Türchen 1: Zielzonenspiel

Von Nils Poker

Die folgende Spielform wird meiner Erfahrung nach von vielen Trainern in unterschiedlichsten Varianten genutzt. Die von mir häufig im Training mit meiner U17 verwendete Version soll insbesondere das Aufbauspiel unserer Innenverteidiger sowie das daran anschließende Ablagenspiel fokussieren.

Die grundsätzliche Idee, wie ein Punkt erzielt werden kann, ist relativ simpel: Es reicht erfolgreich von einer Seite des Spielfeldes zur anderen flach durchzuspielen, ohne dass der Gegner zwischendurch den Ball gewinnt. Diese Regel ist wohl die Grundlage aller Varianten der Spielform.

In dieser Version stehen die Neutralen Spieler, anders als sonst häufig, nicht außerhalb des Feldes, sondern sind innerhalb des Feldes in den Zielzonen positioniert. Die Spieler beider Mannschaften dürfen sich frei bewegen und sich dementsprechend in den Zielzonen für einen Pass anbieten oder versuchen den Ball zu erobern. Dies hat den Vorteil, dass die Neutralen nicht nur als Ablagenspieler, sondern vielmehr noch als primäre Aufbauspieler genutzt werden.

Aufgrund dieser Aufgabenstellung agieren in dieser Spielform meine Innenverteidiger als Neutrale. Man kann die gesamte Spielform dementsprechend auch als simplifiziertes Durchspielen von den Innenverteidigern in der einen Zielzone auf die Stürmer in der anderen sehen.

Je nachdem, was man genau fokussieren will, können zusätzliche Modifikationen des Übungsdesigns vorgenommen werden. So habe ich diese Übung häufig in, relativ zur Spieleranzahl, recht großen Feldern durchführen lassen (häufig ungefähr wie in der Abbildung oder noch größer), um so den Aufbaucharakter etwas spielnäher zu gestalten.

Dies ist mir relativ wichtig, da ich insbesondere von meinen Innenverteidigern möglichst lange flache Pässe im Aufbauspiel fordere. In einer kleinräumigeren Variante nimmt das Spieltempo zu und die Neutralen werden immer mehr zu Ablagenspielern, womit der erwünschte Aufbaucharakter nicht mehr wirklich fokussiert wird.

Um diese langen flachen Pässe von den Innenverteidigern zu provozieren, habe ich häufig einen erfolgreichen Pass eines Innenverteidigers über die Mittellinie mit einem Extrapunkt belohnt und einen direkten flachen Pass von einer Endzone zur anderen mit zwei Extrapunkten (Stichwort Laserpässe). Mittels dieser Modifikationen sollten unsere Innenverteidiger, die zu Beginn teilweise noch sehr auf kleinräumige Aktionen begrenzt waren, an großräumigere Pässe durch die gegnerischen Linien herangeführt werden.

Häufig habe ich den Neutralen nicht erlaubt die Endzonen zu verlassen, um wie erläutert das Passspiel zu betonen. Wenn man aber das Andribbeln der Innenverteidiger fokussieren möchte, ist es sinnvoll dies zu erlauben und eventuell auch noch mit einem Extrapunkt zu belohnen. Jedes erfolgreiche Spiel von Endzone zu Endzone, das von einem andribbelnden Innenverteidiger initiiert wird, wird dann besonders honoriert.

Um andererseits das Ablagenspiel zu fokussieren, habe ich das Spiel häufig mit der zusätzlichen Regel spielen lassen, dass auf einen Pass eines Innenverteidigers eine Ablage folgen muss. Hierdurch wurde nicht nur der Passempfänger zu einer Ablage gezwungen, sondern auch seine Mitspieler mussten sich dementsprechend rechtzeitig anbieten.

Durch diese Kontaktbegrenzung wurde das Tempo beim Spiel in der Mittelzone nochmal zusätzlich erhöht. Außerdem sollte diese Regel auch das Verantwortungsbewusstsein der Innenverteidiger im Passspiel schulen. Diese sollten den Ball nicht nur zum nächsten Mitspieler schieben, sondern gezielt gute Pässe mit Möglichkeiten auf eine gute Anschlussaktion anbringen.

Beispiel für Individualisierung innerhalb dieser Trainingsform 

Anhand der folgenden Variante werde ich ein Beispiel liefern, wie ein individualltaktisches Problem eines unserer Innenverteidiger innerhalb dieser Ausgangsform fokussiert werden soll.

Unser linker Innenverteidiger ist, wie alle unsere Innenverteidiger, Rechtsfuß. Dies fällt in den meisten Situationen nicht wirklich negativ auf, aber im letzten Spiel gab es in einer spezifischen Situation ein Problem. Er ist sehr gut im Andribbeln und schafft es so sehr häufig die erste gegnerische Pressinglinie zu durchbrechen. Aufgrund seines recht vertikalen Andribbelns und der Ballführung mit dem rechten Fuß war er aber technisch nicht in der Lage in der Anschlussaktion alle möglichen Entscheidungen auszunutzen.

Die Problemstellung

So waren ihm ein hoher Ball über die Abwehrkette bzw. eine hohe Verlagerung technisch nicht möglich, obwohl die entsprechenden Laufwege von den Mitspielern häufig angeboten wurden. Dies führte in der Folge zu Ballverlusten durch abgefangene kurze und flache Pässe, welche wiederum zu Kontern führten, da die Mitspieler die Läufe in die Tiefe angeboten hatten und nur schwer ins Gegenpressing kommen konnten.

Besser wäre für unseren linken Innenverteidiger ein diagonaleres Andribbeln nach innen gewesen, wobei er dann einfacher einen hohen Ball hätte spielen können. Zusätzlich hätte er noch den Laufweg des überwundenen Gegenspielers gekreuzt und so die Verfolgung für diesen erschwert.

Die angestrebte Lösung

Um dieses Andribbeln und einen anschließenden langen Pass zu provozieren, werden zu der Ausgangsform der Übung zwei Jugendtore für unseren linken Innenverteidiger hinzugefügt, in die er einen langen Ball spielen darf, wenn er aus der Endzone herausgedribbelt ist.

Dieses Beispiel unterstreicht den Variantenreichtum der vorgestellten Spielform, die auf verschiedenste Szenarien angepasst werden kann. Deshalb ist sie in unterschiedlicher Art und Weise in meiner Trainingsgestaltung unerlässlich.

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