Manchester City – Chelsea 0:1

Manchester City – Chelsea

Im Montagsspiel der Premier League weiß Mourinho mit einigen interessanten Anpassungen zu gefallen und gewinnt am Ende verdient mit einem typischen Mourinho 1:0 gegen das von Pellegrini trainierte und favorisiert Manchester City.

 

 

Grundformation

Grundformation


Grundformation

Im Vergleich zum schwachen Spiel gegen West Ham, gab es einige interessante Änderungen von Mourinho. Für Oscar rückte Willian ins Zentrum und Ramires wurde auf den rechten Flügel verschoben. Mit David Luiz und dem im Winter verpflichteten Nemanja Matic wurde eine völlige neue Doppelsechs im Vergleich zum West Ham Spiel aufgeboten. Dies sollte sich im weiteren Spielverlauf als entscheidend erweisen.

Pellegrini musste hingegen die verletzungsbedingt fehlenden Aguero und Fernandinho ersetzen. Demichelis wurde von der Innenverteidigerposition ins Mittelfeld gezogen und übernahm den Part neben Afrikas Fußballer des Jahres Yaya Toure. Für den verletzten Aguero spielte der vor der Saison aus Sevilla gekommene Negredo und Kolarov nahm seinen angestammten Platz in der Viererkette ein.

Dominanz im Zentrum und Umkehrspiel

Im Zentrum zeigte Mourinho einige interessante taktische Mittel, auf die gerade Silva allergisch reagierte. Ziel war es Silva aus der Formation zu verdrängen und somit dem Spiel von Manchester City jegliche Präsenz im Zentrum zu nehmen. Luiz nahm, den wie gewohnt häufig durch die Zwischenlinienräume driftenden Silva, immer situativ auf und drückte ihn dann mit unglaublich physischen und dynamischen Läufen auf die Flügel. Dort wurde das Spiel dann ziemlich gut isoliert und in viele Engen getrieben. Matic zeigte eine sehr gute Arbeit mit dem Deckungsschatten und konnte viele Räume mit einer intelligenten Positionierung unbespielbar machen.

Auf den Flügeln war der Raum dadurch sehr begrenzt und die Situationen wurden sehr vorhersehbar. Es entstanden des öfteren ziemlich dynamikarme Situationen, welche auf Grund der schlechten Staffelung ziemlich leicht zu verteidigen waren. Trotzdem konnten die Citizens, wegen ihrer überragenden individuelle Klasse diese Situationen öfters auflösen. Gerade Kolarov und Navas konnten einmal mehr ihre Klasse aufblitzen lassen und Situationen dynamisieren. Aus dem Stand erzeugten sie viel Dynamik und konnten mit guten Läufen hinter die Kette stoßen, von wo sie dann mit harten, flachen Flanken gefährlich wurden. Auch Zabaleta zeigte sein gutes Gespür für bestimmte Strukturen und brachte sich immer wieder mit guten, Dynamik erzeugenden Läufen ein.
Durch diese Situationen kam Manchester City zwar zu einigen guten Möglichkeiten, konnte sich aber nicht wirklich kontinuierlich Chancen heraus spielen, da ihnen wie oben schon erwähnt schlicht ein Mittel gegen die gute taktische Arbeit von Matic und Luiz fehlte. Ramires hatte ebenfalls eine taktisch interessante Rolle inne und zeigte ein ansprechende und disziplinierte Leistung im Ausführen dieser nicht klar definierten Rolle.

Hazard steht etwas höher als Ramires und erzeugt so Durschlagskraft bei Kontern. Ramires rückt ein und Chelsea steht Kompakt im Zentrum

Hazard steht etwas höher als Ramires und erzeugt so Durschlagskraft bei Kontern. Ramires rückt ein und Chelsea steht Kompakt im Zentrum

