Bochumer Jungen gewinnen den U19-Westfalenpokal

Im Finale des Westfalenpokals stand die U19 des VfL Bochum vor einer besonderen Herausforderung. Der Erzrivale Schalke 04 erwartete das Team von Thomas Reis zum Derby. Letztendlich gewannen die Jungs von der Castroper Straße das Spiel in der Verlängerung mit 0:2 und konnten ihre gute Saison mit einem Titel beenden.

Bochumer Dominanz in der 1. Halbzeit

Zu Beginn der Partie wurden die Schalker Hausherren von der Bochumer Aggressivität überrascht. Vom Anstoß weg übernahmen die Jungs mit einem 4-3-3 Angriffspressing die Initiative und zwangen die Schalker dazu, den Ball früh wegzuschlagen. Nachdem sie die Kontrolle über den Ball erlangt hatten, konnten die Bochumer in Ruhe das Spiel aufbauen. Dazu bildeten sie aus ihrer 4-2-1-3 Grundformation eine Dreierkette, bestehend aus den beiden Innenverteidigern und dem Linksverteidiger, während der Rechtsverteidiger in die nächste Linie vorschob. Es entstand ein nach rechts asymmetrisches 3-3-4 / 3-3-1-3. Hierbei übernahm Kapitän Tobias Pellio die Hauptarbeit im Aufbau, der dabei eine ungemeine Ruhe ausstrahlte. Unterstützt wurde er von Gökhan Gül und Frederik Lach, während sein Nebenmann Tim Krafft größtenteils als Balancegeber im Schatten der Anderen fungierte.
Die Schalker postierten sich defensiv von Beginn an in einer tiefen 5-4-1 Formation und agierten dabei extrem passiv. Ohne gegnerischen Druck im Aufbau war es den Bochumern ein Leichtes, Lücken in den Schalker Reihen zu finden und zu bespielen. Immer wieder gelang es ihnen nach tiefer Ballzirkulation zwischen Abwehr und Mittelfeld, einen langen Vertikalpass durch das Zentrum in den Zwischenlinienraum auf Saglam zu spielen. Die Nummer 10 des VfL machte sich diesen Bereich zu Eigen; die Schalker bekamen keinen Zugriff auf das Bochumer Toptalent. Von dort aus verteilte er die Bälle nach Außen oder versuchte Pässe durch die Schnittstellen der Abwehr. Wenn der Ball von Saglam auf die Außen gepasst wurde, oder gar zurückgespielt werden musste, weil sich keine Optionen boten, wurde sich in einem 4-2-3-1 aufgestellt und durch Seitenwechsel über die zentralen Mittelfeldspieler auf einen Durchbruch auf den Flügeln fokussiert. Im letzten Drittel fehlte es den Bochumern jedoch an Genauigkeit in ihren Aktionen, es mangelte an Übersicht und Technik (Kader, Zengin), oder an Glück im Abschluss (Saglam).
Die Schalker versuchten im Umschaltmoment durch lange Bälle und Konter zum Erfolg zu kommen. Die langen Vertikalpässe waren allerdings oft zu ungenau und wenn sie einmal den Mitspieler erreichten, hatte dieser durch die tiefe Positionierung und das langsame Nachrücken seiner Kollegen keine Anspielstationen zur Verfügung. Das schlechte Timing und die fehlende Abstimmung im Nachrücken führte wiederum zu einem großen Freiraum zwischen den Schalker Linien für Bochumer Gegenangriffe.
Zum Ende der ersten Halbzeit gab es erste Anpassungen auf Schalker Seite. Sie pressten nun aus einem 4-4-2 heraus schon im Mittelfeld, situativ ergab sich sogar ein Angriffspressing. So kamen auch sie noch einmal zu Ballbesitzphasen, was aber nicht mehr als einen kurzen Ausblick auf das Vorgehen in der 2. Halbzeit einbrachte.

