Christian Schweglers Pressingbewegungen

Der König der Räume

Salzburg sorgt mit spektakulären Siegen nicht nur in der österreichischen Liga für Furore, sondern auch international gewinnt die Truppe um Roger Schmidt immer mehr Aufmerksamkeit und Lob. Mit einem hohen Pressing bringt Salzburg sogar die ballsichersten Vereine zum wanken und nimmt ihnen jeglichen Raum und Zugriff auf das Spiel. Christian Schwegler sorgt mit unglaublichen Läufen für Stabilität und stabilisiert die chaotisch scheinende Situation, in welcher sich lediglich der Gegner im Chaos befindet.

Christian Schwegler ist in das Pressingsysteme von Salzburg perfekt eingebunden. In diesem nutzen sie vor allem seine unglaubliche Dynamik und seine intelligente Arbeit gegen den Ball. So gradlinig und typisch er nach vorne ist so untypisch ist er in der Defensive. Die Norm unter Außenverteidigern ist es den Flügelspieler ziemlich mannorientiert zu verfolgen. Die Intensität der Mannorientierung unterscheidet sich zwar, trotzdem ist ihre Aufgabe meistens ziemlich klar und strikt definiert. Christian Schwegler passt nicht in diese Schublade des normalen Außenverteidigers und ist damit in Europa diesbezüglich ein Unikat. Er hat keineswegs nur einen Spieler, den er kontrollieren soll, sondern mehrere auf welche er nicht mal direkt Zugriff hat. Er greift auf diese nur indirekt zu, dies tut er durch seine brillanten Läufe im Raum, er ist quasi der defensive Herr der Räume. Er kreiert keine Torchancen, sondern bewegt sich so gut im Raum, dass er viel Raum unbespielbar macht. Der König der Räume, der die Räume auf dem rechten Flügel und in dem rechten Halbraum besitzt und diese mit eiserner Laufarbeit presst. Diese Laufarbeit sorgt neben Stabilität auch für viele Ballgewinne in höheren Zonen und gefährlichen Angriffen, in welche sich der König aber nur unkonstant einschaltet, schließlich hat er Räume zu bewachen und Strukturen zu zerstören.

Um seine komplette Stärke aber komplett aus zu spielen, muss der Ball auch in diese Räume gelenkt werden. Dies macht Salzburg mit einem asymmetrischem Pressing, in welchem Kampf den Innenverteidiger presst und eine asymmetrische 4-3-3 Formation mit Mané als dritten Sechser neben Leitgeb und Ilsanker agiert. Der Außenverteidiger wird immer bewusst etwas frei gelassen, so dass dieser oft als aufbauender Spieler in tieferen Zonen genutzt wird, da er scheinbar nicht relativ viel Raum hat. Dieser wird aber durch Schwegler im Verbund mit Ilsanker ziemlich gut gepresst und Schwegler weiß durch Dynamik direkt Druck zu erzeugen.

Ajax spielt im Durchschnitt 35% Prozent ihrer Angriffe über die linke Seite, also über den Linksverteidiger Blind oder den im Hinspiel spielenden Duarte. Gegen Salzburg spielten sie im Hinspiel 37% Prozent ihrere Angriffe über die linke Seite und im Rückspiel 39% Prozent. Sie spielten also immer wieder in die Pressingfalle von Salzburg und die beiden Außenverteidiger mussten in kurzer Zeit eine extreme Drucksituation auflösen, dass dies selbst für Weltklassespieler wie Blind oder Lahm fast unmöglich ist, zeigte sich in Blinds Leistungsdaten, der eine Passqoute von 71% Prozent hatte und damit 16% unter seinem Durchschnitt lag. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll die Klasse von Schwegler, der es perfekt versteht den Zugriff und Druck auf diesen Raum zu entfachen, gleichzeitig den Raum in anfänglichen Staffelungen des Angriffs als Problemzone zu kennzeichnen, in welche die Gegner immer wieder spielten, da er strategisch günstig scheint. Wie eine Maus, die vom Käse angelockt wird, werden die Gegner immer wieder geködert diesen Raum zu bespielen, welcher sich aber, wie die Mäusefalle in Bruchteilen einer Sekunde in einen tödlichen Raum verwandelt.

