Schalkes Vorbereitung unter Breitenreiter

Nachdem Schalke die Saison auf dem 6.Platz beendete, war für viele relativ schnell klar, dass Roberto Di Matteo in der kommenden Spielzeit nicht mehr an der Seitenlinie stehen würde. Trotz erneuter Gespräche und dem Wunsch von Di Matteo weiterzumachen, entscheid sich Horst Heldt zur neuen Saison für den jungen Breitenreiter als Nachfolger und neuen Hoffnungsträger. Dieser zeigte mit Paderborn einige schöne Ansätze, wobei er aus taktischer Sicht doch eher simpler gestrickt ist.

Breitenreiters Spielweise mit Paderborn

Mit dem letztjährigen Aufsteiger zeigte er in der Bundesliga relativ gute Leistungen. Meistens spielte seine Mannschaft im 4-4-2, wobei sie formativ sehr variabel war und eine gute Kaderbreite aufweisen konnte. In ihrem Spiel kamen die Paderborner vermehrt über eine defensive Ausrichtung und ein stabiles Pressing. Im Pressing agierten sie sehr mannorientiert und hatten einen hohen Intensitätsfokus. Teilweise gab es viel offenen Raum den sie zwar nicht wirklich zuschoben aber sich relativ passiv um diesen postierten, um so in der Folgeaktion wieder konstanter Zugriff zu erzeugen. Trotz ihrer eher defensiven Ausrichtung waren sie keine typische Bundesliga-Kontermannschaft, sondern zeigten auch im Ballbesitz und mit einigen netten gruppentaktischen Abläufen gute Ansätze. Sowohl die Passquote als auch der Ballbesitzanteil sind im Vergleich zu anderen Teams und unter Beachtung des Tabellenplatzes nicht so schlecht, wie man es möglicherweise erwarten könnte. In manchen Spielen fächerten die Innenverteidiger konsequent auf und einer der Sechser ließ sich fallen. Dadurch entstand ein sehr weiträumiges Aufbauspiel mit guter Raumnutzung und schönen Aufrückbewegungen. Zwar waren sie durch die geringere Zentrumsnutzung und generell die schwächere Einbindung des höheren Sechsers nicht so effektiv, kamen aber solide über die Flügel ins letzte Drittel, wo sie dann probierten über gute Einbindung der Bewegungsmuster und mehreren gruppentaktischen Abläufen durchzubrechen. Generell lässt sich festhalten, dass Breitenreiter zwar strategisch sehr klar und taktisch sehr simpel war, aber trotz der im Ligavergleich geringen individuellen Qualität gerade in der ersten Saisonhälfte gute Resultate zeigte.

Schalkes Kadersituation

Abgänge

Viele alte Spieler die schon in der abgelaufenen Saison nur bedingt eine Rolle spielten, verließen den Verein. Fuchs, Obasi und Barnetta wurden ablösefrei abgegeben. Papadopoulos wurde endgültig verkauft und der junge Wellenreuther für ein Jahr zu RCD Mallorca verliehen um Spielpraxis zu sammeln. Einzig und alleine Farfan darf als größerer Abgang oder auch Verlust bezeichnet werden. Dieser folgt dem Ruf des Geldes und wechselt für eine Ablöse von sechs Millionen Euro in die Wüste.

Im Vordergrund stand also vor allem die Ausdünnung des Kaders, wobei die Transfers von Papadopoulos oder Farfan zusätzlich wichtige Millionen in die Kasse spülten. Gerade der Transfer von Farfan macht aber auch aus taktischer Sicht durchaus Sinn. Farfan ist ein eher typischer Flügelspieler, der in  seinen Dribblings und seiner Positionsfindung recht simpel ist. Dies ist in Breitenreiters System aber unpassend, da die Flügelspieler offensiv einen hohen Anteil an der Rhythmuswahl haben und auch in der Vorbereitung des Gegenpressings eine hohe Verantwortung schultern.

Weitere mögliche Abgänge

Bei Kevin Prince Boateng gibt es natürlich viele Gerüchte und ein Transfer scheint sehr wahrscheinlich, da sich Schalke klar gegen einen Verbleib ausspricht. Trotzdem passt Boateng von der Anlage ganz gut in das neue 4-4-2 System und könnte als dribbelnder, leicht einrückender Flügelspieler durchaus effektiv sein. Allerdings könnte er ähnliche Probleme wie Farfan haben und auch die Kaderstruktur benötigt nicht zwingend einen Spielertypen wie Boateng.

Lange Zeit gab es viele Gerüchte zu Julian Draxler, aber wie Horst Heldt mitteilte, habe man ein erstes Angebot von Juventus nicht angenommen. Ein Verbleib bleibt also zunächst die wahrscheinlichste Option.

Zugänge

Nastasic wurde für 9, 5 Millionen fest verpflichtet, was anhand der gezeigten Leistungen und der Kaderstruktur durchaus sinnvoll erscheint.

Nastasic Goalimpact

Nastasic Goalimpact

Caicara wechselte für 4,5 Millionen nach Gelsenkirchen und war wohl einer der Wunschtransfers von Breitenreiter. Nach den ersten Testspielen lässt sich sagen, dass Caicara wohl ein passender und guter Neuzugang ist. Er ist ein sehr schneller und kombinativer Außenverteidiger. Im Dribbling und bei aggressiven vorder- oder hinterlaufenden Läufen hat er eine gute Raumwahrnehmung, wobei sein Timing teilweise etwas unpassend ist und er dadurch inkonstant und manchmal nicht besonders effektiv wird. Körperlich ist er noch etwas schwächer und es schleichen sich in seinem Spiel immer wieder einige Konzentrationsfehler ein. Die größte  Schwäche in vielen Bereichen dürfte aber seine fehlende Klarheit und seine Unsauberkeit sein. Die Passtechnik ist noch nicht optimal und so sind seine strategisch zwar ganz netten Pässe schwer zu verarbeiten und Folgeaktionen leiden unter solchen kleineren Unsauberkeiten. Sein First Touch und generell seine technischen Fähigkeiten sind ähnlich schlampig, weshalb er in simpleren Situationen den Ball verliert oder die Staffelung nicht effektiv bespielen kann. In der Entscheidungsfindung wirkt er zudem etwas sehr staffelungsnutzend und setzt selten neue kreative Impulse durch Movement oder Ballaktionen. Diese dennoch nur leichten Schwächen werden in der Einbindung aber sehr gut kaschiert und so könnte Caicara durchaus eine wichtige Rolle unter Breitenreiter spielen.

Caicaras Goalimpact

Caicaras Goalimpact

Der zweite große und um ein Vielfaches mehr diskutierte Transfer war jener von Johannes Geis. Obwohl Geis in manchen Bereichen noch einige Schwächen hat, könnte er mit seinem konsequenten Abkippen und seiner Weiträumigkeit im Passspiel einige Elemente aus Breitenreiters Zeit bei Paderborn mitbringen. Gerade wenn der Rhythmus an Geis angepasst wird, könnte dieser sehr effektiv spielen und Schalke in vielen Bereichen voranbringen, da es sonst keinen wirklich vergleichbaren Spieler mit seiner Qualität im Kader gibt.

Geis Goalimpact

Geis Goalimpact

Am meisten Aufmerksamkeit erhielt in den letzten Tagen jedoch der Transfer von Franco Di Santo. Dieser wechselte für sechs Millionen von Werder Bremen zu Schalke und wurde von Einigen sogleich zum Sinnbild eines geldgierigen Fußballers stilisiert. Aus taktischer Sicht ist der Transfer jedoch durchaus passend. In Di Santo bekommt Schalke einen technisch guten Stürmer, der von seinem Bewebungsspiel gut in den Grundrhythmus passt.

