Türchen 3: 3 Varianten des 3-Zonen-Spiels

Von Eduard Schmidt

Ähnlich wie das im ersten Türchen vorgestellte Zielzonenspiel stellt der Aufbau einer Trainingsform mit 3 Zonen ein bekanntes Mittel für viele Trainer dar, um insbesondere das Aufbauspiel zu fokussieren. Dabei ist es einerseits möglich, die Besetzung der Zonen flexibel zu gestalten und eher Vorgaben basierend auf bestimmte Handlungen zu geben. Beispielsweise müssen dann alle Zonen bespielt werden, bevor ein Tor erzielt werden darf oder die Balleroberung im letzten Drittel wird besonders honoriert.

Andererseits ist in der Ausgangssituation auch eine feste numerische Besetzung der einzelnen Zonen möglich, die nachfolgend durch das Ausführen bestimmter Aktionen aufgebrochen wird. Beispielsweise gibt es dann in den beiden äußeren Zonen eine Überzahl für das näher zum eigenen Tor befindliche Team, während das Zahlenverhältnis im Mitteldrittel ausgeglichen ist. Durch erfolgreiches Andribbeln aus dem eigenen Drittel dorthin, kann diese Ausgangssituation zugunsten des Ballbesitzteams geändert werden.

Ich fokussiere mich bei den nachfolgenden Beispielen auf die zweite der beiden Formen. Ein Element, das ich dabei in all meinen Kalenderbeiträgen einbringen möchte, ist das zusätzliche Zeigen einer konkreten Spielsituation, die entweder ganz konkret oder in gewissen Aspekten zur jeweils vorgestellten Trainingsform passt.

Variante 1: Zwischen die Linien kommen

(Beste Grüße an Mario Despotovic, dessen Team, die U19 von Hajduk Split, ihr dort seht)

In der ersten Variante geht es darum, das Spiel zwischen die Linien des Gegners zu simulieren, nach erfolgtem Zuspiel jedoch unmittelbaren Druck auf den Ball zu gewährleisten sowie die Möglichkeit dynamischen Anlaufens von Räumen beizubehalten.

Aufbau

In einem Feld von Strafraum zu Strafraum mit entsprechender Breite werden an beiden Enden neue Strafräume (Torhüter im Großtor befindet sich dort) markiert. Zwischen diesen befindet sich das eigentliche Spielfeld. Dieses ist in drei Zonen eingeteilt, die durch verhältnismäßig kurze Pufferbereiche voneinander getrennt sind. Die neu gesetzten Strafraumgrenzen dienen als Abseitslinien.

Diese schwarz markierten Bereiche sollen „übersprungen“ werden und dürfen vom ballbesitzenden Team nicht betreten werden. Selbiges gilt zunächst für das verteidigende Team.
Im eigenen Drittel befindet sich das jeweilige Team in einer 3 gegen 2 Überzahl, während im Zentrum ein 3 gegen 3 besteht.

Ablauf

Eines der Teams baut im eigenen Drittel das Spiel im 3 gegen 2 auf und versucht ausschließlich über flache Pässe ins letzte Drittel und von dort in den gegnerischen Strafraum zu gelangen, von wo ein Abschluss erfolgen darf. Für einen Treffer erhält das Team einen Punkt. Jeweils ein Spieler darf nach erfolgtem Pass ins nächste Drittel vorrücken. In der Mitte wird so ein 4 gegen 3 erzeugt, im letzten Drittel ein 3 gegen 3.

Gewinnt das verteidigende Team den Ball, wandelt sich das Geschehen zum freien Spiel. Bis der Ball ins Aus geht oder einer der Torhüter sich den Ballbesitz sichert wird so ein 8 gegen 8 (plus Torhüter ausgespielt). Anschließend baut das Team, dem der Ballbesitz zusteht, erneut auf und die Zonenbeschränkungen gelten wieder (Wer berührte den Ball zuletzt, bevor er ins Aus ging? Wessen Torhüter hat den Ballbesitz gesichert).