Die Mäusefalle

Schwegler macht sich in seinen Bewegungen besonders zwei taktische Mittel zu nutzen. Er nutzt in vielen Situation sehr geschickt seinen Deckungsschatten. Ein berühmter Trainer hat den Deckungsschatten einmal so erklärt, es gibt den ballführenden Spieler, der ist das Licht und dann gibt es die gegnerischen Spieler. Wenn die gegnerischen Spieler nun den ballführenden Spieler attackieren, stehen sie vor ihm und agieren wie eine Wand, welche lichtundurchlässig ist. Sie decken nun also einen Bereich ab, in welchen der ballführenden Spieler nicht spielen kann, da sie diesen versperren. Dieser versperrte Raum wird Deckungsschatten genannt und jeder Spieler, der sich im Deckungsschatten befindet, kann in der jetzigen Situation nicht angespielt werden.
Und er nutzt das Sichtfeld, der gegnerischen Spieler. Das Sichtfeld beschreibt den Raum, den der Spieler kennt. Jeder Mensch hat nur zwei Augen und mit diesen zwei Augen ist es nicht möglich, den kompletten Platz zu sehen. Manche Spieler haben gegenüber anderen Spielern also einen Wissensvorsprung, den sie in bestimmten Situationen ausnutzen können um den Gegner zu überraschen und den Ball zu gewinnen. Wie man diesen Wissensvorsprung nutzt und wie er zustande kommt, könnte einen ganzen Artikel ausmachen und ist in verbaler Form ziemlich schwer zu erklären und zu verstehen. In den folgenden Grafiken wird einem die Nutzung und Funkion des Sichtfelds und Deckungsschatten in visualisierter Form noch einmal besser deutlich.

Salzburg steht in einem asymetrischem  4-3-3 da. Kampl steht höher als Mané und attackiert Moisander. Der rote Raum scheint sehr kompakt und Veltman wird bewusst zugestellt, der Ball kann nun nicht mehr über ihn nach vorne getragen werden.  Ajax fokussiert sich also auf den linken Raum, da dort eine augenscheinliche 3 gegen 1 Situation vorherrscht. Ajax wird also vom offenen Raum angelockt.

Salzburg steht in einem asymetrischem 4-3-3 da. Kampl steht höher als Mané und attackiert Moisander. Der rote Raum scheint sehr kompakt und Veltman wird bewusst zugestellt, der Ball kann nun nicht mehr über ihn nach vorne getragen werden. Ajax fokussiert sich also auf den linken Raum, da dort eine augenscheinliche 3 gegen 1 Situation vorherrscht. Ajax wird also vom offenen Raum angelockt.

Über Cillessen oder Moisander wird der Ball nun also direkt zu Duarte gespielt. Duartes Sichtfeld (weiß) ist in Richtung des Passgebers gerichtet. Kampl nimmt Moisander in den Deckungsschatten und beginnt mit dem Rückwärtspressing auf Duarte. Salzburg beginnt nun aggressive zu verschieben.

Über Cillessen oder Moisander wird der Ball nun also direkt zu Duarte gespielt. Duartes Sichtfeld (weiß) ist in Rictung des Passgebers gerichtet. Kampl nimmt Moisander in den Deckungsschatten und beginnt mit dem Rückwärtspressing auf Duarte. Salzburg beginnt nun aggressiv zu verschieben.

Der rote Raum ist in dieser Situation sehr schwer zu bespielen und wird vernachlässigt. Mané verschiebt stärker ins Zentrum und orientiert sich lose an Blind. Der Sechser Blind ist der einzige Spieler, der das Spiel mit einem einfachen Pass in den roten Raum verlagern könnte, dies soll verhindert werden. Bei Ballanahme kann er direkt gepresst werden, denn sowohl Soriano als auch Mané haben direkten Zugriff. Schwegler hat Fischer im Deckungsschatten, der vertikale Pass ist Duarte versperrt. Er dreht sein Sichtfeld in Richtung Mitte zu der einzigen wirklichen Option und zwar Siem de Jong.

Der rote Raum ist in dieser Situation sehr schwer zu bespielen und wird vernachlässigt. Mané verschiebt stärker ins Zentrum und orientiert sich lose an Blind. Der Sechers Blind ist der einzige Spieler, der das Spiel mit einem einfachen Pass in den roten Raum verlagern könnte, dies soll verhindert werden. Bei Ballanahme kann er direkt gepresst werden, denn sowohl Soriano als auch Mané haben direkten Zugriff. Schwegler hat Fischer im Deckungsschatten, der vertikale Pass ist Duarte versperrt. Er dreht sein Sichtfeld in Richtung Mitte zu der einzigen wirklichen Option und zwar Siem de Jong.

Sobald Duarte sein Sichtfeld dreht ist auch der Raum hinter Schwegler nicht mehr wichtig, da Duarte ihn nicht mehr vollkommen in seinem Sichtfeld hat und somit das Bespielen dieses Raumes zu viel Zeit kosten würde. Die einzige wirkliche Anspieloption welche augenscheinlich nicht sofort zu einem Ballverlust führte, ist de Jong. Schwegler ist sich dessen bewusst und startet einen bogenförmigen, dynamischen Lauf in den Passweg hinein und anschließend auf Duarte zu. Dieser ist nun völlig isoliert und befindet sich in einer extrem Drucksituationen. Kampl und Schwegler haben ihn eingekesselt und ihm bleiben kaum gute Optionen. Die meisten Spieler spielen nun einen hektischen langen Ball, eine zu kurze Geelagerung oder einen ungenauen Ball auf den Stürmer. Da alles ziemlich hektisch geschieht, sind die Pässe meistens unpräzise und führen zu Ballverlusten. Oder sie gehen ins Dribbling und verlieren den Ball gegen den anstürmenden Schwegler oder Kampl.