Di Santos Goalimpact liegt weit unter dem durchschnittlichen Goalimpact in der Bundesliga

Di Santos Goalimpact liegt weit unter dem durchschnittlichen Goalimpact in der Bundesliga

Zusätzlich wurde Sascha Riether als Back-up für die Außenverteidiger geholt, ein unspektakulärer, aber durchaus sinnvoller Transfer, da Uchida noch längere Zeit ausfallen wird. Als Neuzugang darf man wohl auch Sidney Sam bezeichnen, der nach seiner Suspendierung wieder begnadigt wurde.

Der Goalimpact von Riether war mal sehr gut. Mittlerweile eher durchschnittlich.

Der Goalimpact von Riether war mal sehr gut. Mittlerweile eher durchschnittlich.

Ein möglicher Wechsel von Xherdan Shaqiri zerschlug sich mit dessen Unterschrift bei Stoke City. Momentan scheint die Kaderplanung abgeschlossen zu sein.

Saisonvorbereitung

Die Saisonvorbereitung lief wie für viele Bundesligisten typisch ab: Zu Beginn gab es ein 10 tägiges Trainingslager in Velden/Kärnten, bei dem einen hoher und durchaus zweifelhafter Fokus auf die ominöse „Grundlagenausdauer“ gelegt wurde. Darauf folgte 23 Tage lang ein nicht öffentliches Trainingslager, wo dann wahrscheinlich am ehesten an der taktischen Ausrichtung gearbeitet wurde. Danach fand ein Übergang in den mehr oder weniger normalen Trainingsbetrieb statt, verbunden mit einzelnen Testspielen, von denen jenes gegen den FC Porto wohl so etwas wie eine Generalprobe darstellte.

Unser treuer Leser Woody10 war an einigen Tagen im öffentlichen Trainingslager in Velden und hat für uns die einzelnen Trainingseinheiten freundlicherweise für uns zusammengefasst

„Fakt ist natürlich, dass wir am Anfang erstmal im Grundlagenbereich arbeiten, aber größtenteils ist jetzt Pressing und Gegenpressing ein Hauptaugenmerk an dem wir arbeiten und das ist natürlich ein enormer Unterschied zu dem was wir vorher hatten“

Marco Höger

Die erste Einheit die ich gesehen habe, war recht unspektakulär. Zuerst gab es Passfolgen ohne Gegnerdruck (zum Beispiel mit anschließendem Torabschluss) oder mannorientiertes 5 vs 5 in einem abgesteckten Feld. Dies war ganz interessant, weil sich dabei relativ gut die Schwächen der einzelnen Spieler offenbarten, worauf  das Ganze vermutlich auch abzielte.

In den nächsten Tagen habe ich dann hauptsächlich koordinative, teils regenerative Trainingseinheit gesehen.

Danach habe ich noch eine interessante Übung beobachten können, die sich schon eher mit den Aussagen der Spieler zum Training deckte.

In dieser Übung stand vor allem das Gegenpressing im Fokus und auch Breitenreiter war deutlich aktiver als in der ersten Einheit (vermutlich da er die Mannschaft nun schon besser kannte und weil diese Art des Trainings für ein Coaching auch überaus passend ist). Hierbei fiel auf, dass einige der Spieler noch in den alten Denkstrukturen (also zurückziehen statt Druck ausüben) agierten und in ihren Aktionen etwas unsicher vorkamen. So gab es relativ viele Situationen in denen die gegenpressende Mannschaft keinen Zugriff erzeugen konnte, wobei das von Breitenreiter recht gut gezeigt und ausgebessert wurde. Ebenso gelang es ihnen in dieser Einheit noch nicht, jene Situationen, in denen sie keinen Zugriff erhielten, ordentlich zu verzögern und/oder zu leiten, weshalb es relativ viele erfolgreiche Konter gab.

Eine der Übungen zum Gegenpressing sah ungefähr so aus: Es gab so etwas wie zwei ca. 15x10m große Kampfzonen, in denen teilweise mit neutralen Spielern ein Überzahlspiel erzeugt wurde. Eine dieser Zonen befand sich im tiefen rechten Halbraum. Sofern sich eine Mannschaft hier lösen konnte, wurde der Ball in den diagonal gegenüberliegenden linken offensiven Halbraum gespielt, wo wiederum Überzahl vs. Unterzahl gespielt wurde. Konnte sich nun die gleiche Mannschaft durchsetzen, gab es einen freien Torabschluss ohne Gegnerdruck und die Übung wurde neu gestartet. Wenn nicht, ging es wieder in den tiefen rechten Halbraum zurück.

 

10. Juli: Schalke 04 – Wolfsberger AC 1:3

Im zweiten Spiel von Breitenreiter ging es gegen den von Dietmar Kühbauer trainierten WAC (SV-Analyse). Gegen Wolfsberg spielte Schalke in dem mittlerweile typischen 4-4-2. Die Viererkette wurde von Neuzugang Caicara, dem extrem aufbaustarken Ayhan sowie Matip und Aogo gebildet. In der Zentrale spielte mit Höger und Neustädter das bewährtes Duo. Die Flügelpositionen wurden von Goretzka und Draxler besetzt, ganz vorne stürmten Huntelaar und Choupo-Moting.

Grundformation gegen Wolfsberg. Kleiner Fehler Gspuring spielte und nicht Fährmann

Grundformation gegen Wolfsberg. Kleiner Fehler Gspuring spielte und nicht Fährmann

Taktische Ausrichtung

In diesem Spiel war vor allem die weiträumige Gestaltung des Aufbauspiels auffälilig. Neustädter lies sich konstant zwischen die Innenverteidiger fallen, die in der Folge weit auffächerten und mit raumnutzenden Läufen nach vorne stießen. Höger hatte in dem Zusammenhang die Aufgabe, die Bewegungen der gegnerischen Spieler im Pressing zu blocken und somit Raum zu öffnen oder gegebenfalls auch zu nutzen, falls die gegnerischen Spieler im Pressing wirklich herausrückten, um die tiefe Dreierkette von Schalke zu attackieren. Im weiteren Angriffsverlauf konnte er aber vorstoßen und mit Läufen in den hohen rechten Halbraum vielfach festgefahrene Dynamiken lösen. Allerdings fehlt Höger etwas das Gespür für Staffelungen, teilweise ist er sehr limitiert und kurzsichtig in seinen Läufen. Dazu später mehr.

Diese Spielweise deutet vorerst daraufhin, dass man mit der Weiträumigkeit wieder ähnliche Aspekte ins Aufbauspiel integriert, wie bei Paderborn, aber auch vielleicht schon ein mögliche Rolle für den Königstransfer Geis kreiert. Dieser zeigt sich in abkippenden Bewegungen und den Folgeaktionen des Öfteren ein wenig inkonstant. Dadurch dass ein Abkippen, quasi durchgehend eingebunden wird, könnte man dieses Problem etwas kaschieren. Wie sich in den späteren Testspielen aber herausstellen sollte, ist das konsequente Abkippen eher eine Folge von fehlenden Mechanismen gewesen. Denn dadurch konnte man relativ simpel vorstoßen und ein konstanter Ablauf der gruppentaktischen Elemente wurde erzwungen. Doch auch hier hakte es gerade im Timing: Teilweise stießen die Innenverteidiger zu raumgreifend vor und bespielten nur einzelne Bewegungen, die sich dann ohne wirkliche Anbindung oder Folgeaktion in isolierten Dynamiken verliefen. Aber auch die simpleren Bewegungen wirkten nicht abgestimmt genug. Teilweise bewegte sich ein Spieler aus dem Zentrum auf dem Flügel, ohne den Raum gezielt zu übergeben, dadurch wurde die Staffelung sehr flach oder brach in den entscheidenden Räumen etwas auseinander. Trotzdem gab es schon viele individualtaktisch gute Bewegungen. Wie bereits bei Paderborn bewies Breitenreiter eine gute Spielereinschätzung und die Struktur im Team wirkte sehr homogen und balanciert.

