Verschiedene Arten von Dribblings

Unterschiedliche Dribblings präzise zu kategorisieren, ist schwierig, da sich keine klare Grenze ziehen lässt. Ein Spieler greift immer auf verschiedene Dribblingsarten zurück. Außerdem stellt sich die Frage, wie und welche Unterscheidungen getroffen werden können.

Grob würde ich sagen, dass Spieler A je nach Zielsetzung Z zwischen Dribbling 1, 2 oder 3 usw. variiert. (Ein Spieler ist ein guter Dribbler, wenn er das richtige Ziel ableitet und über die Fähigkeiten verfügt, zwischen verschiedenen Dribblingsstilen zu variieren oder wenn er z.B Dribblingsstil 1 überdurchschnittlich erfolgreich durchführen kann). Wenn man also davon ausgeht, dass die Dribblings je nach Zielsetzung variieren, könnte man sie über die Ziele kategorisieren. Um eine praktische Situationen als Grundlage zu haben, habe ich eine Situation kreiert. In dieser Situation hat der Spieler einen direkten Gegenspieler, einen Mitspieler/Passweg und einen freien Raum (Ist dieser Ansatz zu theoretisch und die Situation zu spielfern und zu zerkleinert?).

Auf wie viele verschiedene Arten kann der Spieler mit der Situation umgehen, wenn er dribbeln muss? Welche unterschiedliche Ziele kann er verfolgen und wie wirkt sich das auf seinen Dribblingsstil aus? 

1. Gegenspieler

Grundsituation. Fokus auf den Gegenspieler.

1.1 Klarer Fokus auf den Gegenspieler. Blickfeld Richtung Gegenspieler. Die Zielsetzung dieses Dribblings wäre es den direkten Gegenspieler auszuspielen. 

1.2 Der Spieler manipuliert die kleinen Bewegungen des Gegenspielers und spielt seine Vorteile im direkten Duell aus. Fokus auf technische und physische Vorteile/Fähigkeiten. 

1.3 In komplexeren Situationen haben gegnerfokussierte Dribbler Schwierigkeiten, da es ihnen schwerer fällt, diese Situationen strategisch zu manipulieren. Sie können nur in einem kleineren Rahmen den Gegenspieler manipulieren (Übersteiger, Bewegung in Richtung A, Anschlussbewegung in Richtung B). Bei gegnerfokussierten Dribblern gibt es selten Unterschiede zwischen der Handlung, die sie kommunizieren und der Handlung, die sie ausführen (kommunizierte Handlung = ausgeführte Handlung). 

1.4 Wie entstehen solche Spielertypen? Frühe physische und technische Vorteile. Starker Fokus auf diese Vorteile. Andere Dribblingsarten werden nicht weiter ausgebildet.

1.5 Douglas Costa und Coman sind klassische gegnerorientierte Dribbler.

Douglas Costa gegen Bellerin

Diese Szenen ist ein gutes Beispiel für gegenspielerorientierte Dribblings. Costa fokussiert sich auf Bellerin und läuft ihn direkt an. In dem er leicht nach rechts geht und dann nach links ausweicht, manipuliert er Bellerin. Dadurch kommuniziert er Handlung A und führt dann Handlung B aus. Allerdings in einem sehr kleinen Rahmen und der Erfolg der Aktion ist nicht zwingend an das Verschleiern der Intentionen geknüpft. Costa kommt in dieser Situation vor allem über seine Explosivität und seine Schnelligkeit mit dem Ball.

2. Raum

Grundsituation. Fokus auf freie Räume.

2.1 Fokus auf die freien Räume. Blickfeld Richtung freie Räume. Die freien Räume werden genutzt oder es wird in die freien Räume in der Formation des Gegners eingedrungen.

2.2 Durch die Bewegungen in die freien Räume, zwingt der Spieler den Gegenspieler zu einer Bewegung. Die raumorientierten Dribblings sind in einem größeren Rahmen manipulativer als die gegenspielerfokussierten Dribblings. Trotzdem gibt es einen Fokus auf physische und technische Fähigkeiten. Oft nutzen die Spieler ihre Schnelligkeit und dringen raumgreifend in die Formation des Gegners ein. Sie werden in ihren Dribblings durch die Staffelungen der Gegner gelenkt und schaffen selten neue Räume, sondern nutzen die Räume in der Struktur des Gegners aus.

2.3 Können sich je nach Raumwahrnehmung aus engen Situationen drehen/befreien. Teilweise Unterschiede zwischen kommunizierten und ausgeführter Handlung. Keine kleinräumigen Manipulationen. 

2.4 Wie entstehen solche Spielertypen? Frühe physische und technische Vorteile. Gute Raumwahrnehmung. Vielleicht auch technisch limitierter(?), wird dann über Schnelligkeit und Raumwahrnehmung ausgeglichen.

