FC Bayern München U19 – Eine Kurzanalyse

Dass sich das Spiel des FC Bayern mit der Ankunft von Pep Guardiola und seiner Philosophie verändert hat sollte mittlerweile jedem Fußballfan aufgefallen sein. Ein wesentlicher Punkt Guardiolas Philosophie ist das ständige taktische Anpassen seiner Mannschaft an den jeweiligen Gegner.
Auch die U-19-Junioren des FCB wurden in dieser Hinsicht „guardiolaisiert“.

Das Grundmerkmal: Flexibilität

Die Mannschaft Heiko Vogels fällt besonders dadurch auf, dass sie äußerst flexibel ist, was die Grundformation und die besonders Taktik angeht. Hierbei versucht man sich immer passend an den Gegner anzupassen Dies ist schon mal eine Gemeinsamkeit zu Guardiolas Mannschaft. Ein entscheidender Unterschied ist, dass die strategische Herangehensweise variiert.

Ansehnlich aber normal im Ballbesitz

Anders als die erste Mannschaft, die versucht in (fast) jedem Spiel ihr Positionsspiel dominant durch zu drücken, ist die U19 etwas normaler. Man versucht offensiv mittels konstruktiven Ballbesitzspiels von hinten flach aufzubauen. Sie sind aber generell normaler im Ballbesitz und ich würde nicht sagen, dass sie ein sauberes Positionsspiel versuchen. Was Positionsspiel ausmacht liest man am besten bei den Kollegen von Spielverlagerung nach.
Die Bayern spielen nicht besonders dominant und haben nicht in allen Partien mehr Spielanteile als der Gegner. Diese geringere Dominanz hängt aber auch damit zusammen, dass die U19 häufiger den Ballbesitz verliert, wobei hierbei natürlich auch die individuelle Klasse der Spieler eine große Rolle spielt und keiner erwarten kann, dass sie annähert so gut sind wie die Profis (Außer natürlich Gaudino). Aber entscheidend ist wohl, dass man nicht konstant versucht gewillt ist im Ballbesitz zu sein und nicht die notwendigen Staffelungen herstellt und die Entscheidungsfindung danach ausrichtet. Oftmals sind die Staffelungen eher etwas breiter und man versucht weiträumiger zu attackieren, was dann auch dazu führt, dass das Gegenpressing nicht besonders gut ist. Beim Gegenpressing ist zusätzlich noch problematisch, dass man auch nicht immer die notwendige Intensität erreicht um den Gegner wirklich in Schwierigkeiten zu bringen.
Ein weiterer Grund dafür, dass die Bayern nicht unbedingt dass den Ball dominierende Team sind, ist, dass sie auch interessante Pressingansätze besitzen mit denen ein gefährliches Umschaltspiel möglich ist.

Jedes Spiel ein anderer Pressingansatz

Wie schon angedeutet sind die jungen Bayern taktisch sehr flexibel so auch im Pressing. Mittels Grafiken und Screenshots werden nun nachfolgend Pressingansätze aus verschiedenen Spielen erklärt.

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Bayerns Pressing

Gegen die TSG Hoffenheim wählte man einen Ansatz bei dem man versuchte, aus einem 4-1-4-1 heraus, die aufrückenden Halbverteidiger der Hoffenheimer 3er-Kette zu isolieren. Hierzu ließ man die TSG erst einmal innerhalb der 3er-Kette zirkulieren um dann wenn sich die Chance ergab aggressiv zu pressen. Der Trigger war das Andribbeln eines der Halbverteidiger. In dieser Situation schob Eberwein dann vor um ihn mit einem Bogenlauf vom Innenverteidiger zu isolieren und der jeweilige zentrale Mittelfeldspieler der Bayern rückte aggressiv aus dem Zentrum heraus. Somit stand der Hoffenheimer unter hohen Druck und hatte aufgrund des unzureichenden Bewegungsspiels seiner Kollegen im Mittelfeld kaum die Chance einen guten Pass zu spielen. Oft musste ein langer Ball die Linie entlang oder diagonal geschlagen werden wenn der Druck zu groß wurde. Auf die ersten wie auch die zweiten Bälle stand der FCB dann gut. In der ersten Halbzeit ging der Plan der Bayern sehr gut auf und Hoffenheim kam kaum zu gefährlichen Szenen. In der zweiten Halbzeit passte die TSG die Bewegungen der Mittelfeldspieler an und konnte sich so häufiger aus dem Pressing der Bayern befreien.