Gerade die Besetzung der Flügelpositionen war sehr interessant. Draxler konnte immer wieder in den tieferen Halbraum fallen, die gegnerische Staffelung andribbeln und dann in passenden Momenten verlagern. Die ballferne Seite blieb deshalb breiter, wobei Goretzka hier eine sehr gute Balance in der Positionsfindung zeigte. Er bewegte sich zum Beispiel auf die letzte Linie und zog den Außenverteidiger leicht hinein, um dann bei einer Verlagerung den offenen Raum direkt zu bespielen. Außerdem hat er eine gute Ausgangsposition für Zugriff im Gegenpressing oder kann sich mit auflösenden Läufen ins Zentrum bewegen.

Wenn das Spiel über die rechte Seite aufgebaut wurde, wirkten die Durchbruchmomente schon viel organisierter und waren dementsprechend auch um einiges erfolgreicher. Durch das dauerhafte Abkippen konnte Ayhan rausschieben und mit Laserpässen den Halbraum bespielen. Goretzka rückte intelligent ein, Huntelaar rochierte immer wieder leicht auf den Flügel und bot sich für Pässe an, die er dann in der Folgeaktion zielstrebig und druckvoll weiterspielte. Caicara zeigte immer wieder gute nachstoßende Läufe auf den Flügel und nutzte so ähnlich wie Höger effektiv den freien Raum, den Huntelaar und Goretzka feinfühlig öffneten.

Defensiv zeigte sich Schalke gefestigt. Sie variierten zwischen einem 4-4-2 Angriffs- und Mittelfeldpressing. Die Stürmer standen im Angriffspressing sehr breit und bildeten einen Trichter ins Zentrum, wobei auch situativ eine engere Stellung gewählt wurde. Höger agierte dahinter mannorientiert, schob immer wieder situativ nach und konnte so sehr variabel von einer passiven Grundstellung in einen Zugriffsmoment umschalten. Hinter Höger sicherte Neustädter ab. Er sammelte die langen Bälle auf oder ließ sich fallen, wenn einer der Verteidiger mannorientiert aus der Kette rückte, um harte Pässe in den Zwischenlinienraum zu verteidigen.

Analyse der Gegentore

Das erste Tor war ein relativ unspektakulärer Freistoß, der leicht einstudiert wirkte und im Endeffekt ganz gut klappte oder eben einstudiert aussah, weil er zufällig gelang.

Das zweite Gegentor hingegen offenbarte eine Schwäche, die gerade zu Beginn öfters zu sehen war. Die Staffelung ist nicht perfekt, die Abstände der Spieler untereinander und zum Ball sind nicht so passend, weshalb trotz mannschaftlich geschlossenen Aufrückens im Gegenpressing kein Zugriff erzeugt werden kann.

Wolfsberg steht tief in einem Viererblock in der eigenen Hälfte. Choupo-Moting ist auf den Flügel ausgewichen, Goretzka hat sich als möglicher Kombinationspartner für diagonale Durchburchsmomente in die Mitte bewegt und balanciert Choupo-Motings Rolle leicht aus. Caicara hinterläuft Choupo-Moting, doch dieser entscheidet sich dafür, die Bewegung von Caicara zu nutzen um nun durch die leicht geöffnete Lücke zu brechen. Bis hier sieht alles sehr passend aus, die Staffelung ist gut, der Durchbruchsmoment wurde geduldig vorbereitet. Trotz des kompakten Blockes könnte man leicht und dynamisch ausbrechen, dann verlagern oder sogar direkt über die lokalen Schnittstellen durchbrechen.

Wolfsberg steht tief in einem Viererblock in der eigenen Hälfte. Choupo-Moting ist auf den Flügel ausgewichen, Goretzka hat sich als möglicher Kombinationspartner für diagonale Durchburchsmomente in die Mitte bewegt und balanciert Choupo-Motings Rolle leicht aus. Caicara hinterläuft Choupo-Moting, doch dieser entscheidet sich dafür, die Bewegung von Caicara zu nutzen um nun durch die leicht geöffnete Lücke zu brechen. Bis hier sieht alles sehr passend aus, die Staffelung ist gut, der Durchbruchsmoment wurde geduldig vorbereitet. Trotz des kompakten Blockes könnte man leicht und dynamisch ausbrechen, dann verlagern oder sogar direkt über die lokalen Schnittstellen durchbrechen.

Das einzige Problem in dieser Szene ist Höger. Dieser wirkt nicht handlungsschnell genug, bindet sich nicht wirklich ein und hat auch im Gegenpressing keinen direkten Zugriff.

 

Nun verliert Choupo-Moting bei dieser Szene im Dribbling den Ball und sofort wird gegengepresst. Caicara, Goretzka und Choupo-Moting laufen nun direkt den Ballführenden an und achten darauf, jeweils einen der Spieler aus dem Viererblock im Deckungsschatten zu haben. Somit bleibt ein Kanal zu einem Spieler offen. Dieser hat das Sichtfeld in die falsche Richtung, hat in der Szene noch keinen Überblick von der Situation hinter ihm und kann sowohl von Goretzka und Caicara gepresst werden.

Nun verliert Choupo-Moting bei dieser Szene im Dribbling den Ball und sofort wird gegengepresst. Caicara, Goretzka und Choupo-Moting laufen nun direkt den Ballführenden an und achten darauf, jeweils einen der Spieler aus dem Viererblock im Deckungsschatten zu haben. Somit bleibt ein Kanal zu einem Spieler offen. Dieser hat das Sichtfeld in die falsche Richtung, hat in der Szene noch keinen Überblick von der Situation hinter ihm und kann sowohl von Goretzka und Caicara gepresst werden.

Einziges Problem ist wieder die Positionierung von Höger. Dieser ist zu langsam, achtet nicht darauf sofort Zugriff zu bekommen, sondern trabt im toten Raum umher. Dadurch kann sich der Spieler, der gleich den Ball bekommt ohne Druck von hinten befreien und direkt den Konter starten. Da Caicara eine, wie von Breitenreiter sehr konsequent geforderte, hohe Positionierung hat, ist der rechte Flügel nun relativ offen. Neustädter der die Situation relativ gut für lange Bälle abgesichert hat, kann nun auch nicht mehr reagieren und wird einfach überspielt

Der Spieler dreht sich ohne Druck mit zwei Kontakten in den offenen Raum und Caicara muss ihn sehr ineffektiv von hinten pressen. Höger steht, nachdem der Ball verloren wurde, immer noch im gleichen Raum wie zuvor. Nun folgt ein langer Ball hinter die Kette und Helquist kann diesen mit guter Individueller Qualität verarbeiten.

Der Spieler dreht sich ohne Druck mit zwei Kontakten in den offenen Raum und Caicara muss ihn sehr ineffektiv von hinten pressen. Höger steht, nachdem der Ball verloren wurde, immer noch im gleichen Raum wie zuvor. Nun folgt ein langer Ball hinter die Kette und Helquist kann diesen mit guter Individueller Qualität verarbeiten.

In dieser Szene wurden zwei typische Fehler gemacht. Der erste Fehler ist, dass Höger bei Ballbesitz nicht passend zur Staffelung steht und keine möglichen Gegenpressingsituationen antizipiert. Ein gutes Beispiel dafür stellt wiederum Neustädter dar, der sich noch während sie den Ball haben lose am gegnerischen Spieler orientiert.
Der zweite ist, dass die Spieler (in dieser Sitaution Höger, aber passiert auch anderen Spielern) nicht schnell genug umschalten, es also noch nicht gewöhnt sind, in der Phase nach dem Ballverlust direkt zu attackieren und auf Gegenpressing umzuschalten.

