San Lorenzo weiterhin im Titelrennen

Buenos Aires gegen Santa Fé. In diesem Fall San Lorenzo gegen CA Colón: Der Zweite gegen den Zehnten in Zona 1 der Primera División Argentina. San Lorenzo wollte sich weiter im Rennen um die Meisterschaft halten, wo man sich zurzeit mit Godoy Cruz die Tabellenführung teilen muss. Jeder Punkt zählt also.

aufstellung

 

Prinzipielle Ausrichtungen

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Abbildung 1: San Lorenzo (rot- blau) im 2-2-4-2

San Lorenzo formierte sich nominell in einem 4-1-3-2, wobei man im Aufbau mit beiden Außenverteidigern extrem hochschob und so die mannorientierten Flügel der Gastgeber auf die Höhe der eigenen Viererkette zog. So schaffte man viel Platz in den Halbräumen zum Aufrücken der Innenverteidiger. Zehner Ortigoza ließ sich neben Sechser Mercier fallen und man bildete eine 2-2-4-2 artige Staffelung, die im Zentrum eine 4v3 Überzahl schuf. Die Positionen wurden flexibel bekleidet und laufend getauscht, sodass man viel Unruhe in die mannorientierte Defensive Colóns brachte. Auch im Mittelfeld wurden bisweilen die Gegner recht weit verfolgt, sodass San Lorenzo durch diagonales und vertikales Abkippen der beiden oben genannten Spielgestalter immer wieder recht einfach freie Räume generieren konnte, die man mit Pässen über den dritten Mann zu bespielen wusste.

Im Mittelfeldpressing San Lorenzos bildeten sich meist 4-4-2 Staffelungen, wobei man im Mittelfeld, sowie auf den Außen, sehr mannorientiert agierte. Oft verfolgten die Außenverteidiger die in den Halbraum zurückfallenden Flügelstürmer Santa Fés, während die Mittefeldspieler der Gäste ihre nach vorne schiebenden Gegenspieler ebenfalls verfolgten. Wenn man jedoch die Chance hatte nach einem Abpraller des direkten Gegenspielers den Ball weiter zu verfolgen und den ursprünglich gedeckten in den Deckungsschatten zu stellen, dann tat man dies vor allem im Mittelfeld auch, damit man die Aufbauspieler der Heimmannschaft zu direkten, weiten Bällen zwang. In höheren Zonen und vor allem beim Abstoß spielte man Mann gegen Mann, Zehner Ortigoza schob mit nach vorne und bildete so einen Dreiersturm gegen die aufbauende Dreierkette Colóns, und generierte dadurch einige Ballgewinne – bei einem kam man sogar gleich in den Strafraum zum Abschluss, Blandi vergab jedoch alleine vor dem Tormann.

 

Die Gastgeber agierten nominell im 4-3-3, im Pressing in tieferen Zonen zeigte sich dies jedoch aufgrund der angesprochenen Mannorientierungen am Flügel mehr wie ein 6-3-1. Ansonsten versuchte man jedoch den Aufbau der Gäste früh zu stören: Beide Flügelstürmer versuchten Druck auf die Innenverteidiger mit nach innen gerichteten Bogenläufen auszuüben, während Mittelstürmer Leguizamon sich meist am zentralen Ortigoza orientierte.

Selbst versuchte man zwar den Aufbau flach zu gestalten, durch das hohe Mann gegen Mann-Pressing von San Lorenzo war dies jedoch schwierig zu bewerkstelligen, weshalb man oft hohe Bälle nach vor schlagen musste. Kam man dennoch einmal geordnet nach vorne, so wurden Verlagerungen auf die sehr breit agierenden Flügelstürmer fokussiert, die mit ihren Fähigkeiten im Dribbling Torsituationen provozieren sollten.

San Lorenzo mit Blitzstart

Früh, und zwar bereits in der zweiten Minute, erzielten die Gäste aus San Lorenzo die 1:0 Führung, nach einer Flanke von rechts vom rechten Außenverteidiger Buffarini, die von Caruso wörtlich übersetzt „gekämmt“, also mit dem Kopf abgefälscht wurde und Blandi heranrauschend ebenfalls mit dem Kopf seine Mannschaft in eine gute Position brachte. Die Gastgeber versuchten nun San Lorenzo früher unter Druck zu setzen und die geringe Anzahl an „wirklichen“ Aufbauspielern der Gäste auszunutzen, mit den eigenen Stürmern agierte man so im 3v4. Die ciclónes wussten sich jedoch meist aus diesem Pressing zu befreien und taten dies auch stets mit kurzen Flachpasskombinationen, meist mit lockenden Elementen, wo die beiden Innenverteidiger mit Ortigoza auf engerem Raum kombinierten, während entweder Mercier diagonal rechts abkippte oder man einen Vertikalpass auf einen der zurückgefallenen Achter spielen konnte.

Zwar erspielten sich die azulgrana eine gewisse Dominanz im Ballbesitz, schnelle Gegenstöße über die Seiten von Santa Fé machten den Gästen jedoch zu schaffen. Leguizamo, bei Torsituationen mit zwei guten Schüssen und Torschussauflagen auffälligster Mann auf dem Platz, ausweichend aus dem Zentrum und Sperduti über rechts mit seinem guten Antritt konnten öfters hoch nach vorn geschlagene Bälle erkämpfen und mit Dribblngs in den Strafraum für torgefährliche Situationen sorgen.