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Grundformationen FCB-Hoffenheim

Einen anderen Pressingplan verfolgte man zum Beispiel in der Youth League gegen

den AS Roma. In dieser Partie spielte man in einem sehr normalen 4-4-2-Mittelfeldpressing, das nichts besonders auffälliges aufwies. Dieses Pressing funktionierte nicht besonders gut und konnte die Roma nicht vor besondere Probleme stellen.

Wieder anders agierte man gegen die starke Mannschaft des SC Freiburg. Man wählte für dieses Spiel einen sehr vorsichtigen Plan und versuchte mit einem passiven 5-4-1-Pressing, welches offensiv als 3-4-2-1 gespielt wurde, Stabilität zu gewinnen. Hierbei war man aber nicht immer perfekt abgestimmt zwischen den Mannschaftsteilen und es fehlte an Kompaktheit und Zugriff. Die mangelnde vertikale Kompaktheit ist im Bild zu erkennen.  Insgesamt standen die Bayern aber trotz kleinerer Mängel gegen starke Freiburger stabil. In der Halbzeit, stellte Vogel um und man spielte ein aggressiveres 4-4-2 mit Eberwein und Kurt in der Spitze.

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Der Freiburger beim Schiri ist übrigens der LV Pedro Rodas Steeg, der kippte öfters herein und war auch ansonsten sehr mutig defensiv wie offensiv. Ein guter Spieler, sofern sich das nach einem Spiel bewerten lässt.

Insgesamt lässt sich zum Pressing sagen, dass versucht wird es immer an den Gegner anzupassen. Hierbei ist man zwar recht flexibel, aber nicht immer geht der Pressingplan voll auf oder wirkt ganz passend. Hier muss Vogel noch dran arbeiten, generell scheint der Ansatz aber recht ambitioniert. Problematisch könnte werden, dass bei häufige Umstellung der Mechanismen sich in gruppentaktischer Unsauberkeit ausdrücken könnte. Dies könnte wohl zu einer schwächeren Mannschaftsleistung führen, aber ich sehe es trotzdem positiv, da es in der Jugendmannschaft ja nicht vorrangig um den Mannschaftserfolg geht, sondern die Entwicklung der Talente vorangetrieben werden soll, wenn sie bereits in der Jugend an häufig wechselnde Rollen/Mechanismen gewöhnt werden und somit dies dann im Seniorenbereich keine Neuerung mehr darstellt. Gerade wenn ein Talent bei Guardiola den Durchbruch schaffen soll, ist Flexibilität wohl unabdingbar.
Wogegen sich wohl kein Jugendtrainer wehren kann, wenn Pep die Erste trainiert: hereinkippende Außenverteidiger und sonstige Aufbaumechnismen

Nicht nur durch flexible Anpassungen bezüglich des Pressings zeigt sich die „Guardiolazierung“ der A-Junioren. Besonders ihre Aufbaumechnismen sind teilweise schon nach klassischer Guardiolaart.

Gegen die Tabellenführer von der TSG Hoffenheim wählte man z.B. das taktische Mittel der „falschen“/“hereinkippenden“ Außenverteidiger. Wie erläutert spielte man defensiv nominell in einem 4-1-4-1. Dies wurde im eigenen Ballbesitz durch das Abkippen des 6ers, das Hereinkippen der Außenverteidiger sowie dem Aufrücken der 8er/10er zu einer Art 3-4-2-1.