Das dritte Gegentor fiel zwar nicht so spektakulär, zeigt aber auch einen interessanten Aspekt. Unter Breitenreiter wird mit einer sehr mannorientierten Abwehrkette gespielt.  Gerade die vorderen Spieler lenken das Spiel teilweise bewusst durch Kanäle, welche dann urplötzlich attackiert werden. Das diese aggressiven Bewegungen noch nicht abgesichert sind und dass auch im Nachschieben noch einige Probleme gibt, ist zu diesem Zeitpunkt der Saison allerdings verständlich.

Die Viererkette ist nach einem Konter vollkommen zerpflückt, Neustädter ist aggressiv aus der Kette gerückt, um die gefährliche Situation zu entschärfen, hat aber niemanden, der ihn absichert und winkt auch immer wieder nach Mitspielern. In dieser Szene nutzt Schalke ein Mittel, was unter Breitenreiter vermehrt zum Repertoire gehört: Der Außenverteidiger rückt ein, um den Innenverteidiger abzusichern. Dadurch wird erstens die Mitte abgesichert und eine vertikale Kompaktheit hergestellt und es entsteht ein lockender Effekt für unpassende Verlagerungen, die so provoziert werden. In dieser Szene kommt die Verlagerung allerdings an und kann auch passend verarbeitet werden.

Die Viererkette ist nach einem Konter vollkommen zerpflückt, Neustädter ist aggressiv aus der Kette gerückt, um die gefährliche Situation zu entschärfen, hat aber niemanden, der ihn absichert und winkt auch immer wieder nach Mitspielern. In dieser Szene nutzt Schalke ein Mittel, was unter Breitenreiter vermehrt zum Repertoire gehört: Der Außenverteidiger rückt ein, um den Innenverteidiger abzusichern. Dadurch wird erstens die Mitte abgesichert und eine vertikale Kompaktheit hergestellt und es entsteht ein lockender Effekt für unpassende Verlagerungen, die so provoziert werden. In dieser Szene kommt die Verlagerung allerdings an und kann auch passend verarbeitet werden.

Der Ball wird direkt in die Mitte gelegt und Neustädter verschiebt wieder mannorienteirt zum Flügel, da im Zentrum eine Gleichzahl herrscht und solche Situationen bei Flanken um einiges leichter zu verteidigen sind. Der Ball wird also wieder auf den Flügel gespielt und reingeflankt.

Der Ball wird direkt in die Mitte gelegt und Neustädter verschiebt wieder mannorienteirt zum Flügel, da im Zentrum eine Gleichzahl herrscht und solche Situationen bei Flanken um einiges leichter zu verteidigen sind. Der Ball wird also wieder auf den Flügel gespielt und reingeflankt.

Nun macht Caicara einen entscheidenden Fehler und spekuliert auf eine Ablage in den Rückraum, also auf eine Verlängerung. Dadurch wird sein Gegenspieler am hinteren Pfosten frei und trifft.

Nun macht Caicara einen entscheidenden Fehler und spekuliert auf eine Ablage in den Rückraum, also auf eine Verlängerung. Dadurch wird sein Gegenspieler am hinteren Pfosten frei und trifft.

Ingesamt ein simpler Angriff, der einfach nur die unabgesicherten Mannorientierungen bei einem Konter bespielt.

Hier das Tor in voller Länge:

Analyse des eigenen Tores

Schalke trifft in diesem Spiel zwar nur einmal, dafür aber sehr schön und typisch für ihre neue Spielweise.

 

Eine typische Staffelung bei Schalke. Choupo-Moting rochiert auf den Flügel und zieht so die Verteidigung auseinander. Huntelaar bleibt in der Mitte bindet die Innenverteidger oder bietet sich für Pässe bzw. Flanken an. Goretzka rückt ein, dient als Kombinatiosnpartner und verbindender Akteur. Caicara startet dynamische Läufe, um Spieler zu binden oder Pass und Laufwege frei zu ziehen.

Eine typische Staffelung bei Schalke. Choupo-Moting rochiert auf den Flügel und zieht so die Verteidigung auseinander. Huntelaar bleibt in der Mitte bindet die Innenverteidger oder bietet sich für Pässe bzw. Flanken an. Goretzka rückt ein, dient als Kombinatiosnpartner und verbindender Akteur. Caicara startet dynamische Läufe, um Spieler zu binden oder Pass und Laufwege frei zu ziehen.

Ähnliche Staffelung wie beim 2. Gegntor, nur dass es sich diesmal um einen Konter handelt und somit die Abstände beim Gegner nicht ganz so passend sind. Außerdem hat das Gegenpressing bei eigenem Konter eine untergeordnete Priorität und Schalke kann weiträumiger und weniger geduldig spielen, ohne dauerhaft bei der Zirkulation auf die passenden Abstände und Verbindungen zu achten.

Dies kommt ihnen in dieser Szene zugute. Goretzka bewegt sich in den freien Raum im Zentrum. Caicara zieht den Passweg frei, indem er Choupo-Moting vorderläuft und den Innenverteidiger nach hinten zieht. Die Abwehr vom WAC ist nun sehr gedehnt und die Schnittstellen sind offen, so dass Goretzka den Ball mit einem lässigen Lupfer durchstecken kann.

Tor in voller Länge:

Diese Szene steht also sinnbildlich für die neue Stärke von Schalke. Die Abläufe sind sehr flüssig und die Stärken sind gut eingebunden. Caicara kann mit durchschlagenden oder unterstützenden Läufen aus der Tiefe seine Schnelligkeit und seine generelle Stärke beim Anvisieren der passenden Räume für solche Läufe einbringen. Goretzka kann den Schnittstellenpass spielen und mit seinem guten Gefühl für Strukturen Choupo-Moting ausbalancieren. Choupo-Moting kann als gleichzeitig dribbelnder, ausweichender und durchbrechender Akteur seine Physis und seine individuelle Qualität einbinden.

Aber auch Huntelaar könnte in seiner ziemlich simplen Rolle gut aufgehen. Zwar mimt er eher den klassisch unterstützenden Torjäger, kann aber auch seine guten fussballerischen Fähigkeiten einbringen.

Weitere Interessante Szenen 

Ganz zu Beginn hat Schalke eine Szene, in der sich sowohl das veränderte Aufbauspiel als auch die teilweise flüssigen Abläufe im letzten Drittel zeigen.

 Schalke baut mit einer asymmetrischen Dreierkette auf. Caicara bleibt tief, Ayhan zentral und Matip rückt nach links. Goretzka kresielt ins Zentrum, um das Aufbauspiel zu unterstützen. Höger steht höher und kann nun in den offenen Raum nach außen driften und so Goretzkas zentrale Positionierung theoretisch ausbalancieren. Goretzka legt den Ball aber wieder auf Ayhan ab und bewegt sich selbst in den offenen Raum. Die ballferne Seite bleibt übrigens breit, da beide Halbräume besetzt sind.

Schalke baut mit einer asymmetrischen Dreierkette auf. Caicara bleibt tief, Ayhan zentral und Matip rückt nach links. Goretzka kreiselt ins Zentrum, um das Aufbauspiel zu unterstützen. Höger steht höher und kann nun in den offenen Raum nach außen driften und so Goretzkas zentrale Positionierung theoretisch ausbalancieren. Goretzka legt den Ball aber wieder auf Ayhan ab und bewegt sich selbst in den offenen Raum. Die ballferne Seite bleibt übrigens breit, da beide Halbräume besetzt sind.

Neustädter kippt ab, deshalb fächern die Innenverteidiger auf und Caicara rückt auf. Goretzka schiebt leicht zum Flügel und Huntelaar bindet intelligent den Außenverteidiger und den Innenverteidiger von Wolfsberg. Er postiert sich in der Schnittstelle zwischen den beiden, so dass er sich nicht im Sichtfeld des Außenverteidigers befindet.