Variationen

– Direkter Pass von eigenem ins letzte Drittel = 1 Zusatzpunkt.
– Spieler dürfen schon vor dem gespielten Pass ins nächste Drittel vorrücken (Gleichzahl im Aufbau zugunsten von Überzahl im Zentrum)
– Zusätzliche Pufferzonen an den Strafräumen markieren, Rückpass zum Torhüter erlaubt: Alle Spieler schieben eine Zone vor beziehungsweise zurück: Aufbau im Strafraum (4 gegen 2), 3 gegen 3 im ursprünglichen ersten Drittel, 2 gegen 3 im ursprünglichen Zentrum, ursprüngliches letztes Drittel unbesetzt bzw. von gegnerischem Torhüter abgedeckt
– Verteidiger dürfen Zwischenbereiche betreten, um Pässe effektiv zu blocken. Oder: Es werden Dummies oder zusätzliche Spieler dorthin gestellt, die lediglich für das Blocken von Pässen zuständig sind.
– Numerische Gleichzahl in allen Zonen, Torhüter rücken zum Aufbau vor (Torwartkette) und wirken aktiv an der Restverteidigung im 2 gegen 2 mit, wenn einer der Aufbauspieler aufgerückt ist.
– An jeder Seite steht ein Neutraler zur Verfügung, der mit von Feld zu Feld aufrücken darf. Dafür ist es den Spielern innerhalb des Feldes nicht erlaubt, ihre Zonen zu verlassen.

Coachingpunkte in der Grundform

Im eigenen Drittel ist durch die numerische Überlegenheit eine relativ komfortable Basis gegeben, die man ruhig ausspielen sollte. Bis sich eine Lücke auftut, kann der Ball von einer Seite zur anderen zirkuliert werden. Für den Vorwärtspass muss vonseiten des Passgebers die Vororientierung stimmen. Schon vor der Ballannahme muss in die Tiefe geblickt werden. Hierfür ist eine offene Stellung vorteilhaft und der Nutzen derselben kann abseits der bloßen mechanischen Ausführung dargelegt werden.

Potentielle Passempfänger sehen sich aufgrund der Gleichzahl vermutlich einer mehr oder weniger engen Mannorientierung ausgesetzt. Dementsprechend ist für sie in besonderem Maße das richtige Lösen vom Gegenspieler („dismarking“) wichtig. Dies kann sowohl individuell (Doppelbewegung etc.) oder gruppentaktisch (Positionswechsel, Freiblocken etc.) erfolgen.

Dabei ist auf das Timing im Zusammenspiel mit dem Passgeber zu achten. Mögliche Passempfänger müssen frühzeitig auf dessen Körperposition reagieren und ihrerseits entsprechend bereit sein, das Spiel direkt fortzusetzen. Gleichzeitig muss einer der anderen Spieler aus dem ersten Drittel (idealerweise der ballfernste) bereit sein, mit Erfolgen des Passes vorzurücken und für eine Ablage bereitzustehen.

Hierzu sollte der Passgeber wahrgenommen werden sowie kurz Blickkontakt mit dem ersten Passempfänger aufgenommen werden. Mögliche Blickreihenfolge für diesen: Schulterblick – Passgeber – Ablagenoption (unterwegs in der Nähe befindliche Mitspieler wahrnehmen) – Passgeber/Ballweg.

Idealerweise kann der Passempfänger aufdrehen und muss keine Ablage spielen. Ein Pass ist nur dann sinnvoll, wenn sich der Mitspieler in einer besseren Position/Situation befindet. Der zunächst für die Ablage aufgerückte Spieler kann dann seinen Lauf einfach fortsetzen und je nach Verhalten der Mitspieler bis ins letzte Drittel durchlaufen.

Bei Zuspiel in dieses wird das Timing aufgrund der Unterzahl noch einmal wichtiger, wobei der grundsätzliche Ablauf ähnlich ist. Dies wäre näher zum gegnerischen Tor auch im tatsächlichen Spiel der Fall. Jedes Mal, wenn das Blickfeld sich in Richtung gegnerischen Tores befindet und etwas Raum zur Verfügung steht, soll dieser aggressiv mit dem ersten Kontakt genutzt werden. Im Strafraum soll aus guter Position so schnell wie möglich ein Abschluss erfolgen.

Variante 2: Schnelle Kombination im Zentrum

In nachfolgender Spielform geht es in Hinblick auf das Video vorranging, um den Fokus auf das Zentrum sowie kreative Lösungen den freien Spieler im Zentrum einzubinden sowie anschließend in die Tiefe zu spielen. Zudem werden im Anschluss vielfältige Umschaltsituationen kreiert.

Aufbau

Ein Feld mit Strafraumbreite und der Länge des halben Feldes in drei Zonen einteilen (etwa drei Strafräume übereinandergelegt). Zwei Großtore mit Torhütern sind auf den kurzen Seiten des Feldes positioniert. In der jeweiligen Aufbauzone hat das Team eine 2 gegen 1-Überzahl. Im Zentrum wird ein 2 gegen 2 mit einem Neutralen gespielt.

