Türchen 7: 4v2 Zonen-Rondo

Von David Goigitzer

Mit dem Adventskalender des letzten Jahres kam ein ganz besonderer Beitrag von feyre9251, und zwar über das 5v3 Positionsspiel. Diese Übung hat mich sehr inspiriert und ich habe sie dann in der Folge auch mit meiner U13 regelmäßig angewandt habe. Da mir das Grundkonstrukt der Übung sehr gefallen hatte, ich ihr aber für meine U11, sowie auch für das Aufwärmen/den Einstieg für die U13, die Komplexität etwas nehmen wollte, habe ich an einer Abwandlung davon gearbeitet.

4v2 Zonen-Rondo

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Regeln und ihre Auswirkungen

Es ist nur ein Spieler pro Zone erlaubt. Dennoch soll es Positionsanpassungen geben und forciert werden, weshalb sich ein Spieler durchaus in der Zone des anderen anbieten darf, um einen Pass zu bekommen. Die Mitspieler müssen darauf natürlich reagieren und sich in anderen Zonen bewegen. So werden ständige, kleine Positionsanpassungen generiert. Diese Zonenregel hat natürlich einen starken Einfluss auf die Struktur, die Diagonalität forciert und deren Abstände sauber und ähnlich bleiben. Das Verhalten der Spieler im Anbieten wird dadurch auch stark beeinflusst, ein „zu nahe kommen“ zum Ballführenden ist ohne Regelverstoß gar nicht möglich. Die Spieler gewöhnen sich an einen passenden Abstand und verstehen, dass sie sich nicht zwangsläufig zum Ballführenden hinbewegen müssen um anspielbar zu sein. Durch die Regel wird auch das Bewusstsein der gemeinsamen Verbindungen gestärkt. Die Spieler erkennen, dass jede Bewegung eine Auswirkung auf die Struktur hat, sodass man die eigene Position anpassen muss wenn sich der andere bewegt, sowie sich die anderen auf einen selbst anpassen. Ständige, aber vor allem auch gezielte Orientierung zu den Mitspielern (und zum Hütchentor, dazu später mehr) entsteht auf natürliche Weise. Wie Moritz Kossmann bei seinem Türchen erwähnt hat, wird Orientierung zwar oft gecoacht, jedoch keine Hinweise darauf gegeben, wohin man sich denn orientieren soll.

Ich habe nur selten Kontaktbegrenzungen eingesetzt, da es mir wichtig war, dass die Spieler selbst erkennen wann sie den Ball öfter berühren können und wann nicht. Auch, dass jeder Kontakt eine Auswirkung auf den Gegner hat und man diesen damit locken kann wird geschult. Kollege Eduard Schmidt hatte mir mal ein simples 6v2 Rondo mit drei Pflichtkontakten vorgeschlagen, was sehr gut zur „Gegnermanipulation“ und interessante Lerneffekte hatte. Ab und an spielte ich dieses 4v2 Zonen-Rondo dennoch mit einer Begrenzung von zwei Kontakten, gerade zu Beginn wandte ich dies an um einen höheren, jedoch sauberen Passrhythmus in die Übung zu bekommen.

Wird der Ball an die Verteidiger verloren, versuchen diese aus dem Feld rauszudribbeln, um einen Punkt zu erzielen. Direkt nach Ballverlust ist die Bewegungsbeschränkung aufgehoben, die Spieler dürfen sich frei bewegen. Bereits ohne spezifische Instruktion werden (zumindest) einige Spieler nach Ballverlust gegenpressen. Nach Hinweis auf kollektives Gegenpressing wird auch dieser Aspekt trainiert.

Die ballbesitzende Mannschaft kann auf zweierlei Arten einen Punkt erzielen:

1. Durch das Bespielen des Hütchentores in der Mitte des Spielfeldes. Die ballbesitzende Mannschaft wird darauf konditioniert sich in die Mitte vorzuorientieren, sowie entsprechend positionieren, um Pässe durch das Hütchentor spielen wie auch annehmen zu können. Offene Körperposition, Blick in die Mitte und zu Mitspielern vor der Ballannahme, sowie als potentieller Passrezipient das Bewegen „auf Lücke“ sind hier wichtig und hilfreich, um erfolgreich einen Punkt zu erzielen.

2. Durch das Spielen durch acht Pässe ohne Unterbrechung. Dies soll die Verteidiger dazu provozieren, Druck auf den Ball zu machen und nicht einfach nur auf Fehler abzuwarten, gibt aber auch den Angreifern einen Anreiz auf schnelle, druckvolle Ballzirkulation, sowie zur Geduld, falls kein Pass durch das Hütchentor offen ist.

Coachingpunkte

Gemäß dem Juego de Posición versuche ich im Training Bewusstsein für Abstände und Verbindungen zueinander zu schaffen. Die Spieler sollen danach streben, stets miteinander verbunden zu sein, ohne dabei zu nahe zu kommen und den Überblick übers Spielfeld zu verlieren. „So weit weg wie möglich, so nahe wie nötig“. Durch die Zonenregel wird dies, wie bereits erwähnt, ja bereits forciert. „Auf die Zonen achten“ verwende ich dennoch gerne als Erinnerung im Coaching, um Orientierung auf die Mitspieler und das eigene Freilaufverhalten zu bekräftigen.

Um die Positionierung dennoch zu verbessern, coache ich hierbei vor allem die Körperstellung. Eine offene Körperstellung ist essentiell um das Spielfeld optimal überblicken zu können. Gegner, Mitspieler und Räume werden sichtbar und Entscheidungen können mithilfe dieser Informationen getroffen werden. Mit explizitem Verweisen auf die offene Körperstellung erinnere ich stets an die Einhaltung eben jener.

Durch die Orientierungspunkte Mitspieler (im Freilaufverhalten und dann auch eben als Passoption), sowie das Hütchentor in der Mitte, coache ich explizit auch „Orientierung vor der Ballannahme“ mit teilweise gezieltem Verweisen auf das Hütchentor.

Auch das kollektive Gegenpressing wird erwähnt, sofern es nicht schon von selbst passiert. Oftmals ist das Rausdribbeln des Verteidigers (für Kinder) Anreiz genug, wenn Gegenpressing als taktisches Mittel bereits im Team etabliert ist. Ist dies nicht der Fall, muss dies meist ein, zwei Mal explizit erklärt werden. Hierbei wird darauf hingewiesen, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit im Gegenpressing höher ist, wenn sich alle Spieler daran beteiligen. Ebenso das Antizipieren eines Ballverlustes, als das bloße Reagieren wird erwähnt, um Verbesserungen im Timing des Gegenpressings zu ernten.

Für die verteidigenden Spieler ist vor allem die gegenseitige Absicherung wichtig. Wird der Deckungsschatten nicht richtig verwendet und man sichert die Mitspieler nicht ab, kommt es zu vielen Schnittstellenpässen durch das Hütchentor. Ebenso wird aggressives Anlaufen und das strategische Abschneiden von Passoptionen gecoacht, um aus einer 4v2 Unterzahl eine virtuelle Reduktion dieser Unterzahl bis sogar zur Gleich- oder Überzahl herzustellen.

Nichtsdestotrotz ist diese Übung, ganz ohne explizitem Coaching, schon recht nützlich. Die Einschränkungen der Übung stellen gewünschtes Verhalten zum größten Teil von alleine her, während explizites Hinweisen nur ein Zusatz sind, weshalb ich diese Übung sehr gerne bei meiner U11 verwendet habe.

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