Sobald Duarte sein Sichtfeld dreht ist auch der Raum hinter Schwegler nicht mehr wichtig, da Duarte ihn nicht mehr vollkommen in seinem Sichtfeld hat und somit das Bespielen dieses Raumes zu viel Zeit kosten würde. Die einzige wirkliche Anspieloption welche augenscheinlich nicht sofort zu einem Ballverlust führte, ist de Jong. Schwegler ist sich dessen bewusst und startet einen bogenförmigen, dynamischen Lauf in den Passwege hinein und anschließend auf Duarte zu. Dieser ist nun völlig isoliert und befindet sich in einer extrem Drucksituationen. Kampl und Schwegler haben ihn eingekesselt und ihm bleiben kaum gute Optionen. Die meisten Spieler spielen nun einen hektischen langen Ball, eine zu kurze Verlagerung oder einen ungenauen Ball auf den Stürmer. Da alles ziemlich hektisch geschieht, sind die Pässe meistens unpräzise und führen zu Ballverlusten. Oder sie gehen ins Dribbling und verlieren den Ball gegen den anstürmenden Schwegler oder Kampl.

Wenn das Dribbling erfolgreich ist und ihn Schwegler wegen taktischen Gründen noch nicht gefoult hat und Duarte den Raum hinter Schwegler bespielen kann, verschieben Ramalho und Ilsanker sehr stark auf den Flügel (grün gestrichelt) und  probieren die Situation zu entschärfen.

Wenn das Dribbling erfolgreich ist und ihn Schwegler wegen taktischen Gründen noch nicht gefoult hat und Duarte den Raum hinter Schwegler bespielen kann, verschieben Ramalho und Ilsanker sehr stark auf den Flügel (grün gestrichelt) und probieren die Situation zu entschärfen.

Diese Version ist zwar ziemlich filigran und effektiv, dafür aber auch ziemlich schwer auszuführen, da man sehr viele Aspekte beachten muss. Gerade Schwegler muss in Timing und Dynamik seiner Läufe unglaublich präzise sein. Wenn Duarte den Lauf bemerkt, kann er sich direkt drehen und den offenen Raum bespielen. Ist er im Timing nicht ideal und Duarte kann den Pass auf Siem de Jong spielen, kann der sich in viel Raum drehen und es wird sehr gefährlich.

Eine häufiger genutzte und in der Ausführung rustikalere, dynamischere und weniger intelligentere Art, ist aber nicht so effizient und führt zu weniger direkten Ballgewinnen.

In dieser Form nutzt Schwegler den Moment aus in dem Duarte sein Sichtfeld dreht. Als Duarte sein Sichtfeld in Richtung Moisander gedreht hat, nimmt er nicht wahr, was sich in seinem Rücken abspielt. Dies nutzt Schwegler aus, er startet direkt in Richtung Duarte. Wenn sich Duarte nun dreht, braucht er eine kurze Zeit (die Länge der Zeit variert je nach Fähigkeiten des Spielers) um sich zu orientieren. Diese Zeit bekommt er nicht, da ihn Schwegler direkt dynamisch attackiert. Meistens gelingt es aber den Spielern Schwegler anzuschiessen oder Schwegler kann den Ball nur ins Aus spitzeln. Direkt Ballgewinne mit Chance auf einen Konter sind eher selten, dafür kann Salzburg dadurch viele indirekte Ballgewinne erzielen, wenn sie z.B bei dem fälligen Einwurf extrem stark verschieben und dadurch Ballgewinne erzielen.

In dieser Form nutzt Schwegler den Moment aus in dem Duarte sein Sichtfeld dreht. Als Duarte sein Sichtfeld in Richtung Moisander gedreht hat, nimmt er nicht wahr, was sich in seinem Rücken abspielt. Dies nutzt Schwegler aus, er startet direkt in Richtung Duarte. Wenn sich Duarte nun dreht, braucht er eine kurze Zeit (die Länge der Zeit variert je nach Fähigkeiten des Spielers) um sich zu orientieren. Diese Zeit bekommt er nicht, da ihn Schwegler direkt dynamisch attackiert. Meistens gelingt es aber den Spielern Schwegler anzuschiessen oder Schwegler kann den Ball nur ins Aus spitzeln. Direkt Ballgewinne mit Chance auf einen Konter sind eher selten, dafür kann Salzburg viele indirekte Ballgewinne erzielen, wenn sie z.B bei dem fälligen Einwurf extrem stark verschieben und dadurch Ballgewinne erzielen.

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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