Diese Angriffe waren jedoch meist sehr unstrukturiert und waren auf die individuelle Qualität der Stürmer gebaut. Im Mittelfeld zeigten sich Sechser Ledesma und Achter Poblete am auffälligsten. Erstgenannter ist der Stratege Colóns, der mit guten Verlagerungen herausstach, und Achter Poblete wusste sich immer wieder gut aus engen Situationen mit Dribblings zu befreien und agierte auch konstant spielmachend. Mit fortlaufender Spielzeit konnten auch die Gastgeber längere Ballstafetten führen, jedoch fehlten produktive Anschlussaktionen, sodass meist Flanken oder Distanzschüsse als Mittel für Torchancen versucht wurden. Gegen Ende der Halbzeit war nun hauptsächlich Colón die aktivere Mannschaft, vor allem über rechts konnte man mit dem unermüdlichen Clemente und Leguizamo, der dabei half diese Seite stets zu überladen, einige Durchbrüche erzielen. Die anschließenden Flanken wirkten zumindest gefährlich, jedoch fehlte die konstante Strafraumbesetzung. So musste man weiterhin auf ein Tor warten und mit einem 0:1 in die Halbzeit.

Dominantes Colón mit hektischer Endphase

Colón fügte nach Wiederanpfiff dort an, wo man aufgehört hatte: mit geduldiger Ballzirkulation, mit Zentrumsfokus in den ersten beiden Dritteln. Durch viel Bewegung konnte man die Mannorientierungen San Lorenzos nutzen um einiges an Raum zu schaffen, weshalb man sich in einigen Situationen recht einfach durchkombinieren konnte, die letzten entscheidenden Durchbrüche fehlten jedoch.

Abbildung 2: Extrem viel Raum in der Mitte, San Lorenzo zeigt hier eine sehr schwache Defensivstaffelung.

Abbildung 2: Extrem viel Raum in der Mitte, San Lorenzo zeigt hier eine sehr schwache Defensivstaffelung.

Die Gäste, für die es um den Anschluss an den Tabellenersten Godoy Cruz ging, hatten einige Probleme mit dem aggressiven Pressing der Mannschaft aus Santa Fé. Man verpasste zu oft den Zeitpunkt des Abspiels und selbst wenn man nicht immer vom Ball getrennt werden konnte, gab es doch meist zumindest spielflusszerstörende Fouls der Heimischen. Das Spiel wurde von beiden Seiten mit einer hohen Intensität geführt, welche jedoch stets zu einigen Fehlern führte. Das sehr improvisierte Offensivspiel ohne Struktur im letzten Drittel trug ebenfalls dazu bei.

Auffällig war das Gegenpressing nach Ballverlust, welches höchstens individuell stattfand und meist nur von dem Spieler, der den Ball verloren hatte. Dies ist prinzipiell in Ordnung, zum Problem wird es nur, wenn Spieler die einen Vertikalpass gespielt haben und dann weiträumig ihre Position verlassen um gegenzupressen. Dies wurde kaum abgesichert, sodass man die entstehenden Löcher stets bespielen konnte. Zudem nutzten die pressenden Spieler selten ihre Deckungsschatten richtig. Dieses Problem war bei beiden Mannschaften zu sehen und trug zum „Hin- und Her“ Charakter des Spiels maßgeblich bei.

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Abbildung 3: Poblete mit dem Vertikalpass, der jedoch von Angeleri abgefangen wird.

 

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Abbildung 4: Angeleri rückt mit dem Ball auf, Poblete will das Zentrum verlassen, um sich den Ball zurück zu holen. Angeleri trennt sich im richtigen Moment vom Ball und spielt den aufrückenden Poblete mit einen einfach Pass zu Belluschi aus.

Trotz dieses Chaos konnte man primär Colón als dominantere Mannschaft bezeichnen, mit 59% hatte man auch mehr Ballbesitz und konnte mit 12 zwei Schüsse mehr als die Gäste aus Buenos Aires verbuchen. Viele dieser Abschlüsse waren jedoch aus schwierigen Positionen und nach Flanken, weshalb man diese Statistik mit Vorsicht genießen sollte. In der Endphase wurde Colón natürlich hektischer, San Lorenzo begann noch dazu bereits in Minute 75 mit dem Zeitschinden was zu einigen Streitigkeiten, jedoch auch ungeduldigen und unsauberen Aktionen im Ballbesitz sowie in der Defensive führte. Dies nutzten die azulgrana eiskalt aus. Nach einem ungezwungenen Ballverlust am Flügel, der aufgrund schwacher Strukturen nicht abgesichert war, gewann Rechtsverteidiger Blanco den Ball, spielte ihn nach 50 Meter Sprint flach in den Strafraum und der gerade eingewechselte Cauteruccio, der als Zielspieler gekommen war, traf mit seinem ersten Ballkontakt in der 88. Minute zum entscheidenden 2:0.

Fazit

Colón bekam die Partie nach kleinen Anfangsschwierigkeiten in den Griff, wenngleich man aufgrund der fehlenden Absicherungen im Ballbesitz immer wieder anfällig für Konter war. Die Gäste aus Buenos Aires vermochten, nach dominanten Beginn mit riskanten Aufbaustaffelungen, die Angriffe Santa Fés vom Zentrum weitestgehend fern zu halten und mit den vielen Flanken der Gastgeber kam man prinzipiell gut zurecht. Buenos Aires fokussierte sich vor allem in der zweiten Halbzeit dann aufs intensive Verteidigen und richtete sich recht tief aus, um dann mit schnellen Konter z Kontern über die Seiten vielleicht noch das zweite Tor erzielen zu können, was so auch gelang.

Über David Goigitzer

1v1 ist eine Lüge. Beistriche auch.
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