Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

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Türchen 15: 6v6 Linien überspielen

By David Goigitzer

In der Suche nach Übungen zur Verbesserung der schnellen Ballzirkulation, einer Hochzahl an Pressingsituationen, wo Absicherungen akzentuiert werden, sowie generell Orientierung unter hohem Druck in und ohne Ballbesitz, habe ich mir diese Übung ausgedacht, die man sicher so oder so ähnlich schon mal gesehen hat. Diese Übung habe ich auf recht engem Raum (so wie auf den Grafiken dargestellt) mit meiner U13 angewandt, aber auch mit älteren Spielern von der U17 auf etwas größerem Raum.

Übungsaufbau

Auf recht engem Raum gibt es eine Zone pro Spieler, diese ist im Ballbesitz die Bewegungsbeschränkung, im Pressing ist die Zone davor und dahinter ebenfalls attackierbar, wobei man erst rückwärtspressen darf, nachdem die eigene Linie überspielt wurde. Im Ballbesitz soll die Bewegungsbeschränkung die Spieler zum einen dazu konditionieren, im Ballbesitz ihre generellen Positionen zu halten, innerhalb dieser Zone jedoch soll man dennoch die Positionierung anpassen, um sich in Lücken anzubieten oder Gegner mitzuziehen. Ein „zu nahe kommen“, was im Positionsspiel nicht erwünscht ist, ist aufgrund der Regeln nur schwer möglich. Das Vertrauen zum Mitspieler, sowie bereits erwähnt kluges Positionieren sind hier gefordert.

Im Pressing forcieren die Zonen ein Bewusstsein für die Raumdeckung, besonders die Abstände zu den Mitspielern, die stets eng gehalten werden sollten, durch die Zonenbegrenzung jedoch nicht zu eng werden können. Durch die Regel, dass die Zone dahinter nach Überspielen der eigenen Linie ebenfalls angelaufen werden darf, soll Rückwärtspressing forciert und zur Gewohnheit werden.

Der Umstand, dass es vier Minitore gibt, zwingt die Spieler in der letzten Verteidigungslinie zum Verschieben bis an die Grenzen ihrer eigenen Zone. Mit drei Toren würden die Verteidiger dazu tendieren einfach ihr eigenes Tor zu verstellen. So aber müssen sie sich an der Position des Balles orientieren, sowie gleichzeitig stets das Tor im Blick behalten, um so die eigene Position anzupassen und Torschüsse möglichst abzufangen.

Regeln

  • Im Ballbesitz muss jeder in seiner Zone bleiben
  • Im Pressing darf nur die Zone, in der der Ball ist, angepresst werden. Dies passiert durch den jeweiligen Spieler davor und/oder dahinter.

Punktesysteme

  • Die Anzahl der Pässe, die ohne Unterbrechung vor einem Tor gespielt werden, ergeben die Punktezahl. Hierbei ist es wichtig, dass die Spieler an das eigentliche Ziel, das Toreschießen. Die Spieler sollen dennoch eine geduldige Ballzirkulation anwenden, um beim Gegner Löcher zu reißen und nicht zu hohes Risiko gehen. Dennoch sollte ein Pass aus der ersten Linie direkt ins Tor hoch belohnt werden.
  • Pro Ballbesitz bekommt jedes Team 6 Punkte. Je weniger Pässe bis zu einem Tor gespielt werden, desto weniger Punkte werden abgezogen. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt natürlich.
  • „Normale“ Punktevergabe mit einem Punkt pro Tor und drei Punkten für einen Pass aus der ersten Linie direkt ins Tor.

Coachingpunkte

Orientierung

Durch den engen Raum, sowie unter den hohen Druck den man von vorne (und hinten als Spieler in der zweiten Linie) gesetzt werden kann, ist Orientierung ein wichtiger Aspekt dieses Spiels. Ständiges Umblicken erweist sich als sehr hilfreich. Jedoch wie auch in Türchen 2 und Türchen 7 geht es hierbei darum, zielgerichtete Orientierung zu schulen. Für die Spieler in der ersten Aufbaulinie sind natürlich die Tore der erste Orientierungspunkt. Blickt man auf die zentral gelegenen Tore, sind die seitlichen ebenfalls im Blickfeld, können jedoch auch nochmal explizit ins Bewusstsein gerufen werden, falls offene Passwege zu ihnen konstant übersehen werden. Als nächstes in der Prioritätsliste stehen die Mitspieler in der zweiten Aufbaureihe, die bewusst angesteuert werden sollen. Auf diagonale Optionen soll stets hingewiesen werden. Ist weder ein direkter Schuss aufs Tor, noch ein Pass in die nächste Aufbaulinie möglich, dann kann ein Querpass auf einen Mitspieler gespielt werden. Dieser Querpass zwing den Gegner zum Verschieben und generiert Löcher in der Formation, die in weiterer Folge genutzt werden können.