Ablauf

Aus dem Aufbau im 2 gegen 1 (Torhüter wird zunächst nicht eingebunden) soll innerhalb von maximal 5 bis 10 Sekunden nach Start ein Pass ins Mitteldrittel erfolgen. Die beiden Aufbauspieler bleiben im ersten Drittel. Mit dem Neutralen wird im Mitteldrittel ein 3 gegen 2 ausgespielt. Bevor das Team ins letzte Drittel vorrücken darf, muss der Neutrale mindestens einmal den Ball berühren.

Gelangt der Ball dorthin, können die beiden Spieler aus dem Mitteldrittel aufrücken und wiederum ein 3 gegen 2 kreieren. Der Neutrale verbleibt im Zentrum. Er ist maßgeblicher Umschaltspieler nach Ballgewinn. Über ihn kann ein sofortiger Konter erfolgen. Die beiden im Mitteldrittel verbliebenen Spieler können direkt ins letzte Drittel starten und dort ihrerseits ein 3 gegen 2 ausspielen.

Es wird so lange gespielt bis der Ball im Aus ist oder ein Tor erzielt wurde. Der Ballbesitz steht in der nächsten Runde dem Team zu, das ein Tor erzielte. Falls dies keinem Team gelang, wechseln die Rollen im Vergleich zum vorherigen Durchgang.

Variationen

– Torhüter darf aktiv am Aufbau teilnehmen. Spätestens mit dem dritten Pass muss das Team ins Mitteldrittel gelangen.
– Wenn das eigene Team ein 3 gegen 2 im letzten Drittel herstellt, dürfen die beiden Verteidiger in die Mitte rücken. Konter als freies Spiel. Kein Abseits für verbleibenden Stürmer des Konterteams. Zusätzlicher Fokus auf Gegenpressing wird erzeugt.
– Zeitbegrenzung für Abschluss im Konter.
– Zählen der Gesamtzeit eines Angriffs bis zur Torerzielung: Wer kann sich am schnellsten vom Torhüter bis zum Torabschluss kombinieren? Jedes Gegentor entspricht einer Zeitstrafe für den schnellsten Durchgang.

Coachingpunkte in der Grundform

Für die Spieler in der ersten Zone steht vor allem das schnelle vertikale Spiel im Vordergrund. Dieses soll dabei allerdings dennoch so überlegt wie möglich vonstattengehen. Hierbei gilt es vor allem, den neutralen Spieler unmittelbar zu erreichen, wenn ein entsprechendes Passfenster offen ist. Da das verteidigende Team ebenfalls um dessen hervorgehobene Rolle weiß, wird er in der Regel keine Zeit haben, um aufzudrehen.

Dementsprechend müssen sich die beiden anderen Spieler in der Zone direkt für eine Anschlussaktion positionieren oder zunächst selbst den Ball aus dem Aufbau entgegennehmen. Geschieht dies, so sollten sie sich um eine druckvolle Ballzirkulation untereinander bemühen, welche die Verteidiger zur Bewegung zwingt und dem Neutralen entsprechend die Möglichkeit gibt, sich schnell neu zu positionieren. Er muss dabei immer wieder die Umgebung scannen und schnell auf neue Situationen reagieren.

Wurde er schließlich erfolgreich ins Spiel eingebunden, muss wiederum möglichst schnell der Weg in die Tiefe gesucht werden. Hier bieten sich beispielsweise besonders horizontale Ablagen („Querlagen“) des Stürmers auf die nachstoßenden Bewegungen der Spieler aus dem Mitteldrittel an. Sowohl Doppelpässe als auch ein Spiel über den Dritten sind die hilfreichsten gruppentaktischen Mittel.

Die Verteidiger müssen wiederum in Tornähe permanent für Balldruck sorgen und möglichst einen der Spieler am Flügel isolieren. Anschließend geht der erste Blick direkt zum im Zentrum verbliebenen Neutralen. Die vorgerückten Spieler des Teams, das den Ballverlust erlitten hat, können ihrerseits schnell reagieren und den Konter noch vor Erreichen ihres Abwehrdrittels stoppen. Dies sorgt für permanente Intensität und muss entsprechend in Bezug auf ausreichende Pausenzeiten berücksichtigt werden.

Variante 3: Rückpass als erster Vorwärtspass

In dieser Variante wird das Verhältnis von Spieleranzahl zu Feldgröße wiederum merklich verringert. Es geht darum, aus Rückpässen Situationen zu generieren, in denen Räume weiter vorne geöffnet und genutzt werden können.

