Vorschau: Bayer 04 Leverkusen vs. FC Bayern München

 

Diesen Spieltag ist es soweit, Bayern Münchens Perfektionisten treffen auf die wild pressenden Leverkusener. Der Erste trifft auf den Dritten. Pep Guardiola trifft auf Roger Schmidt.

 

Es ist ein Spiel das allen Taktikliebhabern das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Spielt Bayern 3er- oder 4er-Kette? Beides? Spielt Robben wieder Wingback? Kippt Alonso ab und wenn ja wohin? Presst Bayer weiterhin ganz hoch? Passt sich Schmidt an Pep an oder umgekehrt?

Kurz gesagt: Welche strategischen Herangehensweisen wählen die beiden Trainer?

Mögliche Szenarien werden in dieser Vorschau dargestellt. Es besteht natürlich kein Anspruch auf Vollständigkeit (wie auch bei den tausenden möglichen Varianten). Aber es wird versucht einige Aspekte zu beleuchten.

 

  1. Szenario Pep geht (zunächst) auf Sicherheit

 

Als die Bayern letzte Saison in der Hinrunde auf den BVB trafen wählte Pep erstmal einen für ihn ungewöhnlichen strategischen Ansatz. Anstatt, wie gewohnt, zu versuchen das Spiel zu dominieren, lag der Fokus zuerst einmal auf der eigenen Stabilität. Man wollte den BVB nicht ins Umschaltspiel kommen lassen und verzichtete deshalb auf einen wirklich ambitionierten Spielaufbau. Unter Druck wurde früher als gewöhnlich der lange Ball gespielt und sehr viele Angriffe liefen über die Flügel. Javi Martinez begann als höchster Mittelfeldspieler und Mandzukic als Mittelstürmer um die Präsenz in der Luft, bei zweiten Bällen und im Gegenpressing zu erhöhen.

Im Laufe der zweiten Hälfte brachte Guardiola dann Götze und Thiago und übernahm die Spielkontrolle. Am Ende stand ein 3:0 Sieg für die Bayern, der aber gefühlt ein Tor zu hoch ausfiel.

 

Ein ähnlicher Ansatz wäre auch gegen Leverkusen möglich. Wie vor dem BVB hat Guardiola auch vor Bayer Leverkusen den größten Respekt, wie er oft schon öffentlich äußerte.

Damit man wenige Probleme mit Bayer 04s Pressing und Umschaltspiel zu bekommen wäre es möglich sich selber etwas an Leverkusens Spielweise anzupassen. Der Fokus würde zuerst darauf liegen nur nichts im Aufbau zu riskieren. Lange Bälle in potenziell gefährlichen Situationen wären hierbei wohl zu erwarten. Als Zielspieler für diese Bälle würde wohl Lewandowski dienen der sich ausweichend in Richtung der Flügel bewegen könnte um die langen Bälle dort (bzw. in den Halbräumen) zu behaupten. Bei dieser Spielweise wären die zweiten Bälle und das Gegenpressing sehr wichtig und ein Spiel mit drei zentralen Mittelfeldspielern würde Sinn ergeben. Vor Alonso als 6er könnten als 8er Höjbjerg (oder wenn bereits einsatzfähig auch Schweinsteiger) und Sebastian Rode auflaufen. Gerade Rode wäre für die erläuterte Spielweise prädestiniert . Er könnte seine Physis gut im Kampf um die zweiten Bälle und im Gegenpressing einbringen. Außerdem würde diese Spielweise ihn größtenteils von Aufgaben im Aufbau befreien, in denen er nicht immer optimal und strategisch handelt.

Bei dieser Strategie sind unterschiedliche Systeme denkbar.

Einerseits ein 4141/433, für das defensiv die doppelte Flügelbesetzung sprechen würde. Hierbei würden wohl dann Ribery und Robben die Flügel besetzen und versuchen über Dribblings Durchbrüche zu generieren. In der Innenverteidigung würden Dante oder Benatia den Platz neben Boateng einnehmen, wobei Benatia aber eigentlich besser für das Spiel gegen Bayer geeignet ist, da er über mehr Tempo und Dynamik als Dante verfügt und somit im Gegenpressing und in der Absicherung weiträumiger agieren kann.

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Andererseits ist auch ein System mit 3er-Kette möglich in dem dann Lewandowski und Müller eine Art Doppelspitze bilden würden. Alonso könnte als Anpassung an Leverkusens 424/442-Pressing abkippen und so wiederrum eine 4er-Kette herstellen. In diesem Falle würde es sinnvoll erscheinen Bernat als linken Halbverteidiger aufzubieten, da er dann auf seine natürliche Position am linken Flügel herausrücken könnte. Die Wingbacks Robben und Ribery würden die Leverkusener Außenverteidiger auf sich ziehen, was dazu führen würde, dass das Sturmduo der Bayern noch mehr Platz zum Ausweichen hätte um die langen Bälle zu behaupten.