Neustädter kippt ab, deshalb fächern die Innenverteidiger auf und Caicara rückt auf. Goretzka schiebt leicht zum Flügel und Huntelaar bindet intelligent den Außenverteidiger und den Innenverteidiger von Wolfsberg. Er postiert sich in der Schnittstelle zwischen den beiden, so dass er sich nicht im Sichtfeld des Außenverteidigers befindet.

Durch die gute Positionierung von Goretzka wird ein Zusammenziehen um den Halbraum provoziert. Das öffnet die Flügel und verhindert das Wolfsberg bei einem Pass dorthin direkten Zugriff erzeugen kann. Goretzka hat sich aber schon wieder von der Szene abgewendet und bewegt sich gedankenschnell hinter den Raum seiner Manndecker. Durch die hohe Positionierung von Caicara wird der Außenverteidiger gezwungen herauszurücken. Nun kann sich Huntelaar in den Raum hinter den ihn bewegen, da dieser auf Grund der schlechten Wahrnehmung (Schulterblick), nur auf Caicara fixiert ist. Statt eng zu bleiben und einen Pass auf Caicara zu provozieren, den er dann intelligent verteidigen kann, öffnet er so den Passweg auf Huntelaar.

Durch die gute Positionierung von Goretzka wird ein Zusammenziehen um den Halbraum provoziert. Das öffnet die Flügel und verhindert das Wolfsberg bei einem Pass dorthin direkten Zugriff erzeugen kann. Goretzka hat sich aber schon wieder von der Szene abgewendet und bewegt sich gedankenschnell hinter den Raum seiner Manndecker. Durch die hohe Positionierung von Caicara wird der Außenverteidiger gezwungen herauszurücken. Nun kann sich Huntelaar in den Raum hinter den ihn bewegen, da dieser auf Grund der schlechten Wahrnehmung (Schulterblick), nur auf Caicara fixiert ist. Statt eng zu bleiben und einen Pass auf Caicara zu provozieren, den er dann intelligent verteidigen kann, öffnet er so den Passweg auf Huntelaar.

Zusätzlich zeigt sich Ayhans hohe individuelle Klasse, als er einen Laserpass zu Hunterlaar spielt.

Huntelaar erhält den Ball im Halbraum. Die Viererkette ist ziemlich gestreckt und unorganisiert. Der Innenverteidiger rückt leicht auf Huntelaar. Choupo-Moting startet einen Lauf auf den langen Pfosten und bindet so den halbrechten Innenverteidiger und den rechten Außenverteidiger. Goretzka hat sich in der Szene davor schon gut in den freien Rückraum bewegt. Caicara startet nun hinter den Außenverteidiger, der ihm nicht folgen kann. Huntelaar bespielt nun den Lauf von Caicara.

Huntelaar erhält den Ball im Halbraum. Die Viererkette ist ziemlich gestreckt und unorganisiert. Der Innenverteidiger rückt leicht auf Huntelaar. Choupo-Moting startet einen Lauf auf den langen Pfosten und bindet so den halbrechten Innenverteidiger und den rechten Außenverteidiger. Goretzka hat sich in der Szene davor schon gut in den freien Rückraum bewegt. Caicara startet nun hinter den Außenverteidiger, der ihm nicht folgen kann. Huntelaar bespielt nun den Lauf von Caicara.

Der Ball befindet sich nun auf dem offenen Flügel und Wolfsberg muss dies mit extremem Verschieben kompensieren. Der Linksverteidiger übernimmt Choupo-Moting, der rechte Innenverteidiger rückt auf Goretzka und die restlichen doppeln Caicara und probieren einen Pass nach innen zu verhindern. Caicara findet aber mit einem guten Pass in den Rückraum Goretzka. Dieser legt den Ball mit einem Kontakt direkt auf Huntelaar ab, der sich horizontal durch den freien Raum in Richtung Tor bewegt. Der Hunter hat nun viel Raum und kann aus einer guten Position schießen.

Der Ball befindet sich nun auf dem offenen Flügel und Wolfsberg muss dies mit extremem Verschieben kompensieren. Der Linksverteidiger übernimmt Choupo-Moting, der rechte Innenverteidiger rückt auf Goretzka und die restlichen doppeln Caicara und probieren einen Pass nach innen zu verhindern. Caicara findet aber mit einem guten Pass in den Rückraum Goretzka. Dieser legt den Ball mit einem Kontakt direkt auf Huntelaar ab, der sich horizontal durch den freien Raum in Richtung Tor bewegt. Der Hunter hat nun viel Raum und kann aus einer guten Position schießen.

Chance in voller Länge:

Diese Chance zeigt vor allem, wie variabel Schalke im Aufbauspiel geworden ist, aber auch wie gut die Rollenaufteilung im letzten Drittel ist. Besonders Goretzka besticht im letzten Drittel mit guter Positionsfindung und einer unterstützenden, aber falls nötig auch dominanten Positionierung.

Die zweite Szene zeigt, welche Abläufe im Training zwischen den Stürmern geübt wurden. Gerade die beiden Stürmer nutzen viele simple Abläufe im Movement, um festgefahrene Dynamiken anzustoßen.

Friedrich (in der Situation RV) erhält den Ball am Flügel. Der eingewechselte Platte lässt sich fallen und zieht einen der Innenverteidiger leicht aus der Kette. Draxler driftet mit einem Sprint leicht nach außen und öffnet die Schnittstelle durch die Friedrich einen langen Pass auf Huntelaar spielt. Dem verspringt leider der Ball.

Friedrich (in der Situation RV) erhält den Ball am Flügel. Der eingewechselte Platte lässt sich fallen und zieht einen der Innenverteidiger leicht aus der Kette. Draxler driftet mit einem Sprint leicht nach außen und öffnet die Schnittstelle durch die Friedrich einen langen Pass auf Huntelaar spielt. Dem verspringt leider der Ball.

Fazit

Nach der Niederlage hagelte es von vielen Seiten Kritik und die Medien hatten natürlich wieder neues Futter für ein paar kritische Artikel zu Schalke. Doch auf mich wirkte die Spielweise durchaus vielversprechend, da es einige erfrischende Neuerungen gab.

Taktische Erneuerungen: 

  • 4-4-2, zwei klare Stürmer
  • Konseuqentes Ab- und Herauskippen von Neustädter, dadurch weiträumigeres und solideres Aufbauspiel
  • Gute Rollenaufteilung und homogene Spielerwahl
  • Viele gute gruppentaktische Abläufe, die Schalke auch konstant abrufen kann
  • Kompaktes 4-4-2 Mittelfeldpressing mit guten lenkenden Momenten
  • Aggressives 4-3-1-2 Angriffspressing mit mannorientiertem Höger und durchsicherndem Neustädter.
  • Gute Mannorientierungen auf der letzten Linie, die teilweise ganz gut abgesichert und in Pressingfallen integriert werden

Negatives:

  • Mannorientierungen werden nicht flüssig und direkt abgesichert, so entstehen teilweise kleinere Lücken
  • Die Abstände zwischen den Ketten sind nicht immer ideal
  • Verschieben nicht immer sauber, anfällig für Durchbrüche über den Raum zwischen Innen- und Außenverteidiger
  • Offensiv sind die Abläufe nicht immer flüssig, die Staffelungen werden sehr flach
  • Draxlers Bewegungen sind noch nicht gut eingebunden
  • anfällig bei eigenen Gegenpressingsituationen, da im Zugriffsmoment nicht immer ideal.

14. Juli: Schalke 04 gegen Udinese Calcio 1:1

Das Spiel gegen den italienischen Erstligisten war das dritte Spiel unter der Führung von Breitenreiter und gleichzeitig der erste richtige Test. An der Grundformation veränderte Breitenreiter erst mal wenig. Für Ayhan kam Kolasinac in die Mannschaft, dafür rückte Neustädter in die Innenverteidigung und Aogo bildete nun die Zentrale mit Höger. Für Gspurning spielte Fährmann von Anfang an. Die Aufstellung war ein deutlicher Hinweis darauf, dass Breitenreiter die Abläufe, welche sehr abhängig vom Spielermaterial sind, weiter einstudieren wollte.