Aufbau

Ein Feld mit Strafraumbreite und der Länge des halben Feldes in drei Zonen einteilen (etwa drei Strafräume übereinandergelegt). Zwei Großtore mit Torhütern sind auf den kurzen Seiten des Feldes positioniert. In der jeweiligen Aufbauzone hat das Team eine 3 gegen 1-Überzahl. Im Zentrum wird im 4 gegen 4 gespielt. Hier liegen zudem an beiden Seiten Ersatzbälle bereit.

Ablauf

Das Spiel startet jeweils mit einem Team in der Mittelzone, wo das 4 gegen 4 erhalten bleibt. Das Ballbesitzteam kann entweder direkt ins Angriffsdrittel spielen, dort ein 4 gegen 3 erzeugen und ein Tor erzielen. Hierfür gibt es einen Punkt.

Oder das Ballbesitzteam spielt einen Rückpass ins eigene Drittel, wo zunächst ein 3 gegen 1 (plus Torhüter) besteht. Gegnerische Verteidiger aus dem Mitteldrittel können beliebig vorrücken. Der Ball soll vom eigenen Drittel im Anschluss wieder ins letzte Drittel gebracht werden, wo ein 4 gegen 3 erzeugt werden kann und der Abschluss gesucht werden soll. Ist dieser erfolgreich, wird das Tor nun mit drei Punkten gewertet.

Gewinnt das verteidigende Team den Ball, so kann ein Konter frei ausgespielt werden. Ein Gegenkonter ist nicht vorgesehen. Erzielt die Mannschaft im Konter ein Tor, erhält sie in der nächsten Runde den Ball im Mitteldrittel. Scheitert sie im Konter, beginnt erneut das andere Team.

Variationen

– Die ballbesitzende Mannschaft kann einen Spieler ins Mitteldrittel vorschieben („Switch-Innenverteidiger“).
– Gegenkonter erlauben, wenn der Ball im letzten Drittel verloren und direkt zurückerobert wird.
– Mit dem Rückpass in die eigene Zone entsteht ein komplett freies Spiel. Die Torerzielung wird für die ballbesitzende Mannschaft weiterhin mit 3 Punkten belohnt.
– Verändern der numerischen Verhältnisse in den Zonen vor jedem Durchgang: Wann lohnt sich ein Rückpass? Wann sollten wir direkt nach vorne durchspielen?

Coachingpunkte in der Grundform

In dieser Variante geht es vor allem darum, den Gegner flexibel anzulocken und ein Gespür für dessen Verhalten zu entwickeln. So ist es möglich, dass man bereits zu Spielbeginn unter Druck gesetzt wird und unter Handlungsdruck gerät. In dieser Situation sollte umgehend ein Rückpass erfolgen für den sich einer der drei Spieler im eigenen Drittel sofort deutlich absetzen sollte.

Bei aggressiver Verteidigung wird dieser Pass verfolgt und der Ballempfänger wiederum gepresst. Durch seine Positionierung sollte er umgehend in der Lage sein, den Ball auf die andere Seite des Feldes zu bringen. Dort wird der Mitspieler zunächst über etwas mehr Zeit verfügen, um sich nach vorne zu orientieren und die am weitesten entfernte Passoption anzuvisieren. Ist diese dann noch nicht anspielbar und der Gegner läuft ihn weiterhin an, so lässt sich eine Ebene davor im Zentrum (Blickfortsetzung) oder an der Seitenlinie ein Passempfänger finden.

Im Zweifelsfall gibt es auch noch die Möglichkeit, zurück zum Torwart oder zentralen Verteidiger zu spielen, wenn dieser sich akkurat positioniert und freiläuft. Dies erfolgt gegenläufig zur Verschiebebewegung des anderen Teams und kann nunmehr ein Loch im Zentrum reißen.

Ist das Pressing initial wiederum eher darauf ausgerichtet, Rückpässe zwar zuzulassen, aber im Anschluss die Passmöglichkeiten zurück ins Mitteldrittel durch kompakte Stellung zu versperren, so kann der Ball zunächst einige Zeit zirkuliert werden, bevor der Gegner Lücken aufweist. Dann erfolgt entweder der Rückpass oder man sucht direkt den Stürmer.

Dies ist ohnehin die erste Option, wenn das Pressing sich nur noch darauf beschränkt, Rückpässe zu verhindern. Dann muss ohne Umwege das Spiel in die Tiefe forciert werden. Nach erfolgtem Zuspiel dorthin kommt es wiederum auf ähnliche Aspekte wie in den zuvor bereits besprochenen Varianten an.

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