Wales mit neuem 4-2-2-2 gegen Serbiens 5-4-1

In Gruppe D der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 kam am Samstag in Cardiff zum Aufeinandertreffen zwischen Wales und Serbien. Wales überraschte bei der Europameisterschaft mit dem Halbfinaleinzug und zeigte dabei wirklich sehenswerten Fußball, Serbien dagegen verpasste die EM, startete mit Siegen über Moldau und Österreich jedoch besser als Wales, das gegen Georgien nur 1:1 spielte, in die WM-Qualifikation.

Gegen Serbien wich Teamchef Chris Coleman von seiner üblichen Grundformation mit einer Dreierkette ab und stellte sein Team erstmals in einem 4-2-2-2 auf. Eine Dreier- bzw. Fünferkette gab es dafür von Serbien zu sehen. In Ballbesitz spielten die Serben in einer 3-4-3-Formation, ohne Ball formierten sie sich zu einem 5-4-1.

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Zu Beginn der Partie hatte Wales mehr Spielanteile und versuchte mit einer ruhigen Ballzirkulation das Spiel zu gestalten. Die Außenverteidiger blieben relativ tief und dienten den Innenverteidigern stets als relativ sichere Anspielstation, dabei standen sie zumeist auf einer Höhe mit den Sechsern Ledley und Allen, welche ebenfalls beide relativ tief standen.

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Wales‘ 4-2-2-2 gegen Serbiens 5-4-1 mit leicht versetzten Flügelstürmern. 

Serbien presste im 5-4-1 recht hoch, jedoch ohne dabei wirklich druckvoll zu agieren. Die zentralen Mittelfeldspieler bewachten Ramsey und Bale, konnten durch ihr Herausrücken auf die walisischen Sechser zwar häufig ein Aufdrehen verhindern, aber bekamen kaum Zugriff auf den Ball. Die Wingbacks schoben dabei auch desöfteren weit aus der Abwehrkette heraus, um den Gegenspieler eines herausrückenden zentralen Mittelfeldspielers abzusichern. Die äußeren Mittelfeldspieler blieben zumeist ein wenig vor ihren zentralen Teamkollegen und positionierten sich zwischen Wales‘ Sechser und Außenverteidiger, um dann schnell Richtung Ball zu verschieben, wobei sie besonders auf Pässe auf die gegnerischen Außenverteidiger spekulierten.

Durch die 2-2-Staffelung im Zentrum und die damit verbundene numerische Überlegenheit von Wales konnte Serbien mit seinem die Breite gut verteidigendem 5-4-1 nicht effektiv genug pressen, um Ballverluste des Gegners zu erzwingen. Andererseits tat sich Wales jedoch auch schwer, mit dem Ball in gefährlichere Zonen vorzudringen und Torchancen zu kreieren. Wales stand mit den vier Verteidigern und den Sechsern davor recht tief, wodurch es recht wenige Anspielstationen innerhalb der gegnerischen Defensivformation gab und es ein wenig an Penetration mangelte. Dies wurde teilweise durch kurzes Zurückfallen von Ramsey noch bestärkt, zudem beschränkte Ledley mit seinen Positionierungen ein wenig die Möglichkeiten der Innenverteidiger in der Spieleröffnung. Serbien presste dies hoch, aber auch nicht unvorsichtig, sondern war sehr darauf bedacht, den Gegner möglichst weit vom eigenen Tor fern zu halten und mit dem Vierermittelfeld Passoptionen zu blockieren.

Nur relativ vereinzelt, konnten Ramsey oder Bale gut zwischen den Linien angespielt werden, um von dort den Ball weiter vorzutragen. Interessant waren die unterschiedlichen Bewegungsmuster der beiden Zehner. Gareth Bale bewegt sich aus seiner Position aus dem Halbraum viel auf den Flügel, wo er einige einfache, lineare Pässe von Chris Gunter erhielt. Dabei waren seine Bewegungen zwar der Outlinie zugerichtet, jedoch konnte er die Bälle zumeist gut festmachen und wieder ins Zentrum bringen. Ramsey dagegen war weniger flügellastig in seinen Bewegungen, zeigte sich aber generell sehr umtriebig und weiträumig agierend. Er wechselte in seinen Positionierungen zumeist zwischen linken Halbraum und Zentrum im Zwischenlinienraum, ließ sich aber auch mit der Zeit öfters nach hinten fallen. Ramsey agierte generell sehr dominant, holte sich Bälle manchmal schon sehr früh im Sechserraum, was Allen durch aufrückende Bewegungen teilweise balancierte.