Grundformation gegen Udinese

Grundformation gegen Udinese

Taktische Ausrichtung

In diesem Spiel kippte einer der beiden Sechser häufiger nach Außen raus, außerdem war die Aufteilung unter den Sechsern klarer. So band der zweite immer die beiden vorderen Stürmer, in dem er sich zwischen ihnen postierte. Dadurch waren die Spieler gezwungen enger zu stehen und öffneten so Platz  im tieferen Halbraum. Diesen bespielt Schalke dann durch aufrückende Bewegung und das bereits gewohnte breite Auffächern im Aufbauspiel. Durch diese leichte Anpassung, wirkte das Aufbauspiel noch besser organisiert. Das Vorrücken war geduldiger und dann in der Umsetzung auch präziser.

Allerdings war so der zweite Sechser etwas limitiert auf wenige Aufgaben und konnte nicht mehr so stark nach vorne rücken und Rochaden anstoßen, wie es Höger gegen Wolfsberg phasenweise gut gemacht hatte.

Insgesamt lässt sich aber sagen, dass Neustädter das Aufbauspiel natürlich extrem aufwertete. Er schob immer gut in den freien Raum, war strategisch sehr gut und wirkte auch im Passspiel, anders als am Ende der vergangenen Saison, wieder etwas dominanter.

Eine weitere Verbesserung gab es im defensiven Verhalten zu sehen. Wenn einer der Verteidiger mannorientiert aus der Kette rückte, wurde das Loch schneller von einem abischernden Spieler geschlossen und auch die vorderen Akteure pressten aggressiver den ballführenden Spieler von vorne, damit dieser sich nicht so schnell in Richtung Tor drehen konnte.

Durch die besser gespielten Mannorientierungen, gab es auch einige Pressingfallen, die es gegen Wolfsberg noch kaum bis gar nicht zu sehen gab. Dazu wird es später nochmal ein praktisches Beispiel aus dem Spiel geben, aber simpel werden diese mannorientierten Pressingfallen so gespielt, dass einer den ballführenden Spieler von hinten anläuft und ihn mannorientiert verfolgt, die umliegenden Spieler, schieben dann auf den Ball und sichern die Passwege ab, ohne dabei groß von ihren Grundpositionen abzuweichen. Diese Pressingfallen sind, also eigentlich nur sehr gut durchgesicherte Mannorientierungen, welche dadurch deutlich effektiver werden.

Das Pressing zeigte also einige Fortschritte, wodurch die Defensive um einiges stabiler wurde. Nur die Endverteidigung wirkte immer noch nicht perfekt, wobei Udinese die Schwächen, wie schlechtes Verschieben, unabgesichertes Herausrücken oder generell die fehlende Abstimmung bei Spieler- sowie Raumübergabe oder der Abseitsfalle kaum bespielen konnte, da sie einen hohen Flügelfokus hatten und die Sechser in ihrem System auch etwas limitierter waren.

Im letzten Drittel wurden die gruppentaktischen Abläufe flüssiger und die Raumaufteilung wirkte ebenfalls etwas abgestimmter.

Durch das präzisere Aufbauspiel, kamen sie besser in die gruppentaktischen Abläufe und wirkten um einiges torgefährlicher, wobei es trotzdem noch ein paar kleinere Probleme gab.

So wirkte Choupo-Moting immer noch nicht richtig integriert und im Laufe der Vorbereitung entschied sich Breitenreiter dafür, ihn auf den Flügel zu ziehen, da er dadurch leichter einzubinden ist und im Bewebungsspiel nicht eine so hohe Verantwortung trägt.

Das Problem war vor allem, dass Choupo-Moting ein sehr weiträumiger Spieler ist, der aber auch einen sehr hohen Aktionsradius besitzt und somit teilweise an Effektivität verliert. Zu oft driftet er auf den Flügel, kann sich dann aber nicht mehr durchdribbeln, also seine einzelnen Bewegungen nutzen oder einen geeigneten Zugriff auf die gefährlichen Räume herstellen.

Allerdings zeigte er in diesem Spiel aus meiner Sicht schon viel besseres Gespür für seine Rolle, gerade Goretzka und er hatten sich passend ergänzende Positionierungen.

Eine weiteres Problem war die Anbindung der Folgeaktion, wenn man den Flügel runterspielte. Dann war es ähnlich wie gegen Wolfsberg, dass zu viele Spieler am Flügel klebten und die horizontale Anbindung nicht gut genug war, um aus der zugeschobenen Situation auszubrechen. Gerade Höger hatte hier eine zu schwere Rolle, da er zu viel Raum abdecken musste und gleichzeitig darauf achten musste, die Flügelbereiche und das Zentrum zu verbinden. Dies gelang ihm nicht so gut, da es nicht in seiner Natur liegt, die Staffelungen sehr feinfühlig auszubalancieren, eher findet er gut die Löcher in die gegnerischen Formation und achtet dabei weniger auf die Bewegungen seiner Mitspieler.

Generell war dies Schalkes großes Problem über die gesamte Vorbereitung. Zu viele gruppentaktischen Abläufe konnten praktisch nicht effektiv genug umgesetzt werden und zu oft wurden die einzelnen Folgeaktionen sehr simpel und verloren an Variabilität.

Was allerdings auch besser klappte, waren die einzelnen Rochaden in der Formation, dadurch konnte gezielter und effektiver Raum für individuelle Situationen oder die beliebten Verlagerugnen geschafft werden. Durch die stärker bindende Rolle des Sechser waren die Halbräume theoretisch öfters frei. Diese konnten Draxler und Goretzka dann effektiver besetzten und teilweise drifteten die beiden sogar sehr wild durch das Zentrum und überluden immer sehr geschickt einzelne Teilbereiche.

Eine Folge davon war aber, dass der Ball schon früh auf die Außenverteidiger kam, wenn einer der Flügelspieler oder der Stürmer dieses Loch mal nicht besetzten. Die Winkel und Abstände passten so nicht ideal, da der zweite Sechser zentral positioniert war.

Analyse des Gegentors

Das Tor von Udinese fiel nach einem Freistoß von Di Natale. Ansonsten ließ Schalke praktisch nichts zu.

Analyse des eigenen Tors

Das Tor fiel sehr simpel, aber dürfte wohl in ähnlicher Form typisch für das Spiel unter Breitenreiter werden. Durch die breite Stellung im Mittelfeld kann ins letzte Drittel eingedrungen werden. Dort wird durch die vielen Rochaden Raum geöffnet, den schließlich der breite Außenverteidiger ausnutzt und eine Flanke auf den zentralen Huntelaar spielt. Dieser kann sie auf Grund des nur geringen Gegnerdrucks verwerten. Tore mit einer ähnlichen Entstehungsweise werden unter Breitenreiter sehr häufig geschossen und gerade Huntelaar profitiert davon, da er sowohl in der Phase zum Tor aber auch in der Verwertungs-Phase sehr gut eingebunden ist.

Staffelung vor dem Tor: Neustädter ist als Innenverteidiger weit aufgerückt, hat die Situation gut angedribbelt und die Lücke auf Kolasinac geöffnet. Draxler hat seine Position verlassen und besetzt das Zentrum, Choupo-Moting kommt als zweiter Stürmer leicht entgegen, da er wegen Kolasinac' Stellung nicht auf den Flügel ausweichen kann. Dadurch zieht er den zentralen Innenverteidiger leicht aus der Kette. Goretzka steht ballfern breit und wartet auf eine Verlagerung.