Ein bereits aus Madrid bekannter Mechanismus sollte auch diesmal für den Erfolg sorgen. In Mourinho’s Ära bei Real Madrid war es üblich, dass Ronaldo etwas höher und zockender stand, als sein Pendant auf der rechten Seite. Er sollte sich im Rücken des Außenverteidigers positionieren und somit für Durchschlagskraft und Geschwindigkeit bei Kontern sorgen. Als Ausgleich agierte meistens Di Maria etwas tiefer und sortierte sich neben Khedira und Alonso ein, sodass eine situative Dreierkette im Mittelfeld entstand, die dann zwischen den Flügeln hin und her verschob.
Dieses Mechanismus aus einer Asymmetrie im Flügelspiel wendet er auch diesmal an. Mit Hazard hatte er die perfekte Besetzung für diese Rolle und sein Pendant Ramires war ebenfalls von seinem Profil für diese Rolle wie maßgeschneidert. Während Hazard immer situativ die Rolle des zockenden Spielers übernahm, sortierte sich Ramires neben Luiz und Matic in die Dreierkette ein. Diese war zwar defensiv etwas instabiler und hätte mit einer Zentrums fokussierterem Ballzirkulation, durchaus auf die Probe gestellt werden können, aber auch hier zeigten die Blues wieder einige interessante Aspekte, welche die Citizens in stratgesich ungünstige Räume lenken sollte.
So war Willian äußerst gut im Rückwärtspressing und presste, wenn Toure den Ball im zweiten Drittel erhielt diesen so klever, dass er die schlechte Staffelung in bestimmten Räumen nicht bespielen konnte und sein Sichtfeld in gut gestaffelte Räume drehen musste. Dort wussten die Blues dann mit einer guten und disziplinierten defensiven Leistung zu gefallen und konnten viele Bälle erobern. Nach dem Ballgewinn ging es dann über das Trio Eto´o, Willian und Hazard blitzschnell nach vorne. Im Konterspiel zeigte sich das Team von Mourinho, wie gewohnt Weltklasse und wusste mit einer guten Staffelung bei Kontern zu überzeugen.
Ramires stieß immer wieder situativ nach vorne und passte sich sehr gut an die jeweilige Struktur an. Er agierte stark raumgreifend und sollte bei Kontern offene Räume besetzten, um die Verengung der einzelnen Strukturen zu verhindern. Ramires agierte in seinen Aufgaben gewohnt konstant und fand mehrmals, den durch Hazards überragende Dribblings geschaffenen Raum. So generierte er nach dem wie gewohnt schussfreudigem Luiz die meisten Abschlüsse und hatte in der 27. Minute nach einem gutem Konter und einem noch besseren Laufweg die Chance auf sein Tor.
Aber auch beim einzigen Tor des Abends durch Ivanovic hatte der 1,80 m große Ramires seine Füße im Spiel. Nachdem Eden Hazard den langen Ball von Azpilicueta gewinnen konnte, setzt er sich gegen den zu weit aus dem Zentrum gerücktem Demichelis durch. Nun ist Manchester City im Zentrum schlecht gestaffelt und Chelsea kann sich ziemlich leicht horizontal durch den Zwischenlinienraum kombinieren.
Wegen der schlechten Staffelung und der mangelnden Defensivearbeit von Silva generiert Chelsea dann über Umwege das Tor, welches aber sinnbildlich für die Probleme der Citizens steht. Zu oft sind sie in bestimmten Räumen schlecht gestaffelt und können die Ballzirkulation, selbst in sehr tornahen Räumen nicht verhindern. In diesen Räumen fällt es ihnen außerdem sehr schwer, zweite Bälle zurück zu erobern, weshalb sie gegen starke Gegner wie zum Beispiel Bayern oft Minuten lang nicht in Ballbesitz kommen.

Anpassungen zweite Halbzeit

In der zweiten Halbzeit passt Mourinho sein Team zwar nur leicht an, aber trotzdem gelang Manchester City in den verbleibenden 45 Minuten kein Treffer. Der Mechanismus wurde jetzt kaum noch praktiziert und das Spiel in der Defensive war etwas symmetrischer und kompakter. Ramires konzentrierte sich im Presssing wieder stärker auf die rechte Seite und doppelte im Verbund mit Ivanovic etwas konsequenter den in der ersten Halbzeit teilweise sehr gefährlichen Kolarov.

Diese Anpassung sollte sich aber nach einer klugen Anpassung von El Ingeniero eher als negativ beweisen war aber die ersten 15 Minuten beziehungsweise bis zur 57 Minute sehr effektiv, den dann kam Montenegros Fußballer des Jahres Stevan Jovetic für Negredo ins Spiel. Mit der Einwechslung von Jovetic war die Präsenz im Zentrum stärker gegeben und mit seinen guten Bewegungsmuster deckte er die Schwächen von dem etwas symmetrischerem System auf. Er ließ sich stärker fallen und ging in die Halbräume, anstatt wie Negredo stärker horizontal zu pendeln. Er konnte mit seiner guten Technik die harten Zuspiele in den Zwischenlinienraum oder in Halbraum besser verarbeiten als Negredo, der gerade in der ersten Halbzeit einige Probleme bei der Ballverarbeitung in engen Räumen hatte. Von dort konnte er dann kreativer agieren, als sein Vorgänger und Silva konnte den Fokus auf ihn ausnutzen, um für Stevan Jovetic Raum zu schaffen.
In dem etwas symmetrischerem System, war man auf den Flügeln zwar kompakter, aber man verlor ein Teil der Präsenz im Zentrum, da Ramires jetzt stärker als typischer Flügelspieler im Pressing auftrat. Diese fehlende Präsenz kam natürlich auch Jovetic entgegen, der nun nicht mehr vor dem kompakten Zentrum fliehen musste, sondern Räume zwischen Luiz und Ramires vorfand. In 57. Minuten generierte Manchester City 13 Abschlüsse und ab der 57. Minute also im letzten verbleibenden Drittel der Zeit generierte sie immerhin 12 Abschlüsse. Die durch Jovetic wieder gewonnenen Synergien sorgten für die Belebung des Offensivespiels und Manchester City kam noch einmal zu ein paar guten Chancen. Konnten das Spiel letztendlich aber nicht mehr drehen.

Fazit

In einer taktisch sehr spannenden Partie entscheidet Chelsea das Spiel letztendlich verdient für sich. Die guten Anpassungen an den Gegner von Mourinho, gepaart mit unglaubliche individuelle Klasse der offensiven Akteure, aber besonders Hazards der im anvisieren von strategisch wichtigen Räumen bei Dribblings mittlerweile zur absoluten Weltklasse gehört. Diese und noch mehrer Gründe machen Chelsea zu einem heißen Anwärter auf die Schale. Manchester City hingegen erleidet einen Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft, darf sich am Ende aber trotzdem ärgern, da durchaus ein Punkt drin gewesen wäre, doch leider kam die Anpassung zu spät um die Partie noch zu ihren Gunsten zu drehen. Am Ende können sie nur hoffen, dass Tata Martino dieses Spiel nicht sieht, ansonsten können sie gegen Barcelona, die im Bespielen von schlechten Staffelungen noch etwas geduldiger und strategisch sind, schon von Anfang an die Koffer packen.

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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