erhalten lässt.

Der Vergleich mit einem Center Forward ist jedoch nicht nur aufgrund der physischen Eigenschaften passend. Auch seine Positionsfindung bei dynamischen Aktionen und Kontern ist jener des diagonal zum Korb agierenden Center Forwards ähnlich. Isak bewegt sich gern in den Halbräumen und weicht bisweilen auch auf die Flügel aus, um von dort diagonale Dribblings Richtung Tor zu starten.

screenshot-487

Isaks Bewegungen kommen bevorzugt im rechten Halbraum vor, von dem er aus am meisten Einfluss am Spiel nimmt. So zockt er hier oft auf Konter, hält sich hierbei in der Nähe von stattfinden Zweikämpfen auf und bietet sich dann als potentielle Anspielstation nach Ballgewinn an. Aus dieser Ausgangsposition lässt sich Isak auch immer wieder rückwärts auf den Flügel fallen, um dort Pässe in den Fuß zu empfangen. In der oft raumdeckend und zentrumsversperrend agierenden schwedischen Liga findet er immer wieder Räume vor, um von dort seine Dribblings zu starten. In diesen Situationen ist er oft isoliert, da seine Mitspieler ihn selten mit Läufen unterstützen. Sein Sturmpartner befindet sich dann oft bereits in der Nähe des Strafraums und bindet so einen oder beide Innenverteidiger. Diese Isolation kommt Isak dann sogar entgegen, er dribbelt meist direkt auf Gegenspieler zu und kann seine größere individuelle Qualität nutzen.

An der ruhigen Ballzirkulation ist Isak meist jedoch sehr unbeteiligt, er hält im 4-4-2/3-1-4-2 meist die Mitte und versucht sich erst in tororientierte Aktionen einzubinden oder die Abwehrlinie zu binden und Tiefe zu geben. Er lässt sich nicht ins Mittelfeld fallen, sodass er höchstens in Solnas eigener Hälfte erscheint, wenn seine Defensive tief verteidigt und sich nach Ballgewinn ein Raum auftut, in dem er sich anbieten und im besten Fall aufdrehen kann.

Der neue Ibrahimovic? Ne.. eher Diego Costa!

Wie wahrscheinlich jedes großgewachsene, technisch ausreichend gute Stürmertalent wird auch Alexander Isak mit Zlatan Ibrahimovic verglichen. Dies ist natürlich ein fairer Vergleich und aufgrund seiner Nationalität naheliegend, jedoch ähnelt er vielmehr einem anderen Premier League Stürmer: Diego Costa. So wie der Spanier ist Isak nicht nur physisch stark, sondern er verbindet diese Kraft auch immer wieder mit raumgreifenden Dribblings bei denen er es mit mehreren Gegenspielern aufnimmt.

Isaks bevorzugter Fuß ist eindeutig der rechte, dennoch hilft ihm sein linker Fuß bei diesen Dribblings ebenfalls enorm. In hohem Tempo unterstützt der linke Fuß ihm oft dabei einen flüssigen Rhythmus beizubehalten und den Ball stets unter Kontrolle zu haben. So schafft es der junge Schwede immer wieder im letzten Moment kurze Haken einzubauen, um dem Gegner doch noch zu entwischen. Zu seinem Repertoire gehören hier meist kleine, kurze Körpertäuschungen. Oft lässt die Fuß und Körperstellung nur erahnen, dass er einen Pass spielen möchte, nur damit er dann einen schnellen Haken in die andere Richtung macht und mit seinem guten Antritt am Gegner vorbeizieht.

Neben Körpertäuschungen verwendet er auch häufig Tempodrosselungen bei seinen Dribblings. Hierbei wird er nach hoch angezogenem Tempo am Ball kurz langsamer, um eine Reaktion beim Verteidiger hervorzurufen. Meist wird dieser ebenfalls langsamer, genau in diesem Moment startet Isak dann wieder und überspielt so seinen Gegner. Durch seine enge Ballführung kann er immer wieder auf neue Begebenheiten reagieren, weshalb er es auch so oft schafft sich gegen mehrere Gegenspieler gleichzeitig oder hintereinander durchzusetzen.

Durch das hohe Tempo seiner Dribblings schafft es der in Solna geborene Sohn eriträischer Eltern vor allem bei Kontern die Schnelligkeit jener Spielzüge beizubehalten. Diese Eigenschaft ist unheimlich wertvoll, da so seine Mannschaft auch in Unterzahl Konter fahren kann, da Isak mit hohem Tempo die Fähigkeit besitzt, Gegner zu binden oder zu überspielen. Dies hat auch zur Folge, dass der Gegner keine Zeit zum Formieren bekommt, da Isak nicht nur den Ball festmachen und auf seine Mitspieler warten muss, sondern auf eigene Faust den Angriff weiterführen kann. Das Rückwärtsverteidigen und verengen des Raumes zum eigenen Tores wird für die Verteidiger zunehmend schwierig, da sie den auf sie zudribbelnden Stürmer ja auch stellen müssen. Dies macht Isak vor allem im Konterspiel, eben ähnlich wie Diego Costa zu Atlético Zeiten, unheimlich effektiv.

screenshot-488

Abbildung 1: Isak nimmt es hier mit vier Gegenspielern auf und findet mit einem Dribbling den Weg zum Tor. Er wird schlussendlich per Foul gestoppt, ansonsten wäre er alleine auf den Torwart zugelaufen.

screenshot-489

 

Der junge Schwede ist nicht sonderlich kombinativ, meist sucht er den Weg nach vorne oder kann mit simplen, jedoch sauberen Ablagen den Ballvortrag weiterführen. Jedoch ist Isak eher selten der Zielspieler beim AIK Solna, meist sucht er den Weg in die Tiefe, um einen weitergeleiteten hohen Ball zu bekommen. In Kombinationen fügt er sich meist als Folgeaktion seiner eigenen Dribblings ein, hier sucht er meist simple Doppelpässe im und um den Strafraum herum um sich in Schussposition zu bringen.