Staffelung vor dem Tor: Neustädter ist als Innenverteidiger weit aufgerückt, hat die Situation gut angedribbelt und die Lücke auf Kolasinac geöffnet. Draxler hat seine Position verlassen und besetzt das Zentrum, Choupo-Moting kommt als zweiter Stürmer leicht entgegen, da er wegen Kolasinac‘ Stellung nicht auf den Flügel ausweichen kann. Dadurch zieht er den zentralen Innenverteidiger leicht aus der Kette. Goretzka steht ballfern breit und wartet auf eine Verlagerung.

Als Kolasinac nun den Ball bekommt spielt er in den offenen Raum hinter die Kette, Huntelaar läuft diagonal ein und verwertet den Ball.

Tor in voller Länge:

 

Weitere Interessante Szenen: 

Oben wurde schon viel über das Pressing und die einzelnen, besser durchgesicherten Mannorienteirungen gesprochen, die dann nette Pressingfallen erzeugen. Hier ein Beispiel:

Pressingfalle: Choupo-Moting läuft den Spieler gut an, durch die breite Stellung der Stürmer wird das Spiel auf die außen gelenkt. Der Halbverteidiger sieht den freien Raum, der vor allem durch die Mannorienteirungen entsteht. Der Flügelspieler nimmt diesen Raum ebenfalls wahr und bewegt sich intelligent hinein, um angespielt zu werden. Allerdings hat Schalke dies provoziert und nun kann Caicara aggressiv von hinten Druck ausüben, während die umliegenden Spieler (Höger und Goretzka) ihre Gegenspieler im Deckungsschatten behalten, aber gleichzeitig auf den Ball schieben können. In diesem Fall kann Caicara den Pass antizipieren und den Ball abfangen.

Pressingfalle: Choupo-Moting läuft den Spieler gut an, durch die breite Stellung der Stürmer wird das Spiel auf die außen gelenkt. Der Halbverteidiger sieht den freien Raum, der vor allem durch die Mannorienteirungen entsteht. Der Flügelspieler nimmt diesen Raum ebenfalls wahr und bewegt sich intelligent hinein, um angespielt zu werden. Allerdings hat Schalke dies provoziert und nun kann Caicara aggressiv von hinten Druck ausüben, während die umliegenden Spieler (Höger und Goretzka) ihre Gegenspieler im Deckungsschatten behalten, aber gleichzeitig auf den Ball schieben können. In diesem Fall kann Caicara den Pass antizipieren und den Ball abfangen.

Pressingfalle in voller Länge:

 

Interessant ist hier vor allem Högers Rolle, da er im Pressing zwar aufrückt, aber eher den Sechser zustellt und somit die lenkende Bewegung unterstützt, anstatt ein Anspiel ins Zentrum zu provozieren und dann Zuguriff zu erzeugen.

Hier kann Schalke sehr variabel wechseln, wobei es natürlich stark von der gegnerischen Spielweise und dem Anlaufen des Spielers abhängt. In dieser Variante kann der Ball effektiv erobert werden und durch die Höhe des Ballgewinns und die lokale Überzahl kann auch direkt ein Konter eingeleitet werden

Pressing: 4-4-2 mit breiten Stürmer

Pressing: 4-4-2 mit breiten Stürmer

 

Die Wichtigkeit von Caicaras Rolle und der Außenverteidiger generell, wurde ebenfalls schon erwähnt. Aus strategischer Sicht haben sie eine große Verantwortung. Die Außenverteidiger werden schon früh, also ungefähr an der Mittellinie, integriert. Von dort müssen sie dann entscheiden, welchen gruppentaktischen Ablauf oder vor allem welchen Raum, an den dann auch wiederum neue Abläufe geknöpft sind, sie bespielen.

Nach der Ballabgabe müssen sie im Movement einen guten unterstützenden Lauf zeigen, ohne dabei die Balance im Ballbesitzspiel zu zerstören.

Sie müssen also eine gute Entscheidungsfindung in der Ballaktion und in der Bewegung ohne Ball haben. Gerade Caicara scheint dies schon gut zu gelingen, wobei er wie oben schon erwähnt, teilweise etwas überambitioniert und unsauber wirkt.

Typische Situation für Caicara gegen Udinese:

In dieser Szene ist sehr gut zu sehen, wo Caicara den Ball erhält, wie Höger aus seiner zentralen Positionierung erst nachschieben muss, aber auch wie schlecht die Staffelung und die Winkel in dieser Situation sind.

Der Lauf von Caicara ist ebenfalls sehr gut getimt und es ist auch gerechtfertigt, dass er den Ball auf Goretzka aufsammelt, da er einen besseren Zugriff auf die Situation hat.

Fazit

Das Spiel von Schalke war im Aufbau, von den taktischen Abläufen im letzten Drittel, dem guten Pressing und der verbesserten Endverteidigung her durchaus beeindruckend und stellte eine deutliche Verbesserung zum Spiel gegen Wolfsberg da.

22. Juli: Testspiel gegen Lechia Gdansk (18:30 Uhr PGE Arena, Gdansk)

Gegen Gdansk kündigte Breitenreiter bereits vor dem Spiel eine taktische Veränderung an. Zum ersten Mal in der Vorbereitung spielte Schalke ein 4-1-4-1 mit Meyer und Höger als Achtern vor Neuzugang Geis.

Dies wirkte sehr ähnlich zum 4-4-2, obwohl Meyer seine Rolle natürlich leicht anders interpretierte als Choupo-Moting.

Analyse des eigenen Tors

Das Tor war aus taktischer Sicht relativ unspektakulär, wobei es ganz gut den Vorteil zum 4-4-2 zeigt.

Es handelt sich um einen Konter. Meyer und Geis stehen zentral und Meyer führt den Ball. Durch die gute Zentrumsbesetzung hat Höger mehr Freiheiten, kann gut in den Raum auf den Flügel ausweichen und so einen Anbindung schaffen. Diese spielt er dann auch sehr klassisch aus, denn er leitet den Ball nur auf Sane weiter. Diese wäre ohne Höger zu weit weg für Meyer gewesen. Durch das klarere 4-1-4-1 und die tiefere Positionierung kann Höger also früher ausweichen und den Konter einleiten.

Tor in voller Länge:

 

Weitere Interessante Szenen

Die nächste Szene zeigt eine gute Gegenpressingsituation in der klar wird, warum eigene Positionierung um den Ball so wichtig ist für den Erfolg des Gegenpressings.

Sane ist mit einem inversen Dribbling nach innen gegangen. Platte macht als Stürmer die Bewegung genau in die andere Richtung und balanciert die Staffelung aus, zieht aber auch potenziell die Schnittstellen frei. Als Sane nun den Ball verliert kann er diesen anlaufen und zum Flügel lenken. Durch die breitere Stellung von Platte, kann dieser den Ball nun von einer anderen Richtung anlaufen und es bildet sich ein Kanal, in den der Ball gespielt werden kann,. In der Moment merkt man also schon, dass Schalke, das Gegenpressing sehr gut umsetzt. Nach Ballverlust haben sie den Ball direkt passend gelenkt und nun liegt er in einem Raum, wo sie Überzahl haben und ihn mit Hilfe von Platte und Höger erobern können.

Sane ist mit einem inversen Dribbling nach innen gegangen. Platte macht als Stürmer die Bewegung genau in die andere Richtung und balanciert die Staffelung aus, zieht aber auch potenziell die Schnittstellen frei. Als Sane nun den Ball verliert kann er diesen anlaufen und zum Flügel lenken. Durch die breitere Stellung von Platte, kann dieser den Ball nun von einer anderen Richtung anlaufen und es bildet sich ein Kanal, in den der Ball gespielt werden kann,. In der Moment merkt man also schon, dass Schalke, das Gegenpressing sehr gut umsetzt. Nach Ballverlust haben sie den Ball direkt passend gelenkt und nun liegt er in einem Raum, wo sie Überzahl haben und ihn mit Hilfe von Platte und Höger erobern können.