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Die Außenverteidiger kippen herein, der 6er ab, fertig ist da 3-4-2-1.

Wenn man den Screenshot und die Grundaufstellung vergleicht werden diese Umformungen sofort deutlich.
Gerade auch der ersten Aufbaulinie entstand so eine Überzahl gegen die beiden Stürmer des Hoffenheimer 5-3-2, wodurch die Bayern den Ball gut zirkulieren lassen konnten. Hierbei spielten auch die Außenverteidiger/6er eine große Rolle, da sie sich sehr Ball- und Passsicher zeigten und sich auch aus engen Situationen gut befreien konnten. Am Aufbauspiel beteiligte sich auch Linksaußen Lukas Scholl einige Male, indem er in den Halbraum oder ins Zentrum einrückte. Hierbei war er dominant ballfordert, agierte aber anschließend teilweise schlecht mit dem Ball. Seine Aktionen waren dann zu dominant und ambitioniert wodurch es zu einem gefährlichen Ballverlust kam.
In der Offensiven 3er-Reihe war Mittelstürmer Michael Eberwein sehr beweglich und wich immer wieder aus oder ließ sich zurückfallen um sich am Spiel zu beteiligen. Pantovic und Hingerl balancierten diese Bewegungen aus oder ergänzten sie recht passend.

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Eberwein fällt zurück.

Wie bereits erwähnt war man bei der Ausrichtung gegen Freiburg zunächst um eigene Stabilität bemüht. Deshalb war man in der ersten Halbzeit auch mehr auf Konter fokussiert. Aber auch in diesem Spiel versuchte man sich an einem guten Spielaufbau. Hilfreich war hierbei, dass Gianluca Gaudino in diesem Spiel mitwirkte. Der kleine Spielmacher war die zentrale Person im Ballbesitz der Bayern. Er schaffte es immer sich für die eigene 3er-Kette anspielbar zumachen und konnte so das Spiel lenken. Die erste Pressinglinie des SCF wurde so immer wieder gut umspielt aber da Freiburg danach auch noch gut presste und Bayern lange Zeit besonders um die eigene Stabilität bemüht war konnte man sich aber nicht besonders viele Chancen erspielen. Nach den Umstellungen zur Halbzeit und eine generell offensivere Ausrichtung konnte man sich dann aber ein Chancenplus erspielen und hatte Pech in der letzten Minute noch das 2:2 durch einen Eckball zu kassieren.

Auch in der Partie gegen Saarbrücken gab es einen interessanten 3er-Ketten-Aufbaumechnismus zu sehen. Dieses Spiel haben wir hier analysiert.

Fazit

Ich war positiv überrascht von den jungen Bayern, da sie nicht nur ein recht ansehnliches Ballbesitzspiel besitzen, sondern auch taktisch sehr flexibel sind. Dies ist für mich ein indirekter Einfluss Guardiolas, da jeder Trainer im Verein wohl mitbekommt, dass Guardiola taktisch nicht gerade 08/15 ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die anderen Trainer an Guardiola orientieren.
Mojoe wird in der nächsten Zeit noch einen Artikel mit Spielerporträts veröffentlichen, in dem die interessantesten Spieler dieser Mannschaft noch mal beleuchtet werden.

Über Nils Poker

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Ein Kommentar

  1. Gefällt mir, wie du Kurt in die Analyse miteinbeziehst. Nämlich gar nicht. Von taktischem Verständnis oder gar bemühen sich bei Gruppentaktischen AKtionen zu beteiligen ist bei ihm nicht gegeben. Nebenbei ist sein Auftreten arrogant und in keinsterweise zielführend. Das er eine gute Technik (mehr aber auch nicht) hat ist bekannt,wenn man sich aber an grundlegenden Dingen im Mannschaftssport Fussball nicht beteiligt, ist da nichts zu machen für den Jungen.

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