2.5 Timo Werner würde einem solchen Dribblingstypus am nächsten kommen. Sehr raumgreifend, aber kein überragender Techniker. Findet geschickt freie Räume in der Formation, kommt so häufig zu guten Abschlusssituationen.

Thiago Drehung

Thiago Drehung gegen Leipzig

Der Thiago Turn ist ein Beispiel für ein raumgreifendes Dribbling. Durch seine Stellung zum Ball und sein Sichtfeld, lockt er das Pressing an und dreht sich dann mit einem Kontakt in den freien Raum. Der Thiago Turn ist allerdings deutlich manipulativer als z.B die Dribblings von Timo Werner. Viele raumorientierte Dribbler haben nur leichte Unterschiede zwischen kommunizierten Handlung und ausgeführter Handlung. Sie haben einen Schnelligkeitsvorteil (und Wahrnehmungsvorteil(?)), deswegen ist es nicht nötig, die Intention zu verschleiern.

3. Passweg/Mitspieler

Grundsituation. Fokus auf die Mitspieler/Passwege.

3.1 Fokus auf die Passwege und die Mitspieler. Diese werden angedribbelt. Blickfeld Richtung Mitspieler. Die Stellung des Gegners soll manipuliert werden. 

3.1.1 Es wird eine Aktion A vorgeben, die der Spieler liest und auf die er reagiert. Durch seine Reaktion öffnen sich Passwege/Räume für Aktion B. 

3.2 Die eigentliche Zielsetzung ist es durch das Dribbling einen Pass vorzubereiten oder freie Räume zu kreieren, in die man sich bewegen kann. 

3.3 Im Vergleich zu den anderen beiden Dribblingarten, wird in dieser Form nicht nur eine Situationen ausgenutzt/bespielt, sondern es werden bestimmte Situationen hergestellt und kreiert. Dabei gehen die Spieler äußert strategisch vor und manipulieren Situationen in einem größeren Rahmen. 

3.3.1 Der Spieler könnte den freien Raum andribbeln, den Gegner aus dem Passweg rausziehen und dann den Pass zum Mitspieler spielen. Das Dribbling fokussiert sich zwar auf den Mitspieler, muss sich aber nicht zwingend auf ihn beziehen, da die kommunizierte Handlung selten mit der ausgeführten Handlung kongruent ist. 

3.4 Wie entstehen solche Spielertypen? Häufige physische Nachteile. Konkrete Zielsetzung im Ballbesitz, feine Unterscheidung von guten und schlechten Aktionen durch intelligentes Coaching (Spieler: Wie mache ich gute Aktionen möglich?).

3.5 Innenverteidiger oder Sechser sind häufig Passweg/Mitspieler orientiert, da sie z.B durchs andribbeln spezifische Situationen herstellen wollen (z.B Passwege öffnen) und die Angriffe langfristiger planen und organisieren. Umso größer der Unterschied zwischen kommunizierter und ausgeführter Handlung ist, umso erfolgreicher die Anschlussaktion.

Frenkie de Jong gegen Italien

Frenkie De Jong gegen Italien. Grafik 1
Grafik 2

In dieser Situation erhält Frenkie de Jong den Ball im Zentrum. Er dreht sich leicht nach außen auf, dadurch bewegt sich der gegnerische Sechser in den Passweg nach außen und öffnet eine kleine Lücke im Zentrum. Frenkie de Jong dreht sich nach innen und spielt einen Pass auf Luuk de Jong. 

Die Szene ist simpel, aber durch den kurzen Moment, in dem Frenkie de Jong Handlung A kommuniziert, öffnet sich der Passweg für Handlung B. Um Handlung A zu kommunizieren nutzt Frenkie de Jong seinen Mitspieler als Bindungspunkt, er kommuniziert also in einem größeren Rahmen.

Kommunikation im passweg-/mitspielerorientierten Dribbling

Welche Möglichkeiten hat der Spieler, zukünftige Handlungen an seinen Gegenspieler zu kommunizieren? Bzw. wie liest dieser zukünftige Handlungen?

1. Anhand der Bewegungen deutet Spieler A die Intention von Spieler B. 

1.1 Anhand der Ausholbewegung wird analysiert, wie viel Kraft der Spieler für seine Schuss oder Pass braucht. Ist es ein kurzer/langer Pass und welchen Fuß verwendet der Spieler für den Pass. 

1.2 Anhand der Stellung vom Fuß zum Ball wird analysiert, welchen Teil vom Fuß der Spieler für den Pass verwendet. Daran kann abgelesen werden, ob der Pass hoch oder tief (Spann oder Innenseite) gespielt wird und welchen Schnitt er hat (Innen- oder Außenrist, wie dreht sich der Ball?).