Gegenpressing in voller Länge:

Ein weiteres Thema, welches oben schon mal erwähnt wurde, trat gegen Gdansk erneut auf. Die Endverteidigung wirkte zwar grundsätzlich verbessert, aber in den einzelnen Szenen zeigte Schalke durchaus ihre Anfälligkeiten:

Die beiden Flügelspieler Caicara und Sane sind sehr mannorientiert und vehalten sich richtig, allerdings weicht ein Stürmer in den Raum hinter den beiden aus. Der Innenverteidiger bleibt beim Stürmer und schiebt nicht hinterher, dadurch entsteht freier Raum. In diesen Raum lässt sich auch kein Sechser fallen, was dazu führt, dass der ballführende Spieler sehr leicht durch die Lücke spielen kann und Danzig so eine gefährliche Chance kreieren kann.

Die beiden Flügelspieler Caicara und Sane sind sehr mannorientiert und vehalten sich richtig, allerdings weicht ein Stürmer in den Raum hinter den beiden aus. Der Innenverteidiger bleibt beim Stürmer und schiebt nicht hinterher, dadurch entsteht freier Raum. In diesen Raum lässt sich auch kein Sechser fallen, was dazu führt, dass der ballführende Spieler sehr leicht durch die Lücke spielen kann und Danzig so eine gefährliche Chance kreieren kann.

Hier zeigt sich Schalke immer wieder anfällig, was wohl daran liegen dürfte, dass die Innenverteidiger zwar sonst sehr mannorientiert sind, aber bei Flanken eher die Aufgabe haben, nicht nachzuschieben, sondern die Mitte zu decken. Das führt aber dazu, dass die Sechser nicht so schnell wechseln können und diesen Raum nicht besetzten.

27. Juli: Testspiel gegen FC Porto (18:00 Uhr, Heidewaldstadion, Gütersloh)

Gegen den FC Porto spielte dann wieder die vermeintliche erste Elf, inklusive Neuzugang Di Santo. Sie sollte auch eine gute, wenn auch für viele Taktikfans etwas enttäuschende Leistung hinlegen.

Grundformation gegen Porto

Grundformation gegen Porto

Taktische Ausrichtung

Gegen den FC Porto spielte Schalke nicht mehr auf einen aggressiven Ballbesitz, sondern nutze diesen zwar immer noch als Mittel, aber war nicht mehr ganz so aggressiv auf die Ballsicherung aus. Eher etablierten sie sich mit gutem Pressing, einigen schnellen Kontern und gebenfalls kurzen Ballbesitzphasen.

Was also gerade von mir als vermeintliche Generalprobe gesehen wurde, war also eher eine strategische veränderte Vorstellung des S04, weshalb die Erkenntnisse über die Taktik auch eher dürftig ausfielen.

Schalke war im Ballbesitz solide, zeigte kaum Veränderungen, dürfte aber trotzdem ausreichen. Di Santo ist nicht ganz so weiträumig, kann aber die Anforderungen, die das System an ihn stellt von den Bewegungen und den Aktionen mit Ball durchaus erfüllen. Er ist also ein guter Kauf, da er Choupo-Moting entlastet, der nun auf den Flügel rücken kann, wo er besser aufgehoben ist.

In der Endverteidigung wirkten sie ebenfalls sehr stabil und ließen gegen gute Portugiesen wenig zu, wobei es natürlich noch einige unnötige Schwächen im System gab. Doch diese sind so minimal, dass Breitenreiter sie im Laufe der Saison aller Voraussicht nach ausmerzen wird. Im Pressing überzeugte Schalke wie selten und die Abläufe, der Wechsel zwischen den lenkenden Bewegungen und schließlich der Zugriffsmoment, wirkten hervorragend.

Interessante Szenen

Im Spiel gab es vor allem noch mal eine Szene, in der Schalke wieder über den Raum hinter den Außenverteidigern ausgekontert wurde.

Brahimi hat den Ball. Goretzka und Riether doppeln. Matip sichert das Zentrum und eine mögliche Flanke ab. Alex Sandro läuft nun mit schnellem Tempo in den offenen Raum und bekommt den Ball, den er nun etwas stumpf auf den Kasten hämmert. Allerdings sieht man wieder, wie anfällig Schalke bei solchen simplen Angriffen ist.

Brahimi hat den Ball. Goretzka und Riether doppeln. Matip sichert das Zentrum und eine mögliche Flanke ab. Alex Sandro läuft nun mit schnellem Tempo in den offenen Raum und bekommt den Ball, den er nun etwas stumpf auf den Kasten hämmert. Allerdings sieht man wieder, wie anfällig Schalke bei solchen simplen Angriffen ist.

Chance von Porto in voller Länge:

 

Ansonsten gab es noch zwei interessante Situationen im Pressing.

Das erste Bild zeigt eine Situation in der Schalke sehr gut angelaufen hat und entweder einen langen Ball oder einen kurzen und riskanten Pass ins Zentrum provoziert.

Di Santo stellt den rechten Innenverteidiger von Porto zu. Huntelaar läuft Casillas so an, dass sein Sichtfeld nach vorne zeigt und der zweite Innenverteidiger in seinem Deckungsschatten steht. Dahinter orientiert sich Geis lose am Sechser und Goretzka am Außenverteidiger. Simples Leiten in einen zugestellten Raum erzwingt einen langen Ball und erzeugt Ballbesitz.

Di Santo stellt den rechten Innenverteidiger von Porto zu. Huntelaar läuft Casillas so an, dass sein Sichtfeld nach vorne zeigt und der zweite Innenverteidiger in seinem Deckungsschatten steht. Dahinter orientiert sich Geis lose am Sechser und Goretzka am Außenverteidiger. Simples Leiten in einen zugestellten Raum erzwingt einen langen Ball und erzeugt Ballbesitz.

Der zweite Bild zeigt die tiefere und kompaktere Variante.

Tieferes 4-4-2: Schalke im tieferen 4-4-2. Enge Stürmer, die die Sechser im Deckungsschatten behalten und das Ballbesitzspiel um den geschlossenen Block nach außen lenken wollen.

Tieferes 4-4-2: Schalke im tieferen 4-4-2. Enge Stürmer, die die Sechser im Deckungsschatten behalten und das Ballbesitzspiel um den geschlossenen Block nach außen lenken wollen.

Fazit: 

Unter Breitenreiter hat sich vieles bei Schalke geändert. Es gibt eine klare taktische Vorgabe, die aber je nach Spielermaterial variabel verändert und angepasst werden kann.

In der Transferphase hat man sehr geduldig eingekauft und sich gerade auf den wichtigen Positionen mit Spielern, die ins System passen, verstärkt.

Schalke wird in dieser Saison wahrscheinlich trotzdem wieder nicht an Dortmund, Bayern oder Leverkusen herankommen. Aber es ist durchaus zu erwarten, dass Schalke eine gute Saison hinlegen wird. Gerade im DFB Pokal und der Europa League sollte einiges möglich sein.

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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3 Kommentare

  1. Sehr schöner Schalke Artikel von CF, akribisch aber dennoch spannend zu lesen. Ich liebe die Graphiken von goalimpact.

    Bravo für Eure fundierte Arbeit!

  2. „Hierbei fiel auf, dass einige der Spieler noch in den alten Denkstrukturen (also zurückziehen statt Druck ausüben) agierten und in ihren Aktionen etwas unsicher vorkamen.“ – Genau wegen solcher Sachen ist es unabdingbar, dass man spielnah trainiert. Strategisch-taktische Verhaltensweisen lassen sich nicht einfach an der Taktiktafel oder in gegnerdrucklosen Übungen vermitteln. Man muss als Spieler einen emotionalen und intuitiven Zugang zu dieser Spielweise haben. Und den bekommt man am besten, wenn man die Spieler in entsprechende Situationen bringt und sie begleitend coacht.

    Sehr schöne Analyse.

  3. Pingback:#Link11: Schluss mit Fußball-Methadon | Fokus Fussball

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