Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

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Türchen 19: Mit vertikalem Spiel zum Torabschluss (9 gegen 8 in zwei Zonen)

Von @feyre9251

Die heutige Trainingsform kann als Fortsetzung dessen betrachtet werden, was ich beim letzten Mal an dieser Stelle präsentiert habe. Fortsetzung oder Steigerung deshalb, weil wir uns von einer prinzipienorientierten hin zu einer eher situationsorientierten Aufgabe bewegen, bei der es mehr Bezug zum tatsächlichen Spiel gibt als beim bloßen Fokus auf eines oder mehrere Prinzipien.

Dementsprechend kommt nun eine klare Richtung (im konkreten Beispiele mithilfe zweier Großfeldtore) ins Spiel. Es gibt dieselben Positionen wie sie im jeweiligen Spielmodell des Trainers vorgesehen sind und entsprechend auch strategische Richtlinien, die sich entweder darauf oder auf einen speziellen Gegner beziehen können.

Aufbau

Diese Trainingsform kann als “größere“ Spielform klassifiziert werden (mehr als 12 Spieler eingebunden). Feldgröße sowie Spieleranzahl sind wie in der untenstehenden Grafik gewählt. Das genutzte Spielfeld wird in zwei hauptsächliche Zonen eingeteilt und zusätzlich markiert man an jeder Stirnseite einen eigenen Bereich für die Torhüter.

Die Spieler aus der kleineren Zone (lila) dürfen sich nicht in die größte Zone bewegen. Umgekehrt dürfen die Spieler aus der größten Zone erst nach mindestens einem erfolgreichen Zuspiel in die lila Zone dorthin nachschieben.

In der Grundform beginnt stets der Torhüter des roten Teams mit dem Ball. Ziel ist es, erfolgreich aufzubauen und ein Tor auf der gegenüberliegenden Seite zu erzielen. Die Spieler der blauen Mannschaft reagieren darauf entsprechend, indem sie aggressiv pressen, um den Ball zu gewinnen. Geschieht dies, so starten sie einen Gegenangriff, um ihrerseits einen Treffer zu erzielen.

Kein Spieler der ballbesitzenden Mannschaft darf die (gelbe) Torhüter-Zone betreten. Der nicht in Ballbesitz befindlichen Mannschaft ist dies hingegen erlaubt. Die Gründe dafür habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst:

Wie immer können solche Regeln angepasst werden, um verschiedene Aspekte des Spielmodells unterschiedlich hervorzuheben. Dies wird durch den grundsätzlich freieren Charakter dieser Spielform ohnehin noch einmal verstärkt. Zudem lassen sich natürlich auch Anpassungen in Bezug auf die zur Verfügung stehende Spieleranzahl, den Tag innerhalb der Periodisierung etc. durchführen.

Ablauf

Die Aufgabe zielt darauf ab, das Prinzip der Vertikalität innerhalb eines Spielmodells, das auf Tiefendynamik basiert, einzuführen und in einem System mit zwei Stürmern umzusetzen. Wie weiter oben diskutiert und in Anlehnung an meinen vorherigen Beitrag, wollen wir vor allem die Verbindung zu den beiden Stürmern hervorheben, die dann in positioneller Überlegenheit das Tor attackieren können.

Um dies erfolgreich umzusetzen, muss das ballbesitzende Team den Gegner zunächst ins hohe Pressing locken, um dann gezielt Lücken zu kreieren, durch welche die beiden Angreifer bedient werden können. Gleichzeitig muss man ihnen für die Anschlussaktion auch die Möglichkeit des Spiels über den Dritten herstellen.

Allerdings gibt es aufgrund der grundsätzlichen Ausrichtung dieses Spiels keine spezielle Variation der Punkteregelung, da es uns lediglich darum geht, aus einem Pass in die Tiefe eine Torchance zu kreieren – wie genau das geschehen soll, lassen wir jedoch offen.

Dementsprechend gibt es keine Aufgaben wie: “Einmal erfolgreich über den Dritten spielen, bevor ein Treffer erzielt werden darf“, wenngleich diese in anderen Kontexten durchaus hilfreich sein können. Wenn wir mit dem allerersten Pass einen unserer Stürmer erreichen und dieser einen Treffer erzielt, ist die Aufgabe des Spiels hinlänglich erfüllt.

Die Spieler in der größten Zone müssen Grundregeln des Positionsspiels umsetzen, um unter hohem Druck erfolgreich aufzubauen. Hierbei kommt ihnen ihre Überzahl zugute, die durch die Einbindung des Torhüters noch zusätzlich gesteigert werden kann.