Für die Spieler in der zweiten Aufbaureihe ist die Vororientierung hinter die eigene Schulter wichtig, um Tore und Gegner im Rücken im Auge zu behalten. Ein Bewusstsein der Position von Tor, Gegner und einem selbst kann für schnelle, tororientierte Aktionen sehr hilfreich sein. Mitspieler hinter und neben einem, sowie in der ersten Aufbaureihe können für Ablagen bereit stehen.

Auch in der Defensive soll die Orientierung gecoacht werden. Natürlich muss der Ball beobachtet werden, mit regelmäßigen Schulterblicken soll man aber auch den Gegenspieler/das Tor hinter einem im Bewusstsein haben, um Passwege zu versperren. Zwar ist verbale Kommunikation hier auch hilfreich, dennoch sollen die Spieler sich daran gewöhnen selbst die richtige Position zu finden. Auch die Position des Mitspielers ist ein wichtiger Orientierungspunkt, um Lücken richtig schließen zu können.

Körperstellung

Eine offene Körperstellung von allen Spielern im Ballbesitz ist von höchster Wichtigkeit. Sie hilft bei der korrekten Orientierung, da das Blickfeld Richtung Tor erweitert wird. Zudem wird der erste Kontakt ebenfalls Richtung Tor geführt. In der ersten Aufbaulinie hilft eine offene Körperstellung vor allem dem zentralen Spieler dabei schnelle Verlagerungen zu spielen, sowie den äußeren Spielern zu diagonalen und vertikalen Pässen. In der zweiten Aufbaulinie hilft eine offene Körperstellung dabei, Gegner hinter dem Rücken sowie die Tore besser wahrzunehmen. Eine Annahme mit dem ferneren Fuß und eine schnelle Anschlussaktion können bei offener Körperstellung auch unter Druck zu saubereren, tororientierten Aktionen führen. Zu oft werden unter Druck Ablagen nach hinten gespielt, obwohl bei besserer Körperstellung auch eine Aktion nach vorne möglich gewesen wäre.

Auch in der Defensive ist die Körperstellung von Bedeutung. Durch diese kann man den Gegner manipulieren und zu bestimmten Passoptionen zwingen, was zur Vorhersehbarkeit der gegnerischen Aktionen und somit zur Erleichterung der Antizipation beiträgt.

Verhalten im Pressing

Intensität ist in dieser Übung auf engem Raum von oberstem Gebot, sofern man nicht auf einfache Weise ausgespielt werden möchte. Stete Bereitschaft nach vorne auf den Ball zu pressen ist vonnöten und Antizipation soll gecoacht werden. Des Weiteren ist das ballorientierte Verschieben ebenfalls von hoher Wichtigkeit. Vor allem in den ballfernen Zonen tendieren Spieler dazu nicht zu verschieben, da sie sich nicht beteiligt fühlen. Dies kann zu einfachem Bespielen der Schnittstelle nach Verlagerungen führen, weshalb darauf besonders Wert gelegt werden sollte.

Positionierung in Ballbesitz

Idealerweise sollten sich die Spieler so weit weg wie möglich und nur so nahe wie nötig anbieten. Vor allem in der ersten Linie ist es oft der Fall, dass Spieler dem Ballführenden zu nahe kommen und so das eigene Sichtfeld einschränken und sich leicht pressbar machen. Auch in der zweiten Linie sollten man den Platz, den man hat, so gut wie möglich nützen, sich mit offener Stellung in Lücken der gegnerischen Verteidigungslinie anbieten. In der zweiten Linie sollte aber auch das Bewusstsein für Gegnermanipulation gefördert werden. Wenn die Verteidiger sich sichtbar an den Angreifern orientieren, kann man dies nützen um Raum zu schaffen für Pässe zu einem anderen Mitspieler oder gar direkt ins Tor.

Gegenpressing

Nach Ballverlust sollte sofort von dem Spieler gegengepresst werden, in dessen Zone der Ball ist. Die anderen Spieler sollten sich so schnell wie möglich zusammenziehen und Passwege in die Tiefe versperren. Man kann natürlich auch Bewegungsfreiheit beim Gegenpressing erlauben, eine Zeitbegrenzung wäre hierbei hilfreich, damit die Spielform nicht völlig ein Hin und Her ausbricht.