U19 Westfalenpokal Finale

Ein hitziger Start und ein maues Ende

So war es diesmal die Schalker Truppe, die aggressiv agierte und damit besseren Zugriff auf das Spiel fand. Sie kamen nun zu längeren Ballbesitzphasen und auch zu gefährlichen Möglichkeiten, da sie nun den Raum auf der linken Seite hinter dem invers spielenden Pavlidis und dem tiefbleibenden Linksverteidiger Maxim Leitsch erkannt hatten und bespielten, nachdem dieser in der vorigen Hälfte komplett unbeachtet blieb. Einige Male konnte Phil Neumann, der Rechtsverteidiger der Schalker, lange Wege gehen und eine Überzahl schaffen und offenbarte damit das Schnelligkeitsdefizit des mannorientiert zugeteilten Pavlidis.
Der VfL blieb defensiv seinem mannorientierten 4-1-4-1 treu. So hatten sie auch schon auf die Ballbesitzphasen der Schalker am Ende der 1. Halbzeit reagiert. Sie postierten sich jetzt jedoch tiefer, um den Raum zu verengen und hatten damit Erfolg. Die Hereinnahme vom eigentlichen Rechtsverteidiger Pytlik für Zengin sorgte ebenfalls für mehr defensive Stabilität. Schalkes Intensität nahm folglich ab und das Spiel beruhigte sich.
Der Wechsel war zudem mit einer Umstellung verbunden, der Rechtsverteidiger der Bochumer, Maurice Reiß, rückte noch weiter auf als er es zuvor schon tat. Rechtsaußen Pytlik postierte sich dafür zentraler neben Saglam (3-2-4-1). Dies brachte zwar kurzfristig Schwung, konnte die abflachende Partie jedoch nicht nachhaltig beeinflussen. Die restliche 2. Hälfte war ein recht ausgeglichenes Spiel, in dem beide Mannschaften nicht mehr zu wirklich gefährlichen Torchancen kamen. Die Schalker hatten defensiv das Zentrum weiter im Griff und verbannten die Bochumer auf die ungefährlichen Außenbahnen.

Die Entscheidung in der Verlängerung

Nach torlosen 90 Minuten ging es in die Verlängerung. Der Kräfteverschleiß, der den Teams schon am Ende der 2. Hälfte anzumerken war, sorgte auch in der Verlängerung dafür, dass der Partie der Zug der ersten 60-70 Minuten fehlte. Die Bochumer dominierten eine ruhige Verlängerung über den Ballbesitz und kamen noch ein paar Mal zu gefährlichen Abschlüssen.
Nachdem Kader das Feld verlassen hatte, rückte Pavlidis auf dessen Position und sorgte für den Führungstreffer. Der VfL kam über die aktivere rechte Seite. Von dort spielte der aufgerückte Außenverteidiger einen Pass aus dem Halbfeld auf Pavlidis in den Halbraum am Rand des Sechszehners. Dieser setzte sich gegen seinen Gegenspieler durch und vollendete flach ins lange Eck.
Die Schalker hatten keine Antwort mehr parat und so waren es letztendlich die Bochumer, die mit dem Schlusspfiff den Deckel drauf machten. Das 2:0 fiel nach einem Konter über rechts mit abschließender Flanke und einer sehenswerten Folge aus Annahme und Abschluss vom zuvor eingewechselten Arifi.

Bochumer Jungen im Blickfeld

Gökhan Gül war der Fels in der Brandung. Zuständig für alle hohen Bälle, wehrte er diese mit seiner enormen Sprungkraft und Kopfballstärke ab. Als es in Halbzeit 2 brenzliger wurde, war er es auch, der die Schalker Angriffe zumeist zum Ersticken brachte. In der Offensive bestach er durch gute Ballkontrolle und starkes Anlaufen.

Görkem Saglam trat sehr selbstbewusst auf. Er weiß, dass er technisch überragend ist und verlieh den Bochumern Sicherheit in ihren Angriffen der 1. Hälfte. Darüber hinaus kamen seine Pressingresistenz und sein gutes Auge für freie Räume zum Vorschein. Die Kombination dieser Attribute macht ihn zu einem gefährlichen Spielmacher im Zwischenlinienraum. Zu schade, dass auch er sich von den später aggressiver verteidigenden Schalkern auf die Außen hat drängen lassen.

Vangelis Pavlidis spielte auf der Position des Linksaußen, orientierte sich jedoch stets Richtung Zentrum. Er zog oft schon recht früh nach innen, sodass seine Laufwege diagonal Richtung Tor erfolgten. Sein niedriger Körperschwerpunkt, seine Physis und seine gute Technik machen ihn zu einem durchschlagskräftigen Spieler auf engem Raum und im Duell Eins gegen Eins. Allerdings zeigte er sich in der Partie extrem langsam für einen Außenspieler. Seine Fähigkeiten und seine Orientierung zum Zentrum hin machen ihn wohl eher zu einem Nadelspieler im letzten Angriffsdrittel.

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