Um eine detailgetreue Wiederholung zuvor bereits vorgestellter Konzepte zu vermeiden, beschäftige ich mich nachfolgend lediglich mit den speziellen Anforderungen an die Spieler. Die bereits zuvor vorgestellten Konzepte lauten:

  • Orientierung zum weitest entfernten Mitspieler
  • Körperstellung
  • Art des Passes
  • Diagonalität
  • Bereit sein
  • Manipulation, um vertikale Optionen zu öffnen
  • Dynamik und Folgeaktion

Die Spieler müssen erkennen, wann ein kurzes und wann ein langes Zuspiel angebracht ist. Dies sollte nicht nur darauf basieren, ob die weiter entfernte Option technisch zu erreichen ist, sondern ob sie auch tatsächlich einen Vorteil mit sich bringt. Aufgrund des numerischen Verhältnisses in der ersten Zone gibt es auch die Möglichkeit des kontrollierten und kürzeren Durchspielens – nicht nur das Anlocken des Gegners und Überwinden desselben mit einem direkten Pass.

Es ist überaus wahrscheinlich, dass die Spieler vermehrt zum Spiel über den Dritten greifen, da dieses einen stabilen Ballvortrag erleichtert und gleichzeitig wertvolle Anschlussaktionen ermöglicht. Spielt einer der beiden Angreifer aus der letzten Zone heraus beispielsweise eine Ablage, so können nachstoßende Spieler direkt zu einem erfolgreichen Abschluss des Angriffs beitragen.

Zudem lässt sich interessanterweise noch die Rolle des Torhüters im Aufbauspiel hervorheben (man könnte dies noch mehr tun, wenn man in der ersten Zone ein 6 gegen 6 statt einem 7 gegen 6 aufbieten würden). Er beginnt stets den Angriff und steht in dessen weiteren Verlauf nahezu durchgehend als freier Spieler zur Verfügung. Dadurch muss er die beste Lösung in der Spieleröffnung finden und sich im weiteren Verlauf bestmöglich unterstützend für den Rest des Teams anbieten. Eine solche Aufgabe stellt hohe Anforderungen an die Torhüter.

Weiterhin sollten wir uns der strategischen Dimension bewusst sein zu wissen, was der Gegner jeweils erwartet, und dadurch die von ihm schlechter bewachten Räume/Optionen zu attackieren. In konkretem Beispiel wird der Gegner durch das geforderte hohe Pressing vor allem in der vertikalen Achse angelockt und lässt dadurch häufig den direkten Weg zu den Stürmern offen.

Die hauptsächliche Rolle dieser ist es, sich dem Zugriff der Verteidiger bestmöglich zu entziehen. Die Stürmer müssen sich innerhalb der lila Zone untereinander koordinieren, um zwei miteinander verbundene Optionen in die Tiefe bereitzustellen sowie nach Erhalten des Balles so schnell wie möglich abschließen zu können. Gleichzeitig müssen sie Situationen erkennen, in denen eine Ablage sinnvoll ist und wann sie ihre Position erneut anpassen müssen, um sich vom Verteidiger zu lösen.

Andersherum geht es für die nicht ballbesitzende Mannschaft darum, in Unterzahl aggressiv Druck auf das Überzahl-Team auszuüben und dabei gleichzeitig die vertikalen Passmöglichkeiten einzuschränken.
Dieser Aspekt ähnelt der in Türchen 13 vorgestellten Trainingsform.

Variationen

Abhängig von der Wichtigkeit der einzelnen grundlegenden oder spielspezifischen Prinzipien lassen sich unterschiedliche numerische Anordnungen sowie verschiedene Zoneneinteilungen wählen. Nachfolgend ein Beispiel, das sich eher auf schnelle Flügelangriffe und Hereingaben fokussiert:

Außerdem lassen sich auch funktionelle Anpassungen vornehmen. Ein Beispiel hierfür wäre es, dass das blaue Team in Ballbesitz startet (wodurch sich das numerische Verhältnis etwas verändert). Dadurch dreht man das Spielgeschehen dahingehend um, dass das blaue Team, die Angriffe eher aus der Tiefe statt wie rot zuvor in die Tiefe aufbaut.

Für Team Rot geht es demgegenüber um die Organisation gegen den Ball sowie schnelle Konter in Richtung der Endzone, was Team Blau wiederum mit einem intensiven Gegenpressing zu verhindern sucht etc.