Pragmatische, starke Abschlusstechnik

Isaks Tore sind meist das, was viele als „klassische Stürmertore“ bezeichnen würden, häufig sind es Tap- ins aus kurzer Distanz im Strafraum. Hierbei bewegt er sich oft klug mit vorangegangenen Auftaktbewegungen und sucht meist die erste Stange, um von dort den Ball sauber zu treffen und im Tor unterzubringen. Auch sein erster Kontakt im Strafraum ist stark, im eingebetteten Video sieht man eine Situation, wo sich Isak eine Flanke direkt mit dem Fuß vom Gegner weg mitnimmt, um dann gekonnt abzuschließen. Neben dem Dribbling ist der saubere, schnelle Abschluss definitiv eine der Stärken Isaks. Nicht nur durch passende Mitnahmen, sondern auch durch direkte Abschlüsse nach Hereingaben schafft es Isak den Ball immer wieder im Tor unterzubringen.

Aus dem Lauf beweist er ebenfalls gute Genauigkeit, sodass seine Dribblings immer wieder in Torschüssen enden können. Dennoch kann er sich vor allem in diesem Aspekt verbessern, da er zu oft zentral den Torwart trifft und es ihm hier etwas an Genauigkeit fehlt.

Seine Kopfballtechnik ist gut, hier profitiert er natürlich von seiner Größe. Seine Positionsfindung vor dem Absprung ist gut und sein Timing von jenem ebenfalls, sodass er den Ball am höchsten Punkt seines Sprunges sauber treffen kann und aufgrund seines Anlaufes eine gute Schärfe mitgeben kann.

Rolle in der Defensive

Isaks Arbeit gegen den Ball ist (noch) nicht besonders erwähnenswert. Er hält sich diszipliniert an die Vorgaben, stellt im 4-4-2/3-1-4-2des AIK Solna das Zentrum zu, versucht jedoch nicht seine Positionen anzupassen, um vielleicht sich gut bewegende Sechser in den Deckungsschatten zu nehmen. Hier scheint ihm entweder die Bereitschaft oder das Bewusstsein zu fehlen.

Durch seine Athletik ist Isak jedoch in defensiven Zweikämpfen durchaus wirksam, weshalb er im Rückwärtspressing immer wieder Bälle gewinnen kann. Aufgrund seiner Schnelligkeit kommt er dem Gegner sehr schnell nach, er schiebt dann meist geschickt seinen Körper zwischen Ball und Gegner und kann ohne Foul den Ball zurückgewinnen.

Fazit

Alexander Isak ist für sein junges Alter definitiv ein großes Talent. Seine große Stärke liegt im „open play“, in dynamischen Situationen wo er Fahrt mit dem Ball am Fuß aufnehmen kann. Bei ruhiger, kontinuierlicher Ballzirkulation sieht er jedoch oft minutenlang das Spielgerät nicht und beteiligt sich auch kaum mit Freilaufbewegungen an Raumöffnungen und -besetzungen. Dass Topklubs interessiert sind, ist zwar durchaus verständlich, aber dass Isak sich am besten noch weiter bei Solna in Ruhe entwickeln sollte scheint ebenfalls plausibel.

Bei einem Wechsel wäre zudem die strategische Ausrichtung der ihn aufnehmenden Mannschaft wichtig, ein Konterfokus würde ihm nach bisherigen Beobachtungen definitiv besser zu Gesicht stehen als geduldiges Ballbesitzspiel.

Über David Goigitzer

1v1 ist eine Lüge. Beistriche auch.
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

9 Kommentare

  1. Eine Frage. Du schreibst:

    „… wenn auch nicht mit regelmäßiger Erfolgsstabilität.“

    Was ist der Gegensatz dazu? Unregelmäßige Erfolgsstabilität? Regelmäßige Erfolgsinstabilität? 😉

    Bisschen weniger verschwurbelte Schreibe wäre schön.

    Inhaltlich trotzdem ein sehr interessanter Artikel, Dank dafür.

    Thomas T.

  2. das liest sich doch wunderbar. Sollte er zum BVB kommen, hätte er perfekt Zeit, um sich an die Rolle zu gewöhnen. So könnte man ihn in Ruhe hinter Aubameyang aufbauen.

    • Am Anfang des Artikels hatte ich meine Zweifel, ob/wie er zum BVB passen sollte (unter dem bisherigen Ballbesitzfußball), bis mir auffiel, dass er im Prinzip eine „stürmerhaftere“ Variante von Aubameyang ist. Und erst 17.

  3. AIK spielt 3-5-2, nicht 4-4-2.

  4. „.. vom Muskeltonus definitiv unter seine Kollegen zu stellen..“ damit meinst du die Muskelmasse, oder? Tonus bedeutet in etwa Spannung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.