Die beiden Stürmer, Sam Vokes und Hal Robson-Kanu, waren in das Ballbesitzspiel nur sehr wenig involviert. Sie blieben stets entlang der serbischen Verteidigungslinie positioniert, wobei sie von zwei der drei serbischen Innenverteidiger manngedeckt wurden. Vokes und Robson-Kanu konnten gegen die enge Deckung der starken Innenverteidiger wenig ausrichten, in der Anfangsphase brachten sie noch einige Ablagen gut an, mit Fortlauf des Spiels konnten sie aber immer weniger Bälle sichern und machten ein eher schwaches Spiel. Ein paar Mal zeigten sie eine interessante Offensivvariante mit ausweichenden Bewegungen Richtung Flügel und Bale oder Ramsey, der darauf etwas hängend das Angriffszentrum besetzte, allerdings wurde dies leider nur selten genutzt.

In der ersten Halbzeit kam Wales zu kaum Möglichkeiten, Serbien hatte bis auf ein paar gute Umschaltaktionen ebenfalls nicht viel zu bieten. Nach einer halben Stunden konnte Wales aber durch ein Tor von Bale in Führung gehen, was zu diesem Zeitpunkt auch nicht so unverdient war. Serbien presste hoch und erzwang einen langen Ball von Gunter, der diesen in den Raum hinter Serbies vorschiebenden Wingback spielte. Nastasic holte sich den freien Ball in der Nähe der Eckfahne, verlor ihn dort aber leichtfertig an den ihn pressenden Robson-Kanu, der auf Bale im Rückraum auflegen konnte.

Serbiens Angriffsbemühungen wurden daraufhin etwas mehr, waren aber weiterhin nicht wirklich gefährlich. In Ballbesitz wurde aus dem 5-4-1 ein 3-4-3 oder 3-4-2-1. In der Abwehr wurde eine Dreierkette gebildet, davor positionierten sich zwei zentrale Mittelfeldspieler und zwei Wingbacks, die stets die Breite hielten. Tadic war nominell der rechte Flügelstürmer, legte seine Rolle aber eher wie ein Zehner aus. Kostic dagegen blieb in der ersten Halbzeit zumeist sehr breit am linken Flügel postiert, rückte nur vereinzelt in den Halbraum, bewegte sich dabei aber nicht wie Tadic im Zwischenlinienraum, sondern eher entlang der walisischen Abwehr.

In der zweiten Halbzeit passte Serbien die Offensivausrichtung ein wenig an und stellte auf einen nun sehr eng agierenden Dreiersturm um. Dadurch sollte im Verbund mit hochstehenden Wingbacks die gegnerische Verteidigungslinie überladen werden, so wie es bereits gegen Österreich erfolgreich getan wurde.

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Wales verteidigte dies über die gesamte Spielzeit mit einem 4-2-2-2-Pressing. Die zwei Stürmer pressten gegen die serbische Dreierkette, Bale und Ramsey orientierten sich sehr stark an Matic und Milivojevic, dahinter blieben Allen und Ledley vor der Abwehr und achteten besonders auf Tadic und Kostic. Die serbischen Sechser konnten so recht gut aus dem Spiel genommen werden, allerdings konnte Serbien zumeist auf die freien Flügelverteidiger verlagern, welche mit dem Ball weiter aufrücken konnten. Ramsey und Bale entschieden sich nämlich kaum dazu, einen ballführenden Wingbacks zu pressen, sondern behielten ihre Positionierung im Halbraum, um weiterhin die serbischen Sechser zu bewachen. Dafür rückten Allen oder Ledley schließlich auf dem Flügel, um den Flügelverteidiger zu stellen, woraufhin der ballnahe Außenverteidiger auf den Flügelstürmer nachrückte.

