Schwaches Pokalfinale bei der U19

Im diesjährigen Pokalfinale der A-Junioren trafen zwei Mannschaften aufeinander, die momentan nicht zu den absoluten Topadressen des deutschen Jugendfußballs zählen. Beide schalteten diese aber auf ihrem Weg ins Finale aus. So bezwang Hannover im Halbfinale die in den letzten Jahren sehr erfolgreiche Dortmunder Mannschaft um Christain Pulisic und Felix Passlack. Den Berlinern gelang im Halbfinale ein Sieg gegen die Mannschaft von Werder Bremen, die immerhin auch in der Vorschlussrunde um die deutsche Meisterschaft stand.

Pokalfinale

Die Aufstellungen: 442 vs 442

Frühes Tor und Zweite Bälle

Das Spiel begann relativ hektisch. Beide Teams konnten gegen das zu Beginn recht hohe und aggressive 442-Pressing mit einigen Mannorientierungen, besonders auf die gegnerischen 6er, kaum konstruktiv aufzubauen. So gab es viele lange Schläge und dementsprechenden Kampf um die zweiten Bälle. Keinem der beiden Teams gelang es wirklich längeren Ballbesitz außerhalb des eigenen ersten Drittels zu bekommen. Bereits in der vierten Minute war Hertha durch einen Eckball in Führung gegangen.

Hannover mit besserer Aufbaustruktur

Nach der Anfangsphase kam Hannover über eine verbesserte Aufbaustruktur ins Spiel und bekam neben mehr Ballbesitz auch mehr Kontrolle aufs Spiel. Die Innenverteidiger fächerten nun weit auf und bauten zusammen mit dem zusätzlich häufiger abkippenden 6er Zentler das Spiel auf. In tieferen Zonen bezogen die 96er auch den Torhüter nun konsequenter in die Zirkulation ein. Da das Pressing der Herthaner nicht sonderlich intensiv und kompakt war – besonders die beiden Spitzen verschoben langsam – konnten sie in dem nun tieferen Pressing kaum Zugriff auf die Hannoveraner Aufbaulinie erzeugen. Dadurch konnte Hannover relativ entspannt über die aufgefächerten Innenverteidiger durch die Halbräume aufbauen. Um das Spiel aber noch weiter nach vorne zu tragen fehlten den Roten aber auch wieder oft die klaren Strukturen und Verbindungen, weshalb vieles bei Ansätzen blieb und strukturierte Angriffe Mangelware waren.

Hannover gelang es dann mit den gefühlt ersten beiden Schüssen das Spiel zu drehen. Ebenfalls durch eine Ecke gelang der Ausgleich, durch einen Elfmeter in Anschluss an einen langen Ball erfolgte die Führung.

Die Berliner zeigten sich in der Folge wieder etwas aktiver, wobei sie aber eigentlich kaum Gefahr entfachen konnten oder einen klaren Plan fürs Offensivspiel zeigten. Ein großer Fokus auf die letzte Linie ließ häufiger 424-hafte Staffelungen entstehen, die verbindungsarm waren und nicht unbedingt zu einem konstruktiven Aufbauspiel beitrugen.

Durch einen Distanzschuss in Kombination mit einem Torwartfehler gelang ihnen dann doch der recht schnelle Ausgleich.

Die zweite Halbzeit

Die zweite Halbzeit zeigte zu Beginn keine Veränderungen zur Ersten. Dem Spiel fehlte weiterhin vieles: Es war geprägt von dem Kampf um zweite Bälle, insbesondere nach Einwürfen, die auf die vielen recht linearen Flügelaktionen folgten. Im Anschluss an einen dieser Einwürfe erhielt die Hertha einen Elfmeter, den sie aber vergaben. Das war es dann in etwa auch schon von der Hertha, bei der sich auch durch die Wechsel nichts an der spielerischen Armut änderte.

Hannover gelang es mit zunehmender Spieldauer gefährlicher zu werden, aber auch ohne wirklich zu überzeugen. Das Tor zum 3:2 gelang dann nach einem Fehler bei einem langen Ball in der Berliner Innenverteidigung. In der Nachspielzeit konnte Hertha-Keeper Schaffran einen Freistoß nicht festhalten und Hannover verwertete den Abpraller.

Fazit

Beide Mannschaften konnten nicht wirklich überzeugen. Besonders die Herthaner ließen einen Plan in der Offensive vermissen. Die Mannschaft von Trainer Andreas Thom schien sich hierbei auf die Faktoren Zufall und Individualität verlassen zu wollen. So gab es kaum gute Aufbauszenen, Kombinationen und Spiel im Zentrum. Wenn mal was nach vorne ging, dann eher zufällig über zweite Bälle und über die Flügel.

Daniel Stendels Team konnte zumindest Ansätze von vernünftigen Fußball zeigen. Das Pressing war recht stabil, wobei natürlich beachtet werden muss, dass Hertha dies kaum forderte. Auch offensiv zeigte man eine bessere Leistung als die Berliner.

Die individuelle Leistung der Spieler zu bewerten fällt in einem solchen Spiel auch immer schwer, da die Strukturen nicht unbedingt dazu einladen zu glänzen. Positiv hervorzuheben ist eventuell der rechte Mittelfeldspieler Hannovers, Patrice Epalle Otto, der sich als recht umtriebiger Dribbler präsentiere.

Insgesamt kann dieses Finale als schwaches Spiel gewertet werden, bei dem die etwas bessere Mannschaft mit Hannover verdient gewann. Kreative und spielerisch gute Aktionen kamen eigentlich nicht vor in dieser Partie. Im Fokus standen eher Physis und Umschaltaktionen.
Herzlich Willkommen im Bilderbuch Jugendfußball.

Über Nils Poker

Konstruktiv, Kreativ, Kombinativ #Spielgeist
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