2. Anhand der Körperstellung kann abgelesen werden, in welche Richtung der Pass geht.

2.1 Die Blickrichtung des Spielers gibt Auskunft darüber, was er wahrnimmt.

2.1.1 Es wird darauf geachtet, was Spieler A wahrnimmt, damit auch nur der wahrgenommene Raum von Spieler A verteidigt werden muss. Wenn Spieler B Option 1 oder Option 2 verteidigen muss, entscheidet er sich vielleicht eher für die gefährlichere Option, die Spieler A wahrgenommen hat. 

3. Position des Balles. Die Position des Balles lässt verschiedene Rückschlüsse zu. Es können Spieler ins Pressing gelockt werden. Spieler B geht ins Pressing, wenn die Position des Balles zu Spieler A ungünstig ist (Zusammenspiel zwischen Körperstellung und Position des Balles). 

Es gibt noch weitere Faktoren, die wichtig sind. Die Aktionen vom ballführenden Spieler werden auch immer anhand der Bewegungen und Positionen der Mitspieler gedeutet (Kontext(?)). Da müsste nochmal genauer differenziert werden. Außerdem müsste analysiert werden, welche zeitlichen Unterschiede es gibt. Worauf achtet man als Gegenspieler zu erst? Worauf als zweites? Und man müsste eine Gewichtung kreieren. Was wird am stärksten gewichtet? Gibt es z.B Hinweise auf die kommende Aktion des Spielers, die dieser nicht manipulieren kann? Werden diese Hinweise intuitiv stärker gewichtet?(deswegen vielleicht sogar früher wahrgenommen?) Wie geht der Gegenspieler damit um, wenn der ballführende Spieler Körperausrichtung A und Blickrichtung B hat? Wenn verschiedene Informationen zusammenkommen, die unterschiedliche Handlungen kommunizieren, welche wird dann stärker gewichtet?

Wie geht man als Trainer mit den Defiziten um?

Wenn man die Leitlinien von oben anlegt, könnte man als Trainer vieler seiner Spieler in unterschiedliche Dribblings-Typen kategorisieren. Wie geht man als Trainer dann damit um?

In der Vergangenheit haben wir oft simple 4-gegen-4 Übungen kreiert, bei denen jeder Spieler eine individuelle Aufgabe bekommt, die ihn zu Aktionen zwingt, bei denen er sich nicht wohl fühlt und die ihn und seine Schwächen besonders deutlich machen. 

Ein Spieler in der Mannschaft ist ein starker raum-/gegenspielerorientierter Dribbler. Dadurch kann er leicht gelenkt werden, bewegt sich oft zu früh zum Flügel und wird isoliert. Gleichzeitig kann er aber viele 1-gegen-1 Duelle über seine Schnelligkeit und Technik gewinnen und Durchbrüche erzwingen. In der Übungen erhielt er die Aufgabe, dass er von der Flügelzone (dunkelgrün) nur in die Mittelzone dribbeln durfte. Er sollte zusätzlich zu seinen vertikalen und durchbruchsfokussierten Dribblings, horizontale Bewegungen ins Zentrum machen und bewusst engere Situationen suchen und kleinräumigere Staffelungen manipulieren. 

Der Ansatz war also den Spieler zu Schwäche B zu zwingen, in dem man ihm einen Rahmen setzt, in dem er Stärke A nicht nutzen kann. Ist das der richtige Ansatz? Ist es wichtig Spieler zu haben, die möglichst variabel sind und auf verschiedene Dribblingsarten zurückgreifen können? Ich denke es ist wichtig, die Spieler in verschiedene Situationen zu bringen und auch mit ihren Schwächen zu konfrontieren (eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten führt zu einer erfolgsstabileren Entscheidungsfindung). Um seine Schwächen zu verstehen, muss der Spieler z.B im Dribbling zwischen verschiedenen Dribblingsarten unterscheiden können. Durch den Aufbau der Übung kann er zwischen vertikalen und horizontalen Dribblings unterscheiden. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es das Ziel sein sollte einen möglichst variablen Spieler zu haben. Der Spieler sollte eher verstehen, wie er seine Gegenspieler manipulieren kann. In dem er die Wirkungsweise von seinen Dribblings wahrnimmt und sie nach Zielsetzung und Orientierung kategorisiert, kann er verstehen, wie der Gegenspieler seine Aktionen interpretiert, was er kommuniziert und welche Dribblingform in bestimmten Situationen erfolgsversprechender ist.

Fazit

Die unterschiedlichen Dribblingstypen kann man nur schwer kategorisieren, trotzdem hat man mit den Leitlinien aus diesem Artikel einen groben Überblick. Diese sollen den Anfang zu einer Artikelreihe mit dem Schwerpunkt Dribblings bilden. Wie trainiere ich Dribblings? Wie kreiere ich Spieler, die ihre Gegenspieler manipulieren und in der Lage sind zwischen kommunizierter und ausgeführter Handlung zu unterscheiden?

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
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