Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

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Türchen 13: 8vs6 mit 11 Spielern

von Alex Belinger

Im vergangenen Jahr war ich Trainer einer lokalen U14- bzw U15 Mannschaft. Einige Spieler waren erst seit recht kurzer Zeit im Verein aktiv und die Trainingsbeteiligung war insgesamt gut, schwankte aber auch ziemlich, abhängig von den Prüfungen, Skikursen und sonstigen Terminen, welche bei den Jungs gerade anstanden. Mannschaftstaktische oder gewisse gruppentaktische Themen zu trainieren, war daher nicht immer oder nur unter bestimmten Umständen möglich. Mit der folgenden Übung habe ich das Pressing meiner Mannschaft mit nur 10 Feldspielern trainiert.

In der Übung wird im Mittelfeldpressing begonnen und dann situativ ins Angriffspressing gegangen. Mit meiner Mannschaft wollten wir stets im Mittelfeldpressing beginnen, da die meisten Gegner sehr schnell und sehr häufig zu langen Bällen griffen und wir Probleme dabei hatten, diese zu verteidigen. Dadurch wollten wir den Gegner nicht so wie in der Liga üblich vorne zustellen sondern zu einem flachen Spielaufbau einladen. Meine Spieler taten sich jedoch schwer dabei, den Mittelfeldpressingblock zu halten und die vorderen Spieler pressten immer wieder viel höher. Dies lief jedoch sehr unkoordiniert ab, da es auch nicht eingeplant war. Ich entschließ mich dazu, mich dem Verhalten meiner Spieler anzupassen und aus dem Mittelfeldpressing situativ in ein Angriffspressing überzugehen.

Aufbau und Ablauf:

Es werden zwei Teams gebildet. Vier Verteidiger müssen das Spiel gegen vier Mittelfeldspieler und zwei Stürmer aufbauen. Es werden gemäß der Abbildung sechs Stangentore aufgestellt, wobei die zentralen Tore ein Dreieckstor sein sollten. Es bietet sich an die höheren und die tieferen Tore farblich speziell zu kennzeichnen.

Die blauen Tore sind für das Mittelfeldpressing, welches als Ausgangspunkt der Übung diente. Die vier Aufbauspieler haben drei Zielspieler für ihren Spielaufbau, einen Sechser und zwei Achter, wobei diese eben durch Stangentore dargestellt werden. Durch diese drei Anspielstationen ergibt sich für im Spielaufbau quasi eine 7vs6-Überzahlsituation bzw 8vs6, wenn man den Tormann dazuzählt, der ebenfalls eine mögliche Anspielstation darstellt. Weiß muss entsprechend verschieben, um diese Anspielstationen zu blockieren und Druck auf den Ballführenden auszuüben.

Für einen erfolgreichen Pass durch ein Stangentor auf „den Sechser“ bekommt Rot einen Punkt, für ein Zuspiel auf „einen Achter“ zwei Punkte. Weiß bekommt einen Punkt für eine Balleroberung. Nach der Balleroberung wird auf das große Tor gekontert, ein erfolgreicher Abschluss bringt zwei Punkte.

Wird der Druck für die vier Aufbauspieler zu groß, so haben sie die Möglichkeit einen Rückpass zum Tormann zu spielen. Dann sollen die Defensivspieler sofort nachrücken und ins Angriffspressing übergehen. Die gelben Stangentore sind nun die neuen Zielspieler, die Punkteregeln bleiben gleich. Nach einem abgeschlossenen Konter oder einem Pass durch ein Stangentor beginnt die Übung stets erneut im Mittelfeldpressing mit Ball bei einem der Innenverteidiger.

Coachingpunkte:

Die Übung ist aufgrund der Spieleranzahl etwas limitiert und so ist vor allem das Anpassen der Höhe eher nebensächlich, da die Aufbauspieler schließlich nicht die Tiefe attackieren können. Geübt wird vor allem das horizontale Verschieben sowie das Rausrücken auf die Verteidiger bei gleichzeitigem Schließen von Passwegen. Dass es in dieser Übung nur vier Aufbauspieler gibt, hat so sogar Vorteile. Die Defensivspieler können dadurch weniger manndecken und sind durch die Regeln der Übung automatisch angehalten, die Anspielstationen in ihren Deckungsschatten zu nehmen. Da die Anspielstationen sich im Gegensatz zu richtigen Spielern nicht bewegen können, ist die Orientierung erleichtert und die Übung für ein eher niedrigeres Niveau oder das Einführen einer neuen Defensivstrategie gut geeignet.

Konkret bedeutet dies im Falle dieser gewählten Defensivformation, dass sich die beiden Stürmer nicht nur auf die Innenverteidiger konzentrieren dürfen, sondern zusätzlich den Sechserraum versperren. Presst ein Stürmer auf den Innenverteidiger, so sollte der andere Stürmer etwas versetzt dahinter positioniert sein, um die Anspielstation zu blockieren. Presst er raus, sollte er dabei „den Sechser“ im Deckungsschatten haben. Die beiden äußeren Mittelfeldspieler sollten speziell ballnah bereits etwas höher als die zentralen Mittelfeldspieler stehen, um ein kürzeren Weg auf den Außenverteidiger zu haben. Er sollte aus einer engen Position diagonal nach Außen starten, um den Pass auf den Achter zu blockieren, und dies zudem auch nicht zu früh tun, damit es ein Angebot gibt und der Außenverteidiger auch angespielt wird. Neben diesem Timing im Rausrücken wurde von mir etwa die Abstände zwischen den Mittelfeldspielern und die Orientierung per Schulterblick auf die im Rücken liegenden Passoptionen gecoacht

Der Fokus der Übung liegt auf dem Spiel gegen den Ball, trainiert wird aber natürlich auch der Spielaufbau der vier Verteidiger. Der Longline-Pass des Außenverteidigers ist in der Übung etwa nicht vorgesehen, da dieser von mir nicht als wünschenswert angesehen wird und der Ball lieber wieder diagonal in den Halbraum oder ins Zentrum gebracht werden soll. Das zentrale Tor ist daher auch speziell ein Dreieckstor, damit Zuspiele des Außenverteidigers auf „den Sechser“ besser möglich sind. Die Innenverteidiger sind durch die Punkteregeln natürlich dazu angehalten, Pässe auf den Sechser oder bevorzugt technisch anspruchsvoller über zwei Linien auf einen Achten zu spielen. Dazu müssen sie stets in die Tiefe blicken, um nach weiter entfernten Passoption zu suchen. Bei meinen Spielern funktionierte dies anfangs sehr schlecht und offene Passwege auf die Achter wurden häufig übersehen. Als die Übung bereits besser funktionierte, ging ich noch kurz auf die Positionierungen der Innenverteidiger (welche oft zu nahe an den Stürmern standen) und die Vorteile des Andribbelns ein.

 

Natürlich kann die Übung je nach verwendeter Defensivformation angepasst werden. Möglich wäre es auch eine Maximalkontaktzahl für Aufbauspieler festzulegen, um so das Pressing zu erleichtern und mehr Ballgewinne zu forcieren.