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Wales‘ Viererabwehr wird durch die defensiven Mittelfeldspieler unterstützt. 

In einigen Situationen war aber auch ein weiteres mannorientiertes Verfolgen der walisischen Sechser zu beobachten. Dadurch sollten die Verteidiger unterstützt werden, welche zu viert von drei Stürmer und beiden Flügelverteidigern beschäftigt wurden. Die letzte Linie war dadurch besser abgesichert, das Zentrum vor der Abwehr wurde jedoch auch geöffnet. Dies war nicht weiter tragisch, da Serbien diese Räume ohnehin kaum nutzte beziehungsweise kaum nutzen konnte, es vereinfachte aber Zuspiele auf Mitrovic, der diese auch unter hohem Druck gut festmachen konnte.

In der zweiten Halbzeit passten die Serben neben der Offensivausrichtung auch noch das Pressing an. Aus dem 5-4-1 wurde nun ein 5-2-2-1. Die Flügelstürmer Tadic und Kostic (beziehungsweise der später für ihn eingewechselte Katai) positionierten sich nun direkt hinter den walisischen Sechsern, wodurch nun das gesamte Mittelfeld der Heimmannschaft manngedeckt wurde. Zuspiele auf die Außenverteidiger wurden entweder weiterhin durch Serbiens Flügelstürmer – und dazugehörenden nachschieben von Sechser und Flügelverteidiger – gepresst oder durch aggressives herausrücken der Flügelverteidiger. Zudem wurde der Druck im Pressing generell erhöht und Wales fand schwieriger in seinen Rhythmus.

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Serbiens 3-2-5. Kaum Anbindung für die ballführenden Flügelverteidiger. Ledley füllt die Lücke zwischen Innen- und Außenverteidiger. 

Um dem 1:0-Rückstand noch aufzuholen, spielte Serbien in der zweiten Halbzeiten mit einer Art 3-2-5-Formation, in der Wingbacks konsequent in der vordersten Linie standen. Dazwischen befand sich der enge Dreiersturm, in dem sich der stark aufspielende Tadic aber weiterhin etwas zurückfallender und umtriebiger als seine Kollegen präsentierte. Die Angriffe der Serben waren sehr auf die Flügel fokussiert, wobei die Wingbacks aber zumeist recht isoliert agierten und kaum Unterstützung bekamen. Anbindung war nur ein wenig an die Flügelstürmer vorhanden, mit denen simple Durchbrüche zur Grundlinie gesucht wurden.

Serbien brachte es so zu mehreren Hereingaben in den Strafraum, welche nicht weiter gefährlich wurden. Dennoch brachte in der 85. Minute, nur kurz nach einem Stangenschuss von Bale, eine dieser Flanken den Ausgleich. Nach einem Einwurf fand eine Flanke Mitrovic, der sich im Kopfballduell gegen Chester durchsetzte und den Treffer zum 1:1 Endstand erzielte.

Fazit

Serbiens 5-4-1 Defensive war nicht einfach zu bespielen und funktionierte vor allem in der zweiten Halbzeit, da eher als 5-2-2-1, gut, in der Offensive dagegen waren die Abläufe nicht besonders. Wales hatte sehr interessante Ansätze im 4-2-2-2, muss an dieser neuen Offensivausrichtung jedoch weiter arbeiten und die Abläufe verfeinern. Defensiv war die Mannschaft gut auf ihren Gegner vorbereitet und Chris Coleman fand eine passende Ausrichtung gegen Serbiens Offensive. Wales war in der ersten Halbzeit die spielbestimmende Mannschaft, dabei nur selten gefährlich, aber doch verdient 1:0 in Führung. Serbien passte seine Ausrichtung in der zweiten Halbzeit gut an und verdiente sich dadurch den Ausgleich. Torchancen waren auf beiden Seiten Mangelware, das Unentschieden geht daher wohl in Ordnung und obwohl das Spiel nur wenige Torraumszenen zu bieten hatte, so war es dennoch sehr interessant und unterhaltsam.

Über Alex Belinger

War als Kind zu oft in Italien auf Urlaub und mag jetzt italienischen Fußball.
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