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  1. Szenario: Spielkontrolle und Verlagerungsfokus

Als strategische Anpassung im Laufe der Partie könnte an die nachlassende Intensität der Leverkusener ab der ca. 60-70 Minute der Fokus mehr auf die eigene Offensive gelegt werden, wenn die Partie zu diesem Zeitpunkt noch torlos seien sollte oder der FCB hinten liegen sollte.

Um die Spielkontrolle zu erhöhen würde es sich anbieten Götze für Rode zu bringen und generell im Aufbauspiel etwas ambitionierter zu agieren.

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Man würde versuchen Bayer weiter zurückzudrängen um dann im Angriffsverlauf über Verlagerungen Durchschlagskraft zu erzeugen. Als Ziel dieser Verlagerungen würde sich die linke Defensivseite Bayers anbieten, da diese individuell schwächer bzw. unpassender besetzt ist. Der tendenziell staksige Boenisch wirkt nicht unbedingt wie jemand der dafür geschaffen wurde Arjen Robben im 1vs1 zu verteidigen, zusätzlich ist auch Son nicht so extrem defensivstark wie Lauf- und Sprintwunder Karim Bellarabi auf der Gegenseite. Auch wirkt der hochtalentierte Jedvaj auf Rechts wie ein recht passender Gegenspieler zu Ribery. Robben könnte so nach Verlagerungen wahrscheinlich mit fortschreitender Spieldauer immer häufiger in 1vs1 kommen und Durchbrüche erzeugen, da mit der Zeit auch Bayers Geschwindigkeit im Verschieben nach den Seitenwechseln nachlassen wird.

Generell hört sich diese Idee jetzt erstmal recht einfach und logisch an, aber es ist zu beachten, dass es nicht gerade leicht ist überhaupt zu Verlagerungen gegen Bayer zu kommen. Um die Verlagerungen vorzubereiten muss man zuerst längere Zeit den Ball auf der Gegenseite halten um den Gegner anzulocken. Dies scheint zwar oft eine der einfachsten Übungen für die Bayern zu sein, aber Leverkusen ist extrem stark und aggressiv im Defensivverhalten, wodurch es auch Bayern sehr schwer fallen könnte den Ball längere Zeit im selben Raum zu behaupten und dann auch noch sauber zu Verlagern. Um den Ball zu behaupten wäre wohl besonders die erwähnte Einwechselung Götzes sinnvoll, da er in der Lage ist den Ball auch konstant in engen Situationen zu halten (#Nadelspieler).

 

Diese Strategie von Beginn des Spiels an zufahren erscheint riskant, da man sie mit einer dominanteren Ballzirkulation verbinden muss, da das Auflösen gefährlicherer Situationen mittels langer Bälle nicht mehr so gut möglich wäre aufgrund der dafür etwas fehlenden Struktur. Außerdem kann Bayern im Moment, verletzungsbedingt, nicht auf seine pressingresistentesten zentralen Mittelfeldspieler zurückgreifen (Lahm, Thiago mit Abstrichen Schweinsteiger), weshalb es wohl riskant wäre über das Zentrum und Zirkulation das Spiel dominieren zu wollen. Gefährliche Ballverluste könnten die Folge eines zu ambitionierten Ansatzes seien.

 

 

  1. Szenario: Mal was ganz krankes: Was wenn Pep Leverkusen den Ball überlässt?

 

Diese Frage würde wohl jeder tendenziell erst einmal mit Nein beantworten. Ich auch, denn es würde an Peps Stelle nicht wirklich Sinn ergeben. Man stelle sich doch nur mal vor was Leverkusen machen würde wenn Bayern ihnen den Ball überlassen würde. Leverkusen würde den Ball wahrscheinlich insofern direkt zurückgeben, dass sie ihn riskant in hohe Räume spielen würden, wo sie dann ihr Gegenpressing anwenden könnten. Die Münchener hätten bei diesem Vorgehen Bayers wohl immer noch mehr vom Ball, aber mit dem Haken, dass Bayer wohl einige gefährliche Situationen nach langen Bällen und/oder Gegenpressing erzeugen könnte.

Gerade, wenn Pep sich entscheiden würde ein hohes Pressing gegen Leverkusen zu spielen, hätten diese großen Räume in die sie ihre langen Bälle strategisch wertvoll spielen könnten.

Logisch wäre es demnach, wenn sich die Bayern in einem tendenziell eher passiveren Mittelfeldpressing anordnen würden, in dem man gut auf zweite Bälle gestaffelt wäre und Bayer nicht erlauben würde einen „stumpf“ über vertikale, riskante, aber durch Gegenpressingstrukturen abgesicherte Schnellangriffe zu überrennen.

Auf weitere mögliche interessanten taktischen Konstellationen von Euch freuen wir uns natürlich in den Kommentaren!

Über Nils Poker

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